Cloud Rap – Das Phantom aus dem Netz

Cloud Rap. Ein Genre, das vielen noch als ein großes Fragezeichen erscheint und doch trotzdem wird das vernebelte Phantom im Netz immer größer und weiter verbreitet. Ist es eine freie Interpretation von Hip-Hop? Verschiedene Künstlercharaktere wie LGoony, Yung Hurn und Crack Ignaz zeigen an großer Bedeutung für das (Un)-Genre und entwickeln dies’ alle auf ihrer eigenen Art und Weise weiter.

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Lil B.

Bei dem kalifornischen Rapper Lil B fing sozusagen alles an. Mit seinem 2009 veröffentlichten Album „6 Kiss“ schaffte er die Grundlage für alles, was wir heute dem Cloud Rap unterordnen: Synthesizer und Hi-Hat Klänge, sowie Auto-Tune und leicht überdrehte Texte, in denen es nicht wenig um Drogen geht. Hinzu kommen noch die undefinierbaren, für sich individuellen Laute und Ad-Libs wie „Scurr“ oder „Shesh“. Eine Bewegung zwischen Trap, Hip Hop und Swag Rap ist nicht auszuschließen.

Den Namen Yung Lean hat man bestimmt schon einmal gehört, denn so unbekannt ist der 19-Jährige Schwede auch nicht. Er und sein Sad Boys Kollektiv überzeugen nicht nur mit Auto-Tune-Effekt, sondern auch mit schlichtem Future-Look, der von vielen nachgeahmt wird.

Auf den Wiener Rapper Yung Hurn, welcher zur der Live From Earth Family gehört, sind sogar Dada-Einflüsse zurückzuführen. Mit seinen Auto-Tune-Hymnen wie „Nein“ oder „Opernsänger“ gewann er viele Anhänger. Erfolg feiert ebenso der Kölner LGoony mit einer fast komplett ausverkauften Tour durch Deutschland, nachdem er sich Anfang des Jahres mit Crack Ignaz zusammentat und mit ihm „Aurora“ releaste.

Auch die Rapper der Glo Up Dinero Gang wie Money Boy, Hustensaft Jüngling oder Juicy Gay widmen sich dem Sound. Die deutschen Künstler haben es aus den geschlossenen Facebook-Gruppen ziemlich weit hoch geschafft. Dieses Jahr sind sie wieder auf dem großen Hip-Hop Festival Splash! dabei und Live From Earth neu mit einer eigenen Stage. Cloud Rap ist, wie man sieht, nicht nur Musik, sondern auch ein Lifestyle!  

Hier gibts das Ganze auch zum Hören:



Homo, Hetero, Trans – egal, hauptsache bunt!

Am letzten Wochenende haben Laura, Béla, Bent und ich das lesbisch schwule Stadtfest am Nollendorfplatz besucht und sind auf skurrile Projekte und Charaktere gestoßen.

“Gleiche Rechte für Ungleiche!” – damit wirbt der Regenbogenfonds e.V. für das lesbisch schwule Straßenfest, das in diesem Jahr bereits zum 24.Mal am Nollendorfplatz gefeiert wird. Motz-, Eisenacher-, Fugger- und Kalkreutherstraße erstrahlen dabei traditionell in den Farben des Regenbogens und werden zur Spielwiese für schrille und weniger schrille Angehörige der LGBT-Community. Ob Lesbisch, schwul, trans, queer, asexuell oder hetero, auf diesem Stadtfest werden jegliche Sexualitäten gefeiert. “Pride” wird hier großgeschrieben – auch wenn ebenfalls daran erinnert wird, wie viel Aufklärungsbedarf noch in der Gesellschaft besteht.

So will Youtuber Igor K auf eine besondere Art für sein Anliegen werben. In der einen Hand seine Videokamera, trägt er in der anderen ein bedrucktes Schild durch die Menge: Er kritisiert den rauen Umgangston innerhalb der LGBT-Community und freut sich über das Neugierde der Besucher an seiner Aktion.

