Joseph von DeChangeman im Interview

Ich habe mich für Digga auf der Tincon 2017 mit Joseph (Bolz) von DeChangeman zusammengesetzt und ihm ein paar Fragen zu aktuellen Webserien, Last September in Monaco und hochwertigen Content auf YouTube stellen dürfen.

Mariella: “Du hast vor einiger Zeit mal die Serie „LotteTv“ gemacht und die sogar bei ALEX Berlin, glaube ich, produziert: wie kam es dazu, woher der Name und worum geht es?”

DeChangeman: “Die erste Staffel „LotteTV“ lief 2008 und 2009 bei ALEX! Das habe ich damals für meine Freundin gemacht: eine Doku über Berlin mit viel skurrilen Charakteren, die es nicht wirklich gibt und in der Mitte gab es mal einen visuellen Liebesbrief, Daraus wurde dann, die jetzt laufende Staffel LotteTV beziehungsweise die vor zehn Jahren lief, aber jetzt auf meinem YouTube Kanal als reupload läuft, wo wir den Liebesbrief rausgenommen haben, um es sie für ein bisschen größeres Publikum freizuschalten. ALEX hat mir damals die allererste Staffel ermöglicht, weil wir gar keine Möglichkeiten hatten das so zu machen und ALEX hat uns da ein bisschen unterstützt, das war sehr gut!”

 

Mariella: “Du machst ja gerade mit u.a. Sebastian die Webserie „Die Autoren“ und für mich gehört ihr damit zu den YouTubern, die echt richtig guten und hochwertigen Content hinbekommen, was derzeit eher nur ein Bruchteil YouTube Deutschlands schafft. Wieso funktioniert das bei euch und bei anderen nicht ganz so?”

 

DeChangeman: „Ich glaube, dass ist eine Mischung aus wollen, Erfahrung und wahrscheinlich auch Talent das das zusammenkommt. Sebastian macht das jetzt so seit drei oder vier Jahren, ich mache das ja schon seit über zehn Jahren: also schreiben und produzieren! Und wir sind eben eine sehr gute Kombi zusammen. Aber ich glaube, die Allermeisten wollen tatsächlich nicht, das was ich sehe, das ist ganz deutlich die Entscheidung keinen guten Content zu machen.“

Mariella: “Gleich dazu: dein Fazit zum Webvideopreis 2017?”

DeChangeman: „Das habe ich privat sehr ausführlich an den Webvideopreis geschickt und alles andere wurde, glaube ich, schon von allen möglichen Leuten gesagt. Da ist Verbesserungspotential da.“

Mariella: “Was ist denn so dein Lieblingsmedium, also auch Internet, YouTube oder Podcast miteinbezogen?”

DeChangeman: „Tatsächlich im Moment immer noch Webserien, ob das jetzt Netflix, Prime oder YouTube ist… Und dann dichtgefolgt von den Podcasts!“

Mariella: “Was sind denn gerade deine deutschsprachigen Lieblungspodcasts?”

DeChangeman: „Ich liebe Radio Nukular, die sind ja schon sehr bekannt und was ich auch sehr gerne mag, ist Mark Benecke auf Radio 1, der hat einen ganz kurzen podcast ein paar Mal die Woche, wo er in drei-vier Minuten interessante, kuriose Fälle aus der Wissenschaft oder der Pathologie erklärt.“

Mariella: “Hast du den Mädchenpodcast (sechs Stunden Anektoden) komplett gehört?”

DeChangeman: „Selbstverständlich! Das war mein erster Podcast von Radio Nukular und den mag ich immer noch sehr gerne.“

Mariella: “Der Podcast mit Florentin (Will, Podcastufo, ehemalig Neo Magazin Royale und RocketBeans) „Last September in Monaco“, wie kam es dazu und was ist das überhaupt?”

DeChangeman: „Der ist ja jetzt abgeschlossen! Wir wollten schon lange etwas zusammen machen, als Florentin endlich nach Köln gezogen ist, haben wir den Podcast gestartet. Und wir wollten etwas machen, was wirklich wehtut, daraus ist das geworden: wir haben ein Jahr lang jede Woche die gleiche Folge einer amerikanischen Serie (Royal Pains), die wir nicht kannten geguckt. Immer die gleiche Folge und immer darüber geredet. Fünfzig mal.“

Mariella: “Dein Lieblingscharakter aus dieser Folge?”

DeChangeman: „Emma Who!“

Das lasse ich mal so stehen! Alle, die das verstehen wollen, haben jetzt fünfzig unterhaltsame Folgen „Last September in Monaco“ vor sich…

Josephs YouTubekanal: https://www.youtube.com/user/dechangeman

DeChangeman auf der Tincon 2017 als Speaker: https://www.youtube.com/watch?v=MiqtHEMeT7E



You. 2017 – Tag 3

„Julian! Wir brauchen noch mehr Fragen!“ Am Sonntagmorgen haben wir uns aus dem Bett gequält um nun, auf dem Boden sitzend, die letzten Fragen für unsere Gäste heraussuchen zu können. Spannend wird’s heute definitiv wieder. Schon allein weil in unseren Diskussionen, wie bereits am Vortag, Abgeordnete verschiedenster Parteien sitzen werden. Heute soll es in unserem Stream um das Thema Gesetze gehen. Während wir uns darauf vorbereiten, laufen zahlreiche Jugendliche an der „Medienlounge“ vorbei. Auch wenn ich mir jetzt eigentlich darüber Gedanke machen sollte, was ein Gesetz ist und wie Gesetze verabschiedet werden, beginne ich über die ganze Veranstaltung nachzudenken.

