Digga auf dem Jugendforum

Schon gleich zu Beginn wird deutlich: Milena steht voll auf das Jugendforum!

“Es fällt aus!” – so hieß es schon,
die Folge: Improvisation

Unter diesem Motto steht dieses Jahr das Jugendforum, eine Veranstaltung, die nicht nur Opfer des bipolaren Wetterfrosches wurde, sondern primär dafür da ist, Jugendlichen eine Stimme zu geben, wenn es um politische Entscheidungen geht.

 

 

 

 

Wie das Jugendforum entstanden ist und was ihre Aufgabe ist, erklärt uns Projektmanagerin Nesreen im Interview:

Von ebendiesen Jugendlichen sind auch zahlreiche vertreten, die entweder für die Bespaßung auf der Bühne zuständig sind, ihre Stände vorstellen oder einfach als Besucher dafür sorgen, dass das Jugendforum eine lohnenswerte Unterrichtsalternative ist. Denn wer am Jugendforum teilnimmt, bekommt tatsächlich eine offizielle Unterrichtsbefreiung. Doch das sollte nicht der einzige Grund sein, heute zum Pfefferberg am Senefelder Platz zu reisen.

Das schlechte Wetter konnte die gute Laune nicht mindern. Ein weiterer Grund: Das köstliche Essen!

Aufgrund des gestrigen Unwetters hieß es nämlich erst, das Jugendforum falle aus, da beim Aufbau auf dem Tempelhofer Feld die Zelte von dannen geschwommen seien.

Ein Glück, dass die Herrschaften vom Pfefferberg so liebenswürdig waren, dem Jugendforum die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Hier findet nun – überdacht – ein buntes Programm statt, das von Poetry Slam über Diskussionen mit Politikerinnen wie Sandra Scheeres (SPD) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) bis zu Tanzvorführungen reicht.

Die Digga-Redaktion hatte das Glück, mit der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie sprechen zu können. Hier könnt ihr euch das Interview mit Sandra Scheeres in voller Länge anhören.

Was andere Besucherinnen und Besucher für wichtige politische Themen halten und über welche ihrer Meinung nach zu viel diskutiert wird, erfahrt ihr hier:

Zwischendurch hat man Zeit, sich bezüglich verschiedener Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung zu informieren.

“Oma hat was gegen Flüchtlinge” – so lautet es auf einer Karte der Inititative “Junge Gegenargumente”, die ein Rhetorik- und Argumentationstraining anbieten, damit gerade junge Menschen rechtsmotivierten Hassparolen gute Argumente entgegensetzen können.

Aicha beim I,slam.

Vorsichtshalber ist rechtem Gedankengut in personifizierter Form sowieso der Zutritt zum Jugendforum untersagt – schließlich steht die Veranstaltung in erster Linie für interkulturelle Toleranz.

Aus diesem Grund sind auch viele muslimische Jugendliche dabei, zum Beispiel vom “I,slam”, einem Poetry Slam speziell für junge Muslime, die sich kritisch in Textform zu aktuellen Themen äußern.

 

 

 

 

Was die Grundstimmung bezüglich aktueller Themen ist, könnt ihr in folgendem Beitrag erfahren :



Tag 3 auf der TINCON – Eine Messe im kreativen Zweifarbenstyle

Der dritte und somit letzte Tag der TINCON liegt nun hinter uns und es war wie auch an den anderen Tagen schon sehr kreativ, interessant und frech. Viele bekannte und mindestens genauso viele unbekannte Gesichter standen auf den beiden Bühnen, um ihren ganz persönlichen Senf dazuzugeben. Es gab humorvolle Beiträge wie zum Beispiel den der Space Frogs, aber auch politisch angehauchte wie der Talk von Martin Sonneborn und viele mehr.

Ein absolutes Highlight war natürlich das Interview mit Coldmirror, die in der YouTube-Szene mit ihren ganz eigenen Film-Synchronisationen ein bekanntes Gesicht ist. Wenn es also um Network gemixt mit einer guten Prise Humor geht, dann darf sie definitiv nicht fehlen. Für uns ist sie aber besonders interessant, weil sie auch einmal in einem Offenen Kanal, ähnlich wie ALEX Berlin, gearbeitet hatte.

Aber auch mindestens genauso berühmte Menschen wie Ralph Caspers von Sendungen wie „Wissen macht Ah!“ oder „Die Sendung mit der Maus“, der sich übrigens selbst als egozentrisch bezeichnet, wurden mit unseren Fragen beworfen. Für viele Besucher ging mit seinem Besuch ein kleiner Traum in Erfüllung, da er ganz offen und freundlich mit jedem Interessenten gesprochen und auch Fotos gemacht hat. So mancher Anrufer wird jetzt wohl seine Stimme als Anrufbeantworter zu hören bekommen..

Das Interview mit ihm könnt ihr im Beitrag über den zweiten Tag der TINCON bestaunen.

Auch Speaker mit ernsteren Themen wie $ick standen auf der Bühne oder vor unserer Kamera und redeten, wie in seinem Fall, über seine Vergangenheit mit den Drogen und dass er unter Anderem wegen seiner Tochter damit aufhörte.