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Igor K macht mit seiner provokanten Aktion auf sich aufmerksam.

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Der Youtuber genießt das Interesse der Besucher.

 

 

 

 

 

 

 

 

In Israel sei das anders, erfahren wir an dem Stand, der über die Situation von queeren Menschen vor Ort aufklärt. Entgegen vieler Vorurteile gehe man dort offen mit verschiedenen sexuellen Orientierungen um, die LGBT-Commutity werde gestärkt und unterstützt. Wie sieht die Situation in Deutschland im Vergleich zu Israel aus?

Der Mann trägt ein T-shirt mit der Aufschrift “I love Israel” in Regenbogenfarben – in Israel sei die Situation der LGBT-Community viel besser als in Deutschland, auch wenn man das von Israel nicht unbedingt glaube, sagt er. Dort habe man im Gegensatz zu Deutschland die Homo-Ehe legalisiert – Tel Aviv sei die Hauptstadt der Homosexuellen. In Israel könne man auf der Straße Händchen halten und seinen Partner küssen, ohne dass jemand etwas dagegen habe. Er sehe das Problem in Deutschland bei Angela Merkel, die bereits vor Antritt ihrer Kanzlerschaft festgesetzt habe, dass die Homo-Ehe nicht durchgesetzt werde. Er lebe schon seit zwei Jahren in Berlin und sei noch keinem Homophoben begegnet. Alle seien sehr freundlich und zugewandt – eigentlich sei das in Deutschland und Israel gleich, nur die deutsche Politik mache den Unterschied. Mit seiner Präsenz auf dem Straßenfest wolle er die LGBT-Freundlichkeit Israels zeigen und auf die Angebote für Homosexuelle in Israel aufmerksam machen. Denn in seinem Land respektiere man jeden, unabhängig von sexueller Präferenz oder Status.

Einige Meter weiter die Straße entlang treffen wir auf eine besonders auffällige Gestalt: Es ist ein Mann mit  weißer Farbe und viel Glitzer im Gesicht, ein langer Schleier bedeckt seinen Rücken. Er sei eine “Schwester der perpetuellen Indulgenz” und gehöre einem besonderen Orden an, der Hilfe und Unterstützung für queere Menschen anbiete.

Aber nicht nur die Nonne fällt mit ihrer Extravaganz auf, zwischen Männern nur in Shorts bekleidet oder in Lack und Leder an den Festischständen, dreht Dolores ihre Runden. Sie ist als Amy Winehouse verkleidet und sticht Laura mit ihrer schrillen Verkleidung sofort ins Auge:

Apropos Fetisch: Wie viel BDSM steckt in dir? Laura hat einen ganz besonderen Selbsttest gemacht und herausgefunden, wie sehr sie zu Lack, Leder und Peitsche tendiert. BDSM steht für mehrere Begriffe, wie zum Beisiel Bondage, Discipline, Sadism and Masochism (Knechtschaft, Disziplin, Sadismus und Masochismus) Erlaubt ist beim BDSM-Sex so ziemlich alles – aber nur solange sich die Beteiligten wohl dabei fühlen!

Bei dem Begriff “Museum” denken wir eher an langweilige Schulausflüge oder verregnete Sonntagnachmittage zwischen alten Tonscherben und Geschichtsbüchern. Allerdings wird auf dem schwul lesbischen Straßenfest auch eine ganz andere Art des Museums vorgestellt: Das erste und einzige Schwulenmuseum Deutschlands. Was es damit auf sich hat und was den Besuchern dort geboten wird – Bent fragt einmal nach:

Neben Spaß, exotischem Essen und Musik wird beim schwul lesbischen Straßenfest großen Wert auf politische Aufklärung gelegt. Mehrere demokratische Parteien sind im politischen Eck vertreten und stellen ihre Unterstützung der queer-Community vor. So auch die Lesben und Schwulen in der Union, die die Themen Homosexualität und Gleichberechtigung innerhalb der CDU/CSU voranbringen wollen.