Das dritte Mal bin ich inzwischen hier und in den letzten Jahren hat sich die You ganz schön verändert. Sehr kommerziell war die ganze Veranstaltung natürlich immer, aber erst jetzt wird mir das alles wirklich bewusst. Vor vier Jahren, als ich das erste Mal hier war, kosteten die Karten noch um die sieben Euro, inzwischen sind es zehn. Zehn Euro, um mit Werbung überschwemmt zu werden. Auch wenn Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband oder Aktion Deutschland hilft hier einen Platz finden, beherrschen trotzdem Firmen wie Dr. Oetker die Veranstaltung. Früher war ich begeistert von den zahlreichen Giveaways – wer wollte nicht schon immer ein Schlüsselband von Hellweg haben? Inzwischen verstehe ich, dass ich nicht nur als Besucherin für Werbung bezahle, sondern selbst Werbung mache, indem ich diese Giveaways durch die Gegend trage. Wer hat sich das hier ausgedacht?

Auch wenn ich mich jetzt noch stundenlang darüber aufregen könnte, muss ich mich nun weiter mit meinem Thema beschäftigen. Welche Rolle spielt die EU bei der Gesetzgebung in Deutschland nochmal? Gleich kommen die Gäste! Die CDU, Die Grünen, Die Linke und die AfD sind dabei. Das wird spannend, denn wir werden unter anderem über die Ehe für alle reden. Schnell nochmal absprechen und los geht´s:

Auch nach dem Stream wurde noch weiter diskutiert.

Tatsächlich hatten wir einige Stunden später noch einen zweiten Talk, dessen aufgezeichnetes Video leider aus technischen Gründen nicht weiterverwertet werden kann. In diesem ging es um Zivilcourage und die Frage, ob diese sich im Laufe der letzten Jahre verändert hat. Zu Gast hatten wir Parteimitglieder der Grünen, der Linken und der AfD, die kontrovers miteinander diskutiert haben. Und damit endete ein weiterer anstrengender, interessanter Tag auf der You.

Im Gespräch über das Thema Zivilcourage wurde heftig debattiert.



you. 2017 – Tag 2

Samstagmorgen, 8:00 Uhr. Standbetreiber eilen von Halle zu Halle, alle sind beschäftigt. „Hat jemand noch Gaffa-Tape?“ „Hier, dein Kaffee!“

2 Stunden vor Eröffnung werden die Stände aufgebaut, Lampen eingesteckt, Broschüren ausgelegt und Luftballons aufgeblasen. 2 Stunden später rennen die ersten Horden kreischender Teenager durch die Hallen, um ihre YouTube-Lieblingsstars zu treffen. Auch ein Teil unserer Redaktion macht sich mit Kamera auf den Weg, um das Messegelände zu erkunden. Die anderen machen den letzten Soundcheck oder redigieren die Interview-Fragen. Um 11 Uhr beginnt unsere erste Talkrunde mit der Leitfrage „Wird man als Politiker geboren?“. Dabei sind Stefanie Remlinger (Bündnis 90/DIE GRÜNEN), Jeannette Auricht (AfD), Dennis Buchner (SPD), Jürn Jakob Schultze-Berndt (CDU) und Claudio Jupe (CDU)

Kurz vor 12:00 Uhr. „Du nimmst dieses Mikro, und lass es dir nicht wegnehmen.“ Die letzten Vorbereitungen laufen. Nachdem wir die Fragen, die wir uns vor der Sendung auf die Moderationskarten geschrieben haben, nochmal durchgegangen sind, treffen unsere Gäste ein. Thomas Gill, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, die Abgeordneten Dennis Buchner von der SPD und Hildegard Bentele von der CDU sowie die Lehrerin Juliana Kattchin diskutieren mit uns eine halbe Stunde lang über politische Bildung. Nachdem wir mit einer provokanten Frage in die Gesprächsrunde starten, stellt Thomas Gill die LPB vor. Wie kann ich mich selbst politisch engagieren? Wir erfahren, dass man sich Politikerinnen und Politiker oder die LPB in die Schule einladen kann. „Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts gegen ein Wahlrecht ab 16“, sagt Thomas Gill. 