Nicht ganz so gesundheitsschädigend wie das Thema Drogen waren Talks über die schulischen Möglichkeiten eines Durchschnittsmenschen oder aber auch die wertvollen Hinweise eines Anfangszwanzigers über das Fußfassen in der Filmbranche. Bei Allem waren immer Fragen erlaubt, sodass auch private Interessen und Unklarheiten geklärt werden konnten.

Das DIGGA-Team erschöpft aber stolz nach getaner Arbeit!

Aber nicht nur die prominenten Gäste haben dem Ganzen eine Atmosphäre gegeben. Auch coole, im Alltag immer nützliche Spielereien wie ein kluger Spiegel oder ein Spiel mit einem Lichtschlauch, das übrigens komplizierter war als es sich anhört und auch aussah, trugen zu einem rosagelben Medienspektakel der besonderen Art bei. Der Ort an sich, ein offiziell stillgelegtes Kraftwerk, sprühte zwar nicht ganz vor Charme, aber hunderte verschiedene Lichtapplikationen im kreativen Zweifarbenstyle verliehen dem ganzen einen Hauch von Clubatmosphäre, was in einem Kraftwerk nicht immer gegeben ist.

Wo es im nächsten Jahr hingeht, ist noch ungewiss, vielleicht werden wir dann vom Fernsehturm senden oder vom Flughafen, aber drehen, schneiden und senden werden wir so oder so von der TINCON 2018. Nur die Grumpycat-Winkekatze wird dann wohl nicht mehr mit auf den Plakaten sein..

Zum Abschluss gibt’s noch einen Rückblick mit unseren persönlichen Highlights der TINCON:



Digga auf der TINCON

Spacefrogs, Sick und Sonneborn

Mit Grumpy Cat und Unicorn

Digga ist auf der TINCON, der Teenage Internetwork Convention. Allerdings nicht allein.

Denn neben unserer Redaktion sind auch diverse Youtuber und andere Öffentlichkeits- und Medienmenschen anwesend, die auf den zwei Bühnen ihre Ansichten kundtun – vor allem bezüglich Themen wie Politik, Bildung, Games und Medien.

Wo kurz zuvor noch Tim Edler über das Flussbad in Berlin informiert hat, steht nun Martin Sonneborn von der Partei die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative und proklamiert stolz seine Meinung zu Böhmermann, der FDP und Helmut Kohl. Währenddessen erklären Alessandro Schuster und Jonas Klocke auf der U21 Bühne, wie man Filme schneidet.

Bei so vielen spannenden Vorträgen weiß die Digga-Redaktion gar nicht, wo sie anfangen soll mit den Interviews.

Schließlich hat sie sich aber doch entschieden. Wofür, seht ihr in den Videos, die Stück für Stück in der virtuellen Welt auftauchen werden.

Ralph Caspers  kennt man aus Wissen macht Ah! Er ist Moderator, Autor und Schauspieler und hat sich dieses Jahr auf der TINCON zu Tinder geäußert, einer der populärsten Partnersuchbörsen im Internet.

Mit uns hat er allerdings primär über Kekse und Schokolade geredet.

Im Gespräch mit Martin Sonneborn standen wieder ganz andere Themen oben auf der Liste. Nicht nur um die Grünen ging es, sondern auch um Männer BHs, Anglizismen und Wattestäbchen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle für die bereichernde Auskunft!



Feminismus | Warum wir das Ziel verfehlt haben

Alle Menschen sind gleich. Klingt gut? Nur dass uns eines im Wege steht: Die Biologie. Warum wir das Ziel verfehlt haben.

„Wir können ja was zum Thema Feminismus machen!“

Als dieser Vorschlag in der Redaktionssitzung fällt, wird er erst einmal mit allen nonverbalen Gefühlsäußerungen kommentiert, die der genervte männliche Körper so zu bieten hat: Stöhnen, Grunzen, geräuschvolles Ausatmen. Es fallen Begriffe wie Alice Schwarzer, Genderwahn und First World Problem.

Auch Frauen dürften doch mittlerweile wählen, darüber hinaus hätten wir eine Kanzlerin – was wolle man denn noch?

Etwa eine Frauenquote in allen Unternehmen? Es werden Vögel gezeigt. Nicht, dass es im Betrieb so zugehe wie mit dem Quotenschwarzen in französischen Komödien. Der arme Omar Sy habe doch sicher kaum noch Freizeit aufgrund des westeuropäischen Gleichberechtigungswahns.

Mal wieder einer dieser Ausdrücke, die nur von denjenigen verwendet werden, die nicht von ihm betroffen sind. Wer im Wahn ist, handelt nicht rational, sondern emotionsgesteuert – typisch Weiber halt.

Und ein trotziges „Pussies bite back“-Geblöke aus den Mündern viertelbekleideter Kampflesben erinnert nun mal doch mehr an unbeholfene Dreijährige im Kampf gegen das elterliche Bonbonverbot als an konstruktive Gesellschaftskritik.

Die wäre allerdings durchaus angebracht, jedoch an anderer Stelle.

