Bent-Erik

Bent-Erik



Marilyn Manson in Berlin – The Reflecting God

Ein schwarzer Vorhang, hinter dem Kunstnebel hervorkriecht, verdeckt die Bühne, während der Song The End von den Doors spielt. Ironischerweise beschreibt es den Anfang – doch bei Marilyn Manson dreht sich aktuell vieles um. Sein zehntes Studioalbum heißt Heaven Upside Down. Es ist wie seine Erfolgsalben gewaltig, tief und intim, aber trotzdem neuartig für Manson.

Marilyn Manson während des Berlin-Konzerts seiner “Heaven Upside Down”-Tour am 25.11. – Quelle: http://bit.ly/2Bny6G0

Das Velodrom ist ausverkauft, das Licht geht am 25. November 2017 um 21:10 aus. Ein Schrei verkündet die Ankunft des dunklen Herren der Rockmusik. Sein Erfolg mag nicht mehr so groß sein wie früher, aber dennoch zieht er auf der Stelle Tausende in seinen Bann. Seine Präsenz hat gottgleiche Züge, auch wenn man ihn noch gar nicht sieht. Auch, als der Vorhang fällt und Manson in einem Rollstuhl über die Bühne fährt – Grund ist ein Unfall während eines früheren Auftritts – Das unheilverkündende Revelation #12, der Opener seines neuen Albums, dröhnt laut und beeindruckend durch die Halle und nimmt alle Anwesenden mit in die Welt des Antichrist Superstars.

Was folgt, ist ein Medley aus seinen größten Hits, mit vielen Kostümwechseln und kreativen Show-Ideen. Umgeben von Ärzten performt Manson sein Sweet Dreams-Cover auf einer Krankenhausliege. Statt die Shows wegen seines gebrochenen Beins ausfallen zu lassen, nutzt Manson es zu seinem Vorteil.

Seit Jahren klang Marilyn Manson auf der Bühne nicht so kraftvoll. Die Energie, die ihm sonst durch die Bewegung verloren geht, legt er in seine Stimme. Der Spaß, den er an der Show hat, ist vor allem bei seinen aktuellen Songs bemerkbar. WE KNOW WHERE YOU FUCKING LIVE und SAY10 sind wie gemacht für die Bühne. An der Gitarre steht Filmkomponist Tyler Bates. In den Musikvideos lässt Manson Nonnen mit Waffen auf unschuldige, mittelständige Amerikaner los oder verkörpert mit Johnny Depp eine düstere, in Sex und Drogen getränkte Adaption des biblischen Bruderpaars Kain und Abel.

Der Biss ist zurückgekehrt. Marilyn Manson hat nachgeladen und macht das, was er am besten kann. Sein Song KILL4ME ist ein langsam brodelnder Popsong mit romantischem Unterton – aber einem manipulativen und düsteren Text. Wieder infiltriert er damit den Mainstream – der Song hat es sogar ins Radio geschafft. Auf der Bühne präsentiert Manson ihn im roten Gewand.

Darüber hinaus performt Manson stimmgewaltig seine größten Hits. Überraschungen im Set gab es wenig. Von seinem letzten Album spielt er lediglich einen Song. Nur die erste Zugabe in Form des Fan Favourites Cruci-Fiction in Space überrascht die Fans, die zugleich begeistert mitsingt. Vorne auf der Bühne interagiert Manson mit dem Publikum, erzählt zwischen den Liedern kurze und prägnante Anekdoten, ohne die Aura zu gefährden.

Thank you all for coming tonight. And I don’t mean that in a sexual way – yet.

Das Konzert ist mit knapp 80 Minuten zwar recht kurz, jedoch gibt Manson bei den 14 Songs alles. Das Publikum geht mit und dankt dem Künstler mit Sprechchören, Jubel und gelegentlichen Moshpits. Am Ende des Konzerts schreitet Manson von der Bühne, vom Band läuft sein neuer Song. Es ist ein Cover von Johnny Cashs God’s Gonna Cut You Down. Wie eine Abschiedsmelodie rundet es einen großartig konzipierten Konzertabend ab. Seit Jahren war Manson nicht so intensiv auf der Bühne. Es war mein erstes Konzert mit der Shock-Ikone, und es wird hoffentlich nicht mein letztes sein.

Albumtipp: Das aktuelle Album von Marilyn Manson – Heaven Upside Down



“You patriotic junkies” – Depeche Mode und ihr düsteres neues Werk (Rezension)

Vier Jahre nach Veröffentlichung des Vorgängeralbums Delta Machine melden sich Depeche Mode mit ihrem vierzehnten Studioalbum Spirit zurück. Politisch, experimentell und gnadenlos pessimistisch besingt das englische Trio Revolutionen, Fehler und vergiftete Herzen.

Behind The Wheel. Promobild von Depeche Mode zum neuen Album “Spirit”. Bildquelle: http://bit.ly/2nSnTtD

Im Voraus wurde viel über dieses Album gesprochen. Mit dabei die altbekannten Stimmen, die dreiundzwanzig Jahre nach seinem Ausstieg noch immer über die Abwesenheit von Alan Wilder klagen. Allerdings auch jene, die diesem Album vorwerfen, es handle sich dabei nicht mehr um Musik, sondern nur noch um sperrige Klang-Arrangements. Doch wie viel ist wirklich dran? Trifft das neue Album der Briten – mittlerweile Wahl-Amerikaner – den Spirit? Schauen wir uns das doch einmal genauer an und gehen die zwölf Titel der neuen Platte einmal Stück für Stück durch.

01 – Going Backwards

Etwas unüblich für die Band beginnt das Album nicht mit einem Intro. Während bei Delta Machine auf Welcome To My World noch ein Synthie knarzte, bevor sich der Song aufbaute, setzt hier gleich die groovende, piano- und gitarrengetriebene Melodie ein. Der Song schreitet voran, klingt fast schon positiv. Der Text allerdings spricht eine ganz andere Sprache. Dieser thematisiert den Drohnenkrieg, der tausende Unschuldige in den Tod reißt und zwar mit einer fortschrittlichen Technologie arbeitet, in Bezug auf die Mentalität aber in großen Schritten rückwärts geht. Interessanter, grooviger Opener mit einem schlendernden Rhythmus. Live wird der wohl ziemlich etwas hergeben  4,5/5

We’re going backwards
Armed with new technology
Going backwards
To a cavemen mentality – Depeche Mode, “Going Backwards”

 

02 – Where’s The Revolution

Der Vorbote von Spirit. Während wir im Musikvideo Martin, Dave und Fletch mit Karl-Marx-Bärten ein Podium durch die Gegend schieben sehen, bietet uns der Song vor allem breite, elektronische Klänge. Das klingt nach einem in dieser Form ungewohnten Synthie-Orchester, das uns auf eine musikalische Reise schickt. Diese Reise führt zwar vorbei an Straßenprotesten und zerstörten Gebäuden, dennoch bleibt die Aussage stark. Der Text triezt und appelliert den Hörer, Dave Gahan schnauzt uns an, nennt uns “patriotische Junkies” und fragt uns, wo die Revolution bleibt. Ich finde, sie ist genau hier. Ein Song, der vor allem inhaltlich die Richtung von Spirit klar zeigt. Auch musikalisch geht der Text in neue Richtungen. Eine solche Breite war vorher ungewohnt, dasselbe gilt für die Chöre bei “The train is coming”. Vielleicht kein Hit, dennoch durchaus spaßig. Der Song lädt definitiv zum langsamen Nicken ein. Corrupt lässt grüßen. – 4/5

03 – The Worst Crime

Eine leicht bluesig anmutende Ballade. Passend dazu ist Dave Gahans Stimme, randvoll mit Hoffnungslosigkeit und Widerwillen. Gänsehaut erzeugte bei mir die Zeile “So step up to the gallows.” Der Song ist eine pure pessimistische Breitseite mit blutigem Text. Wirkungsvoll, atmosphärisch und sehr stimmig. Dave liefert eine großartige Performance und lässt Martin Gores Worte noch um einiges düsterer wirken. – 5/5

