Milena

Milena



Was ist was? – Auf der Media Convention 2017

Wir von Digga sind dieses Jahr wieder auf der Republica und berichten für euch auf allen Kanälen.

“Love out loud” ist das Motto der diesjährigen re:publica.

Zwischen Interviews und Essen probieren wir auch dieses Jahr wieder herauszufinden, was die ganzen englischen Fachbegriffe bedeuten, mit denen die Leute so gekonnt jonglieren.

Was bedeutet digitale Verteidigung, was sind Filterbubbles – und was ist eigentlich der Unterschied zwischen multimedial und crossmedial?

Diesen Fragen wollen wir in unseren Interviews auf den Grund gehen.

Einige unserer Interviewpartner sind Inhaber der verschiedenen Stände und stellen dort ihre Startups vor. Der Begriff “Startup” bezeichnet ein noch nicht etabliertes Unternehmen, welches innovative Lösungsvorschläge für Probleme entwickelt oder probiert, mit oft geringem Startkapital neue Geschäftsideen zu verwirklichen.

Dabei wird oft multimedial vorgegangen – das heißt, ein Thema wird anhand verschiedener medialer Darstellungsformen bearbeitet, sei es audiovisuell in Form eines Videos, klassisch textlich und natürlich auf den sozialen Netzwerken – eigentlich genau das, was wir von Digga auch machen.

Für die Anmoderation haben wir uns in Schale geschmissen!

Bei crossmedialem Vorgehen wiederum geht es um die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen Medien. Die verschiedenen Informationskanäle werden miteinander verknüpft. Wenn ich also von einem Youtube-Video aus direkt zur Facebookseite der Produzenten weitergeleitet werde, wo ich einen spannenden Podcast zur Gründung des Produktionsteams anhören kann, dann habe ich von der crossmedialen Arbeit profitiert.

 

Prominenz ist auch am Start: Béla im Interview mit Fernsehmoderator Claus Kleber.

Wichtig ist nur, dass man sich nicht nur in seiner eigenen Filterbubble bewegt. Die Algorithmen von Facebook, Instagram und co sind mittlerweile so perfektioniert, dass dem Nutzer der sozialen Netzwerke oft nur die Inhalte angezeigt werden, die für ihn persönlich vom Algorithmus für relevant befunden wurden. Auf diese Weise liest man vermehrt Artikel, die die eigene Meinung nur noch mehr festigen, anstatt aus seinem beschränkten Sichtfeld herauszukommen und neue Denkanstöße zu bekommen.

 

Aber sehen wir uns jetzt einmal an, was unsere Interviewpartner zu den einzelnen Themen zu sagen hatten:

Das von Béla angekündigte Interview mit Claus Kleber gibt’s dann übrigens im nächsten Beitrag zu sehen!

Unseren Radiobeitrag dazu könnt Ihr Euch hier anhören:



„Kinder an die Macht!“ – Und dann?

Das ist in etwa die Grundaussage der Jugendpolitiktage, die dieses Jahr zum ersten Mal vom 5.-7. Mai in Berlin stattfinden.

Hier trifft sich der politisch engagierte Teil der Jugend, um sich in schwerpunktorientierten Foren über ihre Projekte und Ziele auszutauschen.

Ein Vorhaben, das schon bald in eine hitzige Debatte mündet, denn die Mehrzahl der Teilnehmer ist selbst Mitglied in einer regionalen Arbeitsgemeinschaft oder engagiert sich anderweitig ehrenamtlich.

Die Diskussion verläuft nach dem sogenannten Fishbowl-Prinzip, sodass ein reger Wechsel zwischen den jungen Diskutanten stattfinden kann, deren Intention allerdings anscheinend vor allem darin besteht, dem Publikum ihre rhetorischen Fähigkeiten zu präsentieren.

Diese sind zwar bemerkenswert, was auch durch entsprechende Applausunterbrechungen gewertet wird, doch inhaltlich dreht sich die Debatte im Kreis.

„Staatsversagen, Chancengleichheit und Mitbestimmungsrecht in den Gremien“

Kaum ein Redebeitrag vergeht, ohne dass wenigstens einer dieser vorformulierten Ausdrücke fällt.