Ein positives Beispiel hingegen ist das Female Rap Konzert, das die DIGGA-Redaktion besucht hat:

Es scheint offensichtlich, dass Frauen auch heute noch ungerecht behandelt werden. Schließlich verdient Frau dem Statistischen Bundesamt zufolge durchschnittlich 21% weniger als ihr männliches Gegenstück. Allerdings nicht aus männlicher Boshaftigkeit und grundloser Ungerechtigkeit, wie manch erzürnte Emanze es gerne behauptet. Denn trotz neuartiger Klonexperimente, Samenspende und künstlicher Befruchtung bleibt noch ein Sachverhalt, an dem sich nicht rütteln lässt: Frauen kriegen Kinder.

“FIGHT SEXISM” steht auf Lauras Handyhülle.

Das heißt, Frauen steigen seltener die Karriereleiter hinauf, auf der höhere Gehaltsstufen auf sie warten würden, weil eine Geburt sie wieder hinabstürzen ließe. Es sei denn, sie erziehen ihrem Kind durch zu frühes und widernatürliches Abstillen Allergien und Sozialprobleme an, um sich möglichst schnell von der Mutterrolle zu distanzieren. Es ist ja auch praktisch für die egoistische Powerfrau des 21. Jahrhunderts – das ungeborene Kind kann man ja nicht fragen, ob es lieber eine reiche, sich selbst verwirklichende Mutter hat oder eine, die für es da ist – und zwar die ersten Jahre, nicht nur im Kreissaal. Dass heute die Option, auch der Mann könne zuhause bleiben, durchaus präsent ist, entkräftet nicht die Tatsache, dass der Stress der Mutter, verursacht durch einen sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben und die damit einhergehende Doppelbelastung, sich in vielen Fällen auf das Kind überträgt und sogar lebenslange Auswirkungen haben kann.

Praktisch bleiben übrigens viele Frauen von sich aus auf niederen und damit schlechter bezahlten Positionen, um flexibler zu sein, weil sie Prioritäten gesetzt haben. Die 21% bedeuten also nicht, dass Frauen bei der gleichen Tätigkeit weniger Einkommen haben als Männer, sondern dass ihnen insgesamt weniger selbst verdientes Geld zur Verfügung steht, weil sie

a) schwanger geworden sind und ihr Kind nicht bei einem gerne mal verantwortungslosen studentischen Babysitter abgestellt haben

b) nicht eingestellt worden sind, weil sie hätten schwanger werden können (was einen Verlust für das Unternehmen bedeutet hätte, weshalb man das Risiko unter Umständen nicht eingegangen ist)

c) lieber Friseurin (8,84€/h) statt Bauarbeiter geworden sind (14,20€/h)

Rapperin Sookee ist deutschlandweit sehr erfolgreich, und das als Frau mit Kind in einer von Männern dominierten Szene. Im Interview sprechen wir mit ihr auch über dieses Thema:

Es ist Girl’s day! Frauen, packt mit an, zeigt den Männern, was in euch steckt!

Schlecht bestückte Frohnaturen greifen euphorisch zur Bohrmaschine. „Es sollte doch vielmehr darum gehen, die Gegensätze der Geschlechter auszugleichen!“, heißt es auch schon in Loriots vielzitiertem Spielfilm Pappa Ante Portas – ein Motto, welchem man sich schon in den 70er-Jahren mit Begeisterung widmete, indem man Mädchen wie Jungen an- und erzog.

Ein klares Streben nach Geschlechtergleichheit, dem heutigen Zeitgeist nicht fremd. Oder?

Was nicht gleich ist, wird gleich gemacht – spätestens in der DDR wurde nachgewiesen, dass eine vollkommene Gleichheit aller Menschen nicht nur nicht realisierbar, sondern auch nicht wirklich sinnvoll ist, jedoch unabhängig von Gleichwertigkeit. Die bei verschiedenen Individuen anzuzweifeln, haben wir nämlich endlich aufgehört, wenn auch nach zu langer Zeit.

Nun müssen wir aufhören zu behaupten, es gäbe keine Geschlechterunterschiede, denn sie sind faktisch nicht von der Hand zu weisen.

  • Frauen kriegen Kinder. (Und zwar nur Frauen, denn egal, wie lang die Wissenschaft noch so herumforscht, aus dem Mann wird nie etwas Lebendiges herauskommen – außer vielleicht ein Bandwurm, aber das sei ihm nicht zu wünschen.)
  • Frauen besitzen weniger Testosteron, sondern weibliche Hormone, deshalb sind sie in den meisten Fällen emotionaler und sensibler, wohingegen sich langsamer Muskelmasse ausbildet. (Darum gibt es mehr Bauarbeiter und mehr Friseurinnen.)

Beides ist überhaupt kein Problem, solange kein Geschlecht dadurch grundlos benachteiligt wird. Solange dadurch nicht Sexismus gerechtfertigt wird. Den aus den Köpfen zu verbannen, wird allerdings schwer.