04 – Scum

Um einiges roher geht es weiter. Noch nie haben wir die Stimme von Dave so dreckig verzerrt und übersteuert gehört. Wütend und fast schon herablassend klingen die Strophen. Im Refrain hören wir ein gebrülltes “Pull the trigger”, das gleichzeitig lässig und angekotzt klingt. Im Hintergrund wechseln sich dabei verträumte Synthies mit Rock’n’Roll-Gitarren. Nicht beim ersten, aber beim zweiten Hören, entwickelte dieser Song bei mir seine volle Wirkung. Nicht sehr tanzbar, dafür aber vor allem von inhaltlicher Tiefe. – 4/5

05 – You Move

Der fünfte Track der Scheibe knarzt langsam elektronisch los. Schon nach den ersten Sekunden erinnert der Song an alte Zeiten. You Move klingt wie ein misanthropisches Überbleibsel aus den 80ern mit rockigem Gesang. Die Melodie könnte man in dieser Form auch auf Construction Time Again erwarten. Den alten Zeiten wird also angemessen gehuldigt. Der pessimistische und fast schon zynische Spirit (hihi…) der Platte wird dabei gut integriert. Nostalgie und der Wunsch danach, sich zu dem schleppenden Rhythmus zu bewegen, tragen diesen Song. Kurzum: klingt nach einem Frustabstecher in den suspekten Club um die Ecke, geschwängert von Schwere und Lustlosigkeit. Klingt negativ, ist aber genau der Punkt, der diesen Song so gut macht. – 4,5/5

06 – Cover Me

Mit Abstand das bluesigste Stück des ganzen Albums. Cover Me hätte auch gut seinen Platz auf der letzten Soulsavers-Platte finden können. Gahans angenehme Stimme gleitet über ein paar Gitarren-Strums von Martin. Atmosphärisch ist der Song nicht unbedingt traurig, dafür aber getragen von Melancholie und Verträumtheit. Dave besingt das Morgenlicht, und tatsächlich könnte der Song der Soundtrack für einen Sonnenaufgang sein. Ab der Hälfte des Songs geht der Song in einen langen Instrumentalteil über. Dieser ist um einiges elektronischer und erinnert ein wenig an das, was es 2009 auf der Sounds Of The Universe zu hören gab. Ein weiteres Highlight auf Spirit– 5/5

07 – Eternal

Mit zwei Minuten und 25 Sekunden das kürzeste Lied auf SpiritEternal ist ein von Martin Gore gesungener Interlude, dessen Instrumentierung sich auf ein paar gleitende, elektronische Klänge beschränkt. Martin singt auf sphärische Klänge, was hervorragend klingt und funktioniert. Und wenn mit der Zeile “The radiation falls” plötzlich stampfende Menschenmengen einsetzen, erinnert das nicht nur an Pipeline von Construction Time Again, sondern es greift auch das Thema der Revolution wieder auf. Am Ende klingt das seichte, elektronische Summen fast schon wie eine Sirene. In meinem Kopf entstehen Bilder von einem Vater, der sein kleines Kind im Luftschutzkeller an sich drückt, um es vor den Bomben zu schützen. Ein kleines, aber nicht minder atmosphärisches Stückchen, das wieder dem Leitthema von Spirit Platz bietet: der Hoffnungslosigkeit. – 5/5

08 – Poison Heart

Mit dem achten Song der Scheibe kehren Hoffnungslosigkeit und Trauer wieder in gewohnter Größe zurück. Von der Vergiftung unserer Herzen handelt dieser Song, und der Refrain beschränkt sich auf zwei Worte, die die spirit’sche Grundstimmung ganz gut zusammenfassen: “Oh no.” Sphärisch klingt das Zusammenspiel aus Elektronik und Gitarre, die Strums kommen nicht bluesig, sondern schwebend daher. Zwar wird der Song kein Live-Hit, dennoch ist er schön und melodiös. Trotz des Schmerzes, der diesen Song trägt, ist er angenehm zu hören. Dass dieser Song Thema und Atmosphäre des Albums hervorragend einfängt, steht außer Frage. – 4,5/5

09 – So Much Love

Nanu? Plötzlich ziehen Depeche Mode das Tempo an, dass man fast meint, wir hören hier eine umgedichtete Version des Klassikers A Question Of Time. Der neunte Song auf Spirit zeigt, dass Depeche Mode sehr wohl noch klingen können wie zu Zeiten von Black Celebration. Dieser Song ist fraglos der fröhlichste und schnellste Song der Scheibe, fast möchte ich sagen, dass er zu einem heimlichen Hit avancieren kann. Schön oldschool klingt der zügige Elektro-Beat, sodass man sich im Kopf bereits Dave Gahan vorstellt, wie er rhythmisch seine Hüften zu diesem Song schwingt. So Much Love macht Spaß und lässt für ein paar Minuten die Schwere des Albums vergessen. Es zischt, groovt und ist erstaunlich tanzbar. Da soll mir doch mal einer erzählen, Spirit sei ein einziges Gejaule. 😉 – 5/5

10 – Poorman

Die ersten paar Synthie-Anschläge lassen uns wieder an die frühen Alben denken, dann allerdings setzt ein fast schon gospelartiger Chor ein. Auf diesen folgt ein bis zur Unkenntlichkeit verzerrter Gitarrenriff, der aber verdammt cool klingt. Im Hintergrund schnaufen die Synthesizer wie eine alte Eisenbahn, währenddessen greift der Text fast schon die Everything Counts-Thematik auf. Im Vergleich zum vorherigen Song geht es hier wieder um einiges langsamer zu, und die Zeile “Keeping almost everything they make” wird von Gahan mit Backup von Gore fast schon dahingeseufzt. Der Song klingt wahrhaftig wie ein Dokument einer traurigen Zeit, und das ist er durch seine textliche Aktualität auch. Einer der Schlüsselsongs des Albums, der die Stimmung und Thematik hervorragend einfängt. “There’s no news.” – 4,5/5

11 – No More (This Is The Last Time)

Die ersten Sekunden klingen kurz nach Breathing In Fumes, dann jedoch hören wir Dave Gahan wieder leicht angespannt über Wiederholung philosophieren. Mit einer ordentlichen Portion Attitüde verabschiedet sich Gahan textlich von sich immer wiederholenden Ritualen, während das Instrumental sich wieder auf synthetische Reisen begibt. Wieder klingt es ein wenig nach den Achtzigern, fast möchte ich den Vergleich zu Some Great Reward ziehen. No More klingt von der ersten bis zur letzten Sekunde nach Depeche Mode in Reinform. – 5/5

12 – Fail

Der stimmungsmäßige (nicht der musikalische!) Tiefpunkt des Albums. Jegliche Hoffnung, jegliche Euphorie fehlt diesem Song. Martin Gore fragt uns “Do we call this trying?” und klingt dabei so, als wolle er die Antwort überhaupt nicht hören. Zum ersten Mal in fast vier Jahrzehnten Bandgeschichte lässt Gore in Fail eine F-Bombe einschlagen. Das simple Fazit der ersten Strophe, das Fazit zur aktuellen Lage der Gesellschaft lautet: “Oh, we’re f***ed.” Das Finale von Spirit kommt so pessimistisch daher wie kein anderer Song auf dem Album. Das Instrumental unterstreicht den Text fabelhaft, wir hören gleitende, weite, deprimierte Synthies. Das vierzehnte Depeche Mode-Album endet mit der ultimativen Zusammenfassung des Albums. Die letzten Worte des Songs lauten “Oh, we’ve failed.” Dies allerdings lässt sich von dem Song, von dem gesamten Album, nicht sagen. Ein grandioser Abgesang. – 5/5