Auch der Koalitionspartner SPD ist auf dem schwul lesbischen Straßenfest präsent. Die Schwusos seien die erste schwul lesbische parteipolitische Gruppierung und kämpften auch heute noch für die Homo-Ehe und die Anerkennung der LGBT-Community in der Politik.

Unter dem Regenbogen sind wir alle gleich, von hinten sowieso  – die Message des lesbisch schwulen Straßenfestes ist klar: die sexuelle Orientierung eines Menschen sollte endlich zur Nebensache, das Tabuthema Sexualität aber trotzdem offen angesprochen werden. Bis dahin mag es vielleicht noch ein langer Weg sein, aber Veranstaltungen wie dieses Straßenfest leisten einen wertvollen Beitrag für gesellschaftliche Akzeptanz und Aufklärung und gegen Diskriminierung und Stigmatisierung. Die LGBT-Community ist uns nicht mehr fremd und sie rückt mehr und mehr in die Mitte unserer Gesellschaft.

Auch im letzten Jahr hat sich die DIGGA-Redaktion mit queeren Lebensformen beschäftigt, ein Besuch bei der Webreportage “Oh, du bist hetero?!” lohnt sich:

http://digga.alex-berlin.de/oh-du-bist-du-hetero-webreportage/

 

 



Auf der Suche nach Heimat – Randbegegnungen in Berlin

Berlin ist bunt, aufregend und vor allem eins: Vielseitig. Die unterschiedlichen Charaktere sind es, die unsere Hauptstadt ausmachen. Aber was ist mit den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen; Menschen, an denen wir oft vorbeigehen, ohne sie anzusehen: Flaschensammler, Künstler und Obdachlose.

Bahnhof Zoo

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An der Hinterseite des Bahnhofsgebäudes verläuft die Jebensstraße – hier wird gerade ein Film gedreht: mobiles Catering, Maske und Schauspieler ziehen neugierige Blicke auf sich. Eigentlich ist dieser Ort ein Anlaufpunkt für Obdachlose, Hilfsbedürftige und Junkies. Hier bietet die Bahnhofsmission ihre Hilfe an, am Ende der Straße steht ein Automat an dem sich Drogensüchtige kostenlos Spritzbesteck ziehen können. Unter der Brücke haben Obdachlose ihre Schlafplätze eingerichtet, es ist laut, dreckig und ungemütlich. Hier treffe ich Cheyenne, ihre Haare hat sie sich an den Seiten abrasiert und ein paar Fuchsschwänze in ihren dünnen Pferdeschwanz gesteckt. Sie wirkt selbstbewusst und bestimmt wenn sie aus ihrem Leben erzählt. Cheyenne hat einen kleinen Hund dabei, “Kochanie” heißt er, weil das auf Polnisch „Liebling“ bedeute. Für sie ist ihr Leben am Bahnhof Zoo längst zum Alltag geworden, mit der Obdachlosigkeit hat sie ihre Familie gefunden.

 

 

Während des Gesprächs mit Cheyenne beobachtet uns ein junger Mann mit einer schwarzer Kappe aus der Ferne. Er spricht mich an, sagt, er habe ein Problem und würde gerne über seine Situation sprechen. Er heißt Ismail und ist seit vier Monaten obdachlos. Seine beiden kleinen Kinder habe ihm das Jugendamt weggenommen. Wenn er sie besuche, verspreche er ihnen immer „Papa macht die Wohnung fertig“, doch in Wahrheit wisse er nicht, wie es für ihn und seine kleine Familie weitergehen soll. Wenn er davon erzählt, wie sehr er sein altes Leben vermisse, werden seine Augen feucht, er bemüht sich, stark zu bleiben. Besonders wichtig sei ihm, nicht mit den Junkies gleichgesetzt zu werden.

