Ein Tag bei Alex TV

Bei der Generalprobe lief noch nicht alles ganz rund.

Wir, die Klasse 9b des Dathe-Gymnasiums, produzierten im Rahmen des Unterrichts eine
Talkshow zum Thema Sucht bei Alex TV. Dazu luden wir drei Talkgäste ein, die aus verschiedenen Perspektiven das Gespräch bereichern konnten:
Diana Dorn, die Mutter zweier Töchter, Tom Pitt, ein Vertrauenslehrer des Dathe-Gymnasiums und Laura, eine Schülerin des Dathe-Gymnasiums.

Die Probe lief bis auf ein paar verwirrte Blicke in die Kamera und ruckelnden Kamerabildern ziemlich gut. Im Gegensatz dazu liefen die Vorbereitungen recht chaotisch ab. Bis auf einige Störgeräusche verlief die eigentliche Talkshow nahezu reibungslos.

Die glückliche Gruppe nach erfolgreicher Aufzeichnung!

Eine interessante Erfahrung!

Marvin und Lenny, 9b des Dathe-Gymnasiums

 



Grenzenlos? – Dathe im Fernsehen

Früh morgens sitzt die Klasse 9a verschlafen bei ALEX Berlin. Sie produzieren heute im Rahmen des Enrichments-Unterrichts eine „Freistunde“ zum Thema Grenzen. Die Studiogäste sind Michaela Grohé, Lehrerin und Elternberaterin am Dathe-Gymnasium und Christian Herold, Erlebnispädagoge.

Die Schülerinnen und Schüler haben dafür Einspieler vorbereitet. Sie behandeln dabei Themen wie die Grenzen der Gleichheit, des Humors und der Handysucht.

Die Sitzung beginnt mit der Vorstellung der Leute, die uns heute durch den Tag begleiten werden. Von Anfang an ist klar: Das wird unsere Sendung! Sie unterstützen uns lediglich.

Die Technik steht! Jetzt werden nur noch letzte Absprachen getroffen.

Die Klasse teilt sich in zwei Gruppen auf. Die eine beginnt mit dem technischen Aufbau: Überall werden Kabel verlegt, Bildschirme und Pulte aufgebaut. Es herrscht geschäftiges Treiben. Währenddessen bespricht die zweite Gruppe, die Redaktion, den Ablauf der Sendung; die Moderatoren, sowie Studiogäste werden vorbereitet. „Wo setzen sie ihre Grenzen?“, „Was geht zu weit?“ und „Wo hört der Spaß auf?“ sind Fragen, die dabei besprochen werden.

Dann irgendwann beginnt endlich die Aufzeichnung! In zwei Proben konnten wir mit unseren Positionen hinter der Kamera, im Bildschnitt, am Tonpult oder wo auch immer vertraut werden. Jetzt kommt es darauf an, denn unsere Aufnahmeleitung Max zählt bereits den Countdown: 5, 4, 3, 2, 1 und los geht’s! 

Die Sendung ist in vollem Gange.

Herausgekommen ist nun eine spannende Sendung zu unserem gewählten Thema. Weil auch manches schief lief, gibt es im Anschluss eine gemeinsame Auswertung. Viele Kritikpunkte werden hier angesprochen: zu viel Zeit, zu wenige Fragen und eine benötigte 3. Probe. Auch technische Probleme sollen ausgemerzt werden.

Aber so ist das nunmal bei einer Fernsehproduktion: Es läuft nie alles ganz rund. Und dafür, dass wir an nur einem Tag alle Aufgaben eines professionellen Fernsehteams gelernt und eine ganze Sendung abgedreht haben, können wir auf das Ergebnis wirklich stolz sein!

Lisa, 9a des Dathe-Gymnasiums



Media Convention 2017 – Interview Special!

