Ischwör, das is escht! – Scripted Reality

Kennt ihr das? Ihr habt des Nachmittags nichts mehr oder weniger Sinnvolles zu tun und schaltet aus diesem Grund die heimische Flimmerkiste ein. Die Programme, die euch dort entgegenwehen, tragen Titel wie „Mitten im Leben“, „Mein dunkles Geheimnis“, „Berlin – Tag und Nacht“ oder „Richterin Barbara Salesch“. Alle diese Formate haben etwas gemeinsam: Sie sind zwar realistisch inszeniert, ihre Inhalte jedoch entspringen den Köpfen von Autoren. („Ist diese Geschichte wahr oder haben sich unsere Autoren nur einen Scherz erlaubt?“ – Jonathan Frakes)

Dies nennt sich Scripted Reality und ist ein verbreitetes Phänomen im deutschen Privatprogramm. Große Produktionsfirmen aus dieser Branche sind zum Beispiel Filmpool. Filmpool zeigt sich verantwortlich für „Berlin – Tag und Nacht“, „X-Diaries“, „Verdachtsfälle“ et cetera. Sie produzieren für RTL, Sat.1 oder Pro7. Scripted Reality erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit – aber was ist das eigentlich?

Ganz einfach: Scripted Reality bezeichnet diese Art von Fernsehsendungen, in denen fiktive Handlungen als möglichst realistisch dargestellt werden. Dies kann man durch Bauchbinden und Einspielen von Off-Texten, aber auch durch die Darstellung und die Kameraführung erzeugen. Mithilfe von wenigen Schnitten und minimaler Videobearbeitung kann man im Nachhinein den Schein der Spontanität herbeiführen.

Ebenfalls hilfreich dafür: die Interviews mit den Protagonisten, die in regelmäßigen Abständen eingeblendet werden. Diese nämlich lassen die gescripteten Szenen ähnlich einem Bericht oder einer Reportage scheinen, vor allem in Kombination mit den besagten Bauchbinden („Maria Amjad (53), isst zur Not auch Klopapier“).

Manche Macher von Scripted Reality, hier explizit Doku-Soaps, beziehen aber auch real existierende Personen ein, die so dadurch in ihrem Privatleben großen Schaden erleiden können. Dies ist nicht erst seit dem „Verafake“ des Moderators Jan Böhmermann bekannt, die Plattform Fernsehkritik-TV berichtete schon vor Jahren über den „Skandal um Schwer verliebt“, wobei sie Kandidaten der Sendung interviewten.

Auch wir bei Digga beschäftigten uns mit dem Thema Scripted Reality, betrachteten dabei allerdings nicht Beispiele wie die Sendung „Schwer verliebt“ oder „Schwiegertochter gesucht“, sondern das RTL 2-Erfolgsformat „Berlin – Tag und Nacht“, welches eine enorme Bekanntheit erlangte. Daraus entstand unsere Parodie mit dem Titel „DIGGA Tag ohne Nacht“.
Beim Machen dieses Videos war es uns wichtig, nicht nur Inhalte oder Charaktere vom Original zu übernehmen, wir kopierten darüber hinaus auch so gut wie möglich den filmischen Stil und kleine Details, zum Beispiel auch die wackelige Kameraführung, die den Charakteren ständig hinterherläuft. Denn sonderlich professionell gedreht ist „Berlin – Tag und Nacht“ nicht, so sieht man häufig Menschen und Objekte im Bild, die da eigentlich nicht zu sehen sein sollten. Auch, was das Zensieren von Flüchen oder Beleidigungen angeht, ist die Sendung sehr schmerzfrei und – wenn sie denn mal ein F-Wort wegpiept – oft auch sehr ungenau.

Den Text für die Parodie schrieb Milena, inspiriert durch tatsächlich existierende Dialoge und Handlungen im Original, auch den Slang, den man ja meist automatisch schon mit Formaten wie diesen assoziiert, versuchten wir zu kopieren. (Wie wir manche Worte auszusprechen hatten, stand auch in Milenas Skript, und es ist unfassbar lustig, wie manche dieser Worte geschrieben aussehen.)

Wir haben auch sowohl bei RTL, als auch bei RTL 2 und Filmpool für ein Interview mit einem Experten angefragt, eine Antwort haben wir jedoch leider nicht bekommen.



Öffnet eure Geister! – Esoterik bei Hörsturz

Wir von DIGGA arbeiten auch mit unseren Freunden und Kollegen aus der Hörsturz-Redaktion zusammen. Neulich haben diese in ihrer Radiosendung das Thema Esoterik behandelt.

Ob nun durch orientalisch wirkende Musik, Meditation oder Astro-TV – Spiritualität ist der Gesellschaft nichts Neues mehr. Doch trotzdem ist vielen Leuten unklar, was Esoterik und Spiritualität sind.

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Juliana von Astro-TV hat den Silber… äh, Zauberblick. Quelle: welt.de

Bei Hörsturz haben wir uns mit den Themen Spiritualität und Esoterik beschäftigt. Hierzu gehören Definitionen und Erklärungen, Hörspiele, die große Gottheit Gololo, so manches Chacre und natürlich O-Töne von Astro-TV. Mit Rammstein wurde hierfür auch gleich die passende musikalische Untermalung gefunden. Außerdem wurde Laura von der YOU zugeschaltet.