Denn das meiste, was unsere Gesellschaft prägt, deutet darauf hin, dass Sexismus sogar erwünscht ist. Wieso sonst blaue und rosafarbene Überraschungseier, wieso Filly Pferde und feuerspuckende Autos? Hörspiele für vierjährige Mädchen, in denen sich die Feechen und Hexchen den Kopf zerbrechen, wie sie den hotten Boy von ihrer Sweetness überzeugen können. Zieh dich verspielt an, dann weckst du seinen Beschützerinstinkt; in fünf Schritten deinen Schwarm erobern! Solange man jene Geschlechterklischees in Bravo-Girl-Form in mehr Kiosken findet als das Satiremagazin Titanic, läuft etwas ganz, ganz falsch.

Etwas, das es weitaus dringender zu bekämpfen gilt als ungegenderte Formulare.

Wenn Mädchen sich durch sexistische Mädchenzeitschriften und pinkfarbenes Spielzeug, das tanzt, leuchtet und wiehert, zu primitiven, zickigen Girlie-Gören entwickeln, während Jungs schon mit drei enthusiastisch im Wohnzimmer den Krieg aus den Ninja-Filmen nachspielen – dann sieht es ganz so aus, als sei eine andere Macht im Spiel, gegen die nicht nur Feministen sehr viel dringender zu kämpfen haben:

Der Konsum.

Denn früh anerzogene Geschlechterklischees bedeuten Geld. Ein rosafarbenes und ein blaues T-Shirt kosten mehr als ein gelbes, das sowohl der Junge als auch das Mädchen tragen kann, zwei Farben bedeuten zwei Produkte, zwei Produkte zwei Mal so viel Verdienst. Doch für uns ist Sexismus teuer, jedenfalls bevor er gratis in den Köpfen weitergedeiht. In den Köpfen all derer, die ihren Söhnen verbieten zu weinen, in schlagende Burschenschaften eintreten und Bier trinkende Frauen verurteilen – obwohl durch das Östrogen im Bier sogar das Brustwachstum angekurbelt wird, wofür die Figur einiger Herren im Ruhestand ein Musterbeispiel darstellt.

Der Feminismus hat das Ziel verfehlt. Natürlich wollen wir Frauen keine billigen Anmachsprüche mehr hören und auf unser Äußeres reduziert werden. Genauso wollen wir nicht, dass man uns beim nächtlichen Lustwandeln in Neukölln in den Schritt fasst oder dass man uns für inkompetent hält und deshalb in der Digga-Redaktion von Kamera, Scheinwerfer und Mischpult fernhält. Natürlich ist das ein Problem der ersten Welt, da es erst auftritt, wenn alle Haus, Dach und Essen haben. Bestätigende Blicke des männlichen Teils Digga-Redaktion. Und Alice Schwarzer? 

„Nicht unsere Integrierung ist wünschenswert, nicht die Vermännlichung der Frauen, sondern die Vermenschlichung der Geschlechter.“ So lautet eines der vermutlich bekanntesten Zitate der vermutlich bekanntesten Feministin des 20. Jahrhunderts.

Und obwohl man nicht gegen Bratpfannenhersteller klagen muss und Steuerhinterziehung nicht unbedingt das adäquateste Mittel im Kampf gegen Sexismus ist, muss man sagen – irgendwie hat die Alte Recht.

Weil wir das Thema Feminismus so spannend finden, haben ihm eine ganze Volltreffer-Fernsehsendung gewidmet. Wenn ihr noch mehr dazu erfahren wollt, schaut es euch an:



Zwangsheirat und Schulverbot – Flüchtlinge im Gespräch

Aminata und Alimatou sind Zwillingsschwestern und leben seit einigen Jahren in Deutschland. Im Interview haben sie ihre Geschichte erzählt.

Ich bin Alimatou Traore, ich komme aus Guinea und bin mit meiner Zwillingsschwester Aminata hier in Deutschland seit vier Jahren. Wir besuchen das Rückert-Gymnasium auch seit fast drei Jahren. Wir haben uns gut in Deutschland integriert, obwohl es nicht einfach ist, alleine, ohne Eltern, in einem Land zu bleiben. Aber Gott sei Dank, dass ich mit meiner Schwester hier bin. Wir haben schon viel geschafft und sind immer noch dabei.

Wie kommt es, dass ihr fliehen musstet?

Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem Stiefvater. Er war kein netter Mensch und wollte sozusagen eine Zwangsheirat machen. Er hatte schon alles organisiert, wir sollten auch beschnitten werden. Deswegen war meine Mutter gar nicht damit einverstanden, hat sich auch dagegen eingesetzt, aber es hat nichts gebracht. Darum meinte sie, wir sollten unbedingt Guinea verlassen und nach Deutschland gehen. Ein weiterer Grund dafür war auch, dass unser Stiefvater komplett dagegen war, dass wir zur Schule gehen. (mehr …)



Die Geschichte der Studentenverbindungen in Deutschland

Studentenverbindungen gibt es in vielen Farben und Formen. Als „schlagende“ und „nicht schlagende“, nur für Männer oder nur für Frauen, mit eigenen Farben und Symbolen oder ohne, unter dem Namen „Burschenschaft“, „Landsmannschaft“, „Corp“ oder „Verbindung“ und so weiter.
Ihnen allen gemeinsam ist ihre Entstehungsgeschichte.

