Digga auf dem Jugendforum

Schon gleich zu Beginn wird deutlich: Milena steht voll auf das Jugendforum!

“Es fällt aus!” – so hieß es schon,
die Folge: Improvisation

Unter diesem Motto steht dieses Jahr das Jugendforum, eine Veranstaltung, die nicht nur Opfer des bipolaren Wetterfrosches wurde, sondern primär dafür da ist, Jugendlichen eine Stimme zu geben, wenn es um politische Entscheidungen geht.

 

 

 

 

Wie das Jugendforum entstanden ist und was ihre Aufgabe ist, erklärt uns Projektmanagerin Nesreen im Interview:

Von ebendiesen Jugendlichen sind auch zahlreiche vertreten, die entweder für die Bespaßung auf der Bühne zuständig sind, ihre Stände vorstellen oder einfach als Besucher dafür sorgen, dass das Jugendforum eine lohnenswerte Unterrichtsalternative ist. Denn wer am Jugendforum teilnimmt, bekommt tatsächlich eine offizielle Unterrichtsbefreiung. Doch das sollte nicht der einzige Grund sein, heute zum Pfefferberg am Senefelder Platz zu reisen.

Das schlechte Wetter konnte die gute Laune nicht mindern. Ein weiterer Grund: Das köstliche Essen!

Aufgrund des gestrigen Unwetters hieß es nämlich erst, das Jugendforum falle aus, da beim Aufbau auf dem Tempelhofer Feld die Zelte von dannen geschwommen seien.

Ein Glück, dass die Herrschaften vom Pfefferberg so liebenswürdig waren, dem Jugendforum die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Hier findet nun – überdacht – ein buntes Programm statt, das von Poetry Slam über Diskussionen mit Politikerinnen wie Sandra Scheeres (SPD) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) bis zu Tanzvorführungen reicht.

Die Digga-Redaktion hatte das Glück, mit der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie sprechen zu können. Hier könnt ihr euch das Interview mit Sandra Scheeres in voller Länge anhören.

Was andere Besucherinnen und Besucher für wichtige politische Themen halten und über welche ihrer Meinung nach zu viel diskutiert wird, erfahrt ihr hier:

Zwischendurch hat man Zeit, sich bezüglich verschiedener Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung zu informieren.

“Oma hat was gegen Flüchtlinge” – so lautet es auf einer Karte der Inititative “Junge Gegenargumente”, die ein Rhetorik- und Argumentationstraining anbieten, damit gerade junge Menschen rechtsmotivierten Hassparolen gute Argumente entgegensetzen können.

Aicha beim I,slam.

Vorsichtshalber ist rechtem Gedankengut in personifizierter Form sowieso der Zutritt zum Jugendforum untersagt – schließlich steht die Veranstaltung in erster Linie für interkulturelle Toleranz.

Aus diesem Grund sind auch viele muslimische Jugendliche dabei, zum Beispiel vom “I,slam”, einem Poetry Slam speziell für junge Muslime, die sich kritisch in Textform zu aktuellen Themen äußern.

 

 

 

 

Was die Grundstimmung bezüglich aktueller Themen ist, könnt ihr in folgendem Beitrag erfahren :



Tag 3 auf der TINCON – Eine Messe im kreativen Zweifarbenstyle

Der dritte und somit letzte Tag der TINCON liegt nun hinter uns und es war wie auch an den anderen Tagen schon sehr kreativ, interessant und frech. Viele bekannte und mindestens genauso viele unbekannte Gesichter standen auf den beiden Bühnen, um ihren ganz persönlichen Senf dazuzugeben. Es gab humorvolle Beiträge wie zum Beispiel den der Space Frogs, aber auch politisch angehauchte wie der Talk von Martin Sonneborn und viele mehr.

Ein absolutes Highlight war natürlich das Interview mit Coldmirror, die in der YouTube-Szene mit ihren ganz eigenen Film-Synchronisationen ein bekanntes Gesicht ist. Wenn es also um Network gemixt mit einer guten Prise Humor geht, dann darf sie definitiv nicht fehlen. Für uns ist sie aber besonders interessant, weil sie auch einmal in einem Offenen Kanal, ähnlich wie ALEX Berlin, gearbeitet hatte.