Das verleiht den Jugendlichen irgendwann eine gewisse Unglaubwürdigkeit, zumal die einzige wirkliche Forderung ist, mehr mitbestimmen zu dürfen. Ein lauter Schrei nach Macht also – doch ohne konkrete Vorschläge, was mit der Macht angerichtet werden soll.

Auch, als ich diese Frage noch einmal im persönlichen Gespräch stelle, herrscht allgemeine Ratlosigkeit.

Doch wie sich diese genau äußerte und was die Jugend von heute sonst noch so loswerden wollte, könnt ihr euch hier im Audiobeitrag anhören!

Insgesamt ist es auf jeden Fall eine interessante Veranstaltung, die sich lohnt und die man unterstützen sollte!



Die Grüne Woche wird verschmäht! Ein satirischer Tagesablauf.


DIGGA war auf der Grünen Woche!

Und so ist es gewesen: (—Achtung, Ironie—)

Die erste Station unseres  Abenteuertrips namens „Grüne Woche“ ist Brandenburg. Brandenburg liegt zwischen Schleswig-Holstein und Bayern, zumindest auf der Grünen Woche, seit irgendein überzeugter Gegner geographischer Standards beschlossen hat, die verschiedenen Messehallen nach Bundesländern zu benennen.

Wir sitzen also auf original brandenburgischen Bierbänken vom rbb, auf dessen mit Eigenwerbung beschmückter Bühne am laufenden Band journalistische Glanzleistungen präsentiert werden (Zitat: „Wie ist es für Sie, hier zu sein?“ –„Ja, ich freue mich wahnsinnig, hier sein zu dürfen.“) Der Rest der nur beschränkt mobilen Grüne-Wochen-Klientel, der sich hier auf den Bierbänken vielmehr unter als vor der Bühne versammelt hat, blickt andächtig gen Gipfel des Journalismus’ (rbb-Bühne) und klatscht verhalten ob des morgendlichen Spektakels, das sich ihm hier bietet.

Ein Altmänner-Blasorchester marschiert auf, es werden diverse Jagdsignale zum Besten gegeben; bei der Zugabe, dem sogenannten Hundeführerruf, ertönen handgemachte Pfiffe; mittlerweile klatschen über zehn Menschen und ein Lokalpatriot mit versoffenem Gesicht und geschecktem Vollbart singt mit Tränen in den Augen die Hymne von Brandenburg.

Im Anschluss daran tritt eine Dame mit ausladendem Gewand auf die Bühne und stellt sich als Kurfürstin von Oranienburg vor, woraufhin sie auch vom dauermotiviert frohlockenden Moderator konsequent als solche angesprochen wird.

Die Digga-Redaktion hingegen hat genug von solch albernen, niveaulosen Konversationen, deshalb begibt sie sich schleunigst wieder auf ihr Niveau und interviewt das Opfer der Maskottchen-Datenbank, ergo die Kurfürstin von Oranienburg, direkt, als sie von der Bühne tritt mit den Worten: „Wie stellen Sie es eigentlich an, in diesem Aufzug aufs Klo zu gehen?“ (Die Antwort werdet ihr übrigens bald in unserer audiovisuellen Reportage erhalten, wenn sie denn mal fertig geschnitten ist.)

Doch das Niveau steigt stetig und erreicht neue Sphären: Wenig später schon steht die Digga-Redaktion nämlich in Bayern und führt außerordentlich anregende Gespräche mit bierbäuchigen Repräsentanten des Trachtenvereins. Dank investigativen Journalismus’ ist bald enthüllt, wozu ein Trachtenverein eigentlich noch da ist, außer dass nostalgische Patrioten sich unter Gleichgesinnten ihre Lederhosen mit Starkbier bekleckern: Es können nämlich darüber hinaus traditionelle Tänze getanzt werden und kostenlos und ungestraft Damen betastet werden! Na, wenn das nicht ein Grund ist, dort einzutreten. Schließlich wird auch regelmäßig eine Dirndl-Königin gekrönt! Ein Event, das ein stolzer Bewunderer größeren Körbcheninhalts unter keinen Umständen verpassen darf!