Studenten, die sich in Gruppen organisieren und ihren Alltag gemeinsam verbringen, das gibt es schon so lange wie die Universitäten selbst. Im 13. und 14. Jahrhundert mussten alle Mitglieder einer universitären Fakultät in einem gemeinsamen Gebäude wohnen und bekamen farblich einheitliche Kleidung vorgeschrieben. Diese, als „Nationen“ oder „Bursen“ titulierten, Wohngemeinschaften können als Urform einer studentischen Verbindung betrachtet werden. Die Kleiderordnung stellte die erste Form einer „Couleur“ da. Aber erst im 15. Jahrhundert gründeten Studenten Gruppen, die nicht unter dem Einfluss der Universitäten standen. Diese neue Form übernahm den Namen „Nation“ oder bezeichnete sich als „Landsmannschaft“. Hier entstand im 17. Jahrhundert der Brauch, dass Erstsemester, „Füchse“ genannt, ältere Studenten bedienen und aushalten müssen. In der Trennung von „Füchsen“ und „Burschen“ wird bereits die erste strukturelle Organisation der Verbindungen sichtbar, die sich im 18. Jahrhundert weiter manifestierte. Die Gemeinschaften schafften Ämter, Privilegien und Pflichten, eine Ordnung die man noch heute in vielen Verbindungen findet.

Ende des 18. Jahrhunderts kamen neben den „Landsmannschaften“ „Orden“ auf. Nach dem Vorbild der Freimaurerloge waren diese geheim, nahmen nur sorgfältig ausgewählte Mitglieder auf, betrieben ein kompliziertes Zeremoniell und verpflichteten ihre Mitglieder im Lebensbundprinzip bis zum eigenen Tod füreinander zu sorgen. Aufgrund der Sprengkraft, die ein Zusammenschluss junger Intellektueller barg, wurden „Orden“ und „Landsmannschaften“ im Absolutismus verfolgt und mussten sich auflösen. An ihre Stelle traten um 1800 „Kränzchen“, „Landsmannschaften“, „Gesellschaften“ und „Clubs“, die einen Großteil der Bräuche, Formen und Strukturen von „Landsmannschaften“ und „Orden“ übernahmen. Allerdings waren sie vollkommen unpolitisch und wollten vor allem der Charakterbildung junger Studenten dienen, weshalb sie geduldet wurden. Die ältesten noch heute existierenden Studentenverbindungen stammen aus dieser Zeit.

Das 19. Jahrhundert wurde eine überaus wichtige und aktive Zeit für alle Angehörigen einer Verbindung. Reformen an den Universitäten führten zu einer neuen Selbstwahrnehmung der Studenten: Man war nicht länger der Schüler, der belehrt wurde, sondern sah sich selbst als eigenständig Denkenden, aktiv Beteiligten. Aus diesem Verständnis heraus beteiligten sich viele Studenten an den Befreiungskriegen (1813-1814) gegen die napoleonische Fremdherrschaft und entwickelten, ganz im Geist ihrer Zeit, den Wunsch nach nationaler Einheit. Durch die reaktionären Beschlüsse des Wiener Kongresses (1815) sahen sich viele freiwillige Kriegsteilnehmer um ihre Ziele betrogen. Als Reaktion darauf gründete das Jenaer Corps die erste „Burschenschaft“ Deutschlands. Zur 300-Jahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig (1817) versammelten sich ca. 400 Burschenschafter verschiedener Universitäten, um gegen die beginnende Reformation zu demonstrieren. Aufgrund der zunehmenden Politisierung der „Landsmannschaften“ und „Burschenschaften“ wurden 1819 die Karlsbader Beschlüsse erlassen, die die Meinungsfreiheit der Bürger beschnitten. Zudem wurden staatliche Überwachungsorgane an den Universitäten eingerichtet und die Jenaer Urburschenschaft zur Auflösung gezwungen. Ende der 1820er Jahre ließ die Überwachung nach, sodass sich erste Burschenschaften im Geheimen neu gründeten.

Die Revolution in Frankreich (1830) belebte die demokratische und nationale Einigungsbewegung erneut. Höhepunkt dieser neuen Entwicklungen war das „Hambacher Fest“ 1832, von Heidelberger Studentenschaften maßgeblich mitgestaltet. Durch einen missglückten Putschversuch von Teilen der „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“ nahm die Überwachung ein neues Ausmaß an, eine Vielzahl an Revolutionären und Burschenschaftern wurden ins Gefängnis gesperrt oder hingerichtet. In der folgenden Zeit entstanden konfessionelle Verbindungen mit betont apolitischem Kurs und einer Ablehnung der Tradition des Fechtens (z.B. die Uttenruthia in Erlangen). In der Revolution von 1848 entlud sich die seit Jahrzehnten angestaute Unzufriedenheit der gesamten Bevölkerung aller deutschen Staaten auf die herrschenden Zuständen. Studenten und ihre Verbindungen nahmen bei vielen Protesten und Kämpfen eine wichtige Rolle ein. Ein Erfolg der Revolution war die Einführung der Frankfurter Nationalversammlung, welche die Karlsbader Beschlüsse aufhob. Somit kam es zu einer Legalisierung der Studentenverbindungen und einer neuen Blütezeit. Da der preußische König die ihm von der Nationalversammlung angebotene Kaiserwürde jedoch ablehnte, scheiterte die Revolution und die studentischen Verbindungen entwickelten sich in der folgenden Reaktionszeit zu rein akademischen, staatstreuen Lebensgemeinschaften.