Obdachlose bleiben meist unbeachtet – dass es so gut wie keine aktuelle Statistiken über sie gibt zeigt, dass sie im Schatten der Gesellschaft verschwinden. Jahr 2014 lebten rund 24000 Menschen in der gesamten Bundesrepublik auf der Straße, davon 11000 allein in Berlin. 15 Obdachlose sind im Winter 2013/2014 erfroren. (Quelle: http://unbeachtet.org/zahlen-obdachlosigkeit-in-deutschland/)

 

Alexanderplatz                                                                                              

Am Nachmittag ist auf dem Alexanderplatz besonders viel los, die perfekte Zeit für Straßenkünstler, um ihre Arbeit zu präsentieren. Ich treffe die Italienerin Laura, sie hockt auf dem Boden, ihre Hände sind bunt von der Kreide, mit der sie gerade ein riesiges Portrait auf den Boden malt. An den Seiten hat sie einige Körbchen für Spendengeld aufgestellt, schließlich müsse sie ihre Utensilien finanzieren können. Das Wort „Danke“ steht in verschiedenen Sprachen daneben geschrieben – als eine Schulklasse vorbeikommt, ergänzen kurzerhand einige Schüler die Vokabelliste. Laura lacht, sie freut sich über das Interesse an ihrem Bild.                                                                            

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Laura aus Italien bringt ihre Kunst zum Berliner Alexanderplatz

Laura habe schon als 17-jährige mit der Straßenmalerei angefangen, daher komme auch der Mut dazu. Damals sei sie noch ein Kind gewesen, das Malen vor vielen Menschen für sie ein Spiel. Die Reaktionen der Menschen fielen unterschiedlich aus, aber meistens seien die Passanten freundlich und zugewandt. In Italien habe Laura auf die University of Fine Art studiert und dort das Zeichnen gelernt. Für sie sei aber der beste Weg zu lernen, einfach das zu machen, was ihr gefalle. Kunst bedeute für sie Kommunikation, die Projektion jeglicher Art von Gefühlen, sei es Traurigkeit oder Glück, in ein Bild. In ihrem aktuellen Werk folge sie einfach ihrer künstlerischen Freiheit. Die Zwanglosigkeit der Kunst in Berlin habe sie in die Hauptstadt gebracht. Hier könne sie malen was sie wolle – in Italien sei das anders. In ihrer Heimat Florenz konzentriere man sich mehr auf den Renaissance Stil und Maler wie Michelangelo. Den möge sie zwar auch aber in Berlin könne sie mehr experimentieren als in Italien. Um dieses Portrait zu malen habe sie ein paar Stunden gebraucht, könne aber auch zwei bis vier Tage an einem größeren Werk arbeiten.                                                                                                                                                                                        

Am anderen Ende vom Alex fällt mir ein Mann auf, der die Mülleimer nach Flaschen durchsucht. Er hat eine große Tüte bei sich und ist etwas skeptisch als ich ihn um ein Interview bitte. Er möchte, dass ich ihn „Günter“ nenne, seinen richtigen Namen verrät er lieber nicht. Günter ist Grieche und  musste seine Arbeit wegen gesundheitlichen Problemen aufgeben. Hier in Deutschland sei er zwar obdachlos, könne aber vom Flaschensammeln leben. Sein Arzt sage, das viele Laufen sei gut für seinen Rücken und deshalb möchte er auch noch einige Zeit weitersammeln. Betteln komme für ihn auf keinen Fall infrage, viel lieber hätte er wieder eine Arbeit.

 

Friedrichstraße 

Später Nachmittag, der Himmel ist bewölkt und es regnet ein wenig. Ein junger Mann steht mit Mikrophon, Gitarre und Verstärker vor dem Eingang eines Kaufhauses und eine Menschentraube drängelt sich um ihn herum. Vor ihm steht sein offener Gitarrenkasten und ein Pappschild mit seinem Namen: „Alex Wardi“ heißt eigentlich Craig Weir, aber das könne in Deutschland ja niemand aussprechen. Er wechselt sich zusammen mit seinem Kumpel Andrew ab, beide begeistern die Zuschauer mit ihren außergewöhnlichen Stimmen. Gerade hat Alexi für ihn und sich zwei Flachen Bier besorgt, etwas, das er auch an Berlin schätze.

