Carolina

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Von Panamá nach Deutschland – ein Erfahrungsbericht

Carolina kommt aus Panamá und war für zehn Monate in Deutschland. Ihre Erfahrungen hat sie für DIGGA aufgeschrieben. Den spanischen Originaltext gibt es hier nachzulesen: 

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Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich erfuhr, dass ich nach Deutschland gehen würde. Das war eine große Überraschung. Ich kam gerade abends von  der Schule nach Hause, meine Eltern und meine Oma erwarteten mich vor dem Haus, mit Feuerwerk und Süßigkeiten in der Hand, die meine Mutter gekauft hatte, auf denen “Herzlichen Glückwunsch” stand. Ich glaube, ich habe nie solche Freude verspürt, wie an diesem Tag.

Von diesem Moment an, drehten sich alle meine Gedanken nur um Deutschland. Ich hatte hohe Erwartungen an mein Leben dort und was mir alles tolles dort passieren würde. Ich glaube, ich habe nie die Tatsache realisiert, dass ich zehn Monate ohne meine Familie und Freunde unterwegs sein würde, eine andere Sprache lernen müsste, die ich überhaupt nicht konnte, dass ich bei unbekannten Personen leben würde und so tun würde, als wären sie “meine Familie”. In diesem Moment war nichts davon für mich wichtig. Das einzige, das ich wollte war, nach Deutschland zu gehen. Und ich wollte es jetzt!

Als endlich der ersehnte Tag 0 kam, fühlte es sich sehr komisch an, denn es war ein Tag wie jeder andere. Die Aufregung war verflogen, der Traum wurde Realität.

An meinen ersten Tagen in Deutschland fühlte ich mich mehr wie eine Touristin. Alles war neu, fantastisch, unglaublich. Meine Familie sprach mit mir auf englisch, sie erklärten mir alles mit sehr viel Geduld. Vor der Schule hatte ich ein bisschen Angst, denn ich verstand nicht, was vor sich ging. Ich verlief mich und fand nicht das richtige Klassenzimmer, ich wusste nicht, wo die Toiletten waren und ich hatte Angst davor, mir etwas in der Cafeteria zu kaufen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich ziemlich Schiss vor Bussen oder Bahnen hatte, ich befürchtete, mich zu verirren.

Ich fühlte den Frust in mir aufsteigen, denn ich wollte die anderen verstehen. Die unterschiedlichen Uhrzeiten in der Schule und nur deutsch zu hören, verschafften mir Kopfschmerzen. Ich fühlte mich ausgeschlossen, weil ich nicht über die Witze meiner Klassenkameraden lachen konnte.

Doch nach und nach entwickelte ich meinen eigenen Alltag. Ich lernte immer mehr über die Kulturen und die Dinge, die mir anfangs noch merkwürdig erschienen, übernahm ich irgendwann selbst. Ich gewöhnte mich an die Menschen, die ich morgens im Bus sah, an die Nachbarn, meine Familie, meine Freunde und jetzt endlich fühle ich mich als ein Teil von Deutschland.

Ich erinnere mich an das erste Mal, als ich Heimweh bekam. Es waren schon eineinhalb Monate seit meiner Ankunft vergangen. Das merkwürdigste war, dass ich nur eine Umarmung meiner Mutter wollte. Ich wollte, dass meine Mutter vorbeikommen, mich für eine Minute in den Armen halten und dann wieder gehen würde. Das hört sich ziemlich egoistisch von mir an, aber ein Austauschstudent sein zu wollen, ist eine egoistische Sache, denn du denkst an niemand anderen, nur an dich und was dir passieren wird. Du denkst nicht daran, dass du jemanden fehlen würdest oder sich mehr als eine Person um dich sorgen würde.