People
What are we thinking?
It’s shameful
Our standards are sinking
We’re barely hanging on
Our spirit has gone – Depeche Mode, “Fail”

Fazit

Mit Spirit treffen Depeche Mode mitten ins Herz. Die Texte sind hochaktuell, das Album ist von gigantischer Schwere getragen, das Gesamtkonzept so düster wie nie zuvor. Mit ihrer vierzehnten Platte klingen Depeche Mode wieder voll und ganz wie sie selbst: Gleichzeitig neuartig und treu zu sich selbst. Jede musikalische Phase wird auf diesem Album neu besucht, dadurch ist es um einiges elektronischer als der Vorgänger Delta Machine. Auch textlich kehrt es zurück zu Depeche Modes Wurzeln. Die große Rundreise ist ein geschlossener Kreis, vom ersten bis zum letzten Song wirkt das Album perfekt zusammengestellt. Mit reichlich Erfindergeist und Breite beweisen uns (oder zumindest mir) Depeche Mode, dass es Alan Wilder nicht braucht, um das eigene Erbe gebührend weiterzuführen und – vor allem – zu vergrößern. Meiner Meinung nach das vielleicht beste Depeche-Mode-Album des aktuellen Jahrtausends, textlich sogar eines der wichtigsten Werke der Briten überhaupt. Eine absolute Empfehlung!

Gesamt: 56/60 – 93%

Das neue Depeche Mode-Album “Spirit”, erschienen am 17. März 2017 bei Sony Music/Columbia Records. Bildquelle: http://bit.ly/2mXDed3



Typisch nazideutsch-martialisch? – Rammstein und ihre Symbolik (Kommentar)

Wer Rammstein im Jahr 2017 noch als eine Nazi-Band hinzustellen versucht, hat seinen Job als Journalist nicht gemacht. Eine Auseinandersetzung.

Am 16. März dieses Jahres wurde auf der Webseite des renommierten Magazins SPIEGEL ONLINE ein Beitrag mit dem Titel “Rammstein in der Volksbühne – Der Konkurs” des Autors Jens Balzer veröffentlicht. Der ursprüngliche Titel des Artikels lautete “‘Rammstein:Paris’ an der Volksbühne – Die Urszene von Pegida und AfD”, dieser wurde allerdings mittlerweile verändert. Dass er einmal als Überschrift zu dem Text diente, den ich im Folgenden behandeln möchte, lässt sich noch an der URL erkennen.

Doch was ist der Hintergrund? Am 16.03. fand in der Berliner Volksbühne die Premiere des neuen Rammstein-Konzertfilms “Rammstein:Paris” statt, einer aufwendig produzierten Aufnahme, deren Ziel es war, den Zuschauer so nahe wie möglich an das Erlebnis Rammstein, an das erst auf der Bühne komplettierte Gesamtkunstwerk ihrer Musik, heranzuführen. Der Artikel beschäftigt sich mit ebendieser Premiere, wobei es allerdings kaum um den Film geht.

Ich, der ich sowohl Journalist als auch Rammstein-Fan bin, habe zu diesem Beitrag einiges zu sagen. Zu Beginn möchte ich eine Sache feststellen: Ich finde, wer sich mit dem Phänomen Rammstein schriftlich auseinandersetzt, sollte wenigstens versucht haben, die Musik der Band zu verstehen. Nicht, weil man sie mögen muss. Doch es hätte diesem Beitrag sehr geholfen.

Schon nach den ersten Sätzen fiel mir auf, dass dieser Artikel eindeutig eine Kolumne ist. Als solche ist er allerdings auf der SPIEGEL ONLINE-Webseite nicht gekennzeichnet. Schon im Aufhänger ist der Satz “Schade, dass die Premiere des Films ‘Rammstein:Paris’ alles entwertet, wofür das Haus einmal stand.” Dies war die erste Stelle, die mich als Leser stutzen ließ. Das Haus, die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz also, stand seit jeher für sozialdemokratische bis kommunistische Werte. Inwiefern wird das durch Rammstein, dem bekennend linken “Hochamt für deutsche Sprache” (laut Welt), entwertet?

Sie sagten grundlos: ‘Schade um die Noten! So schamlos; Das gehört verboten!’ – Rammstein, “Los”

Jens Balzers Beitrag hat ein großes Problem: Er beschäftigt sich mehr mit seiner (zugegebenermaßen sehr guten) Sprache, konstruiert Schachtelsätze und findet hier und da auch schöne Formulierungen. Dabei allerdings scheint er mehr auf Herablassung abzuzielen als auf wirkliche Auseinandersetzung. Denn schon in dem im letzten Absatz zitierten Satz presst er Rammstein ein Image auf, das so alt ist wie die Band selbst: eine offen rechte Gesinnung.

Und damit macht Balzer bereits in den ersten Sätzen des letztendlichen Texts weiter. So sind Rammstein mal eine “maskulin-teutonische Stadionrockgruppe”, wenig später dann “sechs ruß- und ölverschmierte Herrenmenschen”. Die Richtung ist klar. Schon das erste Cover der Band, das die Mitglieder oberkörperfrei und verschwitzt vor dem Abbild einer riesigen Blume zeigte, war in Kritik geraten, weil es sich angeblich Herrenmenschen-Ästhetik bediene.

Das Cover des Rammstein-Debütalbums “Herzeleid” (1995), das für die angebliche Herrenmenschen-Darstellung in die Kritik geraden war. Bildquelle: http://bit.ly/2mQZndi

Doch was braucht es, um in ein paar Muskeln so etwas zu sehen? Ist dann der Rapper Kollegah, wenn dieser seinen muskelbepackten, entblößten Oberkörper präsentiert, auch ein Herrenmensch? Gehören nicht gewisse Vorurteile dazu, um zu dieser Assoziation zu kommen?

Wenig später im Text (in der Zwischenzeit spricht Herr Balzer erstmals tatsächlich über den Film, an dem er ebenfalls kaum ein gutes Haar lässt) ist dann von Rammstein-Frontmann Till Lindemann und “seinem typisch nazideutsch-martialischen Rollen des ‘R'” die Rede. Moment! Das gerollte ‘R’ ist typisch nazideutsch?

Natürlich, die Assoziation ist nicht völlig abwegig, schließlich ist ein gewisser Adolf Hitler einer der bekanntesten Nutzer eben dieser linguistischen Eigenart. Aber typisch nazideutsch? Hierbei versucht Jens Balzer, diese von ihm vorgenommene Verknüpfung als Fakt hinzustellen. Wie gesagt, es ist nicht unbedingt weit hergeholt, dabei an Hitler oder Goebbels zu denken. Das macht es dennoch nicht zu einem Nazi-Phänomen!

Würden wir das rollende ‘R’ grundlegend als das abstempeln, was Jens Balzer in seinem Beitrag behauptet, so würden sich Otto Wels, Marcel Reich-Ranicki, ach, so gut wie jeder Chanson- oder Opernsänger der Welt “nazideutsch-martialischer” Stilmittel bedienen.

Till Lindemann und das gerollte ‘R’ – mit gespaltener Zunge gesprochen. Bildquelle: http://bit.ly/2nzSxIY

Rammstein sind ein komplexes Kunstwerk. Ja, die Musik mag martialisch, stampfend wirken, die tiefe Stimme des Sängers und das berühmte ‘R’ mit Sicherheit düster, die Springerstiefel, die er dabei trägt und die harten Worte, die er singt, sehr deutsch. Aber damit kratzen wir doch nur an der Oberfläche. Springerstiefel werden heute ja auch eher in der linken Szene getragen. Jens Balzer ist mit Sicherheit ein intelligenter Mann, er zeigt es anhand der Sprache in seinem Artikel. Was allerdings auffällt, ist, dass genau diese kaum Stilmittel enthält. Ein Verständnis für Stilmittel ist jedoch notwendig, um das alles aufzubröseln und von der Spitze des Eisberges in das pechschwarze Meer einzutauchen, in dem sich das Herzstück von Rammstein bewegt: die Lyrik.