Aber auch mindestens genauso berühmte Menschen wie Ralph Caspers von Sendungen wie „Wissen macht Ah!“ oder „Die Sendung mit der Maus“, der sich übrigens selbst als egozentrisch bezeichnet, wurden mit unseren Fragen beworfen. Für viele Besucher ging mit seinem Besuch ein kleiner Traum in Erfüllung, da er ganz offen und freundlich mit jedem Interessenten gesprochen und auch Fotos gemacht hat. So mancher Anrufer wird jetzt wohl seine Stimme als Anrufbeantworter zu hören bekommen..

Das Interview mit ihm könnt ihr im Beitrag über den zweiten Tag der TINCON bestaunen.

Auch Speaker mit ernsteren Themen wie $ick standen auf der Bühne oder vor unserer Kamera und redeten, wie in seinem Fall, über seine Vergangenheit mit den Drogen und dass er unter Anderem wegen seiner Tochter damit aufhörte.

Nicht ganz so gesundheitsschädigend wie das Thema Drogen waren Talks über die schulischen Möglichkeiten eines Durchschnittsmenschen oder aber auch die wertvollen Hinweise eines Anfangszwanzigers über das Fußfassen in der Filmbranche. Bei Allem waren immer Fragen erlaubt, sodass auch private Interessen und Unklarheiten geklärt werden konnten.

Das DIGGA-Team erschöpft aber stolz nach getaner Arbeit!

Aber nicht nur die prominenten Gäste haben dem Ganzen eine Atmosphäre gegeben. Auch coole, im Alltag immer nützliche Spielereien wie ein kluger Spiegel oder ein Spiel mit einem Lichtschlauch, das übrigens komplizierter war als es sich anhört und auch aussah, trugen zu einem rosagelben Medienspektakel der besonderen Art bei. Der Ort an sich, ein offiziell stillgelegtes Kraftwerk, sprühte zwar nicht ganz vor Charme, aber hunderte verschiedene Lichtapplikationen im kreativen Zweifarbenstyle verliehen dem ganzen einen Hauch von Clubatmosphäre, was in einem Kraftwerk nicht immer gegeben ist.

Wo es im nächsten Jahr hingeht, ist noch ungewiss, vielleicht werden wir dann vom Fernsehturm senden oder vom Flughafen, aber drehen, schneiden und senden werden wir so oder so von der TINCON 2018. Nur die Grumpycat-Winkekatze wird dann wohl nicht mehr mit auf den Plakaten sein..

Zum Abschluss gibt’s noch einen Rückblick mit unseren persönlichen Highlights der TINCON:



Feminismus und Rap? Das passt doch nicht zusammen, oder?

Diese Frage werden sich bestimmt viele gestellt haben, als sie vom Projekt XX Female Rap Konzert hörten. In Zusammenarbeit mit Mädchen des interkulturellen Mädchenzentrums MÄDEA und den beiden Rapperinnen Sister Fa und Sandra von Mindj Panther hat das KünstlerInnen-Kollektiv ongoing project dieses Projekt realisiert.

Ein halbes Jahr lang haben sich die Teilnehmerinnen im Alter von neun bis vierzehn Jahren mit unterschiedlichen Formen der Diskriminierung auseinandergesetzt und gemeinsam überlegt, was man dagegen unternehmen könnte. Dabei ging es nicht nur um die Unterdrückung von Frauen und Mädchen, sondern auch generell um Ausgrenzung von Menschen aufgrund deren Aussehen oder Herkunft.

Das Ergebnis des Projekts, nämlich drei starke Songs der Mädels und Einzelauftritte von Sister Fa, Sandra und MC Valentina, wurde dann im Theater X auf einer großen Bühne vor vielen Zuschauern präsentiert. Mit tosendem Applaus und Zugabe-Rufen gingen sie von der Bühne.