Warum kann man mit 16 Jahren zwar in Hamburg für das Landesparlament wählen, aber in Berin nicht? Dennis Buchner klärt auf und sagt, dass die Mehrheit nicht reicht, um die Landesverfasssung zu ändern. Hildegard Bentele von der CDU versucht sich rauszureden, dass ja die politische Bildung erstmal gestärkt werden müsse. Das klingt nach Endlosschleife. Aber hört doch selbst:

Danach gibt es erstmal eine Verschnaufpause. Während die einen noch einmal losziehen um ein paar letzte Schnittbilder vom Gelände und Interviews mit Besuchern zu ergattern, machen sich die anderen an den Feinschliff der letzten Sendung. Mit großer Sorgfalt werden treffende Fragen ausgesucht, die es in die Sendung schaffen sollen.

Um 16:00 Uhr dann geht es noch einmal live. Gemeinsam mit Philipp Bertram (LINKE), Marc Vallendar (AfD), Notker Schweikhardt (GRÜNE) und Florian Kluckert (FDP) sprechen wir unter dem Titel „Berlin, ick liebe dir!“ über Freiräume in Berlin, die heutige Jugend und die Gentrifizierung unserer Stadt.

Um 16:30 Uhr sind alle erschöpft, aber glücklich. Wir bauen die Technik ab, packen unsere Sachen zusammen und freuen uns auf die beiden letzten Sendungen von der YOU, die uns morgen erwarten werden. Wenn sie so gut werden wie die heutigen, ist das ein voller Erfolg!



you. 2017- Tag 1

Es ist Freitag um 14.30 Uhr und der erste Tag des größten Jugendevents Europas, der „you.“-Messe, ist zu Ende. Langsam wird die Halle 21 wieder leer.

Wie der Name Jugendevent schon sagt, waren heute größtenteils Jugendliche Besucher vor Ort. Vor allem Schulklassen füllten die Halle.

Unser diesjähriger Kooperationspartner ist das Berliner Abgeordnetenhaus, mit dessen Vertretern wir über einige sehr interessante Themen redeten.

Der Tagesablauf war streng gegliedert. Nach dem Aufbau der gesamten Technik startete auch schon der erste Live-Talk des Tages, den wir mit Frau Dr. Manuela Schmidt, der Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, führten. Dieser Talk befasste sich im Allgemeinen mit Fragen, wie: „Wie Funktioniert ein Parlament?“ oder „Wozu ist ein Parlament überhaupt gut?”. Wir bekamen viele und vor allem auch gute Antworten zu den von uns gestellten Fragen. Doch schaut einfach selbst:

Unser zweiter Live-Talk, der sich eine kurze Zeit später anschloss handelte vor allem vom Jugendausschuss. Unsere Gäste waren Frau Möller (DIE LINKE), Frau Remlinger (B´90/ DIE GRÜNEN) und Herr Kerker (AfD). In diesem Talk ging es uns darum, zu erfahren, was der Jugendausschuss ist und was Politiker überhaupt vom Jugendausschuss halten. Was für Antworten wir bekommen haben, seht ihr hier:

Um 13.00 Uhr startete dann auch der dritte Talk, der sich mit dem Petitionsausschuss befasste. Kein Wunder, dass somit auch unsere Gäste Mitglieder des Petitionsausschusses waren. Unsere Gäste waren Frau Kofbinger (B´90/ DIE GRÜNEN), Herr Kugler (SPD), Herr Ronneburg (Die Linke) und Herr Penn (CDU). In diesem Talk ging es um Fragen wie zum Beispiel: „Was ist der Petitionsausschuss?”, „Wozu dient er?” oder „Was war die lustigste Petitionen die je eingereicht wurde?“. Falls dieses Thema euch interessiert und ihr mehr über die Arbeit im Petitionsausschuss erfahren möchtet, schaut euch den Beitrag doch einfach an:

In den kurzen Pausen hatten unsere Moderatoren und die Verantwortlichen für die Technik  Zeit, sich auf den nächsten Talk vorzubereiten. Aber natürlich gab es darüber hinaus auch Zeit, um sich die anderen Stände anzugucken. Diese Stände reichten von Organisationen wie „Aktion Deutschland Hilft“ oder „CARE e.V.“ über Baumarkt-Ketten wie „Hellweg“ bis zu den Parteien, die alle über sich und Ihre Projekte informierten.

Nachdem dann schließlich auch das letzte Interview des Tages vorüber war und wir die gesamte Technik wieder abgebaut hatten, war auch nochmal Zeit, sich auf der Messe umzusehen. Als Fazit des heutigen Tages kann ich sagen, dass dieser Tag voller Eindrücke und neuer Erfahrungen war und ich bzw. wir uns freuen, auch morgen wieder für euch zu berichten.



Digga auf dem Jugendforum

Schon gleich zu Beginn wird deutlich: Milena steht voll auf das Jugendforum!

“Es fällt aus!” – so hieß es schon,
die Folge: Improvisation

Unter diesem Motto steht dieses Jahr das Jugendforum, eine Veranstaltung, die nicht nur Opfer des bipolaren Wetterfrosches wurde, sondern primär dafür da ist, Jugendlichen eine Stimme zu geben, wenn es um politische Entscheidungen geht.