Meine Tage hier waren eine echte Achterbahnfahrt der Gefühle. Während die Tage vergehen, erlebst du alles aufmerksamer und intensiver. Ich schätze die Dinge, die ich zu Hause habe genauso, wie die Dinge, die ich hier habe. Ich habe schon meine hohen Erwartungen vor meiner Reise erwähnt und obwohl manche Dinge anders verliefen oder verlaufen, als ich sie vor einigen Monaten in meinem Kopf geplant hatte, bin ich nicht enttäuscht. Ich habe viele neue Sachen kennengelernt, um mich zu amüsieren, andere Dinge, die ich machen kann und andere Lebensformen. Mit diesen Erfahrungen fühlst du dich wichtig und besonder, sie geben dir die Lust am Leben. Du fühlst, dass alles möglich ist.

Doch zur gleichen Zeit kämpfst du mit den Vorurteilen derjenigen, die denken, ein Auslandssemester bedeute, jeden Tag feiern zu gehen, ohne Verantwortung tragen zu müssen.

Noch dauert es ein paar Monate, bis ich zurück gehe. Ich weiß nicht, wie ich mich fühle, ich würde es in etwa so beschreiben: 15% Freude, 15% Nervosität, 20% Angst und 50% Trauer. Ich habe große Angst, das Leben hier, das ich mir die letzten Monate aufgebaut habe, hinter mir zu lassen und in meine “Realität” zurückzukehren.

In diesen nun fast acht Monaten seit meiner Ankunft in Deutschland habe ich begonnen, mich an die Menschen hier zu gewöhnen, ihre Kultur, ihre Gesellschaft. Ich habe meine eigenen Ideologien umgeworfen, ich wurde zu einer Person, die nun viel offener ist, das “andere” zu akzeptieren. Genauso habe ich von den anderen Austauschschüler gelernt, dass, auch wenn wir aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, uns dieses eine gemeinsame Gefühl vereint.



Geburtstage in Panamá – Geburtstage in Deutschland

Carolina war für 10 Monate in Deutschland. Ihre Erlebnisse hat für DIGGA aufgeschrieben. Hier findet ihr den spanischen Originaltext. 

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Jede Kultur hat ihre eigene Art, spezielle Festlichkeiten, wie den Geburtstag zu feiern.

Mein erstes Mal bei einem deutschen Geburtstag kann ich nur schwer beschreiben, aber ich war ziemlich verwirrt. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich in diesem Artikel nur meine eigene Erfahrung aufschreibe, beruhend auf den Feiern meiner Familie in Panamá, meiner deutschen Gastfamilie und Freunden aus Deutschland.

In Panamá hängt vieles vom Alter des Geburtstagskindes ab. Je mehr Kinder, desto größer der Aufwand der Feier, die die Eltern ausrichten. Alles muss perfekt sein. Auch wenn das für mich nicht unbedingt Sinn ergibt, für einen zweijährigen eine riesen Feier zu veranstalten, der nicht mal weiß, dass er Geburtstag hat und ihn so richtig genießen kann.

Aber allgemein wird eine Kindergeburtstagsfeier sehr lange im Voraus geplant, sehr viel muss organisiert werden: Die Torte muss bestellt werden, die Geschenke gekauft, ein Ort mit genügend Platz gefunden werden, Aktivitäten geplant, Essen für viele Menschen vorbereitet werden. Alles wird mit Ballons, Karten usw dekoriert. Es gibt immer einen extra Tisch für die Torte und Säckchen voller Süßigkeiten und Spielsachen für die Gäste des Geburtstagskindes. Während der Feier wird getanzt, Spiele gespielt, in der Regel gibt es einen Clown. Dann kommt schließlich der besondere Moment, wenn alle zusammen das Geburtstagslied singen und das Geburtstagskind im Kreise seiner Familie vor der Torte sitzt. Am Ende des Liedes werden die Kerzen ausgepustet, sich dabei etwas gewünscht und alle applaudieren. Dann kommt der Teil mit dem Essen und der Süßigkeiten. Normalerweise werden die Geschenke erst geöffnet, wenn alle Gäste gegangen sind. Wirst du schließlich älter und erwachsener, verändern sich die Feiereien, sie werden ein bisschen seriöser und ernsthafter, aber die Süßigkeiten bleiben.