Aus der nationalen Bewegung der Verbindungen wurde eine nationalistische, die ihre Ziele von 1848 erreicht sah. Man tauschte seine liberalen Werte gegen eine konservative Grundüberzeugung und leitete die Wende zum Illiberalismus ein. Dieser neue Stil bestimmte das Leben der Akademiker bis zum Ersten Weltkrieg und spiegelt sich auch heute noch den Grundsätzen einiger studentischer Verbindungen wieder.

In der Weimarer Republik spielten Studentenverbindungen vor allem durch die soziale Versorgungsfunktion, die ihren Mitgliedern zuteil wurde, eine wichtige Rolle. Durch den ersten Weltkrieg herrschten finanzielle Nöte, knapper Wohnungsmarkt und ein immenser Andrang an neuen Studenten in den Universitäten, daher wurde diese Unterstützung unentbehrlich.

Im Dritten Reich wurde in den Verbindungen das „Führerprinzip“ eingeführt. Die Dachverbände der Korporationen wurden „arisiert“, alle jüdischen Verbindungen und Verbindungen die sich weigerten „nicht-arische“ Mitglieder auszuschließen wurden 1933 aufgelöst. Als sich während des Sommersemesters 1935 Mitglieder des Heidelberger Corps „Saxo-Borussia“ mehrmals in der Öffentlichkeit despektierlich über Adolf Hitler äußerten, kam es zum Verbot aller verbliebenen Studentenverbindungen, außer dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB). Einige Verbindungen wurden Kameradschaften des NSDStB, einige Altherren-Gruppen konnten im Stillen bis Kriegsende bestehen bleiben. Verdeckt hielten sich die Korporationstraditionen bis 1945, als die Kameradschaften von den Alliierten verboten wurden.

In der Nachkriegszeit waren Korporationen zunächst verboten, allerdings konnten sich durch den Einfluss der Alten Herren schon 1950 die ersten Verbindungen erneut gründen und im „Convent Deutscher Korporationsverbände“ (CDK) zusammenschließen. Die Studentenzahlen der Nachkriegszeit lagen noch weit über denen der Weimarer Republik, die Zahl der Mitglieder der Korporationen blieb aber gering, da sie für ihre Haltung im Dritten Reich kritisiert wurden.

Bis heute werden Studentenverbindungen in weiten Teilen der Gesellschaft als Relikte vergangener Zeiten angesehen, für ihre konservative, nationalistische Gesinnung kritisiert und deshalb gemieden.



Feminismus und Rap? Das passt doch nicht zusammen, oder?

Diese Frage werden sich bestimmt viele gestellt haben, als sie vom Projekt XX Female Rap Konzert hörten. In Zusammenarbeit mit Mädchen des interkulturellen Mädchenzentrums MÄDEA und den beiden Rapperinnen Sister Fa und Sandra von Mindj Panther hat das KünstlerInnen-Kollektiv ongoing project dieses Projekt realisiert.

Ein halbes Jahr lang haben sich die Teilnehmerinnen im Alter von neun bis vierzehn Jahren mit unterschiedlichen Formen der Diskriminierung auseinandergesetzt und gemeinsam überlegt, was man dagegen unternehmen könnte. Dabei ging es nicht nur um die Unterdrückung von Frauen und Mädchen, sondern auch generell um Ausgrenzung von Menschen aufgrund deren Aussehen oder Herkunft.

Das Ergebnis des Projekts, nämlich drei starke Songs der Mädels und Einzelauftritte von Sister Fa, Sandra und MC Valentina, wurde dann im Theater X auf einer großen Bühne vor vielen Zuschauern präsentiert. Mit tosendem Applaus und Zugabe-Rufen gingen sie von der Bühne.

Auch DIGGA-Reporterin Nura (10) war von dem Konzert und der Leistung der Mädchen stark beeindruckt! In ihrem Text fasst sie zusammen, was sie erlebt hat:

“Wir waren im X-Theater, wurden sehr schön von den Sängern (Kinder) begrüßt. Sie nennen sich XX Sister Queen.
Dann hatten wir das glück das wir bei den Proben zuschauen konnten. Wer es noch nicht weiß, sie sind RAPPER. Ich könnte nie im leben Rapper sein. Von mir verdienen sie großen Respekt.
Das Motto hieß Gleichwertigkeit. Ich habe gemerkt das es ihnen sehr viel bedeutet. Das finde ich sehr gut.
Aber um 18:00 Uhr da hat das große Konzert begonnen. Die Mädels haben so viel power gezeigt das man richtig in Stimmung kam. Es waren auch noch 2 Rapperinnen da . Sie waren aber schon Erwachsene.
Alles zusammen war es ein schönes Konzert uns hat es gefallen. Wenn es euch auch gefallen hat dann gibt doch ein daumen nach oben das werden sich die Rapperinnen bestimmt freuen. Schüss und bis zum nächsten mal.”