 

 

 

 

Wie das Jugendforum entstanden ist und was ihre Aufgabe ist, erklärt uns Projektmanagerin Nesreen im Interview:

Von ebendiesen Jugendlichen sind auch zahlreiche vertreten, die entweder für die Bespaßung auf der Bühne zuständig sind, ihre Stände vorstellen oder einfach als Besucher dafür sorgen, dass das Jugendforum eine lohnenswerte Unterrichtsalternative ist. Denn wer am Jugendforum teilnimmt, bekommt tatsächlich eine offizielle Unterrichtsbefreiung. Doch das sollte nicht der einzige Grund sein, heute zum Pfefferberg am Senefelder Platz zu reisen.

Das schlechte Wetter konnte die gute Laune nicht mindern. Ein weiterer Grund: Das köstliche Essen!

Aufgrund des gestrigen Unwetters hieß es nämlich erst, das Jugendforum falle aus, da beim Aufbau auf dem Tempelhofer Feld die Zelte von dannen geschwommen seien.

Ein Glück, dass die Herrschaften vom Pfefferberg so liebenswürdig waren, dem Jugendforum die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Hier findet nun – überdacht – ein buntes Programm statt, das von Poetry Slam über Diskussionen mit Politikerinnen wie Sandra Scheeres (SPD) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) bis zu Tanzvorführungen reicht.

Die Digga-Redaktion hatte das Glück, mit der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie sprechen zu können. Hier könnt ihr euch das Interview mit Sandra Scheeres in voller Länge anhören.

Was andere Besucherinnen und Besucher für wichtige politische Themen halten und über welche ihrer Meinung nach zu viel diskutiert wird, erfahrt ihr hier:

Zwischendurch hat man Zeit, sich bezüglich verschiedener Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung zu informieren.

“Oma hat was gegen Flüchtlinge” – so lautet es auf einer Karte der Inititative “Junge Gegenargumente”, die ein Rhetorik- und Argumentationstraining anbieten, damit gerade junge Menschen rechtsmotivierten Hassparolen gute Argumente entgegensetzen können.

Aicha beim I,slam.

Vorsichtshalber ist rechtem Gedankengut in personifizierter Form sowieso der Zutritt zum Jugendforum untersagt – schließlich steht die Veranstaltung in erster Linie für interkulturelle Toleranz.

Aus diesem Grund sind auch viele muslimische Jugendliche dabei, zum Beispiel vom “I,slam”, einem Poetry Slam speziell für junge Muslime, die sich kritisch in Textform zu aktuellen Themen äußern.

 

 

 

 

Was die Grundstimmung bezüglich aktueller Themen ist, könnt ihr in folgendem Beitrag erfahren :



Tag 3 auf der TINCON – Eine Messe im kreativen Zweifarbenstyle

Der dritte und somit letzte Tag der TINCON liegt nun hinter uns und es war wie auch an den anderen Tagen schon sehr kreativ, interessant und frech. Viele bekannte und mindestens genauso viele unbekannte Gesichter standen auf den beiden Bühnen, um ihren ganz persönlichen Senf dazuzugeben. Es gab humorvolle Beiträge wie zum Beispiel den der Space Frogs, aber auch politisch angehauchte wie der Talk von Martin Sonneborn und viele mehr.

Ein absolutes Highlight war natürlich das Interview mit Coldmirror, die in der YouTube-Szene mit ihren ganz eigenen Film-Synchronisationen ein bekanntes Gesicht ist. Wenn es also um Network gemixt mit einer guten Prise Humor geht, dann darf sie definitiv nicht fehlen. Für uns ist sie aber besonders interessant, weil sie auch einmal in einem Offenen Kanal, ähnlich wie ALEX Berlin, gearbeitet hatte.

Aber auch mindestens genauso berühmte Menschen wie Ralph Caspers von Sendungen wie „Wissen macht Ah!“ oder „Die Sendung mit der Maus“, der sich übrigens selbst als egozentrisch bezeichnet, wurden mit unseren Fragen beworfen. Für viele Besucher ging mit seinem Besuch ein kleiner Traum in Erfüllung, da er ganz offen und freundlich mit jedem Interessenten gesprochen und auch Fotos gemacht hat. So mancher Anrufer wird jetzt wohl seine Stimme als Anrufbeantworter zu hören bekommen..

Das Interview mit ihm könnt ihr im Beitrag über den zweiten Tag der TINCON bestaunen.

Auch Speaker mit ernsteren Themen wie $ick standen auf der Bühne oder vor unserer Kamera und redeten, wie in seinem Fall, über seine Vergangenheit mit den Drogen und dass er unter Anderem wegen seiner Tochter damit aufhörte.

Nicht ganz so gesundheitsschädigend wie das Thema Drogen waren Talks über die schulischen Möglichkeiten eines Durchschnittsmenschen oder aber auch die wertvollen Hinweise eines Anfangszwanzigers über das Fußfassen in der Filmbranche. Bei Allem waren immer Fragen erlaubt, sodass auch private Interessen und Unklarheiten geklärt werden konnten.