Alexi sei im letzten September nach Berlin gekommen um einen Job zu finden, habe aber schnell lernen müssen dass sich das ohne Deutschkenntnisse ziemlich schwierig gestalte. Einige seiner Freunde seien schon damals Straßenmusiker gewesen und als er im Januar kein Geld mehr für die Miete habe aufbringen können, habe er selbst damit angefangen, um nicht wieder zurück nach Schottland zu müssen. Schottland sei sein ganzes Leben lang sein zu Hause gewesen, sei ihm aber nach 24 Jahren zu langweilig geworden. Das Gefühl vor so vielen Menschen zu spielen, sei von Tag zu Tag verschieden und schwer, mit etwas anderem zu vergleichen. Wenn viele Leute zuschauen und die Musik mögen, sei es ein unvergleichlich schönes Gefühl; wie eine Verbindung, stärker als sie durch ein bloßes Gespräch entstehen könne. Es gebe aber auch Tage, an denen er glaube gut zu spielen, aber die Menschen einfach vorbeigingen. Alexi spiele oft auf dem Alexanderplatz und manchmal zeigten ihm die Leute im Vorbeigehen einen Daumen nach oben oder machten ihm Komplimente für seine Stimme. Manchmal kämen aber auch Zuschauer auf ihn zu und machten ein Foto mit ihm. Dann fühle er sich besonders geehrt; vor ein paar Tagen sei er sogar eingeladen worden, auf einer Hochzeit zu spielen. Vor einem Auftritt sei er immer sehr nervös, aber da er schon mit 18 Jahren angefangen hat, Musik auf dem College zu studieren, habe er sich daran gewöhnten können. Für die der Zukunft plane er in Berlin zu bleiben, das sei seine neue Heimat. Einen normalen Job habe er nie gewollt, er möchte lieber weiter Musik machen, aufstehen wann er will und Bier trinken. An Berlin möge er besonders die Menschen und die vielen Kulturen. Jeder sei außergewöhnlich freundlich zu ihm gewesen, sogar die Obdachlosen seien netter als in Schottland. Die meisten jungen Deutschen würden sowieso gut Englisch sprechen, ansonsten gebe es hier viele andere Ausländer. Sein größer Wunsch für die Zukunft sei dass Schottland ein Teil der Europäischen Union bleibe damit er kein Arbeitsvisum brauche, sagt er und lacht. Persönlich möchte er einfach weiter Musik auf den Straßen und auf Events machen und vielleicht einen Job finden – das Wetter mache es ihm manchmal schwer auf der Straße zu spielen. „Einfach so lange wie möglich Musiker und sorgenlos bleiben!“

 

Unter den Linden   

Direkt gegenüber der Vertretung der Europäischen Union macht sich am frühen Abend eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen auf einen Protest vor. Sie haben ein Banner mit der Aufschrift „Stop breaking the law in Poland“ dabei und kleben sich gegenseitig mit schwarzen Tape die Münder zu. Einer von ihnen verteilt Flugblätter an die neugierigen Passanten. Nach einiger Zeit reißen alle ihre Klebestreifen ab und eine Frau liest ihre Protestforderungen auf Polnisch und Deutsch vor. Ein Sprechchor ruft nach jeder einzelnen laut „Demokracja!“. Die vorbeigehenden Passanten werfen merkwürdige zweifelnde Blicke auf die Menge, manchmal bleiben ein paar Touristen stehen und machen Fotos. Worum es bei dem Prostest geht, interessiert sie eher nicht.

 

Pariser Platz

Einige hundert Meter von den Demonstranten entfernt, ist ein weiterer Flaschensammler unterwegs, deutlich älter als Günter. Der etwa Ende 60 jährige Rentner möchte nicht erkannt werden; es sei ein mieses Gefühl Flaschen zu sammeln, sagt er. Obwohl er eine Wohnung hat und Rente bekomme, suche er nach weggeworfenem Pfand um sich auch mal etwas Besonderes kaufen zu können – dafür reiche seine Rente nicht aus.