So sehr Jens Balzer versucht, Rammstein als primitive Rechts-Rocker darzustellen – und das tut er, daran lässt er keinen Zweifel – ihm gelingt es nicht, die Gruppe zu entkräften. Sein herablassender, schachtelsatzreicher Stil kann nicht darüber hinwegtäuschen, worum es ihm geht: Um die pure Reduzierung Rammsteins auf Nazi-Vergleiche.

Plötzlich findet ein Bruch im Artikel statt. Unter der Teilüberschrift Das letzte Großereignis einer Ära” schwenkt Balzer thematisch von der Band zum Intendanten des Hauses, Frank Castorf. Wir erfahren etwas über eine “siebenstündige ‘Faust’-Inszenierung”. Schön und gut, doch was hat diese mit dem bisherigen Inhalt der Kolumne zu tun? Was ist der rote Faden des Textes? Rammstein, Frank Castorf, oder Faust? In meinen Augen zumindest ist es die offensichtlich fehlende Struktur Balzers, die durch diesen unangekündigten Einschub zum Teil entlarvt wird. Er erinnert mich an meine strukturlosen ersten Versuche im Bereich des humoristischen Texts. Diese allerdings hatte ich mit vierzehn, fernab jeglicher Erfahrung und außerhalb einer einflussreichen Redaktion wie dem SPIEGEL.

Rammstein-Gitarrist Richard Z. Kruspe im Film “Rammstein:Paris”. Bildquelle: http://bit.ly/2n6iZvS

Nach diesem drei Absätze umfassenden Diskurs kehrt der Beitrag jedoch wieder dahin zurück, wo er begann. Vom “Maskulinismus-Chic der ‘Neuen Deutschen Härte'” ist jetzt die Rede. Herr Balzer, bitte fühlen Sie sich durch das, was ich jetzt frage, nicht beleidigt, aber: Sind Sie sich überhaupt dessen bewusst, dass Rammstein schon durch die Aufstellung der Mitglieder Ihren gesamten Punkt widerlegt? Dass es in dieser Band einen Christian “Flake” Lorenz gibt, einen großen, dürren Mann mit liebem, weichem Gesicht, der genau gegen diesen “Maskulinismus-Chic” steht? Der durch seine bloße Anwesenheit beweist, dass Rammstein nicht mit Rechts kokettiert, sondern Rechts parodiert?

Rammstein unterlaufen die totalitäre Ideologie nicht durch ironische Distanz, sondern durch Konfrontation mit der obszönen Körperlichkeit der ihr zugehörigen Rituale und machen sie damit unschädlich. – Slavoj Žižek, ZEIT Online

Jens Balzer bezeichnet Rammstein als “sonderbar humorlos” und beweist damit, dass er sich schlicht und ergreifend mit der Band nicht auseinandergesetzt hat. Er mag Rammstein ganz offensichtlich nicht, und das ist ja auch okay so. Doch hat er sich offensichtlich nicht einmal die Mühe gemacht, sich mit den Inhalten zu beschäftigen. Oberflächlichkeiten sind das, was er in diesem Text verarbeitet und uns als Fakt präsentieren möchte. Wie stark er sich damit in sein eigenes Fleisch schneidet, zeigt er schon im nächsten Satz:

“Da hilft auch nicht, dass sie aus Ostberlin kommen”

Entschuldigen Sie bitte meinen Ton, aber: Was für eine Frechheit besitzt Jens Balzer? Mit welcher Arroganz schreibt er seine Worte? Nie hat die ostdeutsche Herkunft der Band als Entschuldigung gedient. Herr Balzer, bitte erlauben Sie mir, folgendes Zitat von Till Lindemann aus einem Rolling-Stone-Interview hier anzubringen: “Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis – wir hassen Nazis!” Es ist falsch, dass die Bandmitglieder “sich auf Nachfrage als Linke bezeichnen”. Die Band hat diesen Nazi-Vorwürfen vor sechzehn Jahren bereits ein Lied gewidmet.

Sie wollen mein Herz am rechten Fleck, doch seh ich dann nach unten weg, dann schlägt es links. – Rammstein, “Links 2 3 4”

“Die Rammstein-Ästhetik ist die Urszene der Das-wird-man-ja-wohl-man-noch-mal-sagen-dürfen-Einstellung, von der die Björn Höckes des Landes bis heute zehren.”

Ich habe in Bezug auf Rammstein schon viel Falsches gelesen. Viele Menschen, die sich selbst als intellektuelle Elite sehen, versuchen, von oben auf die Band herabzusehen und das Ganze als primitiv abzustempeln. Aber dieses Zitat von Jens Balzer ist an Brutalität und Dreistigkeit nur sehr schwer zu überbieten. Björn Höcke, ein verkappter Nationalist mit Goebbels-Mentalität hat mit Rammstein nicht im Entferntesten etwas zu tun. Rammstein mögen zwar “harte Musik” mit deutschen Texten machen. Wenn man der Band aber Nazismus unterstellen will, hilft es, diese deutschen Texte überhaupt einmal zu lesen.

Rammstein sind selten politisch, oft aber provokativ. So thematisieren sie in ihrer Musik den Kannibalen von Rothenburg oder Joseph Fritzl. Wenn es aber mal politisch wird, und das ist in den wenigsten Songs der Fall, dann geht es eindeutig nach links. So kritisierten Rammstein schon den Lebensstil eines Donald Trumps, bevor überhaupt an seine Präsidentschaft zu denken war, im Song “Mehr”. Wie man es auch dreht und wendet: Rammstein ist alles Mögliche, aber nicht die Urszene für Pegida! Die wirklich Rechten, lieber Herr Balzer, die hören nicht Rammstein. Die hören FreiWild, Gigi und die Braunen Stadtmusikanten oder Stahlgewitter, die ekelhafte Sätze singen wie “Wehrmachtsoldaten – von Bonzen, Linken und Kommies verraten.”

“Rammstein an der Volksbühne: Das ist der komplette Konkurs einer einstmals emanzipatorischen Institution, die sich zu ihrem Ende aus falsch verstandenem Trotz gegen den als ‘neoliberal’ diskreditierten Internationalismus des ungeliebten Castorf-Nachfolgers Chris Dercon nun willenlos in die Arme des deutschnationalen Mainstreams wirft. Alle, die dieses Haus immer noch lieben, können an diesem Tag nicht anders, als sich zu schämen.”

Rammstein vor der Volksbühne. Bildquelle: http://bit.ly/2mQTa0U

Deutschnationaler Mainstream? Herr Balzer, fehlende Sympathie ist keine Entschuldigung dafür, dass Sie mit diesem Artikel vor allem an einem gescheitert sind: an Ihrem Job. Als Journalist ist es doch Ihre heilige Pflicht, genau solch oberflächliches Gezänk zu vermeiden. Erlauben Sie mir, mich einmal Ihres Stils zu bedienen: Alle Ihre Kollegen, die ihren Job immer noch lieben, können an diesem Tag nicht anders, als sich zu schämen.

Mir scheint, als schreiben Sie ohne jegliche journalisitische Distanz, dafür aber mit viel unbegründeter Wut und massenweise Vorurteilen. Leider sehe ich mich an dieser Stelle gezwungen zu sagen: Nein, nicht Rammstein ist die Urszene von Pegida und AfD, sondern Ihre Art und Weise der “Argumentation”. Uninformiert, oberflächlich, laut gebrüllt, mit großen Worten und offensichtlicher Wut zelebrieren Sie in Ihrem Artikel eindeutig widerlegbare Aussagen. Damit möchte ich Sie keinesfalls als Nazi bezeichnen, nichts läge mir ferner. Doch Sie argumentieren nach demselben Muster wie jene Menschen, die wir beide harsch kritisieren. Doch wenn wir kritisieren, müssen wir beide das doch auf fundierte Weise, professionell und distanziert tun. Wieso also schreiben Sie über ein Thema, wenn Sie nicht einmal die Energie aufbringen wollen, das zu tun, was ein Journalist immer und immer wieder tun sollte: das Offensichtliche zu hinterfragen und tiefer in die Materie einzutauchen? Das kann doch nicht Ihr Anspruch sein. Wer einfach nur “Rammstein sind Nazis” ruft, macht es sich viel zu einfach.