Erfüllt von diesem bereichernden Interview begeben wir uns über Umwege in die Tierhalle, wo uns inmitten von Kühen, Pferden und anderem Getier eine reizende Dame das Konzept Massentierhaltung erklärt, ohne allerdings dieses Wort in den Mund zu nehmen. Stattdessen schildert sie mit scheinheiligem Zahnpastalächeln den Alltag einer ihrer Milchkühe („Nö, die kommen eigentlich nie aus den Stalllungen.“) Sebastian, unser Moderator, lässt sich nichts anmerken („Na, das klingt ja alles ganz positiv“) und lässt die Dame weiterhin in ihrem Glauben wähnen, der Irgendwas-mit-Medien-Jungspund würde beim Interviewen sowieso nur auf den Tonfall und nicht auf den Inhalt des Gesagten achten.

Manchmal jedoch ist genau das die einzige Möglichkeit, weiterhin auf den Interviewpartner einzugehen, zum Beispiel wenn es sich dabei um den Vertreter einer bayrischen Kapelle oder eines Alpakahofes handelt, der demzufolge seiner bayrischen Identität entsprechend redet. Teilweise verstehe ich als bemitleidenswerte Moderatorin kein einziges Wort und springe deshalb wild zwischen den Themen hin und her, um das Interview schnellstmöglich zu beenden.

Der Rest der Digga-Redaktion googelt währenddessen nach Übersetzern.

In der internationalen Halle schenkt uns ein nervöser Fertignudelverkäufer ein Päckchen Yum Yum, in Schleswig-Holstein testen wir Wasser in allen Variationen, gewinnen bei der Tombola eingeschweißte Würste und wärmen uns die Hände an der Kuh.

Nach einigen erfolglosen Versuchen, an den Ständen kostenlos größere Mengen an Nahrung zu erhalten („Wir sind von der Jugend-Redaktion DIGGA, dürfen wir was probieren?“), beschließen wir, uns etwas zu essen zu kaufen, doch Mitläufer-Betriebe wie Ditsch haben sich den restlichen Preisen der Messe angepasst und bieten jetzt ihre halbgaren Pizzazungen für 4 Euro an. In Ermangelung günstigerer Alternativen schlägt man zu.

Die Zeit rennt, wir schieben uns durch die Massen an trachtentragenden Tölpeln, die Speicherkarten füllen sich mit mehr oder minder brauchbarem Videomaterial, die Motivation sinkt. Bald schon sind wir wieder in Brandenburg und lassen den Tag ausklingen, indem wir unsere Technik zusammenpacken und uns auflösen.

Die Grüne Woche war mal wieder ein Heidenspaß!

 

 



Interview mit Katja Krasavice

Im vergangenen Jahr haben wir die Youtuberin Katja Krasavice auf den Video Days interviewt. Hier noch einmal das originalgetreu transkribierte Interview zum Nachlesen.

Laura: Eine ganz einfache Frage – warum bist du auf Youtube?

Katja: Weil Youtube zurzeit die Plattform ist, die einem Reichweite bietet und weil  ich angefangen hab und irgendwann bekannt wurde, darum bin ich auf Youtube.

Laura: Also ist dein einziges Ziel, berühmt zu werden.

Katja: Nein, ist es nicht. Ich bin auch mit der Ambition reingegangen, einfach nur Videos zu machen. Aber ich bin berühmt geworden und natürlich gefällt mir das.

Laura: Ja, natürlich, aber jetzt hast du ja auch eine spezielle Reichweite und auch eine Menge Fans. Wie gehst du damit um?

Katja: Ich find das wirklich schön und ich hab auch gerade eben noch in einem Interview gesagt, dass ich die wie Freunde behandle. Auch wenn das immer so Gelaber, bla-bla-bla-bla-bla, ist, aber es ist bei mir halt wirklich so. Ich würde mit denen einfach nur chillen wollen.

Laura: Jetzt produzierst du ja einen etwas spezielleren Content. Findest du das gut, dass du quasi solchen jungen Leuten beibringst, so freizügig zu sein?