In Deutschland kommt es genauso auf die Personen an, aber allgemein gesehen, sind die Feiern viel familiärer und ruhiger. Nachmittags beginnt die Kaffezeit, wo die Familie zusammensitzt und sich bei Kaffee und Kuchen unterhält. Dann kommt der Moment, an dem das Geburtstagskind all seine Geschenke öffnet und danach wird zu Abend gegessen. Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen Kindergeburtstagen und den der Erwachsenen.

Dagegen sind die Geburtstagsfeiern der Jugendlichen unglaublich. Sie feiern zu Hause ohne Eltern, mit viel Musik und gut –  viel Alkohol. In Panamá würden die Eltern niemals ihrem Sohn oder ihrer Tocher zwischen 16 und 21 Jahren ihr Haus anvertrauen, damit diese dort alleine eine Party schmeißen können. Mein erster Geburtstag dieser Art war der 18. Geburtstag einer deutschen Freundin. Unglaublich und ziemlich lustig.

 

 



Berlin ist Berlin

Carolina kommt aus Panamá und verbrachte ein paar Wochen in Berlin. Die Eindrücke ihres ersten Tages hat sie hier festgehalten. Den spanischen Originaltext könnt ihr hier nachlesen. 

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Wenn wir in Lateinamerika an Berlin denken, kommt uns als erstes die  Geschichte in den Sinn, aber wir haben keine Ahnung von den Menschen und deren Alltag dort. Als ich meine Reise nach Berlin vorbereitete, hatte ich also keine Vorstellung davon, wie es hier sein könnte. Ich vermutete, dass Berlin ähnlich wie Hamburg sei, schließlich sind beide die größten Städte Deutschlands. Aber ich irrte mich.

Ich begann meinen Stadtrundgang um 11.30 Uhr mit einer Stadtkarte und meinem Handy in der Hand. Mein erster Halt war natürlich der “Alexanderplatz”. Als ich aus der U-Bahn stieg, fühlte ich, dass die Stimmung anders war – ich sah sehr beschäftigte Leute, die von einem Ort zum anderen eilten.

Brunnen am Alexanderplatz

Brunnen am Alexanderplatz

Ich verließ den Bahnhof und befand mich auf einmal unter vielen Verkäufern, die Essen oder Souveniers auf der Straße verkauften. Es war ein sonniger Tag, ich lief ein bisschen weiter, bis zu einem großen Brunnen. Um ihn herum saßen viele Menschen: Ein paar von ihnen ruhten sich mit ihren großen Tüten vom Einkauf aus, andere aßen mit ihren Freunden zusammen und lachten.

Weltzeituhr

Die Weltzeituhr zeigt auch die Uhrzeit in Panamá an

 

Ich überquerte die Straßenbahnschienen und stand vor der großen Weltzeituhr. Ich freute mich sehr, als ich Panamá dort entdeckte und im Hintergrund erhob sich der beeindruckende Fernsehturm.

 

Später fuhr ich mit der Sbahn zum Brandenburger Tor, wo ich mich wieder zwischen vielen Touristen mit ihren Kameras befand, die ein Foto nach dem anderen knipsten.

Brandenbruger Tor

Die Spitze des Brandenburger Tors

Ich fühlte mich sehr sicher. Es war ein beeindruckendes Bauwerk, jedes Mal, wenn ich mich näherte, konnte ich mehr Details erkennnen.

Der Platz war voller Menschen, die Stadtrundgänge zu Fuß, mit dem Bus, dem Fahrrad und sogar Pferdekutschen anboten.

pferdekutsche

Pferdekutschen für Berlin – Touristen

 

 

Ich beschloss weiter zu gehen und zu sehen, was es hinter diesem großen Tor gab. Also folgte ich anderen Touristen und sah nur eine große Straße, die von vielen Bäumen umgeben war.

ich bemerkte die vielen Menschen, die zu einem kleinen Park strömten. Neugierig folgte ich ihnen und Überraschung: Ohne es geplant zu haben, befand ich mich vor dem deutschen Parlament (Reichstag), mit der gigantischen Deutschlandfahne, daneben die der Europäischen Union. Die Touristenströme nahmen nicht ab, sie hörten nicht auf, Fotos zu machen.