Hört mal rein:

 



Wer bin ich, und wenn ja, ein Kaktus? – Jugendliche beim Morgenmagazin

Eine Satire.

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Das Café von oben. Noch laufen die Vorbereitungen.

 

Am Dienstag Morgen waren wir in aller Herrgottsfrühe im Fernsehen zu sehen. Und wisst ihr was? Ihr habt es bestimmt nicht bemerkt! Schande über euch! Da gewinnen wir einmal einen Preis für unsere kreative Temporaldiarrhö, da werden wir einmal zur Abwechslung zu einer tatsächlich professionellen Fernsehproduktion geladen, und ihr schlaft. Aber es ist euch nachzusehen, schließlich waren wir heute Morgen zu einer unmenschlichen Uhrzeit, zu der man früher zu Zeiten der Wehrpflicht noch stramm vor der Kaserne zum Morgenappell stehen musste, im ZDF Morgenmagazin. Geführt wurden wir von einem wahrlichen Sonnenschein: Mit Kaktustemperaturen und dem Hoch Günther, viel Tamtam und Sympathie lotste Benjamin Stöwe, der Wettermensch, eine Gruppe verwirrter Jugendlicher, die sich Jungjournalisten schimpfen, durch den labyrinthischen Sendekomplex. Zum Frühstück gibt es einen halben Liter Volvic Still. Und sehr appetitlich aussehende Bagels. Die jedoch waren Deko.

Dort stehen wir also, atmen sowohl den Technikern, als auch den Moderatoren und Studiogästen die gesiebte, durch die Klimaanlage gehetzte Luft weg. Benjamin Stöwe setzt uns irgendwann aus reiner Verzweiflung in die Bildregie. Diese scheint hier wie eine Art Småland, welches wir aus dem IKEA kennen, zu funktionieren. Dort werden die nervigen Blagen abgestellt, damit sie bei der Arbeit nicht im Weg stehen. In besagter Bildregie sitzen mehrere Menschen jenseits der Midifecrisis, die ihren Joballtag damit verbringen, Knöpfe zu drücken und sich gegenseitig über Headsets anzuschreien. Mit welchem Interesse die Mitarbeiter hierbei vorgehen, ist ebenfalls bemerkenswert. So entsteht zwischen dem Chefknopfdrücker und einer der ihm untergeordneten Knopfdrückerinnen folgender Dialog.

Chefknopfdrücker brüllt in sein Headset: „Wir springen jetzt zur 63! Achtung: Position 63!“

Nach einer kurzen Pause ruft untergeordnete Knopfdrückerin durch ihr eigenes Headset zurück: „Was kommt denn jetzt?“

„Wir schieben jetzt das Topthema vor“, schnaubt der Chefknopfdrücker.

„Was ist denn das Topthema?“, keift es von der untergeordneten Knopfdrückerin.

„Wir springen jetzt zur 63. Für alle: Jetzt kommt Position 63!“

„Nee, weil da jetzt was mit Würzburg steht…“

„Noch dreißig Sekunden!“

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Das Småland des ZDF Hauptstadtstudios: Die Regie!

 

Einer der Schreibtische ist frei. Wir entscheiden per imaginärem Münzwurf, wer zuerst auf dem freien Sessel Platz nehmen darf. Benjamin Stöwe moderiert indes im unten angesiedelten „Café“ das Wetter. Dabei fallen fragwürdige Vergleiche, die von meiner Kollegin Frau Reinecke und mir mit irritierten Blicken kommentiert werden. Zitat: „Sollten Sie sich wie eine Sonnenblume fühlen, werden Sie in den kommenden Tagen aufblühen. Wenn Sie sich aber zum Beispiel wie ein Kaktus fühlen, dürften die heißen Sommertage nichts für Sie sein.“ Das ist doch schön. Das hat so etwas Philosophisches. Wer bin ich, und wenn ja, ein Kaktus?

Irgendwann werden wir wieder aus der Regie abgeholt, Benjamin Stöwe hat sein Outfit gewechselt, dann bringt man uns herunter ins Café. Dort sind wir, die wir als Jugendredaktion vor Ort sind, tatsächlich die jüngsten Gäste. Etwa vier bis sieben Jahrzehnte trennten uns von den anderen Besuchern des Cafés. Milena und ich unterteilen den Raum imaginär in drei Gruppen. Unsere Jugendredaktion, verwirrte Frühaufsteher in der Midlifecrisis und der Rentnerclub „Prostata Demenzia“. Auf den Tischen stehen leere Wasserkrüge und oben genannte Bagels als Studiodeko. Während über die Attacken in Würzburg gesprochen wird, kokettiert ein Mitglied des Rentnerclubs augenscheinlich mit einem der Kuchenstücke, die vereinzelt auf den Tischen stehen. Wer Stalingrad gesehen hat, den kann nun einmal so ein Axtmörder nicht mehr erschüttern.

Irgendwann stehen die beiden Moderatoren auf, die Studiosklaven gehen vereinzelt auf Leute zu. Man hat sich offensichtlich einen Kniff für diese Sendung ausgedacht, um den Schein der Interaktion mit dem Publikum zu wahren. So werden Leute in die Kulisse gesetzt oder gestellt und hin und her geschoben. Einige landen an dem Moderationstisch für die Nachrichten, andere, darunter wir, werden auf das Sofa gesetzt. Die Sendung verläuft gewöhnlich, Dunja Hayali spricht mit Studiogästen, parkinsongezeichnete Hände der Rentner bewegen sich auf Wassergläser zu.