Auch DIGGA-Reporterin Nura (10) war von dem Konzert und der Leistung der Mädchen stark beeindruckt! In ihrem Text fasst sie zusammen, was sie erlebt hat:

“Wir waren im X-Theater, wurden sehr schön von den Sängern (Kinder) begrüßt. Sie nennen sich XX Sister Queen.
Dann hatten wir das glück das wir bei den Proben zuschauen konnten. Wer es noch nicht weiß, sie sind RAPPER. Ich könnte nie im leben Rapper sein. Von mir verdienen sie großen Respekt.
Das Motto hieß Gleichwertigkeit. Ich habe gemerkt das es ihnen sehr viel bedeutet. Das finde ich sehr gut.
Aber um 18:00 Uhr da hat das große Konzert begonnen. Die Mädels haben so viel power gezeigt das man richtig in Stimmung kam. Es waren auch noch 2 Rapperinnen da . Sie waren aber schon Erwachsene.
Alles zusammen war es ein schönes Konzert uns hat es gefallen. Wenn es euch auch gefallen hat dann gibt doch ein daumen nach oben das werden sich die Rapperinnen bestimmt freuen. Schüss und bis zum nächsten mal.”

Das Publikum ist also begeistert! Aber wie war es für die jungen Nachwuchs-Rapperinnen auf der Bühne? Wir haben drei der Teilnehmerinnen interviewt. Was die Mädchen dazu bewegt hat mitzumachen und wie viel ihnen dieses Projekt geholfen hat, erzählen sie uns in einem Interview:



Wenn der Zuschauerraum zum Club wird – CLUBBING – Das neue Stück vom GRIPS Jugendklub Banda Agita

Im Club heißt es sehen und gesehen werden. Ein ideales Bühnenbild also, um sich mit dem Thema Körperkult näher auseinanderzusetzen. Das neue Stück Clubbing, das von der Jungen Schreibwerkstatt im GRIPS Theater verfasst wurde, geht vielschichtig auf all das ein, womit  man heutzutage als Jugendliche/r konfrontiert wird: Es geht um Geschlechterrollen, Selbstoptimierung, das perfekte Make-Up, den Drang, die Jungfräulichkeit zu verlieren, “in” zu sein. Das Stück überzeugt durch seine überspitzten Darstellungen (“Du hast aber ein schönes Nasenloch!”), die einen einerseits zum Lachen bringen, aber andererseits auch zum Nachdenken anregen. Jeder wird sich im Stück an der einen oder anderen Stelle wiederkennen. Das Ganze ist untermalt mit wummender Technomusik, die eine realistische Atmosphäre schafft. Wir waren bei der Premiere mit dabei und haben die Zuschauerinnen und Zuschauer gefragt, wie es ihnen gefallen hat:

Das Besondere an den Schauspielerinnen und Schauspielern des Stückes ist, dass sie zwischen 15 und 21 Jahren alt sind. Wir haben für euch mit zwei Schauspielerinnen geredet und sie zu den Themen des Stücks befragt:

Die Leiterin der Inszenierung ist Ellen Uhrhan. Hinter einer Vorstellung wie Clubbing steckt natürlich immer viel Vorbereitung und Arbeit. Um herauszufinden, wie die Menschen auf Geschlechtertausch reagieren, sind die Jugendlichen zum Beispiel jeweils als das andere Geschlecht verkleidet in den Supermarkt gegangen. Was uns Ellen Uhrhan noch so Interessantes erzählt hat, könnt ihr hier hören:

Wir hatten sehr viel Spaß und können das Stück nur weiterempfehlen. Zu sehen ist es noch mal im Mai und Juni. (Ab 15 Jahren)



Wie in einem Kaleidoskop

Zur Pressevorstellung der neuen Ausstellung First Things First von Shirana Shahbazi haben wir, Annalena und Tim, freundlicherweise noch kurzfristig eine Einladung erhalten. Keine Frage, dass wir uns diese Chance nicht entgehen haben lassen, um unserer Leserschaft den Reiz zeitgenössischer Kunst näherzubringen.
Als wir das KINDL-Zentrum für zeitgenössische Kunst in der ehemaligen Kindl-Brauerei betraten, wurden wir sofort mit Getränken und Geschenken begrüßt und uns wurde eröffnet, dass wir nun die erste Ausstellung im soeben erst fertiggestellten Maschinenhaus bewundern dürfen.