Das DIGGA-Team erschöpft aber stolz nach getaner Arbeit!

Aber nicht nur die prominenten Gäste haben dem Ganzen eine Atmosphäre gegeben. Auch coole, im Alltag immer nützliche Spielereien wie ein kluger Spiegel oder ein Spiel mit einem Lichtschlauch, das übrigens komplizierter war als es sich anhört und auch aussah, trugen zu einem rosagelben Medienspektakel der besonderen Art bei. Der Ort an sich, ein offiziell stillgelegtes Kraftwerk, sprühte zwar nicht ganz vor Charme, aber hunderte verschiedene Lichtapplikationen im kreativen Zweifarbenstyle verliehen dem ganzen einen Hauch von Clubatmosphäre, was in einem Kraftwerk nicht immer gegeben ist.

Wo es im nächsten Jahr hingeht, ist noch ungewiss, vielleicht werden wir dann vom Fernsehturm senden oder vom Flughafen, aber drehen, schneiden und senden werden wir so oder so von der TINCON 2018. Nur die Grumpycat-Winkekatze wird dann wohl nicht mehr mit auf den Plakaten sein..

Zum Abschluss gibt’s noch einen Rückblick mit unseren persönlichen Highlights der TINCON:



Digga auf der TINCON

Spacefrogs, Sick und Sonneborn

Mit Grumpy Cat und Unicorn

Digga ist auf der TINCON, der Teenage Internetwork Convention. Allerdings nicht allein.

Denn neben unserer Redaktion sind auch diverse Youtuber und andere Öffentlichkeits- und Medienmenschen anwesend, die auf den zwei Bühnen ihre Ansichten kundtun – vor allem bezüglich Themen wie Politik, Bildung, Games und Medien.

Wo kurz zuvor noch Tim Edler über das Flussbad in Berlin informiert hat, steht nun Martin Sonneborn von der Partei die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative und proklamiert stolz seine Meinung zu Böhmermann, der FDP und Helmut Kohl. Währenddessen erklären Alessandro Schuster und Jonas Klocke auf der U21 Bühne, wie man Filme schneidet.

Bei so vielen spannenden Vorträgen weiß die Digga-Redaktion gar nicht, wo sie anfangen soll mit den Interviews.

Schließlich hat sie sich aber doch entschieden. Wofür, seht ihr in den Videos, die Stück für Stück in der virtuellen Welt auftauchen werden.

Ralph Caspers  kennt man aus Wissen macht Ah! Er ist Moderator, Autor und Schauspieler und hat sich dieses Jahr auf der TINCON zu Tinder geäußert, einer der populärsten Partnersuchbörsen im Internet.

Mit uns hat er allerdings primär über Kekse und Schokolade geredet.

Im Gespräch mit Martin Sonneborn standen wieder ganz andere Themen oben auf der Liste. Nicht nur um die Grünen ging es, sondern auch um Männer BHs, Anglizismen und Wattestäbchen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle für die bereichernde Auskunft!



Feminismus | Warum wir das Ziel verfehlt haben

Alle Menschen sind gleich. Klingt gut? Nur dass uns eines im Wege steht: Die Biologie. Warum wir das Ziel verfehlt haben.

„Wir können ja was zum Thema Feminismus machen!“

Als dieser Vorschlag in der Redaktionssitzung fällt, wird er erst einmal mit allen nonverbalen Gefühlsäußerungen kommentiert, die der genervte männliche Körper so zu bieten hat: Stöhnen, Grunzen, geräuschvolles Ausatmen. Es fallen Begriffe wie Alice Schwarzer, Genderwahn und First World Problem.

Auch Frauen dürften doch mittlerweile wählen, darüber hinaus hätten wir eine Kanzlerin – was wolle man denn noch?

Etwa eine Frauenquote in allen Unternehmen? Es werden Vögel gezeigt. Nicht, dass es im Betrieb so zugehe wie mit dem Quotenschwarzen in französischen Komödien. Der arme Omar Sy habe doch sicher kaum noch Freizeit aufgrund des westeuropäischen Gleichberechtigungswahns.

Mal wieder einer dieser Ausdrücke, die nur von denjenigen verwendet werden, die nicht von ihm betroffen sind. Wer im Wahn ist, handelt nicht rational, sondern emotionsgesteuert – typisch Weiber halt.

Und ein trotziges „Pussies bite back“-Geblöke aus den Mündern viertelbekleideter Kampflesben erinnert nun mal doch mehr an unbeholfene Dreijährige im Kampf gegen das elterliche Bonbonverbot als an konstruktive Gesellschaftskritik.

Die wäre allerdings durchaus angebracht, jedoch an anderer Stelle.