Das Publikum ist also begeistert! Aber wie war es für die jungen Nachwuchs-Rapperinnen auf der Bühne? Wir haben drei der Teilnehmerinnen interviewt. Was die Mädchen dazu bewegt hat mitzumachen und wie viel ihnen dieses Projekt geholfen hat, erzählen sie uns in einem Interview:



Wenn der Zuschauerraum zum Club wird – CLUBBING – Das neue Stück vom GRIPS Jugendklub Banda Agita

Im Club heißt es sehen und gesehen werden. Ein ideales Bühnenbild also, um sich mit dem Thema Körperkult näher auseinanderzusetzen. Das neue Stück Clubbing, das von der Jungen Schreibwerkstatt im GRIPS Theater verfasst wurde, geht vielschichtig auf all das ein, womit  man heutzutage als Jugendliche/r konfrontiert wird: Es geht um Geschlechterrollen, Selbstoptimierung, das perfekte Make-Up, den Drang, die Jungfräulichkeit zu verlieren, “in” zu sein. Das Stück überzeugt durch seine überspitzten Darstellungen (“Du hast aber ein schönes Nasenloch!”), die einen einerseits zum Lachen bringen, aber andererseits auch zum Nachdenken anregen. Jeder wird sich im Stück an der einen oder anderen Stelle wiederkennen. Das Ganze ist untermalt mit wummender Technomusik, die eine realistische Atmosphäre schafft. Wir waren bei der Premiere mit dabei und haben die Zuschauerinnen und Zuschauer gefragt, wie es ihnen gefallen hat:

Das Besondere an den Schauspielerinnen und Schauspielern des Stückes ist, dass sie zwischen 15 und 21 Jahren alt sind. Wir haben für euch mit zwei Schauspielerinnen geredet und sie zu den Themen des Stücks befragt:

Die Leiterin der Inszenierung ist Ellen Uhrhan. Hinter einer Vorstellung wie Clubbing steckt natürlich immer viel Vorbereitung und Arbeit. Um herauszufinden, wie die Menschen auf Geschlechtertausch reagieren, sind die Jugendlichen zum Beispiel jeweils als das andere Geschlecht verkleidet in den Supermarkt gegangen. Was uns Ellen Uhrhan noch so Interessantes erzählt hat, könnt ihr hier hören:

Wir hatten sehr viel Spaß und können das Stück nur weiterempfehlen. Zu sehen ist es noch mal im Mai und Juni. (Ab 15 Jahren)



Studentenverbindung – mal anders

Gehört hat wohl jeder schon davon.

Junge Menschen, die aus freien Stücken bunte Schärpen und Mützen tragen, Trinkgelage mit komplizierten Regeln abhalten, ihre „Ehre“ in Degenduellen verteidigen und eine äußerst rechts-nationale Gesinnung vertreten. Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps, Turnerschaften und wie diese Verbindungen noch alle heißen mögen, haben ein äußerst unvorteilhaftes Image für unsere modernen Zeiten. Sind all das nur Vorurteile und Klischees oder ist da etwas Wahres dran?

Fakt ist, dass es in Deutschland ca. 1000 Studentenverbindungen gibt, die wohl kaum alle gleich seien können. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Merkmalen, die die Gruppen voneinander abgrenzen. Der erste Unterschied entsteht durch die Entscheidung, welchen Geschlechts die Mitglieder sein dürfen. So gibt es rein männliche, rein weibliche und gemischt-geschlechtliche Verbindungen. Durch das Prädikat „schlagend“, „fakultativ-schlagend“ und „nicht schlagend“ wird signalisiert, ob  es in der Verbindung Pflicht ist, das Fechten zu lernen und sich zu duellieren. Als „farbentragend“, „farbenführend“ und „nicht farbentragend“ wird die Pflicht beschrieben, die verbindungseigenen Farben als Band oder Mütze zu tragen. Und so lässt sich die Liste der unterschiedlichen Ausrichtungen und Spezialisierungen noch eine Weile fortführen. Wie das mit Vorurteilen so ist, wurden mal wieder alle über einen Kamm geschoren, obwohl auf diese Weise die Wahrheit verfälscht wird.

Es ist nicht zu leugnen, dass es Verbindungen gibt, die den schlimmsten Befürchtungen entsprechen: Frauen werden ausgeschlossen, weil sie als nicht ebenbürtig betrachtet werden. Beim „Mensur-Fechten“ wird Gewalt verherrlicht und ein „Ehrbegriff“ geprägt, der es zur Selbstbestätigung nötig macht, andere zu demütigen. Mitglieder der eigenen Burschenschaft werden zum Komasaufen angestiftet, Erstsemester „Füchse“ als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht und zu allem Überfluss wird in diesem Umfeld aus Tradition und Bezug zur deutschen Geschichte ein völlig verdrehter Nationalstolz.