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Wir zeigen wie gewohnt großes Interesse an dem, was wir beobachten.

 

Die Sendung neigt sich gen Ende, eine mir unbekannte, mehr oder minder interessante Gruppe trällert zum Abschluss ein fröhliches Singer-Songwriter-Liedchen. Die Sendung ist vorbei, alte Leute zittern aus dem Studiocafé, Benjamin Stöwe erscheint wieder, macht ein Foto von uns auf dem Sofa. Dunja Hayali kommt, hält spaßeshalber die CD der Gruppe vor die Kameralinse. Benjamin Stöwe bittet sie, sich dazuzusetzen. Es entsteht ein Gruppenfoto, danach steht Dunja Hayali wieder auf und geht. Auch wir bewegen uns aus dem Studio, gehen zusammen mit Benjamin Stöwe zuerst in die Kantine, dann in sein Büro, es wird getwittert und sich gegenseitig geretweetet.

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Das Gruppenbild mit Dunja Hayali, aufgenommen von Benjamin Stöwe.

 

Nach einer Art Abschlussbesprechung verlassen wir das Hauptstadtstudio, Benjamin Stöwe freut sich, dass sich seine Vorhersage bewahrheitet hat und die kommenden Tage für die, die sich wie ein Kaktus fühlen, nichts sein werden. Man verabschiedet und trennt sich. Wir, die Mitglieder, gehen endlich frühstücken.

Wir haben einen Preis gewonnen, der uns Einblick in eine professionelle Fernsehsendung bieten sollte. Und eines hat uns dieser Tag beigebracht: Perfekt ist nichts und niemand. Und wer sich wie ein Kaktus fühlt, sollte in den nächsten Tagen lieber zu Hause bleiben.



Homo, Hetero, Trans – egal, hauptsache bunt!

Am letzten Wochenende haben Laura, Béla, Bent und ich das lesbisch schwule Stadtfest am Nollendorfplatz besucht und sind auf skurrile Projekte und Charaktere gestoßen.

“Gleiche Rechte für Ungleiche!” – damit wirbt der Regenbogenfonds e.V. für das lesbisch schwule Straßenfest, das in diesem Jahr bereits zum 24.Mal am Nollendorfplatz gefeiert wird. Motz-, Eisenacher-, Fugger- und Kalkreutherstraße erstrahlen dabei traditionell in den Farben des Regenbogens und werden zur Spielwiese für schrille und weniger schrille Angehörige der LGBT-Community. Ob Lesbisch, schwul, trans, queer, asexuell oder hetero, auf diesem Stadtfest werden jegliche Sexualitäten gefeiert. “Pride” wird hier großgeschrieben – auch wenn ebenfalls daran erinnert wird, wie viel Aufklärungsbedarf noch in der Gesellschaft besteht.

So will Youtuber Igor K auf eine besondere Art für sein Anliegen werben. In der einen Hand seine Videokamera, trägt er in der anderen ein bedrucktes Schild durch die Menge: Er kritisiert den rauen Umgangston innerhalb der LGBT-Community und freut sich über das Neugierde der Besucher an seiner Aktion.

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Igor K macht mit seiner provokanten Aktion auf sich aufmerksam.

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Der Youtuber genießt das Interesse der Besucher.

 

 

 

 

 

 

 

 

In Israel sei das anders, erfahren wir an dem Stand, der über die Situation von queeren Menschen vor Ort aufklärt. Entgegen vieler Vorurteile gehe man dort offen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen um, die LGBT-Commutity werde gestärkt und unterstützt. Wie sieht die Situation in Deutschland im Vergleich zu Israel aus?

Der Mann trägt ein T-shirt mit der Aufschrift “I love Israel” in Regenbogenfarben – in Israel sei die Situation der LGBT-Community viel besser als in Deutschland, auch wenn man das von Israel nicht unbedingt glaube, sagt er. Dort habe man im Gegensatz zu Deutschland die Homo-Ehe legalisiert – Tel Aviv sei die Hauptstadt der Homosexuellen. In Israel könne man auf der Straße Händchen halten und seinen Partner küssen, ohne dass jemand etwas dagegen habe. Er sehe das Problem in Deutschland bei Angela Merkel, die bereits vor Antritt ihrer Kanzlerschaft festgesetzt habe, dass die Homo-Ehe nicht durchgesetzt werde. Er lebe schon seit zwei Jahren in Berlin und sei noch keinem Homophoben begegnet. Alle seien sehr freundlich und zugewandt – eigentlich sei das in Deutschland und Israel gleich, nur die deutsche Politik mache den Unterschied. Mit seiner Präsenz auf dem Straßenfest wolle er die LGBT-Freundlichkeit Israels zeigen und auf die Angebote für Homosexuelle in Israel aufmerksam machen. Denn in seinem Land respektiere man jeden, unabhängig von sexueller Präferenz oder Status.

Einige Meter weiter die Straße entlang treffen wir auf eine besonders auffällige Gestalt: Es ist ein Mann mit  weißer Farbe und viel Glitzer im Gesicht, ein langer Schleier bedeckt seinen Rücken. Er sei eine “Schwester der perpetuellen Indulgenz” und gehöre einem besonderen Orden an, der Hilfe und Unterstützung für queere Menschen anbiete.