Ein positives Beispiel hingegen ist das Female Rap Konzert, das die DIGGA-Redaktion besucht hat:

Es scheint offensichtlich, dass Frauen auch heute noch ungerecht behandelt werden. Schließlich verdient Frau dem Statistischen Bundesamt zufolge durchschnittlich 21% weniger als ihr männliches Gegenstück. Allerdings nicht aus männlicher Boshaftigkeit und grundloser Ungerechtigkeit, wie manch erzürnte Emanze es gerne behauptet. Denn trotz neuartiger Klonexperimente, Samenspende und künstlicher Befruchtung bleibt noch ein Sachverhalt, an dem sich nicht rütteln lässt: Frauen kriegen Kinder.

“FIGHT SEXISM” steht auf Lauras Handyhülle.

Das heißt, Frauen steigen seltener die Karriereleiter hinauf, auf der höhere Gehaltsstufen auf sie warten würden, weil eine Geburt sie wieder hinabstürzen ließe. Es sei denn, sie erziehen ihrem Kind durch zu frühes und widernatürliches Abstillen Allergien und Sozialprobleme an, um sich möglichst schnell von der Mutterrolle zu distanzieren. Es ist ja auch praktisch für die egoistische Powerfrau des 21. Jahrhunderts – das ungeborene Kind kann man ja nicht fragen, ob es lieber eine reiche, sich selbst verwirklichende Mutter hat oder eine, die für es da ist – und zwar die ersten Jahre, nicht nur im Kreissaal. Dass heute die Option, auch der Mann könne zuhause bleiben, durchaus präsent ist, entkräftet nicht die Tatsache, dass der Stress der Mutter, verursacht durch einen sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben und die damit einhergehende Doppelbelastung, sich in vielen Fällen auf das Kind überträgt und sogar lebenslange Auswirkungen haben kann.

Praktisch bleiben übrigens viele Frauen von sich aus auf niederen und damit schlechter bezahlten Positionen, um flexibler zu sein, weil sie Prioritäten gesetzt haben. Die 21% bedeuten also nicht, dass Frauen bei der gleichen Tätigkeit weniger Einkommen haben als Männer, sondern dass ihnen insgesamt weniger selbst verdientes Geld zur Verfügung steht, weil sie

a) schwanger geworden sind und ihr Kind nicht bei einem gerne mal verantwortungslosen studentischen Babysitter abgestellt haben

b) nicht eingestellt worden sind, weil sie hätten schwanger werden können (was einen Verlust für das Unternehmen bedeutet hätte, weshalb man das Risiko unter Umständen nicht eingegangen ist)

c) lieber Friseurin (8,84€/h) statt Bauarbeiter geworden sind (14,20€/h)

Rapperin Sookee ist deutschlandweit sehr erfolgreich, und das als Frau mit Kind in einer von Männern dominierten Szene. Im Interview sprechen wir mit ihr auch über dieses Thema:

Es ist Girl’s day! Frauen, packt mit an, zeigt den Männern, was in euch steckt!

Schlecht bestückte Frohnaturen greifen euphorisch zur Bohrmaschine. „Es sollte doch vielmehr darum gehen, die Gegensätze der Geschlechter auszugleichen!“, heißt es auch schon in Loriots vielzitiertem Spielfilm Pappa Ante Portas – ein Motto, welchem man sich schon in den 70er-Jahren mit Begeisterung widmete, indem man Mädchen wie Jungen an- und erzog.

Ein klares Streben nach Geschlechtergleichheit, dem heutigen Zeitgeist nicht fremd. Oder?

Was nicht gleich ist, wird gleich gemacht – spätestens in der DDR wurde nachgewiesen, dass eine vollkommene Gleichheit aller Menschen nicht nur nicht realisierbar, sondern auch nicht wirklich sinnvoll ist, jedoch unabhängig von Gleichwertigkeit. Die bei verschiedenen Individuen anzuzweifeln, haben wir nämlich endlich aufgehört, wenn auch nach zu langer Zeit.

Nun müssen wir aufhören zu behaupten, es gäbe keine Geschlechterunterschiede, denn sie sind faktisch nicht von der Hand zu weisen.

  • Frauen kriegen Kinder. (Und zwar nur Frauen, denn egal, wie lang die Wissenschaft noch so herumforscht, aus dem Mann wird nie etwas Lebendiges herauskommen – außer vielleicht ein Bandwurm, aber das sei ihm nicht zu wünschen.)
  • Frauen besitzen weniger Testosteron, sondern weibliche Hormone, deshalb sind sie in den meisten Fällen emotionaler und sensibler, wohingegen sich langsamer Muskelmasse ausbildet. (Darum gibt es mehr Bauarbeiter und mehr Friseurinnen.)

Beides ist überhaupt kein Problem, solange kein Geschlecht dadurch grundlos benachteiligt wird. Solange dadurch nicht Sexismus gerechtfertigt wird. Den aus den Köpfen zu verbannen, wird allerdings schwer.