Katja: Ich finde, es ist schon verständlich, dass Leute das nicht gut finden, und bla, es ist schon verständlich. Youtube ist ja auch jetzt nicht die Plattform, die das so übelst feiert, bla-bla-bla. Aber ich finde, nicht nur ich zeige den jungen Kindern, wie man sich verhält, sondern andere zeigen, ganz ganz viele, Medien, Fernsehen, bla. Fernsehen ist nicht so das Wahre, ne?

Laura: Aber trotzdem beeinflusst du die Jugendlichen ja auch.

Katja: Ja, ich beeinflusse die, aber leider möchte ich auch mein Leben ausleben. Ich mache das, was ich mache.

Wir danken Katja Krasavice herzlich für dieses aufschlussreiche und aussagekräftige Interview!

 



Internationale Kurzfilmfestivals

DIGGA war bei interfilm, dem internationalen Kurzfilmfestival  und bei  KUKI dem internationalen Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche.

Kurzfilme sind wie Kurzgeschichten. Ein paar eindrucksvolle Bilder, die mit wenigen Worten auskommen, aber trotzdem eine komplexe Handlung oder sonst eine bestimmte Atmosphäre ausdrücken – und dann ein oft plötzliches, manchmal schockierendes, aber auf alle Fälle überraschendes Ende, das alles, was man vorher gesehen hat, in ein ganz neues Licht rückt.

Die Kurzfilme aus aller Welt werden in Originalsprache gezeigt, entweder untertitelt oder, für die kleinen Gäste, von Sprechern eingesprochen. Interfilm feierte dieses Jahr sogar einen Besucherrekord: 21.000 Besucher konnten in verschiedenen Kategorien ihre Filme sehen und im Anschluss direkt ihre Fragen stellen, denn die Filmemacher waren mit vor Ort im Kino.

Die Filme, die uns am Samstag gezeigt wurden, standen unter dem Motto „Confrontation“. Der Zuschauer wurde also regelrecht konfrontiert mit sozialen sowie gesellschaftspolitischen Themen wie Kinderarmut, Flucht und Pädophilie. Doch nachdem man sich dann in kürzester Zeit so intensiv mit solch schwierigen Themen auseinandergesetzt hatte, begann schon der nächste Film und man wurde mit einer solchen Wucht in die neue Thematik hineingeworfen, wie man aus dem letzten Film hinausgeschleudert wurde.

Die Filme haben uns alle auf ihre Art und Weise beeindruckt und waren ausnahmslos toll gefilmt. Mit einem Kopf voller neuer Bilder und Gedanken verließen wir das Babylon Kino.

 



Gedanken auf der Lesebühne

Gestern stand ich zusammen mit Robert Rescue, Volker Surmann, Heiko Werning, Thilo Bock und Manfred Maurenbrecher auf der Bühne.

Nun hat man mich gebeten, die Gedanken, die ich währenddessen mal hatte, niederzuschreiben. Bitte sehr:

So. Jetzt steh ich hier. Das ist jetzt also der Moment, vor dem ich mich die letzten Wochen gefürchtet habe. So schlimm ist es gar nicht. Oh, jetzt lese ich ja schon. So schnell kann’s gehen. Jetzt muss ich mich aber wirklich darauf konzentrieren, was ich da gerade lese und darf nicht die ganze Zeit über andere Dinge nachdenken, sonst verlese ich mich noch. Oh Gott, hat da gerade jemand gelacht? Soll ich einen Blick ins Publikum riskieren? Aber sonst komm ich nicht mehr in den Text rein. Egal, nicht daran denken, einfach weiterlesen. Oh, ich lese ja schon weiter. Ich lese die ganze Zeit und kann trotzdem dabei an andere Dinge denken. Verrückt, das ist jetzt der Moment. Der Moment, an dem ich hier auf der Bühne stehe. Jetzt! Diesen Moment muss ich im Gehirn einspeichern, das ist einer der Momente, an die ich mich später unbedingt erinnern muss, die ich meinen Enkelkindern so wahrheitsgetreu wie möglich erzählen möchte. Jetzt! Scheiße, verhaspelt. Egal, einfach nochmal lesen. Oh, jetzt gleich kommt die Stelle, die ich selbst so lustig finde, da muss ich langsamer lesen. Oh ja, das hab ich schön betont. Komisch, haben erstaunlich wenige Leute gelacht. Oder? Vielleicht hab ich es auch nicht gehört. Jetzt ist mir das Mikrophon im Weg, das ist irgendwie so in mein Blickfeld gerückt, dass ich den Text nicht mehr gut erkennen kann. Oh, jetzt kann ich es gar nicht mehr sehen, aber offenbar kenne ich den Text auswendig. Unangenehm, ich habe den Eindruck, dass ich schiele. Tut weh in den Augen. Aber wenn ich den Text höher nehme, ist das Mikrophon ganz davor. Ich muss aufs Klo. Noch ein Satz. Wen muss ich danach nochmal anmoderieren? Heiko Werning oder Manfred Maurenbrecher?

