Hi aus Australien

Hi!
Ich bin Clara und schreibe hier ein bisschen über mein Austauschjahr in Australien.
Aber fangen wir mal von vorne an. Am 30.Juli kam ich mitten in der Nacht in Brisbane an. Brisbane liegt an der Ostküste Australien im Bundesstaat Queensland. Es ist eine relativ große und außerordentlich schöne Stadt. Wie gesagt werde ich hier ein Jahr leben und auch zur Schule gehen. Die Zeit vergeht rasend schnell, ich dachte ich wäre jetzt vielleicht 10 Tage hier dabei sind es schon fast drei Wochen. Ich hab schon viel erlebt, wie z.B. ein typisch australisches Rugby League Spiel im Stadion oder einen Strandspaziergang mit Sonnenaufgang, nicht zu vergessen die mal eben vorbeihüpfenden Kängurus oder die handgroßen Spinnen die einem in seinem Zimmer begegnen. Mir gefällt es bis jetzt echt super gut! Ich werde ca. alle zwei Wochen etwas posten, aber wenn ihr regelmäßiger etwas lesen wollt könnt ihr auch meinen Blog besuchen. Blog: Clara On The Road

Bis dann!
Clara

Coolumn Beach



Urlaub ist doch was ganz Feines – Terrassenbeobachtungen aus der Ferienanlage

Die Sonne ist gerade untergegangen und ich sitze draußen auf der kühlen Terrasse unseres Ferienapartments und will den Abend mit einer schönen Tasse Horchata de Chufa (ein sehr zuckerhaltiges und kalorienreiches spanisches Gesöff) gemütlich und ruhig ausklingen lassen.

Nicht bedacht beim Schmieden dieses Planes habe ich allerdings, dass unser Ferienapartment Teil einer Ferienanlage ist und demnach die eben genannten Begriffe „gemütlich“, „ruhig“ und „schön“ heute Abend unmöglich gleichzeitig realisiert werden können.

Die laut meditierende Österreicherin auf der Terrasse neben mir toleriere ich ja noch, obwohl ich es schon bedenklich finde, dass sie sich schon seit geraumer Zeit die Nase zuhält, aber die Konsequenzen dessen sollen ja nicht meine Sorge sein.

Auch an die keifende Animateurin aus der abartigen, sehr stark an Hape Kerkelings „Club las Piranjas“ erinnernden Touristenherberge, die mit Mickey-Maus-Stimme auf falschem Englisch die Miss-Wahl moderiert, habe ich mich mittlerweile gewöhnt.

Die Kinderdisko am Pool, bei der alle drei Sekunden ein Kinderkreischen wahrscheinlich vom Band abgespielt wird und schlechte Chipmunk-Versionen von ABBA und den Beatles sowie eine deutsches Cover von Sattelite zusammen in einem Mashup erklingen, strapaziert meine Nerven schon sehr, aber ich bin trotzdem noch guter Stimmung.

Die hebt sich sogar noch, als der Animateur das Ende der Kinderdisko ankündigt und anschließend freudig verkündet – und damit alle Anwohner indirekt vorwarnt – nächsten Mittwoch finde sie erneut statt. Doch das kann mir herzlich egal sein, da bin ich nämlich längst wieder zurück in Deutschland.

Meine Stimmung kippt jedoch sofort wieder, als sich die Besucher der Kinderdisko in die Richtung der nächsten Station ihrer Abendbespaßung bewegen und sich durch unheimliche Geräusche ankündigen.

Interessanterweise führt ihr Weg natürlich an unserer Terrasse vorbei.

Eine vierköpfige, rot gebrannte, englische Proll-Familie mit grauenhaftem Dialekt stolpert meckernd den kleinen Pfad vor unserer Terrasse entlang. Vater und Sohn diskutieren angeregt über Minecraft, Mutter und Tochter streiten über das Ergebnis der Miss-Wahl, das die Tochter, ein dicke, zehnjährige Blondine mit Schweinegesicht, „ungerechterweise“ als Verliererin bestimmt hat. „But you’re beautiful, too“, höre ich die Mutter säuseln und verfluche dabei die Welt mit ihren Lügen.

Hinter ihnen geht eine Ansammlung von spanischen Müttern, die alle gleichzeitig in einem wahnsinnigen Tempo reden und neben mir hat eine italienische Großfamilie, damit es auch bloß nicht zu still ist im Haus, eine spanische Sitcom laufen, bei der alle paar Sekunden schallendes Gelächter ertönt. Keiner der Familie schaut jedoch zu, die Tochter rückt lieber alle Gartenmöbel hin und her, reinigt anschließend sehr lange und sehr geräuschvoll die gesamte Terrasse, während alle männlichen Mitglieder bald anfangen, ebenfalls sehr geräuschvoll und natürlich auch geruchsvoll Unmengen an Fleisch zu grillen. Dabei reden und singen alle Familienmitglieder in einer ungeheuren Lautstärke, während die von ihren Eltern nach draußen verbannten Kinder der Leute von gegenüber anfangen, Fußball zu spielen und Räder zu schlagen.