Auch Flaschensammler gehören zu einer gesellschaftlichen Randgruppe. Damit werden sie als “Menschen, die in eine Gesellschaft nur unvollständig integriert sind” definiert – zumindest im Duden. Dabei kann nicht einmal von einer Minderheit gesprochen werden; immer mehr Menschen verdienen sich durch weggeworfenes Pfand etwas Geld dazu oder leben davon. Aber Integration kann nicht gelingen, wenn der Zugang zur Gesellschaft verwehrt wird. Vorurteile, Stigmatisierung und vor allem Wegschauen drängen Menschen aus der öffentlichen Wahrnehmung. Die soziale Ungleichheit – die auseinandergehende Schere zwischen arm und reich- tragen zur Marginalisierung der gesellschaftlichen Randgruppen bei.

Das Thema “Heimat” zieht sich wie ein roter Faden durch die Interviews: Berlin bietet den unterschiedlichsten Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen ein zu Hause. Cheyenne hat ihres unter der Brücke am Bahnhof Zoo gefunden, Ismail will sich seins zusammen seinen Kindern aufbauen. Alexi liebt die Menschen in Berlin und Laura kann ihre künstlerische Freiheit hier ausleben. Die Demonstranten am Brandenburger Tor vereinen ihre Heimat Polen und ihr zu Hause Berlin und zeigen so ihre Verbundenheit mit beiden Orten.

Berlin hat viel zu bieten, wenn man einmal genauer hinsieht. Menschen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, haben Geschichten zu erzählen, für die es sich lohnt hinzuhören. Diesen Menschen eine Stimme zu geben sollte unser Anliegen sein.



Neukölln ist SATT – 48 Stunden Kunst

Wir von DIGGA und Hörsturz haben letzten Samstag das 48 Stunden Neukölln Festival besucht. Die dreitägige Veranstaltung gibt es schon seit 18 Jahren in Neukölln, die mittlerweile zu einem der größten freien Kunstfestivals in Berlin herangewachsen ist.

Dieses Jahr steht das Festival unter dem Leitthema „SATT“, wodurch sich die ausgestellte Kunst mit davon abgeleiteten Themen wie „Hunger“, „Überfluss“ oder „Übersättigung“ beschäftigt. In den über 30 Positionen der zentralen Ausstellung wurde das Festivalthema von zahlreichen Künstlern umgesetzt und in Form von Bildern, visuellen und audiovisuellen Installationen sowie Kunstwerken ausgestellt. Auch gab es öfter Gelegenheiten der Selbstbeteiligung zum Beispiel durch Kaugummikauen, Leinwände Bemalen oder Sticker Aufkleben.

So haben wir ein paar Eindrücke aus den verschiedenen Ausstellungen, die über alle Neuköllner Kieze verteilt waren, sammeln können. Angefangen am zentralen Ausstellungsort, der SATT-Zentrale, hatten wir sogar öfter das Glück einige Künstler abzufangen und sie uns ihre Arbeit erläutern zu lassen. Diesbezüglich haben Samuel und Natalie mal nachgefragt.

Mariella und ich haben uns gemeinsam die Besucher auf dem Festival genauer angeschaut und versucht herauszufinden, welche Zielgruppe sich eigentlich für moderne Neuköllner Kunst interessiert.

Ein besonders interessantes Projekt fanden wir in der Ganghoferstraße von „Musé“. Dabei handelt es sich um ein Künstlerkollektiv, das Tagebucheinträge eines jugendlichen Flüchtlings in einer Rauminstallation verarbeitet hat. Die dunkle Stimmung im vernebelten Zimmer wurde von einer verzerrten Stimme, die seine Einträge vorgelesen hat, untermalt. Das Video mit der Künstlerin Halea dazu gibt es hier:

Zudem konnten wir mit dem Holländer Simon über seine Süßigkeitenausstellung reden, die eindeutig unseren Geschmack getroffen hat! Im Haus der Bildung in der Boddinstraße gab es eine interaktive Ausstellung unter dem Namen “Möchten Sie diesen Inhalt sehen?”, bei der es sich um ein Experiment handelt, das Phänomene in der heutigen beschleunigten Welt in einer verlangsamten Form darstellen soll. Vor Ort haben wir die Künstlerin Katarina zu ihrer Klangausstellung im Interview gehabt.
All das hat Linus natürlich mit der Kamera festgehalten, also schaut hier in den fertigen Videobeitrag von unserm Tag auf dem 48 Stunden Neukölln Festival rein!