Die Künstlerin Shirana Shahbazi

Shirana Shahbazi ist 1974 in Teheran geboren worden. 1985 kam sie nach Deutschland und studierte später Fotografie in Dortmund und Zürich. Ihren ersten großen Erfolg feierte sie 2001 mit der Fotografieausstellung Goftare nik/Good words, in der sie ausschließlich Motive aus ihrer Heimat zeigte.
Die Bilder der aktuellen Exhibition stellen dazu und in sich selbst einen Kontrast dar, so findet sich eine Ablichtung der Hollywood-Ikone Sophia Loren von einem Flugzeugbildschirm neben dem farbenfroh inszenierten Stilleben von Birnen.

Sophia Loren und Tim



Die Idee dahinter ist, kein Schema zu haben. Shirana Shahbazi möchte mit ihrer Kunst kein Statement abliefern. Es werden mehr Fragen als Antworten aufgetan, das Verwirrende steht über dem Erklärenden. Gleichzeitig misst sie keinem ihrer Werke eine wichtigere Bedeutung als einem anderen bei, egal ob es sich um ein bewusst durch ihre handwerklichen Fähigkeiten in Szene gesetztes Motiv oder einen zufälligen, aus dem Gefühl heraus aufgenommenen Schnappschuss handelt. Wie sie uns im Nachhinein erklärte, bleibt sie gerne bei dem, was sie kann, zum Beispiel dem Arbeiten mit farbigen Platten, welche sie durch präzise räumliche Anordnung und Belichtung in abstrakt-geometrische Fotografien umwandelt.

Shirana Shahbazi und Tim


Im hintersten, leicht abgetrennten Teil des Ausstellungsraumes, der einem absichtlich keinen vorgegeben Rundgang oder bestimmte Blickwinkel aufzwingt, hat die Künstlerin eine weitere gegensätzliche Installation aufgebaut. Dort wird mit den Grundfarben des Lichtes so gespielt, dass eine Illusion von Vielfarbigkeit entsteht, obwohl diese in der Synthese eigentlich
Weiß ergeben.

Wer einen leichten Einstieg in zeitgenössische Kunst sucht, ohne sich vorher viel mit dem Thema auseinander setzen zu müssen, dem kann man diese Ausstellung nur ans Herz legen, denn sie überzeugt mit einer erfrischenden Anspruchslosigkeit, die an die Offenheit des Betrachters appelliert. Shirana Shahbazi gelingt es, ihre eigene sympathische Art auf ihre Werke zu übertragen.
Die Ausstellung, die rund 35 Werke umfasst, ist noch bis zum 6. August zugänglich.
http://www.kindl-berlin.de/shahbazi/



Jugend debattiert 2017

Die viel zu unterschätzte Kunst des Debattierens…                                                 Wir waren da! Zum Landesfinale von „Jugend debattiert“ im Abgeordnetenhaus und durften den acht besten Debattanten*innen Berlins beim Disput über Themen von Welt lauschen! Zur Einführung hat uns Vorjahres-Landessieger Leopold von Hanstein einige Einsichten in den Wettbewerb und seine Gepflogenheiten gegeben: 

Wir befinden uns im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses, wo heute einmal hitzig debattiert wird. Dort, wo üblicherweise die Volksvertretung Berlins Gesetzgebungen und die Interessen der Stadt diskutiert, findet heute das Landesfinale von ,,Jugend debattiert“ statt.
Die Erst- und Zweitplatzierten beider Altersgruppen, das heißt von der achten bis zur zehnten und von der zehnten bis zur dreizehnten Klasse, qualifizierten sich aus 35 Schulen als die besten jungen Redner*innen unserer Stadt.

Der seit 2001 existierende Wettbewerb wird im „Runden Format“ ausgetragen, wobei das Landesfinale die letzte Stufe vor dem bundesweiten Entscheid darstellt.