Aber nicht nur die Nonne fällt mit ihrer Extravaganz auf, zwischen Männern nur in Shorts bekleidet oder in Lack und Leder an den Festischständen, dreht Dolores ihre Runden. Sie ist als Amy Winehouse verkleidet und sticht Laura mit ihrer schrillen Verkleidung sofort ins Auge:

Apropos Fetisch: Wie viel BDSM steckt in dir? Laura hat einen ganz besonderen Selbsttest gemacht und herausgefunden, wie sehr sie zu Lack, Leder und Peitsche tendiert. BDSM steht für mehrere Begriffe, wie zum Beisiel Bondage, Discipline, Sadism and Masochism (Knechtschaft, Disziplin, Sadismus und Masochismus) Erlaubt ist beim BDSM-Sex so ziemlich alles – aber nur solange sich die Beteiligten wohl dabei fühlen!

Bei dem Begriff “Museum” denken wir eher an langweilige Schulausflüge oder verregnete Sonntagnachmittage zwischen alten Tonscherben und Geschichtsbüchern. Allerdings wird auf dem schwul lesbischen Straßenfest auch eine ganz andere Art des Museums vorgestellt: Das erste und einzige Schwulenmuseum Deutschlands. Was es damit auf sich hat und was den Besuchern dort geboten wird – Bent fragt einmal nach:

Neben Spaß, exotischem Essen und Musik wird beim schwul lesbischen Straßenfest großen Wert auf politische Aufklärung gelegt. Mehrere demokratische Parteien sind im politischen Eck vertreten und stellen ihre Unterstützung der queer-Community vor. So auch die Lesben und Schwulen in der Union, die die Themen Homosexualität und Gleichberechtigung innerhalb der CDU/CSU voranbringen wollen.

Auch der Koalitionspartner SPD ist auf dem schwul lesbischen Straßenfest präsent. Die Schwusos seien die erste schwul lesbische parteipolitische Gruppierung und kämpften auch heute noch für die Homo-Ehe und die Anerkennung der LGBT-Community in der Politik.

Unter dem Regenbogen sind wir alle gleich, von hinten sowieso  – die Message des lesbisch schwulen Straßenfestes ist klar: die sexuelle Orientierung eines Menschen sollte endlich zur Nebensache, das Tabuthema Sexualität aber trotzdem offen angesprochen werden. Bis dahin mag es vielleicht noch ein langer Weg sein, aber Veranstaltungen wie dieses Straßenfest leisten einen wertvollen Beitrag für gesellschaftliche Akzeptanz und Aufklärung und gegen Diskriminierung und Stigmatisierung. Die LGBT-Community ist uns nicht mehr fremd und sie rückt mehr und mehr in die Mitte unserer Gesellschaft.

Auch im letzten Jahr hat sich die DIGGA-Redaktion mit queeren Lebensformen beschäftigt, ein Besuch bei der Webreportage “Oh, du bist hetero?!” lohnt sich:

http://digga.alex-berlin.de/oh-du-bist-du-hetero-webreportage/

 

 



Janz Schöön anders

Janz schöön anders

Anders ist das neue normal, denn anders sein ist schön! Mit dem Hauptthema, Inklusion fand am Donnerstag den 14. Juli  die Veranstaltung “Janz Schöön Anders” im Babylonkino Berlin statt.

Bei dem Projekt “Janz schöön anders” stand die kreative Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderungen Vordergrund. Dies geschah in Form von Kurzfilmen über Alltagssituationen und schwierigen Themen. Die Gestaltung war den Schülern dabei selbst überlassen,  ob Animationsclips, Dokumentationsfilme oder Musikvideos: die Inhalte reichen von Schwierigkeiten im Alltag von Menschen mit Behinderung bis hin zur Ausgrenzung von Homosexuellen. Die  Hauptsache war, dass die Themen  nicht „normal“ sind, sondern von der Norm abweichen.

Normal – was ist das eigentlich? Mit dieser Frage haben auch einige der jungen Filmtalente beschäftigt. Die 10 besten Kurzfilme wurden im Rahmen der Veranstaltung dem Publikum vorgestellt und die drei besten Werke anschließend von Rapper Graf Fidi, Schirmherr Raul Krauthausen und Schauspielerin Katharina Behrends gekürt.

Fragen wie „Was bedeutet Gerechtigkeit für euch?“ oder „Ab wann gilt jemand als behindert oder nicht mehr normal?“ stellen wir in unseren Interviews unteranderem mit Raul Krauthausen, Markus Götte und dem zweitplatzierten Filmteam.

Alle Filme wurden mit Untertiteln gezeigt und waren auch als Hörspielfassung für Sehbehinderte verfügbar. Außerdem war eine Gebärdendolmetscherin für  Hörgeschädigte vor Ort, allerdings übersetzte sie nur den Moderationstext sowie den Auftritt von Rapper Graf Fidi, allerdings nicht die eigentlichen Kurzfilme.

Nach jeder Kurzfilmvorstellung kam das gesamte Team auf die Bühne und wurde von der Moderatorin  zur der Herstellung der Filme befragt. Auch wenn die Antworten zum Teil sehr kurz ausfielen, waren die “Mini-Interviews” informativ und haben die Stimmung im Kinosaal aufgelockert.