Wie bereits angekündigt, haben wir auf der diesjährigen Media Convention nicht nur Begriffe rund um das Internet und die Digitalisierung geklärt, sondern in all dem Trubel auch die eine oder andere Bekanntheit entdeckt.
Die Gelegenheiten, diese zu interviewen, haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen!

Der KISS FM-Moderator Big Moe kümmert sich normalerweise um den “RnBeats”-Channel und war jetzt auf der Media Convention, um zu “gucken, was gerade so abgeht und modern ist”.

Nachdem er im Januar aufgrund des Dekrets zur Einreise von Muslimen aus bestimmten Ländern trotz seines deutschen Passes nicht in die USA einreisen durfte, zeigte sich Michel Abdollahi auf der Media Convention mit einer übergroßen Trump-Puppe.

Claus Kleber, der als Journalist und Fernsehmoderator beim ZDF arbeitet, “schnuppert” auf der Media Convention herum. Er möchte “endlich mal wieder etwas selber erfahren und nicht immer nur erzählen über das, was andere erfahren haben”.

Der Sprecher und Schauspieler William Cohn ist mit einer einzigartigen Stimme ausgestattet und besucht die Messe jedes Jahr, um mehr über die Zukunft der Medien zu erfahren – auch wenn diese vorherzusagen sehr schwer ist.

Was sagt Big Moe: Kann das UKW-Radio noch mit Internetradios oder Streaming-Diensten wie Spotify nach mithalten?
Warum umarmt Michel Abdollahi den ganzen Tag bereits fremde Menschen?
Inwiefern beeinflusst die Digitalisierung den Arbeitsalltag Claus Klebers?
Und warum glaubt William Cohn, dass das Fernsehen niemals
aussterben wird?

Die Antworten darauf findet ihr in unserem Video:



Media Convention 2017 Tag 2 – Memes, Trolls und Metadaten

Virtual Reality, Hoverboards und Polaroid – Auf der Media Convention gibt es gefühlt alles. Auch am zweiten Tag waren wir natürlich wieder unterwegs und haben Besuchern sowie Ausstellern und Speakern unsere Fragen gestellt. Was ist der Unterschied zwischen Deepweb und Darknet? Was genau sind Influencer, Metadaten, Memes und Trolls? Wieder haben wir versucht, die verschiedensten Begriffe der Digitalisierung zu erklären.

Viki und Laura in der ALEX-Sendung am Vormittag.

Memes findet man eigentlich überall im Internet. Häufig denkt man dabei an lustige Bilder auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter – Memes können aber auch andere Gestalten annehmen. Thilo Kasper, unsere Meme-Experte, erklärt uns nämlich, dass Memes auch bestimmte Gesten oder Handlungen sein können. Sie verbreiten sich in den verschiedensten Formen und können einfach lustig, aber auch sozialkritisch sein. Im vergangenen Jahr dominierten beispielsweise Memes von Donald Trump und Hillary Clinton die sozialen Netzwerke.

Das ungefähre Gegenteil davon sind “Trolle”. Diese Nutzer verschiedenster Plattformen wollen andere User provozieren, um eine Reaktion hervorzurufen. Häufig sind ihre Äußerungen nicht ernst gemeint und sie wollen lediglich Leute auf den Arm nehmen.

Auch unser nächster Begriff hat etwas mit den sozialen Netzwerken zu tun; und bei diesem Punkt waren sich alle InterviewpartnerInnen einig: Sogennante “Influencer” sind Leute mit einer bestimmten Reichweite im Internet. Dazu zählen natürlich YouTuber, aber auch Instagramer oder Twitterer. Ab welcher Reichweite das beginnt und ab wann man jemanden als Influencer bezeichnet, das kann man leider nicht so genau definieren. Besonders für Unternehmen ist dieses Phänomen sehr interessant, denn über die Influencer können sie ihre Produkte an deren Follower vermarkten.

Na, was sind nun Metadaten?