Wir sitzen also in diesem Plenarsaal und es spielen Ralf Ruh am Klavier und Liza Strazdina an der Trompete und am Flügelhorn. Die Musik ähnelt der, welche einem nach fünf Minuten Warteschleife am Telefon sehr, sehr dolle auf den Zeiger geht. Mit der Musik steigt auch die Ungeduld auf den Wettbewerb, welcher doch nun endlich beginnen soll. Nachdem der Tontechniker zum gefühlt hundertsten Mal lässig ins Mikro haut, um den Sound zu checken, geht es dann auch endlich los.
Die Moderatorin Teresa Sickert betritt das Podium und eröffnet das Landesfinale.
An ihrer Seite steht Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses und auch Juror. Er eröffnet das Ganze mit ein paar netten Worten und betont, wie wichtig es ihm sei, den Schüler*innen das Diskutieren und Debattieren und das damit verbundene Interesse an Politik näher zu bringen.
Nach einem kurzen Podiumsgespräch mit Herrn Wieland, seiner Kollegin von der SPD Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie, und Michael Knoll, Leiter des Hertie Innovationskollegs, geht es dann auch fast los.
Nur noch kurz die Spielregeln erklärt, und die Finalistinnen vorgestellt.

Apropos Finalistinnen, das sind in diesem Jahr Florentine Richter, Hanna Buelte, Helen Schroeder und Pauline Malkowski.

Behandelt wird die Frage ,,Sollen zum Eurovision Song Contest auch Beiträge mit politischem Inhalt zugelassen werden?“ Florentine und Hanna vertreten hierbei die Pro- und Helen und Pauline die Contraseite .
Florentine eröffnet die Debatte; sie beschreibt das Beispiel von Jamala mit ihrem Song ,,1944“ mit welchen sie 2016 den ESC gewann. Der Text dieses Songs war ihrer Meinung nach schon sehr politisch. Auch war sie laut Florentine damit nicht die Einzige
Sie schlägt vor, den Contest im Jahr 2018 für politische Themen zu öffnen. Auf der Gegenseite ist zu hören, dass der Eurovision Song Contest dem Zweck dient, alle Länder Europas unter dem Aspekt der Kunst zu vereinen, und die Angst wird ausgesprochen, sich zu zerstreiten, wenn der ESC jetzt politisiert wird.
Es ist stark herauszuhören, dass diese ,,Anfangsplädoyers“ auswendig gelernt sind. Ich fühle mich ein wenig unbehaglich dabei, ihnen zuzuhören. Hörbar ist, dass viele solche ,,Debatte-Regeln“ befolgen. Das Ganze hat nicht so viel damit zu tun, wie man sich wohl eine hitzige Debatte vorstellt, sondern viel mehr damit, wie ein aus dem Lehrbuch kopiertes Problemgespräch verbal umgesetzt wird.
Versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht mit den 4 Mädchen tauschen. Es ist alles andere als leicht, Argumente und Fakten in perfekt formulierte Sätze zu packen.
Die Schüler um mich herum scheinen wohl ähnlich zu denken. Das Gespräch scheint einfach auf zu hohem Niveau zu verlaufen, sodass man sich am Ende noch anstrengen müsste, um dem Ganzen zu folgen. Da sind ihre Smartphones doch zu verführerisch. Trotz des Verbots im Plenarsaal sitzt die Hälfte der Kids an ihren Handys.
Die 24 Minuten Finaldebatte ist um und die Jury zieht sich zur Besprechung zurück.
Die Musik vom Anfang beginnt wieder zu spielen und trotz der Bitte, dass man doch in den 8 Minuten sitzen bleiben solle, stehen alle auf und unterhalten sich.
Doch muss gesagt werden, dass viele mir nicht bewusste Argumente hervorgebracht wurden. Debattieren ist wohl eine Kunst, welche man beherrschen muss und auf welche man sich – und das ist wohl auch am wichtigsten – einlassen muss.
Die Beratungszeit ist um und die diesjährige Gewinnerin steht fest:
Helen Schroeder hat die Jury überzeugt.
Sie hatte als Einzige eingeräumt, dass auch die Gegenseite Recht hat.
Auch gefiel, dass sie die Reihenfolge gebrochen und sich ein wenig frei gemacht hat von dem Regelablauf des Debattierens, so Ferdinand Jentsch, der Lehrertrainer von ,,Jugend Debattiert“ in Berlin.