Bei der Produktion der Musikvideos hat Rapper Graf Fidi den Schülern professionelle Unterstützung geleistet: Beim Texte schreiben und Melodie finden stand er ihnen in verschiedenen Workshops zur Seite. Insgesamt haben zwei Musikvideos am Wettbewerb teilgenommen – aufgenommen wurden sie in Fidis eigenem Tonstudio.

Die Jury prämierte die besten Kurzfilme und Musikvideos anschließend mit Preisen für den 1. 2. und 3. Platz.

Der dritte Platz wurde von der Sophie Scholl Oberschule besetzt – mit ihrem Kurzfilm „Gay is ok“ haben sich die Schüler mehrere Kinogutscheine für das Babylon gesichert.

Das Team der inklusiven Arno-Fuchs Schule räumte gleich doppelt ab: Nicht nur den Publikumspreis, gemessen an den Klickzahlen des Youtube-Videos, sondern auch den regulären zweiten Preis haben sie mit ihrem Clip “König und König” gewonnen. Die Schüler, die meisten von ihnen mit einer geistiger Behinderung, konnten sich über einen Frühstücksgutschein in ihrem Lieblingscafe freuen – die Begeisterung und Dankbarkeit der jungen Filmemacher war dementsprechend groß!

Auf dem ersten Platz landete der Kurzfilm “Altes Rom vs Heute” von dem Humboldt Gymnasium in Berlin Tegel. Das Thema entstand im Lateinunterreicht  und hat zwar in erster Linie nichts mit dem Thema Inklusion zu tun, interpretiert aber den Festivaltitel „Janz schöön anders“ auf seine eigene Art. Die DIGGA-Redaktion hätte sich zwar ein Film über das Thema Inklusion auf dem ersten Platz gewünscht, allerdings rechtfertigen die technischen und schauspielerischen Leistungen in diesem Clip die Juryentscheidung durchaus.

 

Besonders Raul Krauthausen hat uns mit seiner Abschlussrede beeindruckt: Er schloss einen Pakt mit den Besuchern in dem er einen Grundsatz festlegte: „Erwachsene können cool sein und die Jugend ist nicht immer schlechter als damals.“                                    Ziel des Ganzen ist es, dass Menschen mit und ohne Behinderungen miteinander arbeiten und nicht nur separiert werden.

Wir müssen  darauf hinarbeiten, dass Anders das neue Normal ist und Menschen nicht mehr in Schubladen gesteckt werden.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters und nicht in der sozialen Norm!
 



Auf der Suche nach Heimat – Randbegegnungen in Berlin

Berlin ist bunt, aufregend und vor allem eins: Vielseitig. Die unterschiedlichen Charaktere sind es, die unsere Hauptstadt ausmachen. Aber was ist mit den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen; Menschen, an denen wir oft vorbeigehen, ohne sie anzusehen: Flaschensammler, Künstler und Obdachlose.

Bahnhof Zoo

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An der Hinterseite des Bahnhofsgebäudes verläuft die Jebensstraße – hier wird gerade ein Film gedreht: mobiles Catering, Maske und Schauspieler ziehen neugierige Blicke auf sich. Eigentlich ist dieser Ort ein Anlaufpunkt für Obdachlose, Hilfsbedürftige und Junkies. Hier bietet die Bahnhofsmission ihre Hilfe an, am Ende der Straße steht ein Automat an dem sich Drogensüchtige kostenlos Spritzbesteck ziehen können. Unter der Brücke haben Obdachlose ihre Schlafplätze eingerichtet, es ist laut, dreckig und ungemütlich. Hier treffe ich Cheyenne, ihre Haare hat sie sich an den Seiten abrasiert und ein paar Fuchsschwänze in ihren dünnen Pferdeschwanz gesteckt. Sie wirkt selbstbewusst und bestimmt wenn sie aus ihrem Leben erzählt. Cheyenne hat einen kleinen Hund dabei, “Kochanie” heißt er, weil das auf Polnisch „Liebling“ bedeute. Für sie ist ihr Leben am Bahnhof Zoo längst zum Alltag geworden, mit der Obdachlosigkeit hat sie ihre Familie gefunden.

 

 

Während des Gesprächs mit Cheyenne beobachtet uns ein junger Mann mit einer schwarzer Kappe aus der Ferne. Er spricht mich an, sagt, er habe ein Problem und würde gerne über seine Situation sprechen. Er heißt Ismail und ist seit vier Monaten obdachlos. Seine beiden kleinen Kinder habe ihm das Jugendamt weggenommen. Wenn er sie besuche, verspreche er ihnen immer „Papa macht die Wohnung fertig“, doch in Wahrheit wisse er nicht, wie es für ihn und seine kleine Familie weitergehen soll. Wenn er davon erzählt, wie sehr er sein altes Leben vermisse, werden seine Augen feucht, er bemüht sich, stark zu bleiben. Besonders wichtig sei ihm, nicht mit den Junkies gleichgesetzt zu werden.