Metadaten enthalten Informationen über andere Daten. Sie können etwas Nebensächliches wie das Änderungsdatum eines Dokuments sein und werden genutzt, um große Datenmengen zusammenzufassen. Unpraktisch ist es, wenn diese Daten in falsche Hände gelangen, und natürlich kommt bei Gesprächen über digitale Informationen auch die Frage nach Überwachung auf. Tatsächlich schien dies unseren InterviewpartnerInnen weniger Sorgen zu bereiten.

Was los DIGGA!

Etwas düsterer wird es bei unseren letzten beiden Begriffen: Deep Web und Darknet – zwei Wörter, die auf den ersten Blick das Gleiche zu beschreiben scheinen – wir klären den Unterschied. Das Deep Web ist prinzipiell der Teil des Internet, der nicht mit Google oder anderen Suchmaschinen erreichbar ist. Es ist zudem um einiges größer als das uns bekannte World Wide Web. Die meisten Daten sind geschützt und daher für normale Nutzer nicht zugänglich. Das Darknet hingegen kann durch spezielle Softwares, wie den Tor-Browser, erreicht werden. Dieser Teil des Internets wird zwar durchaus von Kriminellen wie Drogenhändlern, allerdings auch von Journalisten oder Whistleblowern genutzt, um anonym zu bleiben.

Nun geht ein spannender, informationsreicher Tag zu Ende. Morgen gibt es noch einmal einzelne Interviews mit Bekanntheiten, die wir hier auf der Media Convention getroffen haben zu sehen! Der Aktivist Raúl Krauthausen, Fernsehmoderator Claus Kleber und Schauspieler und Sprecher William Cohn werden beispielsweise dabei sein.



Was ist was? – Auf der Media Convention 2017

Wir von Digga sind dieses Jahr wieder auf der Republica und berichten für euch auf allen Kanälen.

“Love out loud” ist das Motto der diesjährigen re:publica.

Zwischen Interviews und Essen probieren wir auch dieses Jahr wieder herauszufinden, was die ganzen englischen Fachbegriffe bedeuten, mit denen die Leute so gekonnt jonglieren.

Was bedeutet digitale Verteidigung, was sind Filterbubbles – und was ist eigentlich der Unterschied zwischen multimedial und crossmedial?

Diesen Fragen wollen wir in unseren Interviews auf den Grund gehen.

Einige unserer Interviewpartner sind Inhaber der verschiedenen Stände und stellen dort ihre Startups vor. Der Begriff “Startup” bezeichnet ein noch nicht etabliertes Unternehmen, welches innovative Lösungsvorschläge für Probleme entwickelt oder probiert, mit oft geringem Startkapital neue Geschäftsideen zu verwirklichen.

Dabei wird oft multimedial vorgegangen – das heißt, ein Thema wird anhand verschiedener medialer Darstellungsformen bearbeitet, sei es audiovisuell in Form eines Videos, klassisch textlich und natürlich auf den sozialen Netzwerken – eigentlich genau das, was wir von Digga auch machen.

Für die Anmoderation haben wir uns in Schale geschmissen!

Bei crossmedialem Vorgehen wiederum geht es um die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Medien. Die verschiedenen Informationskanäle werden miteinander verknüpft. Wenn ich also von einem Youtube-Video aus direkt zur Facebookseite der Produzenten weitergeleitet werde, wo ich einen spannenden Podcast zur Gründung des Produktionsteams anhören kann, dann habe ich von der crossmedialen Arbeit profitiert.

 

Prominenz ist auch am Start: Béla im Interview mit Fernsehmoderator Claus Kleber.

Wichtig ist nur, dass man sich nicht nur in seiner eigenen Filterbubble bewegt. Die Algorithmen von Facebook, Instagram und co sind mittlerweile so perfektioniert, dass dem Nutzer der sozialen Netzwerke oft nur die Inhalte angezeigt werden, die für ihn persönlich vom Algorithmus für relevant befunden wurden. Auf diese Weise liest man vermehrt Artikel, die die eigene Meinung nur noch mehr festigen, anstatt aus seinem beschränkten Sichtfeld herauszukommen und neue Denkanstöße zu bekommen.