Unterhalten habe ich mich am Ende noch mit meiner persönlichen Favoritin des diesjährigen Wettkampfes, Hanna Buelte. Hier das Interview:

Die zweite Altersgruppe der 10.- bis 13. Klassen debattierte über ein essentiell wichtiges Thema. Die Frage, ob ab 2020 in den Großstädten Deutschlands nur noch Elektroautos als Neuwagen zugelassen werden sollten. Die Stimmung im Saal wird etwas ernsthafter. Manch einer der Schüler legt nun sogar das Smartphone weg, um zu lauschen. Nachdem die zeitlich begrenzten Einleitungsreden gehalten sind, beginnt eine offene Diskussion auf sprachlich und inhaltlich höchstem Niveau. Argumente der Contra-Seite über massiven Stellenabbau durch diese Maßnahme, werden gekontert durch den subventionsgestützten Aufbau eines neuen Absatzmarktes.
Vielleicht durch den gegeben, leichten Vorteil der Contra-Seite, wirtschaftliche Interessen gegen ein radikales Einschneiden in das Privatleben von Millionen von Bürgern zu verteidigen, blüht Konrad Rohr etwas zu sehr in einer Advokatenrolle auf. Sowohl durch seine dominante Körpersprache als auch Stimme und Gestik behindert er leicht den reibungslosen Informationsaustausch, allerdings auf eine sprachlich dermaßen gewandte und überzeugende Art und Weise, dass ihm der 2. Platz im Landesfinale Berlin, und somit das Bundesfinale sicher sind. Den besten Eindruck bei der Jury hinterließ jedoch die sympathische Manyedi Lieck. Sie ließ sich nicht einschüchtern, vertrat nüchtern ihren Standpunkt mit sorgfältig ausgewählten Argumenten, und verdiente sich somit den 1. Platz in ihrer Altersgruppe.

Die Jury sprach begeistert von einer fruchtenden Debatte mit guten Ergebnissen. Hiernach kamen auch die mehr oder minder freiwillig an dieser Veranstaltung teilnehmenden Schüler der Klassen der Debattierenden auf ihre Kosten, denn es wurde zum großen Buffet im Casino geladen, wo sich die Debattantinnen und Debattanten noch einmal mit Vorjahressiegern, Jurymitgliedern und Moderatoren an einem separaten Rundtisch austauschen durften. Somit endete die Veranstaltung für alle Anwesenden versöhnlich. Vielleicht wurde ja auch der oder die eine oder andere animiert, im nächsten Jahr an diesem sinnvollen, sprach- und persönlichkeitsfördernden Wettbewerb teilzunehmen.



Nasser #7Leben

Das Theaterstück „Nasser #7Leben“ im Grips Theater erzählt die wahre Geschichte von Nasser El-Ahmed, der 2015 mit dem „Respektpreis“ des Bündnis gegen Homophobie ausgezeichnet wurde.

Das Leben des Nasser El-Ahmed ist bis zu seinem Outing als Homosexueller nicht gerade bühnenreif, und trotzdem alles andere als angenehm verlaufen. Als Sohn libanesischer Einwanderer in Berlin Neukölln aufgewachsen, erfährt er eine liebe- und respektvolle, streng muslimische Erziehung. In dem Stück erzählt er in Form von Youtube-Videos, direkt adressiert an seine Zuschauerschaft, von der strengen Hand, mit der sein Vater die Familie führt, von der Barmherzigkeit seiner Mutter und von den normalen Problemen eines Teenagers, der um die Erlaubnis zu kämpft, länger auf einem Geburtstag bleiben zu dürfen. Somit kann man, wenn man uninformiert an das Stück herangeht, aus dem ersten Viertel des Theaterstücks gar nicht erahnen, dass Nasser schwul ist. Das soll den Zuschauern die Möglichkeit geben, sich mit Nasser zu identifizieren, ohne jegliche Form von Vorurteilen.