Obdachlose bleiben meist unbeachtet – dass es so gut wie keine aktuelle Statistiken über sie gibt zeigt, dass sie im Schatten der Gesellschaft verschwinden. Jahr 2014 lebten rund 24000 Menschen in der gesamten Bundesrepublik auf der Straße, davon 11000 allein in Berlin. 15 Obdachlose sind im Winter 2013/2014 erfroren. (Quelle: http://unbeachtet.org/zahlen-obdachlosigkeit-in-deutschland/)

 

Alexanderplatz                                                                                              

Am Nachmittag ist auf dem Alexanderplatz besonders viel los, die perfekte Zeit für Straßenkünstler, um ihre Arbeit zu präsentieren. Ich treffe die Italienerin Laura, sie hockt auf dem Boden, ihre Hände sind bunt von der Kreide, mit der sie gerade ein riesiges Portrait auf den Boden malt. An den Seiten hat sie einige Körbchen für Spendengeld aufgestellt, schließlich müsse sie ihre Utensilien finanzieren können. Das Wort „Danke“ steht in verschiedenen Sprachen daneben geschrieben – als eine Schulklasse vorbeikommt, ergänzen kurzerhand einige Schüler die Vokabelliste. Laura lacht, sie freut sich über das Interesse an ihrem Bild.                                                                            

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Laura aus Italien bringt ihre Kunst zum Berliner Alexanderplatz

Laura habe schon als 17-jährige mit der Straßenmalerei angefangen, daher komme auch der Mut dazu. Damals sei sie noch ein Kind gewesen, das Malen vor vielen Menschen für sie ein Spiel. Die Reaktionen der Menschen fielen unterschiedlich aus, aber meistens seien die Passanten freundlich und zugewandt. In Italien habe Laura auf die University of Fine Art studiert und dort das Zeichnen gelernt. Für sie sei aber der beste Weg zu lernen, einfach das zu machen, was ihr gefalle. Kunst bedeute für sie Kommunikation, die Projektion jeglicher Art von Gefühlen, sei es Traurigkeit oder Glück, in ein Bild. In ihrem aktuellen Werk folge sie einfach ihrer künstlerischen Freiheit. Die Zwanglosigkeit der Kunst in Berlin habe sie in die Hauptstadt gebracht. Hier könne sie malen was sie wolle – in Italien sei das anders. In ihrer Heimat Florenz konzentriere man sich mehr auf den Renaissance Stil und Maler wie Michelangelo. Den möge sie zwar auch aber in Berlin könne sie mehr experimentieren als in Italien. Um dieses Portrait zu malen habe sie ein paar Stunden gebraucht, könne aber auch zwei bis vier Tage an einem größeren Werk arbeiten.                                                                                                                                                                                        

Am anderen Ende vom Alex fällt mir ein Mann auf, der die Mülleimer nach Flaschen durchsucht. Er hat eine große Tüte bei sich und ist etwas skeptisch als ich ihn um ein Interview bitte. Er möchte, dass ich ihn „Günter“ nenne, seinen richtigen Namen verrät er lieber nicht. Günter ist Grieche und  musste seine Arbeit wegen gesundheitlichen Problemen aufgeben. Hier in Deutschland sei er zwar obdachlos, könne aber vom Flaschensammeln leben. Sein Arzt sage, das viele Laufen sei gut für seinen Rücken und deshalb möchte er auch noch einige Zeit weitersammeln. Betteln komme für ihn auf keinen Fall infrage, viel lieber hätte er wieder eine Arbeit.

 

Friedrichstraße 

Später Nachmittag, der Himmel ist bewölkt und es regnet ein wenig. Ein junger Mann steht mit Mikrophon, Gitarre und Verstärker vor dem Eingang eines Kaufhauses und eine Menschentraube drängelt sich um ihn herum. Vor ihm steht sein offener Gitarrenkasten und ein Pappschild mit seinem Namen: „Alex Wardi“ heißt eigentlich Craig Weir, aber das könne in Deutschland ja niemand aussprechen. Er wechselt sich zusammen mit seinem Kumpel Andrew ab, beide begeistern die Zuschauer mit ihren außergewöhnlichen Stimmen. Gerade hat Alexi für ihn und sich zwei Flachen Bier besorgt, etwas, das er auch an Berlin schätze.

Alexi sei im letzten September nach Berlin gekommen um einen Job zu finden, habe aber schnell lernen müssen dass sich das ohne Deutschkenntnisse ziemlich schwierig gestalte. Einige seiner Freunde seien schon damals Straßenmusiker gewesen und als er im Januar kein Geld mehr für die Miete habe aufbringen können, habe er selbst damit angefangen, um nicht wieder zurück nach Schottland zu müssen. Schottland sei sein ganzes Leben lang sein zu Hause gewesen, sei ihm aber nach 24 Jahren zu langweilig geworden. Das Gefühl vor so vielen Menschen zu spielen, sei von Tag zu Tag verschieden und schwer, mit etwas anderem zu vergleichen. Wenn viele Leute zuschauen und die Musik mögen, sei es ein unvergleichlich schönes Gefühl; wie eine Verbindung, stärker als sie durch ein bloßes Gespräch entstehen könne. Es gebe aber auch Tage, an denen er glaube gut zu spielen, aber die Menschen einfach vorbeigingen. Alexi spiele oft auf dem Alexanderplatz und manchmal zeigten ihm die Leute im Vorbeigehen einen Daumen nach oben oder machten ihm Komplimente für seine Stimme. Manchmal kämen aber auch Zuschauer auf ihn zu und machten ein Foto mit ihm. Dann fühle er sich besonders geehrt; vor ein paar Tagen sei er sogar eingeladen worden, auf einer Hochzeit zu spielen. Vor einem Auftritt sei er immer sehr nervös, aber da er schon mit 18 Jahren angefangen hat, Musik auf dem College zu studieren, habe er sich daran gewöhnten können. Für die der Zukunft plane er in Berlin zu bleiben, das sei seine neue Heimat. Einen normalen Job habe er nie gewollt, er möchte lieber weiter Musik machen, aufstehen wann er will und Bier trinken. An Berlin möge er besonders die Menschen und die vielen Kulturen. Jeder sei außergewöhnlich freundlich zu ihm gewesen, sogar die Obdachlosen seien netter als in Schottland. Die meisten jungen Deutschen würden sowieso gut Englisch sprechen, ansonsten gebe es hier viele andere Ausländer. Sein größer Wunsch für die Zukunft sei dass Schottland ein Teil der Europäischen Union bleibe damit er kein Arbeitsvisum brauche, sagt er und lacht. Persönlich möchte er einfach weiter Musik auf den Straßen und auf Events machen und vielleicht einen Job finden – das Wetter mache es ihm manchmal schwer auf der Straße zu spielen. „Einfach so lange wie möglich Musiker und sorgenlos bleiben!“