 

Aber sehen wir uns jetzt einmal an, was unsere Interviewpartner zu den einzelnen Themen zu sagen hatten:

Das von Béla angekündigte Interview mit Claus Kleber gibt’s dann übrigens im nächsten Beitrag zu sehen!

Unseren Radiobeitrag dazu könnt Ihr Euch hier anhören:



„Kinder an die Macht!“ – Und dann?

Das ist in etwa die Grundaussage der Jugendpolitiktage, die dieses Jahr zum ersten Mal vom 5.-7. Mai in Berlin stattfinden.

Hier trifft sich der politisch engagierte Teil der Jugend, um sich in schwerpunktorientierten Foren über ihre Projekte und Ziele auszutauschen.

Ein Vorhaben, das schon bald in eine hitzige Debatte mündet, denn die Mehrzahl der Teilnehmer ist selbst Mitglied in einer regionalen Arbeitsgemeinschaft oder engagiert sich anderweitig ehrenamtlich.

Die Diskussion verläuft nach dem sogenannten Fishbowl-Prinzip, sodass ein reger Wechsel zwischen den jungen Diskutanten stattfinden kann, deren Intention allerdings anscheinend vor allem darin besteht, dem Publikum ihre rhetorischen Fähigkeiten zu präsentieren.

Diese sind zwar bemerkenswert, was auch durch entsprechende Applausunterbrechungen gewertet wird, doch inhaltlich dreht sich die Debatte im Kreis.

„Staatsversagen, Chancengleichheit und Mitbestimmungsrecht in den Gremien“

Kaum ein Redebeitrag vergeht, ohne dass wenigstens einer dieser vorformulierten Ausdrücke fällt.

Das verleiht den Jugendlichen irgendwann eine gewisse Unglaubwürdigkeit, zumal die einzige wirkliche Forderung ist, mehr mitbestimmen zu dürfen. Ein lauter Schrei nach Macht also – doch ohne konkrete Vorschläge, was mit der Macht angerichtet werden soll.

Auch, als ich diese Frage noch einmal im persönlichen Gespräch stelle, herrscht allgemeine Ratlosigkeit.

Doch wie sich diese genau äußerte und was die Jugend von heute sonst noch so loswerden wollte, könnt ihr euch hier im Audiobeitrag anhören!

Insgesamt ist es auf jeden Fall eine interessante Veranstaltung, die sich lohnt und die man unterstützen sollte!



Die Geschichte der Studentenverbindungen in Deutschland

Studentenverbindungen gibt es in vielen Farben und Formen. Als „schlagende“ und „nicht schlagende“, nur für Männer oder nur für Frauen, mit eigenen Farben und Symbolen oder ohne, unter dem Namen „Burschenschaft“, „Landsmannschaft“, „Corp“ oder „Verbindung“ und so weiter.
Ihnen allen gemeinsam ist ihre Entstehungsgeschichte.

Studenten, die sich in Gruppen organisieren und ihren Alltag gemeinsam verbringen, das gibt es schon so lange wie die Universitäten selbst. Im 13. und 14. Jahrhundert mussten alle Mitglieder einer universitären Fakultät in einem gemeinsamen Gebäude wohnen und bekamen farblich einheitliche Kleidung vorgeschrieben. Diese, als „Nationen“ oder „Bursen“ titulierten, Wohngemeinschaften können als Urform einer studentischen Verbindung betrachtet werden. Die Kleiderordnung stellte die erste Form einer „Couleur“ da. Aber erst im 15. Jahrhundert gründeten Studenten Gruppen, die nicht unter dem Einfluss der Universitäten standen. Diese neue Form übernahm den Namen „Nation“ oder bezeichnete sich als „Landsmannschaft“. Hier entstand im 17. Jahrhundert der Brauch, dass Erstsemester, „Füchse“ genannt, ältere Studenten bedienen und aushalten müssen. In der Trennung von „Füchsen“ und „Burschen“ wird bereits die erste strukturelle Organisation der Verbindungen sichtbar, die sich im 18. Jahrhundert weiter manifestierte. Die Gemeinschaften schafften Ämter, Privilegien und Pflichten, eine Ordnung die man noch heute in vielen Verbindungen findet.