Ihre Kolumne, Herr Balzer, ist ein ärgerliches und vermeidbares Armutszeugnis, mit dem Sie niemandem, auch nicht sich selbst, einen Gefallen tun. Die zahlreichen Kommentare zu Ihrem Beitrag sprechen hierbei für sich. Wie gesagt: niemand erwartet von Ihnen Lobhymnen, Sie müssen auch gar nicht nett sein. Aber das Verbreiten von Falschinformationen in dieser Form möchte ich nicht hinnehmen. Ich glaube Ihnen ja, dass Sie ein guter Journalist sind und dass Sie es schaffen können, solche radikalen Ausfälle zukünftig zu vermeiden. Zu dieser Kolumne von Ihnen bleibt mir als Fazit nichts Anderes zu sagen als: “Der Neider hat es schlecht gewusst.”

Solange Medien wie der “Stern” oder der “Spiegel” uns hassen, ist die Welt in Ordnung. – Christian “Flake” Lorenz im Rolling-Stone-Interview



Vom Schreiben eines Romans

Marcel Reich-Ranicki warnte, man solle einen Schriftsteller nie danach fragen, woran er gerade arbeite. Denn wenn dieser antworte, würde er immer von dem Roman reden, an dem er gerade schreibe. Zumeist würde nichts aus diesem werden. Ich, für meinen Teil, habe allerdings meinen Roman beendet.

img_9907

Arbeitsplatz.

Im Folgenden möchte ich meine ganz persönliche Erfahrung mit dem Schreiben meines ersten Romans schildern, so gut es geht. An dem Buch habe ich etwa zehn Monate gearbeitet, spätestens vom 28. Mai 2015 bis etwa zum 7. März 2016. Wann genau ich begonnen habe, zu schreiben, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Es ist schon eine Weile her, und darüber hinaus habe ich mich Hals über Kopf ins Schreiben gestürzt. Aber was meine ich damit?

Die Herangehensweise eines Autors an einen Roman ist von Person zu Person unterschiedlich. Einige Schriftsteller legen sich, bevor sie mit dem Schreiben anfangen, die Grundelemente der Geschichte zurecht und verfassen ein sogenanntes Exposé. Das ist eine Art Inhaltsangabe mit Skizzen zu den Figuren und Handlungsabläufen. Andere Autoren planen sogar die einzelnen Kapitel ihres Romans. Während manche Schriftsteller sich strikt an ihr vorher verfasstes Exposé halten, lösen sich andere wiederum während des Schreibens von ihm und gehen offener mit der Skizzierung um.

Und dann gibt es Menschen wie mich. Die Ins-Blaue-Hineinschreiber, die Spontanen. Ich hatte, als ich die ersten Kapitel schrieb, nicht einmal selbst daran geglaubt, dass ich das Buch zu Ende bringen würde. Schon davor hatte ich bereits mehrfach ohne Erfolg versucht, einen Roman zu beenden. So ging ich an das Projekt ohne einen wirklichen Plan heran, und das hat mir sehr großen Spaß gemacht. Die Geschichte hat sich so im Laufe des Prozesses herauskristallisiert, die Entwicklung wurde mir quasi live bewusst. Aber wie drückt sich das aus?

Eine Frage der Perspektive. Mein Roman ist eine Art Echtzeitprotokoll der Geschehnisse im Leben eines Ausgerissenen, der sein Elternhaus fluchtartig verlassen hat und nun allein vor sich hin läuft. Er verfolgt seine eigene Attitüde, plant nicht, denkt nicht an ein Morgen. Daraus ergab es sich, dass ich in der Ich-Perspektive und im Präsens schrieb, die Dinge quasi erzählte, während sie passierten. Dies führte dazu, dass ich jeden einzelnen Schritt meines Protagonisten mitlief, jeden seiner Gedanken mitverfolgte und mich so stark in ihn hineinversetzen konnte. Ich bin der Ansicht, dass gerade das mir geholfen hat.

Die wichtigen Entscheidungen im Laufe der Handlung hatte ich nicht im Voraus gefällt. Mein Protagonist Jonathan Freimann und ich sind uns insofern ähnlich, als dass wir beide uns aus dem Nichts heraus, durch einen spontanen Geistesblitz, in unsere Abenteuer gestürzt hatten. Deshalb ließen wir uns gegenseitig voneinander leiten, wir kamen gemeinsam in die Gefilde, die in dem Roman beschrieben werden. Dies führte auch dazu, dass ich selbst vor den Entscheidungen stand, genau dann, wenn auch mein Protagonist sie in Angriff nehmen musste. Somit konnte ich meine eigenen Gedanken über gewisse Sachverhalte gut einbauen, und ich selbst entwickelte mich im Laufe der Arbeit am Buch zusammen mit meinem Hauptcharakter.

Wer den Roman liest, kann in ihm viele Gemeinsamkeiten mit meinem Schreibprozess finden. Durch reinen Zufall ist der Weg, den mein Protagonist beschreitet, an einigen Stellen fast schon eine Metapher für meine eigene Herangehensweise an das Buch. Eigentlich dürfte es somit klar sein, dass Jonathan Freimann mir nicht ganz unähnlich ist.

Die Parallelen zum Protagonisten. Natürlich unterscheiden mein Hauptcharakter und ich uns in vielen Punkten massiv voneinander. Das beginnt schon allein damit, dass er eine ganz andere Vergangenheit hat als ich. Er erlebt andere Dinge, hat ein anderes soziales Umfeld, und teilweise auch eine andere Mentalität. Was wir uns allerdings teilen, sind erstens der Musikgeschmack (Ja, das war mir irgendwie wichtig…) und zweitens das, worüber wir uns Gedanken machen. In vielen Punkten sind wir dergleichen Meinung. Das hat mir geholfen, ihn zu verstehen, die Lage zu analysieren und die Geschichte voranzubringen.

Inspirationsschübe. Während des Schreibens entstanden bei mir hin und wieder auch einmal größere Pausen. Mal schrieb ich weniger, mal allerdings war ich auch unglaublich produktiv und es fiel mir leicht, weiterzukommen. Einen Inspirationsschub kann man nicht erzwingen. Schon gar nicht, wenn man beim Schreiben kein festes Ziel hat. Man kann nicht versuchen, eine Idee zu haben. Es gab jedoch verschiedene Dinge, die in mir wieder die Lust weckten, weiterzumachen, die mich antrieben. Hier einige Beispiele dafür:

Das Lesen. Hätte ich den (unvollendeten) Roman Bilder deiner großen Liebe von Wolfgang Herrndorf nicht gelesen, gäbe es meinen eigenen Roman wohl nicht. Direkt, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte, habe ich mich selbst vor mein Dokument gesetzt. Ich wollte das Buch nicht kopieren, doch es löste in mir einen Sturm an Ideen aus, was Sprache und Stil angeht. Vielleicht ist es ein wichtiger Faktor, dass Bilder deiner großen Liebe ein unvollendeter Roman war. Ich kann es nicht genau sagen, aber möglicherweise war genau das der springende Punkt für mich.