 

Unter den Linden   

Direkt gegenüber der Vertretung der Europäischen Union macht sich am frühen Abend eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen auf einen Protest vor. Sie haben ein Banner mit der Aufschrift „Stop breaking the law in Poland“ dabei und kleben sich gegenseitig mit schwarzen Tape die Münder zu. Einer von ihnen verteilt Flugblätter an die neugierigen Passanten. Nach einiger Zeit reißen alle ihre Klebestreifen ab und eine Frau liest ihre Protestforderungen auf Polnisch und Deutsch vor. Ein Sprechchor ruft nach jeder einzelnen laut „Demokracja!“. Die vorbeigehenden Passanten werfen merkwürdige zweifelnde Blicke auf die Menge, manchmal bleiben ein paar Touristen stehen und machen Fotos. Worum es bei dem Prostest geht, interessiert sie eher nicht.

 

Pariser Platz

Einige hundert Meter von den Demonstranten entfernt, ist ein weiterer Flaschensammler unterwegs, deutlich älter als Günter. Der etwa Ende 60 jährige Rentner möchte nicht erkannt werden; es sei ein mieses Gefühl Flaschen zu sammeln, sagt er. Obwohl er eine Wohnung hat und Rente bekomme, suche er nach weggeworfenem Pfand um sich auch mal etwas Besonderes kaufen zu können – dafür reiche seine Rente nicht aus.

Auch Flaschensammler gehören zu einer gesellschaftlichen Randgruppe. Damit werden sie als “Menschen, die in eine Gesellschaft nur unvollständig integriert sind” definiert – zumindest im Duden. Dabei kann nicht einmal von einer Minderheit gesprochen werden; immer mehr Menschen verdienen sich durch weggeworfenes Pfand etwas Geld dazu oder leben davon. Aber Integration kann nicht gelingen, wenn der Zugang zur Gesellschaft verwehrt wird. Vorurteile, Stigmatisierung und vor allem Wegschauen drängen Menschen aus der öffentlichen Wahrnehmung. Die soziale Ungleichheit – die auseinandergehende Schere zwischen arm und reich- tragen zur Marginalisierung der gesellschaftlichen Randgruppen bei.

Das Thema “Heimat” zieht sich wie ein roter Faden durch die Interviews: Berlin bietet den unterschiedlichsten Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen ein zu Hause. Cheyenne hat ihres unter der Brücke am Bahnhof Zoo gefunden, Ismail will sich seins zusammen seinen Kindern aufbauen. Alexi liebt die Menschen in Berlin und Laura kann ihre künstlerische Freiheit hier ausleben. Die Demonstranten am Brandenburger Tor vereinen ihre Heimat Polen und ihr zu Hause Berlin und zeigen so ihre Verbundenheit mit beiden Orten.

Berlin hat viel zu bieten, wenn man einmal genauer hinsieht. Menschen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, haben Geschichten zu erzählen, für die es sich lohnt hinzuhören. Diesen Menschen eine Stimme zu geben sollte unser Anliegen sein.



Yalla Yalla-Festiwalla

Am Mittwoch den 6. Juli und Donnerstag den 7. Juli haben wir ( Linus, Ivo, Daniel und Mascha) das Festiwalla in der Reformationskirche in Moabit besucht.

Was wäre wenn Rassismus, Sexismus, Kriege, Terror verschwinden?

Das Festiwalla  bietet Theaterstücke einzelner Gruppen, sowie Workshops von, für und mit Jugendllichen. Veranstalter ist das Jugend Theater Büro in Berlin  , die sich beispielsweise für emanzipative Bildung einsetzen. Das Thema dieses Jahr ist: Himmel auf Erden? Glaube-Wissen-Widerstand. Es stellt sich die Frage was wäre, wenn Rassismus, Sexismus, Kriege und Terror nicht vorhanden wären? Hätten wir dann den Himmel auf Erden erreicht oder stehen wir dann wieder vor neuen Problemen?

Das Ziel der verschiedenen Theaterstücken ist, schwierige Themen, die Jugendliche beschäftigen, auf kreative und schauspielerische Art auf der Bühne zu präsentieren und somit die jeweiligen Ansichten darzustellen. Wir haben zwei Theaterstücke besucht, zum einem den Auftakt am Mittwoch Abend: „ Erinnern ist nicht genug“ und das Theaterstück: „Was glaubst du, Aischa?“ am Donnerstag.