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Hui, Applaus.

„Dankeschön, und jetzt kommt Manfred Maurenbrecher!“ Meine Stimme.

So schwer ist es eigentlich nicht.



Achtung, Kultur! Die Berliner Lesebühnenszene

Heute, am 13. 10., ist es endlich soweit: Meine zweite Lesung als Gast bei der Lesebühne Brauseboys!

Was genau ist eigentlich eine Lesebühne?

Schon das Wort “Lesebühne” klingt irgendwie mehr nach verlassenem Kulturkreis als nach einer spaßigen Veranstaltung. Man stellt sich dabei irgendeinen komischen Kauz vor, der vor einer tristen Ansammlung verblühter “Kulturinteressierten” aus seinen pseudo-intellektuellen Werken liest.

So ist es allerdings tatsächlich nicht, denn die Texte, die auf den Berliner Lesebühnen vorgetragen werden, sind a) lustig (oder tun zumindest so) und werden b) nicht in staubigen Bibliotheken verlesen, sondern in gemütlichen Cafés oder Kneipen. Die Texte sind selbstverfasst und oftmals satirisch. Aber zugegeben, die Autoren sind  tatsächlich ab und an mal etwas kauzig.

Wer geht denn eigentlich zu den Lesebühnen und hört zu? Wie stehen Jugendliche zu dem Thema und was macht die Szene in Berlin aus? In unserer Radio Hörsturz-Sendung haben Bent und ich uns zu dem Thema geäußert.

Lust bekommen, sich mal in die Szene zu begeben?

Die Lesebühne der Brauseboys findet jeden Donnerstag um 20:30 Uhr im La Luz statt. Immer mit dabei sind Thilo Bock, Heiko Werning, Frank Sorge, Volker Surmann und Robert Rescue – und diesmal auch ich! Natürlich sind die Brauseboys nicht die einzige Lesebühne Berlins. In der alten Kantine der Kulturbrauerei ist jeden Samstag das sogenannte “Gipfeltreffen der Berliner Lesebühnen” mit immer neuen Gästen.

Und wie ergeht es den Lesenden auf der Bühne? Meine Erfahrungen dazu könnt ihr am Freitag hier nachlesen.

 

 

 

 



Milena beim “Sport” (!) – Erfahrungen aus der Yogastunde

Ich liege gekrümmt auf dem klebrigen Boden, während ein fremdes Gesäß eruptiv gegen meinen unteren Rücken drückt. Ich bin angezogen. Er auch. Kurz darauf wird gewechselt. Nun hocke ich auf einem fremden Rücken und stoße rhythmisch zurück. Die berechtigte Frage, in was für einer Art Etablissement ich mich denn bitte mit meinen zarten 15 Jahren aufhalte, lässt sich jedoch sehr leicht beantworten: Es ist die Yogaschule.

Seitdem ich körperlich zu mehr als liegen und sitzen in der Lage bin, werde ich nämlich von meinen Erzeugern genötigt, wenigstens aus Prinzip irgendeinen Sport zu treiben, auf dass ich ja nicht so ende wie sie, was ein absolut verständliches Anliegen ist. Problematisch ist hierbei allerdings, dass ich jedwede Art von Sport verabscheue, mein Körper hasst es, bewegt zu werden, den Vorgang des Schwitzens finde ich ekelerregend und probiere, jeder Art von körperlicher Ertüchtigung aus dem Weg zu gehen.