Ende des 18. Jahrhunderts kamen neben den „Landsmannschaften“ „Orden“ auf. Nach dem Vorbild der Freimaurerloge waren diese geheim, nahmen nur sorgfältig ausgewählte Mitglieder auf, betrieben ein kompliziertes Zeremoniell und verpflichteten ihre Mitglieder im Lebensbundprinzip bis zum eigenen Tod füreinander zu sorgen. Aufgrund der Sprengkraft, die ein Zusammenschluss junger Intellektueller barg, wurden „Orden“ und „Landsmannschaften“ im Absolutismus verfolgt und mussten sich auflösen. An ihre Stelle traten um 1800 „Kränzchen“, „Landsmannschaften“, „Gesellschaften“ und „Clubs“, die einen Großteil der Bräuche, Formen und Strukturen von „Landsmannschaften“ und „Orden“ übernahmen. Allerdings waren sie vollkommen unpolitisch und wollten vor allem der Charakterbildung junger Studenten dienen, weshalb sie geduldet wurden. Die ältesten noch heute existierenden Studentenverbindungen stammen aus dieser Zeit.

Das 19. Jahrhundert wurde eine überaus wichtige und aktive Zeit für alle Angehörigen einer Verbindung. Reformen an den Universitäten führten zu einer neuen Selbstwahrnehmung der Studenten: Man war nicht länger der Schüler, der belehrt wurde, sondern sah sich selbst als eigenständig Denkenden, aktiv Beteiligten. Aus diesem Verständnis heraus beteiligten sich viele Studenten an den Befreiungskriegen (1813-1814) gegen die napoleonische Fremdherrschaft und entwickelten, ganz im Geist ihrer Zeit, den Wunsch nach nationaler Einheit. Durch die reaktionären Beschlüsse des Wiener Kongresses (1815) sahen sich viele freiwillige Kriegsteilnehmer um ihre Ziele betrogen. Als Reaktion darauf gründete das Jenaer Corps die erste „Burschenschaft“ Deutschlands. Zur 300-Jahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig (1817) versammelten sich ca. 400 Burschenschafter verschiedener Universitäten, um gegen die beginnende Reformation zu demonstrieren. Aufgrund der zunehmenden Politisierung der „Landsmannschaften“ und „Burschenschaften“ wurden 1819 die Karlsbader Beschlüsse erlassen, die die Meinungsfreiheit der Bürger beschnitten. Zudem wurden staatliche Überwachungsorgane an den Universitäten eingerichtet und die Jenaer Urburschenschaft zur Auflösung gezwungen. Ende der 1820er Jahre ließ die Überwachung nach, sodass sich erste Burschenschaften im Geheimen neu gründeten.