“Bilder deiner großen Liebe” von Wolfgang Herrndorf. Quelle: rowohlt.de

Gespräche. Vor allem mit meiner guten Freundin und Kollegin Milena habe ich während des Schreibprozesses viel über das geredet, woran ich arbeitete, habe ihr einige Teile des Romans gezeigt, mir Rat von ihr geholt. Ihre Unterstützung hat mich an einigen Stellen dazu gebracht, die Arbeit nicht hinzuschmeißen, wenn ich mal verzweifelt war. Auch in der Überarbeitung war und ist sie mir eine große Hilfe.

kommentar

Kommentar von Milena in der Überarbeitung des Romans.

Aber nicht nur diese Gespräche sind signifikant hervorzuheben. Ein sehr wichtiger Tag für meinen Roman war der 7. September 2015. An diesem Tag waren wir im Büro des Bestsellerautors Sebastian Fitzek, den ich dort dann interviewte. Der Dialog mit ihm, das Treffen mit einem Schriftsteller seiner Größe, seine Leistungen, seine Beschreibungen über die eigenen Herangehensweisen – Das alles führte dazu, dass ich noch am selben Tag mit zittrigen Fingern vor der Laptoptastatur saß. Ich hatte nach dieser Begegnung einfach Lust, zu schreiben, zu arbeiten.

Auch Musik kann unfassbar wichtig sein. Während ich schreibe, brauche ich zwar komplette Stille, aber oft höre ich vor dem Schreiben Musik. Gewisse Songs passen einfach genau auf die Atmosphäre des Romans. Teilweise inspirieren mich ihre Texte, ihre Klänge. Ich habe eine Playlist mit über zwanzig Liedern, die mich beim Schreiben angefeuert haben. Diese Playlist könnte man quasi als den Soundtrack zum Buch bezeichnen.

 

Rückblickend gesehen war die Phase, in der ich an dem Roman arbeitete, in vielerlei Hinsicht voller Erfahrungen, Entdeckungen und Kreativität. Das Produkt dieser zehn Monate – mein Debütroman Weg – erscheint am 24. März 2017 als Taschenbuch und als eBook. Hier könnt ihr das eBook vorbestellen.



Meine Radiosendung “DunkelFunk”

Seit etwa eineinhalb Monaten habe ich meine eigene Radiosendung DunkelFunkIn diesem Artikel erzähle ich euch, wie es zu dieser Sendung kam und was sie behandelt.

DunkelFunk - Logo

Das Logo meiner Radiosendung.

Willkommen in der Dunkelheit! In DunkelFunk dreht sich alles rund um die Schwarze Szene: markante Stimmen, düstere Gitarren und Synthesizer. Jede Woche gibt euch unser Bent-Erik einen Einblick in die Welt der Gothics. Holt den schwarzen Nagellack, die Korsagen, das Kunstblut und die Kutten: Zeit für schlagende Rhythmen und alternative Klänge.

Wie entstand die Sendung? Nachdem ich ein paar Mal bei Hörsturz im Studio war, hatte ich Lust, das mal auszuprobieren mit einer eigenen Radiosendung. Gott sei Dank war ich nicht der Einzige, der darauf Lust hatte, und so hieß es, nachdem wir eine Sendezeit gefunden hatten (Sonntag, 21 bis 22 Uhr), dass ich mir ein Konzept überlegen sollte.

Das Konzept. Ursprünglich wollte ich zwei Stunden pro Woche machen, wofür ich mich heute regelrecht ohrfeigen könnte. Schon eine Stunde jede Woche zu füllen ist nicht immer einfach. Meine erste Idee war eine völlig themenlose Sendung mit dem Titel Wer hört denn so was?! – Spartenradio im Endstadium. Dies wäre eine Sendung geworden, in der ich wahrscheinlich die interessanteste musikalische Genrewanderung der Welt gehabt hätte: Von Rammstein über Eminem bis hin zu alten, deutschen Schlagern – und Depeche Mode.

Ganz konzeptlos sollte es jedoch nicht sein. Ich lief durch meine Wohnung und ließ mein Blick über mein CD-Regal streifen. Mit dem Blick auf meine CD-Sammlung (und das meiner Eltern, die mich mit regelmäßigen Musikspenden freundlich beim Fortführen dieser Sendung unterstützen) war die Idee für die Sendung geboren: Lieder, die man sonst nicht im Radio hört, Gruppen, die nicht jeder kennt. Alternative Musik, gehüllt in schwarze Kleidung. Das riesige Spektrum der Gothic-Szene verknüpft mit Heavy/Alternative, gerade so, dass es nicht zu metalhaft wird, Hauptsache, das Ding hat noch ordentliche Synthesizer.

Ich notierte also Konzept und Kurzbeschreibung und schickte es an ALEX, füllte die Produzentenanmeldung aus und fing an, zu produzieren. Aufgenommen wird die Sendung meist unter der Woche, damit sie am Sonntag ausgestrahlt werden kann. (Ein einziges Mal haben wir sie bisher an einem Samstag aufgenommen, das war der knappste Termin aller Zeiten, was daran lag, dass ich durch das Abenteuer “Öffentlicher Berliner Nahverkehr” nicht rechtzeitig im Studio war.)

Aber was hört man denn jetzt bei DunkelFunk so für Musik? Mach mal ‘nen Sonic Seducer auf: Das ist meine Welt. Gruppen wie Camouflage, VNV Nation, Depeche Mode, Lord of the Lost bis zu Rammstein – das ist mein Thema. Dabei sind immer etwas weniger als drei Viertel der Sendung Musik und der Rest Moderation zwischen den einzelnen Liedern.

Falls ihr jetzt interessiert an DunkelFunk sein solltet: Bei Mixcloud gibt es alle Folgen von DunkelFunk zum Nachhören in einer Playlist. Ausgestrahlt wird die Sendung jeden Sonntag um 21 Uhr im ALEX Radio (klickt hier für den Livestream). Die Setlists der einzelnen Folgen und Informationen über die Sendung gibt es auf Facebook.

Hier – als Eindruck – die fünfte Folge von DunkelFunk:



Ischwör, das is escht! – Scripted Reality

Kennt ihr das? Ihr habt des Nachmittags nichts mehr oder weniger Sinnvolles zu tun und schaltet aus diesem Grund die heimische Flimmerkiste ein. Die Programme, die euch dort entgegenwehen, tragen Titel wie „Mitten im Leben“, „Mein dunkles Geheimnis“, „Berlin – Tag und Nacht“ oder „Richterin Barbara Salesch“. Alle diese Formate haben etwas gemeinsam: Sie sind zwar realistisch inszeniert, ihre Inhalte jedoch entspringen den Köpfen von Autoren. („Ist diese Geschichte wahr oder haben sich unsere Autoren nur einen Scherz erlaubt?“ – Jonathan Frakes)

Dies nennt sich Scripted Reality und ist ein verbreitetes Phänomen im deutschen Privatprogramm. Große Produktionsfirmen aus dieser Branche sind zum Beispiel Filmpool. Filmpool zeigt sich verantwortlich für „Berlin – Tag und Nacht“, „X-Diaries“, „Verdachtsfälle“ et cetera. Sie produzieren für RTL, Sat.1 oder Pro7. Scripted Reality erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit – aber was ist das eigentlich?

Ganz einfach: Scripted Reality bezeichnet diese Art von Fernsehsendungen, in denen fiktive Handlungen als möglichst realistisch dargestellt werden. Dies kann man durch Bauchbinden und Einspielen von Off-Texten, aber auch durch die Darstellung und die Kameraführung erzeugen. Mithilfe von wenigen Schnitten und minimaler Videobearbeitung kann man im Nachhinein den Schein der Spontanität herbeiführen.

Ebenfalls hilfreich dafür: die Interviews mit den Protagonisten, die in regelmäßigen Abständen eingeblendet werden. Diese nämlich lassen die gescripteten Szenen ähnlich einem Bericht oder einer Reportage scheinen, vor allem in Kombination mit den besagten Bauchbinden („Maria Amjad (53), isst zur Not auch Klopapier“).