Was also, wenn Sport getrieben, aber zu viel Bewegung vermieden werden soll?

Seit einiger Zeit suche ich jeden Donnerstag die Yogaschule in Charlottenburg auf, hauptsächlich mit der Motivation, sie nach einer Stunde wieder verlassen zu dürfen. Bereits beim Betreten der fragwürdigen Institution macht sich in mir ein ungewohntes Gefühl der Beklommenheit breit, das sich, wenn ich die vier Euro über die Theke reiche, noch um ein Vielfaches verstärkt.

Mit beunruhigenden, auf Erfahrung basierenden Vorahnungen tapse ich durch den langen Korridor und gelange in den Vorraum. Dort stehen zwei schäbige Sessel, auf denen ich meinen Beutel ablege, da ich nun mich umzuziehen beabsichtige. Suchend blicke ich mich um, denn vom insgesamt etwa 4m² großen Vorraum gehen sage und schreibe fünf Türen aus, aus denen jeweils im 20-Sekunden-Takt, aber versetzt, bizarre Gestalten in orange-violetten Gewändern herauskommen, die kurz darauf wieder verschwinden. Das ist natürlich für einen idealerweise ungestörten Umziehvorgang nicht gerade förderlich. In Windeseile wechsle ich mit Mister-Bean-Taktik meine Bekleidung, dann ergreife ich eine Yogamatte und betrete den überhitzten Raum.

Jeden Donnerstag überkommt mich von neuem die Angst, diesmal möge es niemand außer mir über sich gebracht haben, sich in der Yogaschule einzufinden. Die Vorstellung, allein mit der Yogalehrerin bei orientalischer Meditationsmusik und Räucherstäbchen Gehirnzellen abzutöten, schüchtert mich ein. Erstaunlicherweise ist dieser Fall noch nie eingetreten.

Hat der Yogaunterricht nach einem dreifachen „Schanti“ an die Erde, die Menschheit und die innere Mitte erst einmal angefangen, gibt es kein Halten mehr. Jede Yogastunde bringt neue, verstörende Erlebnisse mit sich, sei es eine zärtliche Pinselmassage, eine zwangsharmonische Klangschalenmeditation oder eine Partnerübung. Bei letzterer bleiben für mich stets die verlorensten Wesen übrig, entweder die scheinbar taubstumme, magere Asiatin mit den langen Fingernägeln, die bei der Rückenmassage kratzen und stechen, alternativ der 1,95-große Gleichaltrige männlichen Geschlechts mit der vampirähnlichen Hautfarbe, das adipöse Grundschulkind oder die Yogalehrerin höchstpersönlich. whatsapp-image-2016-10-04-at-20-54-46

Bei besagten Partnerübungen kann es dazu kommen, dass man sich abwechselnd auf den jeweils anderen drauf setzen muss, Gesäß auf Gesäß, sei hierbei betont und bestätigt, dass das tatsächlich möglich ist, anderenfalls bleibt natürlich die Massage, wobei die einfache Rückenmassage mir persönlich am meisten zu schaffen macht.

Da kniet man dann neben einem fremden Rücken, zu indischen Klängen wabern benebelnde Räucherschwaden durch den überhitzten Raum, und man fragt sich ratlos, was man jetzt tun soll. Immer nur die gleiche Knetbewegung zwischen Nackenansatz und Schulterblatt ist unabwechlsungsreich und wirkt unbeholfen, beim Klopfen auf den Wirbeln ist die Frage, ob man die Faust oder die flache Hand verwenden sollte, Reiben ist unangenehm aufgrund schwitzender Handflächen, Schaben, Stechen, Kratzen, Streicheln – was wäre empfehlenswert, was wäre ratsam, was wäre für den anderen entspannend? Das fragt man sich, und man weiß es nicht, denn man hat es nie gelernt und man hätte es nicht lernen wollen, man wollte ja nur, man musste ja nur, Sport machen, darum ist man ja hier, nur deshalb, und jetzt kniet man neben einer fremden Person, wissend, dass man in wenigen Augenblicken selbst das Opfer sein wird, das Opfer ungeschickter Schweißhände, dilettantischer Knetbewegungen, schmerzhafter Unbeholfenheit.