Haus der Kulturen der Welt

Das Haus der Kulturen der Welt

Das Haus der Kulturen der Welt war nicht weit und so beschloss ich, es auch zu besichtigen. Die Statue in dem See vor dem Gebäude war wundervoll.

 

 

 

 

Ich wollte den Tag nicht beenden, ohne ein Stück der Berliner Mauer gesehen zu haben, also suchte ich auf meinem Handy die nächste S-Bahn oder U-Bahnstation, um mein Stück Mauer zu finden. Die Suchmaschine schlug mir die Station “Nordbahnhof” vor, wo ich nach einer kurzen Weile die Berliner Mauer Gedenkstätte fand. Dort fanden gerade einige Exkursionen für Studenten statt.

Holocaustdenkmal

Holocaustdenkmal

Nach sechs Stunden laufen beschloss ich, meinen ersten Tag in Berlin mit der Holocaust Gedenkstätte zu beenden. Ich verlief mich ein paar Mal und fand es schließlich in der Nähe des Brandenburger Tores. Viele Menschen, vor allem Jugendliche, saßen auf den Steinen verteilt und Touristen schossen Fotos, während sie um die Steine liefen.

 

Latinos in Berlin.

Ein spannender Tag geht zu Ende, Berlin hat viel zu bieten: Bauwerke, Menschen, vor allem Touristen. Auf meinem Rundgang traf ich auch ein paar andere Menschen aus Lateinamerika und Spanien, die mir von der Stadt vorschwärmten.

Yolanda, Katya und Daniela aus Peru

Yolanda, Katya und Daniela aus Peru

Yolanda, Katya und Daniela.

Perú

Yolanda kommt aus Perú und lebt seit vielen Jahren mit ihrem Mann in Berlin. Für sie ist Berlin eine multikulturelle und historische Stadt und hat viele Dinge zu bieten. Gerade hat sie zwei Freundinnen aus Perú zu Besuch. Ihre Freundinnen sind von der schönen Stadt begeistert, ihnen gefallen besonders die spannenden Museen.

Bella und Beatriz, Architekturstudentinnen aus Spanien

Bella und Beatriz, Architekturstudentinnen aus Spanien.

Bella und Beatriz

Spanien

Die beiden sind für zwei Tage iin der Stadt. Sie studieren Architektur in Spanien und wollen die Berliner Architektur kennenlernen. Ihnen gefallen besonders die Museumsinsel und die goldene Statue.

 

Fauren aus Kuba  wohnt nun seit 34 Jahren in Berlin und ihm gefällt die Stadt sehr. Für ihn ist Berlin eine sehr touristische Stadt, die Sprache sehr schwierig aber das hindere ihn nicht daran, hier zu arbeiten.

Jerry aus Costa Rica

Jerry, Berlin-Stadtführer aus Costa Rica

Jerry

Costa Rica

Jerry lebt seit 15 Jahren in Berlin. Seine Frau ist Deutsche und er mag die Stadt. Er arbeitet als Stadtführer. Jerry hat den Eindruck, dass die Geschichte der Mauer für die Touristen am spannendsten sei und seit der Fußball-Weltmeisterschaft noch mehr Touristen in de Stadt kämen.. Allerdings findet er, dass die Menschen hier manchmal ein wenig hart seien und auch die Pünktlichkeit kann für Ausländer schwierig sein.

Alan aus Mexiko wohnt seit drei Jahren in Deutschland. Hier könne er bequem leben. “Berlin ist eine multikulturelle Stadt”, sagt er, aber “Berlin ist nicht Deutschland, Berlin ist Berlin.”