Eine deutsche Nerdfamilie spaziert angeätzt über den Pfad vor meiner Terrasse, die Mutter schimpft in einem Fort über ihre sandigen Klamotten, sie hasse es, wenn Strand so sandig sei, der Vater schimpft über die Laune seiner Gattin und der Sohn läuft murrend neben seinen Eltern her und fragt, warum es hier kein Internet gebe.

Die leere Strandbahn dreht unmotiviert ihre Runden um die Ferienanlage, hält alle zehn Meter und stößt vor der Weiterfahrt immer das gleiche nervtötende Panflötengeräusch aus.

Die Italiener haben mittlerweile von ihrer Sitcom zu einem Fußballspiel umgeschaltet, das, der Lautstärke des Gelabers dabei zufolge, offenbar alle gleichzeitig moderieren wollen.

Es fallen auch ungewöhnlich viele Tore dabei, so oft wie gegrölt und gejubelt wird, doch ich will ja nichts sagen, vielleicht spielen italienische Mannschaften einfach nur besonders gut – oder haben besonders schlechte Torwarte.

Inzwischen hat der sechsjährige Sohn der meditierenden Österreicherin angefangen, allein gegen die Wand Beachball zu spielen, was ein schönes, monotones, fast schon entspannendes Hintergrundgeräusch ergibt.

Meine Ansprüche sind gesunken, jetzt finde ich schon einen allein Beachball spielenden Jungen entspannend. Wahnsinn.

Ich fange an, mich immer mehr auf das monotone Klacken des Balles zu konzentrieren und merke, wie mir langsam meine Augen zufallen und ich auf meinem klapprigen Plastikstuhl immer weiter nach hinten kippe.

Ab dem Moment setzen meine Erinnerungen für ein paar Sekunden aus, das nächste, was ich wahrnehme, ist ein lautes Rumsen und dann liege ich auf dem Boden. Aus Prinzip stoße ich einen schrillen Schrei aus. Sofort kommt die Österreicherin angerannt, fragt mich auf für mich unverständlichem Österreichisch irgendetwas und macht damit auch die Italiener auf mich aufmerksam. Zum ersten Mal an diesem Abend scheinen sie zu registrieren, dass es auch noch andere Menschen auf dieser Welt gibt außer ihnen.

Natürlich habe ich mir nichts getan, mit Vom-Stuhl-Fallen habe ich viele Erfahrungen, auch, dass die Menschen um einen herum den Sturz als viel dramatischer erleben als man selbst.

Trotzdem ist der eine Italiener noch misstrauisch und spendiert mir noch einen leckeren Fleischspieß.

Als ich im Bett liege und wie üblich die Ereignisse des heutigen Tages sortiere und erörtere, stelle ich fest, dass es doch ein ganz akzeptabler Abend war – mit einem äußerst erfreulichen Ende sogar. Er war zwar weder „gemütlich“ noch „ruhig“ oder „schön“, aber die Horchata schmeckte hervorragend. Und zum Nachtisch gab es schönes, italienisches Fleisch. Urlaub ist doch was ganz Feines.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Spaziergang an der Müritz oder Welche skurrilen Richtungen ein Text annehmen kann

Der folgende Text ist nach einer wahren Begebenheit verfasst und sollte eigentlich in eine völlig andere Richtung gehen.

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Sonnenuntergang in Rechlin an der Müritz.

 

In den letzten Atemzügen hängt die Sonne noch knapp über dem Horizont und lässt den nun matt dunkelblauen Himmel in einem leicht rosaroten Schimmer scheinen. Der immer anhaltende, leichte Wind über dem Wasser hält an und lässt kleine, friedliche Wellen entstehen, die nach Leben aussehen. Man hört die Grillen laut zirpen, ein ganzes Orchester aus Tiergeräuschen entsteht, und trotzdem bleibt Stille.

Nichts als friedvolle Stille und dem leichten Wellengang der Müritz, der das Wasser im Ohr ganz leise rauschen lässt, wie ein leises Lied, gesungen mit hoher und klarer Stimme. Schläfrig fliegen kleine Insekten über dem Wasser, die die anbrechende Nacht nutzen, um ihre Flüge über dem Wasser zu genießen. Gleich zarter Watte hängen am Himmel kleine, blaugraue Wolken, dünn, träge, matt. Ein Bild der werdenden Nacht.

Junge Männer sitzen mit alten Shirts, einer Flasche Wasser und einer Angel am Steg und angeln. Und in einiger Entfernung sieht man hier und da einen Fisch aus dem Wasser springen, als wolle er die Angler necken. Und immer noch pfeift ein leichter Wind, der das Laub in den nun im Schatten liegenden Bäumen leise, gemütlich und entspannt zittern lässt.

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Der poetisch Verführte fühlt sich wohl im Hafendorf Müritz.