Manche Macher von Scripted Reality, hier explizit Doku-Soaps, beziehen aber auch real existierende Personen ein, die so dadurch in ihrem Privatleben großen Schaden erleiden können. Dies ist nicht erst seit dem „Verafake“ des Moderators Jan Böhmermann bekannt, die Plattform Fernsehkritik-TV berichtete schon vor Jahren über den „Skandal um Schwer verliebt“, wobei sie Kandidaten der Sendung interviewten.

Auch wir bei Digga beschäftigten uns mit dem Thema Scripted Reality, betrachteten dabei allerdings nicht Beispiele wie die Sendung „Schwer verliebt“ oder „Schwiegertochter gesucht“, sondern das RTL 2-Erfolgsformat „Berlin – Tag und Nacht“, welches eine enorme Bekanntheit erlangte. Daraus entstand unsere Parodie mit dem Titel „DIGGA Tag ohne Nacht“.
Beim Machen dieses Videos war es uns wichtig, nicht nur Inhalte oder Charaktere vom Original zu übernehmen, wir kopierten darüber hinaus auch so gut wie möglich den filmischen Stil und kleine Details, zum Beispiel auch die wackelige Kameraführung, die den Charakteren ständig hinterherläuft. Denn sonderlich professionell gedreht ist „Berlin – Tag und Nacht“ nicht, so sieht man häufig Menschen und Objekte im Bild, die da eigentlich nicht zu sehen sein sollten. Auch, was das Zensieren von Flüchen oder Beleidigungen angeht, ist die Sendung sehr schmerzfrei und – wenn sie denn mal ein F-Wort wegpiept – oft auch sehr ungenau.

Den Text für die Parodie schrieb Milena, inspiriert durch tatsächlich existierende Dialoge und Handlungen im Original, auch den Slang, den man ja meist automatisch schon mit Formaten wie diesen assoziiert, versuchten wir zu kopieren. (Wie wir manche Worte auszusprechen hatten, stand auch in Milenas Skript, und es ist unfassbar lustig, wie manche dieser Worte geschrieben aussehen.)

Wir haben auch sowohl bei RTL, als auch bei RTL 2 und Filmpool für ein Interview mit einem Experten angefragt, eine Antwort haben wir jedoch leider nicht bekommen.



Öffnet eure Geister! – Esoterik bei Hörsturz

Wir von DIGGA arbeiten auch mit unseren Freunden und Kollegen aus der Hörsturz-Redaktion zusammen. Neulich haben diese in ihrer Radiosendung das Thema Esoterik behandelt.

Ob nun durch orientalisch wirkende Musik, Meditation oder Astro-TV – Spiritualität ist der Gesellschaft nichts Neues mehr. Doch trotzdem ist vielen Leuten unklar, was Esoterik und Spiritualität sind.

Astro1-Astro-TV-BM-Lifestyle-Agrigento

Juliana von Astro-TV hat den Silber… äh, Zauberblick. Quelle: welt.de

Bei Hörsturz haben wir uns mit den Themen Spiritualität und Esoterik beschäftigt. Hierzu gehören Definitionen und Erklärungen, Hörspiele, die große Gottheit Gololo, so manches Chacre und natürlich O-Töne von Astro-TV. Mit Rammstein wurde hierfür auch gleich die passende musikalische Untermalung gefunden. Außerdem wurde Laura von der YOU zugeschaltet.

Hört mal rein:

 



Wer bin ich, und wenn ja, ein Kaktus? – Jugendliche beim Morgenmagazin

Eine Satire.

IMG_6436

Das Café von oben. Noch laufen die Vorbereitungen.

 

Am Dienstag Morgen waren wir in aller Herrgottsfrühe im Fernsehen zu sehen. Und wisst ihr was? Ihr habt es bestimmt nicht bemerkt! Schande über euch! Da gewinnen wir einmal einen Preis für unsere kreative Temporaldiarrhö, da werden wir einmal zur Abwechslung zu einer tatsächlich professionellen Fernsehproduktion geladen, und ihr schlaft. Aber es ist euch nachzusehen, schließlich waren wir heute Morgen zu einer unmenschlichen Uhrzeit, zu der man früher zu Zeiten der Wehrpflicht noch stramm vor der Kaserne zum Morgenappell stehen musste, im ZDF Morgenmagazin. Geführt wurden wir von einem wahrlichen Sonnenschein: Mit Kaktustemperaturen und dem Hoch Günther, viel Tamtam und Sympathie lotste Benjamin Stöwe, der Wettermensch, eine Gruppe verwirrter Jugendlicher, die sich Jungjournalisten schimpfen, durch den labyrinthischen Sendekomplex. Zum Frühstück gibt es einen halben Liter Volvic Still. Und sehr appetitlich aussehende Bagels. Die jedoch waren Deko.

Dort stehen wir also, atmen sowohl den Technikern, als auch den Moderatoren und Studiogästen die gesiebte, durch die Klimaanlage gehetzte Luft weg. Benjamin Stöwe setzt uns irgendwann aus reiner Verzweiflung in die Bildregie. Diese scheint hier wie eine Art Småland, welches wir aus dem IKEA kennen, zu funktionieren. Dort werden die nervigen Blagen abgestellt, damit sie bei der Arbeit nicht im Weg stehen. In besagter Bildregie sitzen mehrere Menschen jenseits der Midifecrisis, die ihren Joballtag damit verbringen, Knöpfe zu drücken und sich gegenseitig über Headsets anzuschreien. Mit welchem Interesse die Mitarbeiter hierbei vorgehen, ist ebenfalls bemerkenswert. So entsteht zwischen dem Chefknopfdrücker und einer der ihm untergeordneten Knopfdrückerinnen folgender Dialog.

Chefknopfdrücker brüllt in sein Headset: „Wir springen jetzt zur 63! Achtung: Position 63!“

Nach einer kurzen Pause ruft untergeordnete Knopfdrückerin durch ihr eigenes Headset zurück: „Was kommt denn jetzt?“

„Wir schieben jetzt das Topthema vor“, schnaubt der Chefknopfdrücker.

„Was ist denn das Topthema?“, keift es von der untergeordneten Knopfdrückerin.

„Wir springen jetzt zur 63. Für alle: Jetzt kommt Position 63!“

„Nee, weil da jetzt was mit Würzburg steht…“

„Noch dreißig Sekunden!“

IMG_6437

Das Småland des ZDF Hauptstadtstudios: Die Regie!

 

Einer der Schreibtische ist frei. Wir entscheiden per imaginärem Münzwurf, wer zuerst auf dem freien Sessel Platz nehmen darf. Benjamin Stöwe moderiert indes im unten angesiedelten „Café“ das Wetter. Dabei fallen fragwürdige Vergleiche, die von meiner Kollegin Frau Reinecke und mir mit irritierten Blicken kommentiert werden. Zitat: „Sollten Sie sich wie eine Sonnenblume fühlen, werden Sie in den kommenden Tagen aufblühen. Wenn Sie sich aber zum Beispiel wie ein Kaktus fühlen, dürften die heißen Sommertage nichts für Sie sein.“ Das ist doch schön. Das hat so etwas Philosophisches. Wer bin ich, und wenn ja, ein Kaktus?

Irgendwann werden wir wieder aus der Regie abgeholt, Benjamin Stöwe hat sein Outfit gewechselt, dann bringt man uns herunter ins Café. Dort sind wir, die wir als Jugendredaktion vor Ort sind, tatsächlich die jüngsten Gäste. Etwa vier bis sieben Jahrzehnte trennten uns von den anderen Besuchern des Cafés. Milena und ich unterteilen den Raum imaginär in drei Gruppen. Unsere Jugendredaktion, verwirrte Frühaufsteher in der Midlifecrisis und der Rentnerclub „Prostata Demenzia“. Auf den Tischen stehen leere Wasserkrüge und oben genannte Bagels als Studiodeko. Während über die Attacken in Würzburg gesprochen wird, kokettiert ein Mitglied des Rentnerclubs augenscheinlich mit einem der Kuchenstücke, die vereinzelt auf den Tischen stehen. Wer Stalingrad gesehen hat, den kann nun einmal so ein Axtmörder nicht mehr erschüttern.