Epstein als Vorbild

Hedy Epstein

Hedy Epstein Quelle: Common Dreams. Foto: Courtesy of Humans of St. Louis

Beim Auftakt sollte an die Friedenskämpferin Hedy Epstein erinnert werden. Epstein konnte als Jugendliche mit den sogenannten “Kindertransportern” vor den Nazis fliehen. Da sie im Mai 2016 verstarb und sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzte, wurde ihr im Rahmen des Festiwallas der Auftakt gewidmet. Das Jugentheater Berlin hat außerdem einen besonderen Bezug zu Epstein, sie konnten diese persönlich kennenlernen. Seitdem ist ihre Geschichte eine Inspiration für das Jugendtheater und ihre Stücke.

Die Erinnerung an Hedy Epstein war eine Mischung aus einem Film und einer Lesung. Es wurden Ausschnitte von dem Treffen mit Epstein gezeigt  und ausgewählte Seiten aus ihrem Buch vorgelesen, eine Band musizierte und einzelne Besucher erzählten emotionale Anekdoten über Hedy Epstein. Diese Anekdoten rührten sogar Zuschauer, die keinen direkten Bezug zu ihr hatten.

Es war ein ruhiger und emotionaler Einstieg in die aufregenden folgenden drei Tage.

Rassismus in der eigenen Heimat

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Quelle: Festiwalla

Am Mittwoch wurde das Theaterstück „ Was glaubst du, Aisha?“  in der Ufa Fabrik in Berlin aufgeführt. Dieses Stück wurde von dem Ensemble Theater X dargestellt.

Hauptprotagonistin Aisha hat mit Rassismus gegen ihren Glauben in ihrer Heimat (einer kleinen Stadt in Deutschland) zu kämpfen. Das besondere an dem Stück: Aisha wurde von mehreren Schauspielerinnen gespielt. Den Wechsel der Schauspielerinnen symbolisierte ein roter Schal. Diesen trug immer diejenige, die Aisha zum jeweiligen Zeitpunkt verkörperte. Eine der Aischa-Schauspielerinnen erklärte im Interview, dass der Wechsel zeigen sollte, dass Aischa nicht nur ein Einzelfall sei, sondern es vielen Menschen so gehe. Unter den Schauspielern des Ensembles befinden sich Menschen mit Flüchtlingshintergrund. Die Bühne in der Ufa Fabrik gab besonders ihnen, die teilweise von einer Abschiebung bedroht sind, eine Möglichkeit, ihre Sichtweise auf die sogenannte “Flüchtlingskrise” zu präsentieren.

Die Geschichte stellte tägliche Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland dar. Das Stück stichelte vor allem gegen die AfD:  Deutsche und Migranten stellten sich gemeinsam gegen die Partei. Dieses gemeinsame Kämpfen brachte die zwei verfeindeten Gruppen (Deutsche vs. Migranten) zusammen.

Auf dem Bühnenbild wurden Ereignisse der letzten Jahre dargestellt, wie zum Beispiel die Verbrennung der Moschee im Jahre 2014. Fakten wurden in Form eines Quizes auf der Bühne präsentiert, jedoch wurde das Publikum nicht mit einbezogen. Das erste Stück „Was glaubst du, Aisha?“  war ein ausdrucksstarker Einstieg in den Tag und wurde mit Standing Ovation gewürdigt. Das Ensemble X hat es  geschafft, das Thema Himmel auf Erden darzustellen und Glaube-Wissen-Widerstand miteinander zu verbinden.

“Wir sind gespalten in Muslime und nicht Muslime” Fazit von Aysima Ergrün, Regisseurin von  “Was Glaubst du Aischa”

Das Fazit sollten wir als Denkanstoß nehmen und die Lücke zwischen den zwei Gesellschaften schließen.

 



DIGGA auf der YOU 2016 – der dritte Messetag

Die YOU 2016 geht in die letzte Runde, und auch wir machen uns noch einmal gemeinsam mit der Redaktion von Jup! am Alex-Stand bereit. Denn auch heute wollen wir spannende Interviews führen, Aktionen ausprobieren und für euch berichten.

Am heutigen Sonntag steht für uns das Thema Sport im Vordergrund, denn an Aktivitäten hat die YOU einiges zu bieten. Wir treffen Basketballspieler, sprechen mit dem Präsidenten des Berliner Boxverbandes und setzen uns mit Inklusion im Sport auseinander. Besonders gut kommt aber das Lasergame bei uns an – eine Art Lasertag unter freiem Himmel. Bei unserem Wettbewerb im improvisierten escooter-Parkour zeigen uns zwei Experten sogar eine ganz neue Sportart.

All das konntet ihr live in unserem Stream mitverfolgen, der euch noch einmal zum Nachschauen zur Verfügung steht.

Für viele Besucher stand am heutigen Tag weniger das Thema Sport, sondern die YouTube-Area im Vordergrund. Einmal den Star aus dem Internet aus der Nähe sehen, ein Autogramm bekommen und vielleicht ein Foto machen – dafür bezahlen viele Jugendliche rund 20 Euro zusätzlich für ihren Eintritt. Wir haben in der Youtube-Halle mit Fans über ihre Idole gesprochen.

Das war’s mit unserer Berichterstattung von der YOU 2016 in Kooperation mit Jup! Berlin. Wir hatten viel Spaß beim Drehen, moderieren und interviewen – wir hoffen, wir konnten euch neugierig auf das nächste Jahr machen!

Euer DIGGA-Team!