Einfach SWAG halt. Eine Hörspielproduktion der Alternativschule

Wir Schüler*innen von der Alternativschule Berlin haben im Rahmen eines Theaterprojektes zwei Hörspiele entwickelt und produziert. 

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Marlena, Paulina, Joanna, Konstantin, Marlene und Emma

Unsere Praktikant*innen Nino und Ella hatten sich nach den Herbstferien entschieden, mit uns eine Theater Werkstatt aufzubauen – die Nachfrage danach war groß. Im Laufe dieses Projektes dann, ist die Idee entstanden, zusammen nicht nur Theaterstücke zu schreiben, sondern aus ihnen Hörspiele zu produzieren.

Nino hatte zusammen mit seiner Freundin Lili das Soundscape-Projekt ins Leben gerufen, das Jugendlichen die Möglichkeit gibt, ihre eigenen Hörspiele aus ihren eigenen Geschichten zu erstellen. Das sollte beim offenen Kanal, ALEX Berlin geschehen – und wir sollten alles selbst machen.

Unsere Hörspiele beruhen auf Märchen – vor allem von  Rotkäppchen, Schneewittchen und Dornröschen ließen wir uns inspirieren. Zu zehnt arbeiteten wir also jeden Freitag Nachmittag fleißig an unserem Geschichten, die uns immer mehr ans Herz wuchsen.

 

Dornröschen (auch Dora genannt) hat ein Problem: ihr Spießer-Vater, der König,  möchte ihren besten Freund, den Troll, nicht zu ihrem Geburtstag einladen. Zusammen mit ihrem Haustier Äxli, einem Axlotl, versucht sie ihr Problem zu lösen. Doch da ist auch noch der Leibwächter, der insgeheim auf Dora steht, und wäre das nicht schon Verwirrung genug, verschwimmt für Dora Realität und Traumwelt.

 

Am 16.3.2016 war es dann so weit. Etwas nervös gingen wir unseren Weg ins Studio von ALEX Berlin, wo wir an einem Tag unseren Geschichten Leben einhauchen sollten. Den ganzen Tag arbeiteten wir konzentriert, mit Spaß, Freude und Eifer. Bei ALEX  lernten wir Lili kennen, die dem Ganzem noch einem extra Schwung verlieh und uns tatkräftig unterstützte. Wir sammelten Geräusche, probten unsere Rollen, Ella und Lili gaben uns Tipps für die Schauspielerei, Nino baute mit uns das Studio auf und erklärte uns den Ablauf der Aufnahme. Dann ging es los.

Der Anfang der Legende erzählt den Beginn der Legende des Bösen Wolfes. Eigentlich wollen Schneewittchen und Rotkäppchen nur Rotkäppchens Oma im Wald besuchen, um ihr Vodka und Döner zu bringen. Doch erst müssen sie den Jägersmann in einem Rapbattle besiegen, um passieren zu können, und dann bemerkt Rotkäppchen zu allem Übel noch, dass etwas mit ihr nicht stimmt…

 

Es war ein wirklich anstrengender Tag, an dem wir sehr viel gelernt haben und auch viel Spaß hatten.

Ein paar Wochen später konnten wir unsere Hörspiele zusammen anhören. Leider hatten wir, aufgrund von Zeitmangel, keine Möglichkeit, die Geschichten selbst zu schneiden – Nino und Lili haben das für uns gemacht. An dieser Stelle möchten wir ihnen auch ganz herzlich dafür danken. Gespannt hörten wir uns unsere Werke an und feierten uns selbst.