Die Revolution in Frankreich (1830) belebte die demokratische und nationale Einigungsbewegung erneut. Höhepunkt dieser neuen Entwicklungen war das „Hambacher Fest“ 1832, von Heidelberger Studentenschaften maßgeblich mitgestaltet. Durch einen missglückten Putschversuch von Teilen der „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“ nahm die Überwachung ein neues Ausmaß an, eine Vielzahl an Revolutionären und Burschenschaftern wurden ins Gefängnis gesperrt oder hingerichtet. In der folgenden Zeit entstanden konfessionelle Verbindungen mit betont apolitischem Kurs und einer Ablehnung der Tradition des Fechtens (z.B. die Uttenruthia in Erlangen). In der Revolution von 1848 entlud sich die seit Jahrzehnten angestaute Unzufriedenheit der gesamten Bevölkerung aller deutschen Staaten auf die herrschenden Zuständen. Studenten und ihre Verbindungen nahmen bei vielen Protesten und Kämpfen eine wichtige Rolle ein. Ein Erfolg der Revolution war die Einführung der Frankfurter Nationalversammlung, welche die Karlsbader Beschlüsse aufhob. Somit kam es zu einer Legalisierung der Studentenverbindungen und einer neuen Blütezeit. Da der preußische König die ihm von der Nationalversammlung angebotene Kaiserwürde jedoch ablehnte, scheiterte die Revolution und die studentischen Verbindungen entwickelten sich in der folgenden Reaktionszeit zu rein akademischen, staatstreuen Lebensgemeinschaften.

Aus der nationalen Bewegung der Verbindungen wurde eine nationalistische, die ihre Ziele von 1848 erreicht sah. Man tauschte seine liberalen Werte gegen eine konservative Grundüberzeugung und leitete die Wende zum Illiberalismus ein. Dieser neue Stil bestimmte das Leben der Akademiker bis zum Ersten Weltkrieg und spiegelt sich auch heute noch den Grundsätzen einiger studentischer Verbindungen wieder.

In der Weimarer Republik spielten Studentenverbindungen vor allem durch die soziale Versorgungsfunktion, die ihren Mitgliedern zuteil wurde, eine wichtige Rolle. Durch den ersten Weltkrieg herrschten finanzielle Nöte, knapper Wohnungsmarkt und ein immenser Andrang an neuen Studenten in den Universitäten, daher wurde diese Unterstützung unentbehrlich.

Im Dritten Reich wurde in den Verbindungen das „Führerprinzip“ eingeführt. Die Dachverbände der Korporationen wurden „arisiert“, alle jüdischen Verbindungen und Verbindungen die sich weigerten „nicht-arische“ Mitglieder auszuschließen wurden 1933 aufgelöst. Als sich während des Sommersemesters 1935 Mitglieder des Heidelberger Corps „Saxo-Borussia“ mehrmals in der Öffentlichkeit despektierlich über Adolf Hitler äußerten, kam es zum Verbot aller verbliebenen Studentenverbindungen, außer dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB). Einige Verbindungen wurden Kameradschaften des NSDStB, einige Altherren-Gruppen konnten im Stillen bis Kriegsende bestehen bleiben. Verdeckt hielten sich die Korporationstraditionen bis 1945, als die Kameradschaften von den Alliierten verboten wurden.

In der Nachkriegszeit waren Korporationen zunächst verboten, allerdings konnten sich durch den Einfluss der Alten Herren schon 1950 die ersten Verbindungen erneut gründen und im „Convent Deutscher Korporationsverbände“ (CDK) zusammenschließen. Die Studentenzahlen der Nachkriegszeit lagen noch weit über denen der Weimarer Republik, die Zahl der Mitglieder der Korporationen blieb aber gering, da sie für ihre Haltung im Dritten Reich kritisiert wurden.

Bis heute werden Studentenverbindungen in weiten Teilen der Gesellschaft als Relikte vergangener Zeiten angesehen, für ihre konservative, nationalistische Gesinnung kritisiert und deshalb gemieden.



Feminismus und Rap? Das passt doch nicht zusammen, oder?

Diese Frage werden sich bestimmt viele gestellt haben, als sie vom Projekt XX Female Rap Konzert hörten. In Zusammenarbeit mit Mädchen des interkulturellen Mädchenzentrums MÄDEA und den beiden Rapperinnen Sister Fa und Sandra von Mindj Panther hat das KünstlerInnen-Kollektiv ongoing project dieses Projekt realisiert.