Dann ist es für mich eine Erleichterung, wenn wir zu den normalen Übungen übergehen, auch wenn Bewegungsabläufe wie der berühmte Sonnengruß teilweise so häufig wiederholt werden, dass mir vom vielen auf und ab schwindelig wird. Der Schulterstand, auch bekannt als Kerze, muss oft so lang gehalten werden, bis sämtliches Blut aus meinen Füßen gewichen ist und diese beginnen, ungeduldig zu kribbeln. Bei Verrenkungsübungen wie der Schnecke oder dem Rad passiert es hin und wieder, dass des ein oder anderen Teilnehmers Schließmuskel versagt und von irgendwoher ein satter Furz erschallt, dessen olfaktorisches Echo noch Minuten später zu erahnen ist.

Es ist nicht schön.

Dann die Meditation. Die sägend-monotone Stimme der Yogalehrerin, die im Ohr dröhnt und gleichzeitig schläfrig stimmt, die abstrusen Gedankengänge im Stadium zwischen Halbschlaf und Nirwana in den zweisekündigen Sprechpausen der Yogalehrerin, bevor man durch die nächsten Worte wieder für kurze Zeit in die bittere Realität zurückversetzt wird. Die bittere Realität namens Yogastunde.

Wenn ich das Gebäude verlasse, bin ich stets seltsam beschwingt. Vielleicht stimmt es ja doch, dass Yoga befreit.

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DIGGA auf der YOU 2016 – Zweiter Messetag

Heute, am zweiten Tag der YOU, geht es uns vor allem ums Erleben – ums Ausprobieren, Eindrücke sammeln und aber auch um kritisches Hinterfragen.

Am meisten beeindruckt hat mich persönlich die Vielfalt der Dinge, die hier angeboten werden: Von Profamilia und Amnesty International über Schachorganisationen bis zur Bundeswehr ist alles dabei.

Mit der Zeit gewinnt man aber den Eindruck, die meisten Organisationen hier wollten lediglich Werbung für sich machen, sodass sich natürlich die Frage stellt, ob das noch der ursprüngliche Sinn der YOU ist.

Im Interview mit einem Soldaten der Bundeswehr sprachen wir auch darüber, aus welchem Grund sie hier vertreten sind. Hauptsächlich, sagt er, würden sie den Jugendlichen zeigen wollen, was sie zu bieten hätten. Was am Beruf des Soldaten für Jugendliche besonders reizvoll sei, sei die körperliche Ertüchtigung – man bleibe fit, bekomme dafür auch noch Geld und erweise dem Vaterland einen wichtigen Dienst.

Allerdings wirbt die Bundeswehr in ihren Kampagnen in erster Linie mit Letzterem und das auf eine Art und Weise, die mir persönlich ziemlich unsympathisch ist und die Bundeswehr in ein Licht rückt, das ich nicht gutheiße.

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Slogans wie „Wir. Dienen. Deutschland.“ oder „Wir. Dienen. Deutschen. Profiten.“ klingen für mich erst einmal sehr nationalistisch und ziehen dementsprechend wahrscheinlich nicht nur politisch neutrale, sportbegeisterte Menschen an, die nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anstellen sollen und sich deshalb für eine Karriere bei der Bundeswehr entscheiden, sondern auch den ein oder anderen Glatzkopf mit Springerstiefeln, der natürlich unbedingt sein geliebtes Vaterland verteidigen will. Dass Organisationen, die unter anderem eine solche Klientel beherbergen, auf einer Jugendmesse vertreten sind, die für Vielfalt und Toleranz steht, erachte ich als nicht sonderlich förderlich.

Nichtsdestotrotz sollte uns das nicht davon abhalten, die Veranstaltung zu genießen, absurde Dinge zu gewinnen, unnütze Werbegeschenke mitgehen zu lassen und sich noch den ein oder anderen Kugelschreiber der Grünen einzustecken. Wir haben auf jeden Fall viel Spaß und ihr könnt euch auf weitere Berichterstattung freuen!