 

Ein junges Pärchen steht am Geländer, hält sich in den Armen und haucht sich leise Liebkosungen zu. Spontan bekommt man Lust, Rosamunde Pilcher zu gucken. Zuhause im Ferienhaus jedoch sitzen – nicht ganz so poetisch verführt wie ich – meine Eltern und regen sich darüber auf, dass das W-Lan für ihr Internet-Radio nicht funktioniert. Meine lilahaarige Bekannte sitzt auf der Wiese und telefoniert wiederrum mit einem Jungen, der mittlerweile ebenfalls lilafarbene Haare hat. (Zitat: „Meins ist ja eher so beere!“) Wenn man bei solchen Telefonaten zuhört, bekommt der poetisch Verführte schon wieder Lust, Rosamunde Pilcher zu gucken.

Warum gucken eigentlich so viele Leute gerne Rosamunde Pilcher? Und warum bitte höre ich mich an wie Rosamunde Pilcher, wenn ich einen Text über einen Verdauungsspaziergang im Müritzpark schreibe? Und warum finde ich das Gespräch zwischen den beiden Lilahaarigen so romantisch, wobei es doch nur um Ohrlöcher und Desinfektionsmittel ging? Schuld daran ist wahrscheinlich das Buch Das Lilienhaus, das ich mir aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen in der Buchhandlung meines Vertrauens gekauft habe.

Ich habe die etwa 400 Seiten tatsächlich auch alle gelesen. Und anscheinend war das ein großer Fehler. Jetzt träume ich jede Nacht davon, die Frau fürs Leben zu finden, total happy mit ihr zusammenzuleben, sie zu heiraten und dann zusammen mit ihr Rosamunde Pilcher zu gucken.

Im Radio läuft Freelove von Depeche Mode, was ich auf skurrile Weise unfassbar ironisch finde. Mein Vater ruft mir aus dem Hintergrund zu, als ich ihm diesen Satz vorlese, dass Radio doch total altmodisch ist, dass das ein Pohtkast (Podcast, for my dear English friends!) sei und was man sich denn von mir denke, wenn ich Radio schreibe.

Es ist unser jährlicher Sommerurlaub in einem der vielen kleinen Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern, Rechlin, welches einen großen Ferienpark als Teil der Stadt ansehen darf. Da haken die Rechliner unter. Und Rechlin steht auch ein bedeutender Moment bevor: Am Freitag beginnt das Müritzfest, und da tritt dann Achim Mentzel auf. Ein absolutes Highlight für eine Stadt, in der ein Restaurant mit Holzwänden und Pflanzen auf dem Klo schon als Erlebnisgastronomie betitelt wird. (Auf dieses Restaurant ist man übrigens so stolz, dass man es gleich auf das Ortsschild geschrieben hat.)

Rechlin ist eine kulturelle Metropole: Hier gastiert sogar der Circus Huberti! Eine absolute Nummer hier im hohen Norden, im Kaffkreis um die Müritz. Ein Beispiel für ein solches Örtchen der ganz schlimmen Sorte wäre Serrahn. Und ausgerechnet in diesem Örtchen  haben wir im Jahre 2012 unseren Sommerurlaub verbracht. In einem Ferienhaus, das direkt vor dem Markenzeichen von Serrahn angelegt ist: der Wiese. Denn daraus besteht Serrahn zum größten Teil.

Aber ich weiche ab. Seltsam auf den Laptop vor mir blickend, um zu lesen, was ich gerade geschrieben habe, sitze ich nun in einem beigen Sessel im Wohnzimmer. Hier in der Wohnung gibt es sogar einen DVD-Player und einen Band von Heinz Erhardt. Mittlerweile läuft Everything Counts von Depeche Mode im Radio/Pohtkast (The grabbing hands grab all they can; all for themselves, after all.) – Man sieht, in welche Richtung der Musikgeschmack unserer Familie geht. Ungläubig schaue ich auf die Zeilen, die ich spontan geschrieben habe, und frage mich, wie ein Text über einen Abendspaziergang, bei dem mich die Mücken übrigens fast aufgefressen haben, in diese Richtung gehen konnte.

Meine Mutter sitzt auf einem anderen, weitaus gemütlicheren Sessel im Wohnzimmer, schaut ein Facebook-Video und lacht leise in sich hinein. Während ich ihr die Zeilen, die ich gerade geschrieben habe, vorlese, starrt sie weiter fasziniert auf das iPad, eher indirekt meiner Stimme lauschend. Ich finde mich damit ab, den Text später in einer WhatsApp-Sprachnachricht/Sprachmemo/Voicemail/Klangpostkartre/Ton an meine geschätzte Kollegin Milena vorzulesen.

Im nächsten Augenblick beschließe ich zudem, jetzt, da ich mit meinem Text in der Gegenwart angekommen bin, mit einem unüblichen Satz abzuschließen, während im Radio Shake The Disease von Depeche Mode läuft und meine lilahaarige Bekannte mir ihre Vorliebe für Blasenpflaster als Thema vorschlägt. So ist der unübliche Satz, mit dem ich an dieser Stelle abschließen will, ein Zitat von Loriot: Genügt es, wenn ich mich irgendwie auflöse?

Die Fotos sind private Aufnahmen meiner Familie und mir.



Eindrücke von Menorca – der kleinen, weniger touristischen Schwester von Mallorca