Ein halbes Jahr lang haben sich die Teilnehmerinnen im Alter von neun bis vierzehn Jahren mit unterschiedlichen Formen der Diskriminierung auseinandergesetzt und gemeinsam überlegt, was man dagegen unternehmen könnte. Dabei ging es nicht nur um die Unterdrückung von Frauen und Mädchen, sondern auch generell um Ausgrenzung von Menschen aufgrund deren Aussehen oder Herkunft.

Das Ergebnis des Projekts, nämlich drei starke Songs der Mädels und Einzelauftritte von Sister Fa, Sandra und MC Valentina, wurde dann im Theater X auf einer großen Bühne vor vielen Zuschauern präsentiert. Mit tosendem Applaus und Zugabe-Rufen gingen sie von der Bühne.

Auch DIGGA-Reporterin Nura (10) war von dem Konzert und der Leistung der Mädchen stark beeindruckt! In ihrem Text fasst sie zusammen, was sie erlebt hat:

“Wir waren im X-Theater, wurden sehr schön von den Sängern (Kinder) begrüßt. Sie nennen sich XX Sister Queen.
Dann hatten wir das glück das wir bei den Proben zuschauen konnten. Wer es noch nicht weiß, sie sind RAPPER. Ich könnte nie im leben Rapper sein. Von mir verdienen sie großen Respekt.
Das Motto hieß Gleichwertigkeit. Ich habe gemerkt das es ihnen sehr viel bedeutet. Das finde ich sehr gut.
Aber um 18:00 Uhr da hat das große Konzert begonnen. Die Mädels haben so viel power gezeigt das man richtig in Stimmung kam. Es waren auch noch 2 Rapperinnen da . Sie waren aber schon Erwachsene.
Alles zusammen war es ein schönes Konzert uns hat es gefallen. Wenn es euch auch gefallen hat dann gibt doch ein daumen nach oben das werden sich die Rapperinnen bestimmt freuen. Schüss und bis zum nächsten mal.”

Das Publikum ist also begeistert! Aber wie war es für die jungen Nachwuchs-Rapperinnen auf der Bühne? Wir haben drei der Teilnehmerinnen interviewt. Was die Mädchen dazu bewegt hat mitzumachen und wie viel ihnen dieses Projekt geholfen hat, erzählen sie uns in einem Interview:



Wenn der Zuschauerraum zum Club wird – CLUBBING – Das neue Stück vom GRIPS Jugendklub Banda Agita

Im Club heißt es sehen und gesehen werden. Ein ideales Bühnenbild also, um sich mit dem Thema Körperkult näher auseinanderzusetzen. Das neue Stück Clubbing, das von der Jungen Schreibwerkstatt im GRIPS Theater verfasst wurde, geht vielschichtig auf all das ein, womit  man heutzutage als Jugendliche/r konfrontiert wird: Es geht um Geschlechterrollen, Selbstoptimierung, das perfekte Make-Up, den Drang, die Jungfräulichkeit zu verlieren, “in” zu sein. Das Stück überzeugt durch seine überspitzten Darstellungen (“Du hast aber ein schönes Nasenloch!”), die einen einerseits zum Lachen bringen, aber andererseits auch zum Nachdenken anregen. Jeder wird sich im Stück an der einen oder anderen Stelle wiederkennen. Das Ganze ist untermalt mit wummender Technomusik, die eine realistische Atmosphäre schafft. Wir waren bei der Premiere mit dabei und haben die Zuschauerinnen und Zuschauer gefragt, wie es ihnen gefallen hat:

Das Besondere an den Schauspielerinnen und Schauspielern des Stückes ist, dass sie zwischen 15 und 21 Jahren alt sind. Wir haben für euch mit zwei Schauspielerinnen geredet und sie zu den Themen des Stücks befragt:

Die Leiterin der Inszenierung ist Ellen Uhrhan. Hinter einer Vorstellung wie Clubbing steckt natürlich immer viel Vorbereitung und Arbeit. Um herauszufinden, wie die Menschen auf Geschlechtertausch reagieren, sind die Jugendlichen zum Beispiel jeweils als das andere Geschlecht verkleidet in den Supermarkt gegangen. Was uns Ellen Uhrhan noch so Interessantes erzählt hat, könnt ihr hier hören:

Wir hatten sehr viel Spaß und können das Stück nur weiterempfehlen. Zu sehen ist es noch mal im Mai und Juni. (Ab 15 Jahren)



Studentenverbindung – mal anders

Gehört hat wohl jeder schon davon.