Diese Gruselgestalten, bei denen es einem kalt den Rücken herunter läuft, sind das eine Extrem. Doch zur gleichen Zeit und in der gleichen Stadt gibt es Verbindungen, die außer dem Namen „Verbindung“ und einem geschichtlichen Ursprung nichts damit gemein haben. Ich hatte die große Freude, den Vorsitzenden der Akademisch Musischen Verbindung in Berlin (AMV), Justus Kamp, zu treffen und mit ihm über das Leben in einer Berliner Studentenverbindung zu sprechen:

Ich für meinen Teil habe bei der Arbeit an diesem Artikel wieder einmal fest gestellt, dass Vorurteile genau das sind, was ihr Name bereits sagt: Urteile, die wir fassen, bevor wir überhaupt genau hingesehen haben. Sie bieten uns Schutz vor Dingen, Menschen und Situationen, die uns nicht vertraut sind und gefährlich seien könnten. Doch sorgen sie auch dafür, dass uns so viel entgeht, was unser Leben bereichern könnte.



Cosplay – Was steckt hinter der Verkleidung?

Wer schon mal auf einer Veranstaltung wie der Gamescom oder der Leipziger Buchmesse war, dem sind sie bestimmt längst aufgefallen: Cosplayer. Meist junge Menschen, die sich als Figuren aus Mangas, Animes oder Computerspielen verkleiden. Aber warum tun sie das überhaupt? Diese Frage habe ich mir gestellt, und mich deshalb entschlossen, ein wenig nachzuforschen.


Klar ist, dass man das nicht verallgemeinert beantworten kann, denn jeder hat seine eigenen Gründe und Interessen. Allerdings gibt es einige Dinge, die viele Cosplayer*innen gemeinsam haben. Generell haben die meisten ein ausgebreitetes Interessengebiet und legen sich nicht nur auf einen Bereich fest. Sie entwerfen und nähen Kostüme, basteln Accessoires und Requisiten, schauspielern und posieren für Fotos. Dabei steht immer der Spaß im Mittelpunkt.
In einem Interview erzählt mir Saskia, seit mehr als zehn Jahren Cosplayerin, was für sie am wichtigsten ist, wenn sie sich in einen Manga- oder Gaming-Charakter verwandelt.

 

Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, welchem Hobby die 27-jährige in ihrer Freizeit nachgeht. Ist ja auch klar, schließlich sind die aufwendigen Kostüme auch nur für Fotos und für Wettbewerbe.
Leidenschaftliche Cosplayer*innen sitzen oft monatelang an ihren Kostümen, bis diese perfekt sind. Oft kommen sie dann aber trotz des Aufwandes nur 1-2mal zum Einsatz.

Auf Leute, die keinen direkten Umgang mit der Szene haben, kann das schon mal seltsam wirken. Obwohl die Verkleidungen von den meisten als etwas Positives und Abwechslungsreiches angesehen werden, kommen auch schnell Vorurteile auf. Das typische Klischee: Cosplay ist etwas für Außenseiter, die das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit haben oder sich in eine Fantasiewelt flüchten wollen. Aber oft haben Leute, die diese Meinungen vertreten, selbst kaum oder gar keinen Bezug dazu und hören derlei Gerüchte nur aus den Medien.
Das Wort Cosplay setzt sich zusammen aus Costume und Play, es handelt sich also um nichts anderes als Rollenspiele mit Verkleidung.
Cosplayer*innen beschreiben ihr Hobby als interessant und entspannend, man kann seine Kreativität frei ausleben und nicht zuletzt auf Gleichgesinnte treffen. Die Szene eröffnet die Möglichkeit, das Leben bunter und abwechslungsreicher zu gestalten.
Auch in anderen Subkulturen kommen Varianten des Cosplays vor, beispielsweise in der Furry-Szene und der Steampunk-Bewegung, in denen sich die Mitglieder ebenfalls oft kostümieren.
Der Unterschied besteht darin, dass es bei diesen mehr darum geht, einen Lifestyle zu repräsentieren als ein Hobby auszuleben, aber die Szenen können auch miteinander verschmelzen.

Auch in psychologischer Hinsicht wird Cosplay häufig als positiv aufgefasst, zum Beispiel hilft es introvertierten Personen sich zu öffnen und selbstbewusster zu werden, da sie gemeinsam mit Freunden auftreten und sich in schrillen Kostümen präsentieren.
Im Internet gibt es mittlerweile ganze Foren wie z. B. Animexx, in denen Cosplayer*innen sich miteinander austauschen, Tipps geben oder einfach in Kontakt bleiben. Denn letzten Endes geht es auch darum, gemeinsam Fortschritte zu machen und sich zu unterstützen.
Dass Cosplayer*innen also Außenseiter sind ist nur ein Vorurteil.
Im Endeffekt ist Cosplay eine kreative Beschäftigung, bei der es darum geht, Freunde zu treffen, Spaß zu haben und sich künstlerisch weiter zu entwickeln