Denn das meiste, was unsere Gesellschaft prägt, deutet darauf hin, dass Sexismus sogar erwünscht ist. Wieso sonst blaue und rosafarbene Überraschungseier, wieso Filly Pferde und feuerspuckende Autos? Hörspiele für vierjährige Mädchen, in denen sich die Feechen und Hexchen den Kopf zerbrechen, wie sie den hotten Boy von ihrer Sweetness überzeugen können. Zieh dich verspielt an, dann weckst du seinen Beschützerinstinkt; in fünf Schritten deinen Schwarm erobern! Solange man jene Geschlechterklischees in Bravo-Girl-Form in mehr Kiosken findet als das Satiremagazin Titanic, läuft etwas ganz, ganz falsch.

Etwas, das es weitaus dringender zu bekämpfen gilt als ungegenderte Formulare.

Wenn Mädchen sich durch sexistische Mädchenzeitschriften und pinkfarbenes Spielzeug, das tanzt, leuchtet und wiehert, zu primitiven, zickigen Girlie-Gören entwickeln, während Jungs schon mit drei enthusiastisch im Wohnzimmer den Krieg aus den Ninja-Filmen nachspielen – dann sieht es ganz so aus, als sei eine andere Macht im Spiel, gegen die nicht nur Feministen sehr viel dringender zu kämpfen haben:

Der Konsum.

Denn früh anerzogene Geschlechterklischees bedeuten Geld. Ein rosafarbenes und ein blaues T-Shirt kosten mehr als ein gelbes, das sowohl der Junge als auch das Mädchen tragen kann, zwei Farben bedeuten zwei Produkte, zwei Produkte zwei Mal so viel Verdienst. Doch für uns ist Sexismus teuer, jedenfalls bevor er gratis in den Köpfen weitergedeiht. In den Köpfen all derer, die ihren Söhnen verbieten zu weinen, in schlagende Burschenschaften eintreten und Bier trinkende Frauen verurteilen – obwohl durch das Östrogen im Bier sogar das Brustwachstum angekurbelt wird, wofür die Figur einiger Herren im Ruhestand ein Musterbeispiel darstellt.

Der Feminismus hat das Ziel verfehlt. Natürlich wollen wir Frauen keine billigen Anmachsprüche mehr hören und auf unser Äußeres reduziert werden. Genauso wollen wir nicht, dass man uns beim nächtlichen Lustwandeln in Neukölln in den Schritt fasst oder dass man uns für inkompetent hält und deshalb in der Digga-Redaktion von Kamera, Scheinwerfer und Mischpult fernhält. Natürlich ist das ein Problem der ersten Welt, da es erst auftritt, wenn alle Haus, Dach und Essen haben. Bestätigende Blicke des männlichen Teils Digga-Redaktion. Und Alice Schwarzer? 

„Nicht unsere Integrierung ist wünschenswert, nicht die Vermännlichung der Frauen, sondern die Vermenschlichung der Geschlechter.“ So lautet eines der vermutlich bekanntesten Zitate der vermutlich bekanntesten Feministin des 20. Jahrhunderts.

Und obwohl man nicht gegen Bratpfannenhersteller klagen muss und Steuerhinterziehung nicht unbedingt das adäquateste Mittel im Kampf gegen Sexismus ist, muss man sagen – irgendwie hat die Alte Recht.

Weil wir das Thema Feminismus so spannend finden, haben ihm eine ganze Volltreffer-Fernsehsendung gewidmet. Wenn ihr noch mehr dazu erfahren wollt, schaut es euch an:



Zwangsheirat und Schulverbot – Flüchtlinge im Gespräch

Aminata und Alimatou sind Zwillingsschwestern und leben seit einigen Jahren in Deutschland. Im Interview haben sie ihre Geschichte erzählt.

Ich bin Alimatou Traore, ich komme aus Guinea und bin mit meiner Zwillingsschwester Aminata hier in Deutschland seit vier Jahren. Wir besuchen das Rückert-Gymnasium auch seit fast drei Jahren. Wir haben uns gut in Deutschland integriert, obwohl es nicht einfach ist, alleine, ohne Eltern, in einem Land zu bleiben. Aber Gott sei Dank, dass ich mit meiner Schwester hier bin. Wir haben schon viel geschafft und sind immer noch dabei.

Wie kommt es, dass ihr fliehen musstet?

Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem Stiefvater. Er war kein netter Mensch und wollte sozusagen eine Zwangsheirat machen. Er hatte schon alles organisiert, wir sollten auch beschnitten werden. Deswegen war meine Mutter gar nicht damit einverstanden, hat sich auch dagegen eingesetzt, aber es hat nichts gebracht. Darum meinte sie, wir sollten unbedingt Guinea verlassen und nach Deutschland gehen. Ein weiterer Grund dafür war auch, dass unser Stiefvater komplett dagegen war, dass wir zur Schule gehen. (mehr …)



Kulturell besonders

Viele verschiedenste Kulturen finden sich auf dem Karneval.