Irgendwann stehen die beiden Moderatoren auf, die Studiosklaven gehen vereinzelt auf Leute zu. Man hat sich offensichtlich einen Kniff für diese Sendung ausgedacht, um den Schein der Interaktion mit dem Publikum zu wahren. So werden Leute in die Kulisse gesetzt oder gestellt und hin und her geschoben. Einige landen an dem Moderationstisch für die Nachrichten, andere, darunter wir, werden auf das Sofa gesetzt. Die Sendung verläuft gewöhnlich, Dunja Hayali spricht mit Studiogästen, parkinsongezeichnete Hände der Rentner bewegen sich auf Wassergläser zu.

IMG_6452

Wir zeigen wie gewohnt großes Interesse an dem, was wir beobachten.

 

Die Sendung neigt sich gen Ende, eine mir unbekannte, mehr oder minder interessante Gruppe trällert zum Abschluss ein fröhliches Singer-Songwriter-Liedchen. Die Sendung ist vorbei, alte Leute zittern aus dem Studiocafé, Benjamin Stöwe erscheint wieder, macht ein Foto von uns auf dem Sofa. Dunja Hayali kommt, hält spaßeshalber die CD der Gruppe vor die Kameralinse. Benjamin Stöwe bittet sie, sich dazuzusetzen. Es entsteht ein Gruppenfoto, danach steht Dunja Hayali wieder auf und geht. Auch wir bewegen uns aus dem Studio, gehen zusammen mit Benjamin Stöwe zuerst in die Kantine, dann in sein Büro, es wird getwittert und sich gegenseitig geretweetet.

IMG_6450

Das Gruppenbild mit Dunja Hayali, aufgenommen von Benjamin Stöwe.

 

Nach einer Art Abschlussbesprechung verlassen wir das Hauptstadtstudio, Benjamin Stöwe freut sich, dass sich seine Vorhersage bewahrheitet hat und die kommenden Tage für die, die sich wie ein Kaktus fühlen, nichts sein werden. Man verabschiedet und trennt sich. Wir, die Mitglieder, gehen endlich frühstücken.

Wir haben einen Preis gewonnen, der uns Einblick in eine professionelle Fernsehsendung bieten sollte. Und eines hat uns dieser Tag beigebracht: Perfekt ist nichts und niemand. Und wer sich wie ein Kaktus fühlt, sollte in den nächsten Tagen lieber zu Hause bleiben.



re:publica 2016 – Ein Fazit des ersten Tages

TEN

Hier ist mein Fazit zum ersten Tag der #MCB2016.

Wow – das war ein Brocken Arbeit! Der erste von zwei Tagen auf der re:publica war vor allem anstrengend, aber auch anregend und spannend. Hier mein persönliches Fazit des Tages.

IMG_0155

Janek und ich bekommen endlich ein wenig Sonne.

Für mich persönlich begann der Tag etwas unerfreulich: Ich habe verschlafen. Meine Kollegen werden jetzt behaupten, das sei typisch für mich, tatsächlich kam es bei mir zu diesem Ausnahmezustand am 2. Mai zum ersten Mal.

Mit fünf Minuten Verspätung (obwohl ich zwanzig Minuten zu spät aus dem Haus war) war ich also auf dem Gelände der re:publicaTEN.

Sonnenbrillen, Anzugträger, Liegestühle, Handys, Laptops, Tablets. So im Grunde kann man das Bild, das sich beim Betreten des Geländes erstmalig ergab, gut zusammenfassen. Nach einem ausgedehnten Briefing – eine Einweisung aller Beteiligten in die heutigen Aufgabe – gingen Janek und ich an unsere Arbeit. Bei diesem Briefing hat sich übrigens vor allem eins gezeigt: Unser Team ist riesig!

Hate Speech Bild

In letzter Zeit werde ich von meinen Kollegen primär essend oder schreiend fotografiert.

Was haben wir denn jetzt dort gemacht? Wir, die wir für DIGGA auf der re:publica verantwortlich waren, haben uns hier auf der Plattform mit der Serie WAS IST WAS? befasst. Unsere Fragestellung: Wissen die Besucher der re:publica eigentlich, was die ganzen Fachbegriffe, die auf dem Event fallen, überhaupt bedeuten?

Neben den Artikeln mit Definitionen zu den einzelnen Begriffen gab es auch Videomaterial:

Ein Wunder der Technik.

Was gab’s sonst? Wir waren in den Hallen unterwegs. Online-Magazine, Fernseh- und Radiosender waren dort. Wahrscheinlich einer der Höhepunkte gestern: die Liveschalte zu Edward Snowden. Aber auch im Bereich Virtual Reality gab es viel zu sehen: Am ZDF-Stand bekam man unter anderem kostenlos ein sogenanntes Cardboard, eine Art Brille, mit der man über sein Handy Videos in 3D und 360° sehen kann. Es ist unfassbar interessant, was sich heute mithilfe von ein wenig Pappe, zwei Linsen und einem handelsüblichen Smartphone (wenn es denn groß genug ist) alles möglich ist.

William Cohn

Ebenfalls am ZDF-Stand traf ich diesen lebenden QR-Code, bekannt u.a. aus dem NEO MAGAZIN ROYALE.

Leute liefen herum, von einer Halle in die nächste, und hatten keine Zeit. Denn das Programm war prall gefüllt: Vorträge zu den verschiedensten Themen, besagte Snowden-Liveschalte, aber auch das Programm an den zahlreichen einzelnen Ständen. Es gab also viel zu tun, vor allem für unser Team: Es wurde der Blog von ALEX Berlin bespielt, ein SoundCloud-Account eingerichtet, natürlich auf DIGGA berichtet und Livestreams und YouTube-Videos erstellt. Auch auf den sozialen Netzwerken waren wir aktiv.

Wir haben sehr viel gemacht, viel Content für euch produziert. Mir hat sowohl das Arbeiten als auch das Bewegen auf dem Gelände großen Spaß gemacht. Der erste Tag auf der Media Convention 2016 war arbeitsreich, aufregend, hochinteressant und kreativ. Freut euch schon auf das Fazit zum zweiten Tag.



Was ist was? – auf der re:publica (Teil 3 – Geoblocking)

Was ist GEOBLOCKING?

IMG_0152

Du kommsch hier nisch rein!

Stell dir vor, du willst ein Video auf YouTube sehen, in dem Musik einer erfolgreichen US-amerikanischen Popsängerin verwendet wird. Dann begegnet dir die berühmte Sperrtafel.

Das ist Geoblocking.

Als Geoblocking bezeichnet man die regionale Sperrung von Webinhalten durch den Anbieter. Dadurch werden Menschen aus einem Land (in unserem Beispiel Deutschland) von der Nutzung des Contents (zum Beispiel des YouTube-Videos) ausgeschlossen.

Aber woher wollen die wissen, dass ich aus dem Land komme, in dem der Content gesperrt ist? Jeder, der im Netz unterwegs ist, hat eine eigene IP-Adresse. Die ist bei jedem anders, trotzdem lässt sich an ihr erkennen, aus welchem Land die Anfrage, dass man den Content abrufen möchte, kommt.

Geoblocking kommt besonders zum Schutz des Urheberrechts im Internet, zum Beispiel bei YouTube, zum Einsatz – hier ein Artikel von der GEMA dazu. Aktuell ist die Debatte um Netflix sehr groß, da der Dienst in Deutschland einige Nutzer sperrt. Dabei geht es zwar nicht um Urheber-, sondern um Lizenzrechte. Doch die Lizenzen zur Nutzung müssen durch den Urheber erteilt werden.