Generell möchten wir allen, die uns geholfen haben, an dieser Stelle danken. Einerseits für die Unterstützung und die Möglichkeit, alles realisieren zu können, sowie für die Unterstützung von Seitens unserer Schule.
Am 03. Juni haben wir unsere Werke in einer Sendung beim Jugendradio Hörsturz vorgestellt. Hier gibt’s die Sendung nochmal zum Nachhören:

 

Mit viel SWAG grüßen euch

Marlena, Paulina, Joanna, Konstantin, Marlene und Emma



Mein Weg nach Deutschland

Ich bin Tabassom, 17 Jahre alt und komme aus Afghanistan.

Die politische Situation dort ist sehr schwierig, vor allem für Frauen. Ich musste mit meiner Familie fliehen. Seit etwas mehr als einem Jahr lebe ich nun in Deutschland, aber bis dahin war es ein weiter Weg mit vielen Hindernissen. Aber ich bin sehr glücklich, dass ich hier bin! Hier kann ich normal zur Schule gehen, anziehen, was ich will und machen, was ich am liebsten mag: Singen!“

Wie genau Tabassom nach Deutschland gekommen ist und was die Probleme in Afghanistan sind, könnt ihr im folgenden Audiobeitrag von ihr selbst erfahren.

 

 

Das komplette Radio-Feature von und mit jugendlichen Geflüchteten bald auf Radio- Hörsturz.

Und auch mehr von Tabassom und ihrer Leidenschaft zur Musik im Video auf DIGGA.

 



“Abenteuer Ehe” – Skurriles aus dem Ehe-Alltag

Das gemeinsame Zusammenleben in einer geschlossenen Partnerschaft ist tatsächlich in einigen Situationen ein wahrliches Abenteuer. Mit genau diesem Abenteuer beschäftigen Milena und ich uns in unserer Hörspielreihe Abenteuer Ehe.

Die erste Episode der Reihe – Die haarige Angelegenheit – zeigt eine mehr oder weniger alltägliche Situation, das Schneiden der männlichen Nasenhaare durch die Frau, und artet schließlich in einen Ehestreit aus. Das klingt verrückt. Ist es auch.

Wir wollen es euch dementsprechend nicht vorenthalten, hier ist es:

 

Für mehr aus der Hörspielreihe Abenteuer Ehe – folgt uns auf SoundCloud!

Ein weiteres Hörspiel aus der Reihe wurde ebenfalls live im Radio vorgetragen. [Link folgt]



DIGGA Doku: denk!mal 2015

Während der denk!mal-Veranstaltung 2015 haben wir ein paar Filmaufnahmen gemacht und eine kleine Doku über die Ausstellung und das Forum allgemein zusammengeschnitten. Dabei zeigen wir Bilder von Projekten und Interviews mit einigen Ausstellern und Projektteilnehmern. Auch der Moderator und Sänger Ben Blümel, der die Veranstaltung moderierte, hat für unsere Doku ein Statement abgegeben. Auch dieses Jahr gab es wieder viele interessante Ausstellungsstücke zu sehen.

Und nochmal zur Erinnerung: Unsere Kolleginnen vom ALEX Radio haben zwei Beiträge zu denk!mal-Projekt erstelt. Zuerst eine Umfrage zum Thema Jugendliche und Politik:

Und ein Interview mit Ben:



Denk!Mal 2015 – Das war los…

Denk!mal Forum 2015Shilan, Vivienne, Charlotte und Bent waren für euch auf dem Jugendforum der denk!mal-Veranstaltung im Abgeordnetenhaus.

Shilan und Vivienne haben sich gefragt, wie Jugendliche zu Politik stehen und haben dem Moderator Ben auf den Zahn gefühlt.

Bent und Charlotte zeigen in ihrer Doku ihre gesammelten Eindrücke der Ausstellung. Die Doku ist bald auf Digga zu sehen. Leider müsst ihr euch noch ein wenig gedulden.

Bis dahin könnt ihr auch noch Bent in der Volltreffer-Spezial-Sendung sehen, die live aus dem Abgeordnetenhaus gesendet wurde.