Wenn ich an den Karneval der Kulturen denke, dann kommen mir sofort brasilianische Sambatänzerinnen mit grellbunten Paillettenkostümen in den Sinn, die zu fast schon unrealistisch rhythmischen Klängen ihre wohlproportionierten Hüften hin und her schwingen lassen. Dazu dann diese im Alltag wahrscheinlich eher unpraktischen, gefühlte zwei Meter hohen Kopfbedenkungen, die die ohnehin schon nicht gerade Nowitzkigroßen Damen wie wandelende Weihnachtsbäume mit Tonnen an Lametta drauf aussehen lassen. Während man den Umzug gebannt bestaunt und zwischenzeitlich Nahtoderfahrungen macht, weil man von verrücktgewordenen Kreuzbergern und anderen fernen Kulturen auf ein Minimum seiner selbst zusammengepresst wird, bekommt man eine saftige Mischung aus Süßigkeiten und Konfetti gefüttert. Alles in Allem also ein ausgewogen hektisches Großevent nach Jedermanns Geschmack. 

Und dann war ich das erste Mal da, auf dem für faule Menschen abgekürzte „KdK“.

Schon in den Gängen der U-Bahnstation ist der Bass zu hören wie von einer ganzen Armee an Bassisten, oben angekommen steht ein einzelner Mann beatboxend am Mikrofon, der rund zweihundert Menschen um ihn herum zum Takt nicken lässt. An jeder Ecke stehen Einkaufswagen, gefüllt mit Bierflaschen in Kühlboxen, ringsherum Unmengen an Bierdeckel. Eine wahre Freude für die Stadtreinigung.

Unsere Moderatorin Milena im Interview.

Immer mehr Menschen gesellen sich zu einander und auf einmal wird es schon schwer, sich zu bewegen. Doch das ist nur der Mehringdamm. Weiter rein in den kleinen Straßen tobt das Leben. Es gibt unzählige Stände, alle riechen anders nach Essen. Wir bewegen uns zwar alle mit der Geschwindigkeit einer Schnecke, aber so lernt man nun mal Leute kennen. Manche können ihre Meinung nicht mehr zurückhalten. Dank des Alkohols weiß nun jeder, dass Mann gern die Saufkultur à la Mallorca kultiviert.

Teilweise muss man sich anstrengen, eine deutsche Stimme zu hören. Dafür vernimmt man Geräusche, die wohl Wörter sind, bei denen ich immer gedacht hatte, dass nur wildgewordene Eichhörnchen oder herunter kullernde Murmeln sich so anhören würden.

Allgemein ist es schwer, die Kulturen auseinanderzuhalten, geschweige denn erst mal zu erkennen. Man hat das Gefühl, alle haben sich lieb. An sich ist das eine wunderschöne und zu unterstützende Einstellung, wäre da nicht das hochprozentige Nass, weshalb geschätzte zweidrittel der Menschen anscheinend überhaupt da sind. Wir laufen auf einem Meer aus leeren Bierflaschen und werden jede Sekunde von einem Halbanwesenden angerempelt, gern auch angemacht. Viele flirten, während sie ihre Freundin im Arm halten, die allerdings auch betrunken ist, also daher ist es eigentlich egal.

In manchen Straßen ist es gar nicht mehr nötig, selbst zu rauchen. Jeder Zweite nuckelt an seiner Shisha, die Abgase tun ihr übriges. Die Hand vor Augen kaum noch sehend ist es langsam ein Durschlagen geworden, anstatt eines gemütlichen Schlenderns.

Auch die Polizei war sehr präsent.

Weiter rein in den kleinen Seitengassen Kreuzbergs werden die Attraktionen immer weniger. Kaum noch sieht man hier eine Kultur aus fernen Ländern. Hier wird von privaten Anliegern Bratwurst vom hauseigenen Grill verkauft, damit die nächste Flasche Bier finanziert ist. Auch die Musik wird eintöniger, bassiger. Vorrangig Bass. Menschen liegen in den Büschen, klettern tarzarnartig die Bäume hoch, um einen besseren Blick zu erhaschen, um sich dann wie kleine Schimpansenkinder über ihren Erfolg zu freuen, manche freunden sich mit dem Bordstein an.

Und zwischen all dem Gestank, dem Gedränge und den betrunkenen Casanovas sieht man das, was wir alle kultivieren (sollten), Liebe. Neue Freunde feiern zusammen in allen Gehaltsklassen. Kleinkinder tanzen mit ihren Großeltern wild im Kreis. Unzählige Pärchen aller Geschlechter küssen sich und Fremde umarmen sich.

Das ist es, was den Karneval der Kulturen ausmacht. Alle verstehen sich und haben Spaß. Und für einen kurzen Augenblick verblasst all der Hass und die Gewalt in der Welt. Ich habe plötzlich das Gefühl von Furchtlosigkeit und Unantastbarkeit aller mich Erdrückenden um mich herum. Aus irgendeinem Grund wippe ich mit einmal zum Takt und ein kleines Lächeln macht sich breit auf meinem Gesicht. Alle um mich herum sind angetrunken und sehr offenherzig, aber doch wippen sie, tanzen sie, springen sie zu einer Musik, die sie sonst vielleicht nie hören würden. Eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm, denke ich mir. Anders als gedacht, anders, aber nicht schlimmer. Anders eben. Kulturell besonders.