Junge Menschen, die aus freien Stücken bunte Schärpen und Mützen tragen, Trinkgelage mit komplizierten Regeln abhalten, ihre „Ehre“ in Degenduellen verteidigen und eine äußerst rechts-nationale Gesinnung vertreten. Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps, Turnerschaften und wie diese Verbindungen noch alle heißen mögen, haben ein äußerst unvorteilhaftes Image für unsere modernen Zeiten. Sind all das nur Vorurteile und Klischees oder ist da etwas Wahres dran?

Fakt ist, dass es in Deutschland ca. 1000 Studentenverbindungen gibt, die wohl kaum alle gleich seien können. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Merkmalen, die die Gruppen voneinander abgrenzen. Der erste Unterschied entsteht durch die Entscheidung, welchen Geschlechts die Mitglieder sein dürfen. So gibt es rein männliche, rein weibliche und gemischt-geschlechtliche Verbindungen. Durch das Prädikat „schlagend“, „fakultativ-schlagend“ und „nicht schlagend“ wird signalisiert, ob  es in der Verbindung Pflicht ist, das Fechten zu lernen und sich zu duellieren. Als „farbentragend“, „farbenführend“ und „nicht farbentragend“ wird die Pflicht beschrieben, die verbindungseigenen Farben als Band oder Mütze zu tragen. Und so lässt sich die Liste der unterschiedlichen Ausrichtungen und Spezialisierungen noch eine Weile fortführen. Wie das mit Vorurteilen so ist, wurden mal wieder alle über einen Kamm geschoren, obwohl auf diese Weise die Wahrheit verfälscht wird.

Es ist nicht zu leugnen, dass es Verbindungen gibt, die den schlimmsten Befürchtungen entsprechen: Frauen werden ausgeschlossen, weil sie als nicht ebenbürtig betrachtet werden. Beim „Mensur-Fechten“ wird Gewalt verherrlicht und ein „Ehrbegriff“ geprägt, der es zur Selbstbestätigung nötig macht, andere zu demütigen. Mitglieder der eigenen Burschenschaft werden zum Komasaufen angestiftet, Erstsemester „Füchse“ als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht und zu allem Überfluss wird in diesem Umfeld aus Tradition und Bezug zur deutschen Geschichte ein völlig verdrehter Nationalstolz.

Diese Gruselgestalten, bei denen es einem kalt den Rücken herunter läuft, sind das eine Extrem. Doch zur gleichen Zeit und in der gleichen Stadt gibt es Verbindungen, die außer dem Namen „Verbindung“ und einem geschichtlichen Ursprung nichts damit gemein haben. Ich hatte die große Freude, den Vorsitzenden der Akademisch Musischen Verbindung in Berlin (AMV), Justus Kamp, zu treffen und mit ihm über das Leben in einer Berliner Studentenverbindung zu sprechen:

Ich für meinen Teil habe bei der Arbeit an diesem Artikel wieder einmal fest gestellt, dass Vorurteile genau das sind, was ihr Name bereits sagt: Urteile, die wir fassen, bevor wir überhaupt genau hingesehen haben. Sie bieten uns Schutz vor Dingen, Menschen und Situationen, die uns nicht vertraut sind und gefährlich seien könnten. Doch sorgen sie auch dafür, dass uns so viel entgeht, was unser Leben bereichern könnte.