Als seine Eltern dann aber über Umwege von Nassers Homosexualität erfahren, brechen bei seinem Vater alle Dämme. Es beginnt ein Familiendrama, geprägt von Hinterlist und unvorstellbaren menschlichen Abgründen.

Das Bühnenbild ist sehr spartanisch, aber clever eingesetzt. Die Wichtigkeit von sozialen Medien in Nassers Leben wird nicht nur durch das Youtube-Format des Stückes dargestellt, sondern auch durch die immer wieder per Video eingeblendeten Kommentare, die Nasser online erhalten hat. Die gezeigten Reaktionen decken das komplette Emotionsspektrum ab, was teilweise bis ins Mark schockiert.

Susanne Lipp überträgt dies auf das komplette Stück, das sich trotz der todernsten Thematik nicht nur gallebitter gibt, sondern auch mit viel Humor an diese prekäre Situation herangeht. Nassers Weg war also nicht nur von Leiden geprägt, und auch am Ende beweist er wahre Größe und schaut wie in Echt auch auf die positiven Seiten seiner Geschichte, die ihm ein großes Stück Freiheit beschert hat.

Das Stück ist bestärkend für Menschen, die sich in ähnlichen Situationen wiederfinden, und unterhaltend für alle.

Ich hatte das Glück, auf der Premierenfeier im Nachhinein zwischen Freunden, Medien und den Mitarbeitern des Grips-Teams ein Interview mit Katja Hiller zu ergattern, die im Stück die Mutter, den Onkel und die Sachbearbeiterin Nassers verkörperte.

Hier noch eine zweite Meinung zu dem Stück:

Es ist eine schreckliche Geschichte.
Es ist ein schweres Thema.
Vielen wird der Name Nasser El-Ahmad ein Begriff sein.
Und auch wenn du ihn nur ,,schon mal gehört hast“, wirst du das nicht zugeben und dann, wenn der andere nicht hinschaut, so schnell wie möglich noch mal im Internet nachlesen, was denn damals dem 16-jährigen libanesisch-stämmigen Neuköllner widerfahren ist. Du wirst lesen, dass Nasser als erstgeborener Sohn einer sehr streng muslimischen Familie in Berlin-Neukölln aufgewachsen und dass er schwul ist. Aber das ist ja nicht ungewöhnlich, wirst du dir denken.

So dachten aber Nassers Verwandte nicht.
Für Nasser begann eine schreckliche Zeit nach seinem ,,Outing“. Sein Vater und sein Onkel überschütteten ihn mit Benzin und drohten, ihn anzuzünden, übergossen den nackten Körper mit heißem Wasser. Sie versuchten, ihn mit seiner damals ebenfalls minderjährigen Cousine zwangszuverheiraten, was die ,, Ehre der Familie retten“ würde. Als ihnen das nicht glückte und Nasser sich in einem ,,Betreuten Wohnen“ vom Jugendamt versteckte, versuchten sein Vater und seine zwei Onkel, ihn zu entführen.
Als ich im Auto zu mir kam, sagte mein Vater, dass im Libanon der Galgen auf mich wartet.
so der heute 20-Jährige.
Doch er hatte Glück, an der Grenze zwischen Rumänien und Bulgarien flog die Entführung auf und Grenzbeamte befreiten ihn. Kurze Zeit später zeigte er seine Eltern an, wurde damit über Nacht zur neuen Figur der Schwulenszene.

Es ist erschütternd, dass solch schreckliche Geschehnisse heute im einundzwanzigsten Jahrhundert immer noch passieren können und dann noch in einer angeblich so toleranten und modernen Stadt wie Berlin.
Eine Geschichte, die schwer zu verdauen ist.
Leichter jedoch fällt dies durch den locker-poppigen Stil des Stückes. Durch Witz, DiscoMusik und ein lebendig-farbiges Bühnenbild wirkt die Konfrontation schmerzarmer.
Nicht aber weniger tiefgründig. Nasser El-Ahmad, gespielt von  David Brizzi, war es von Anfang an wichtig, dass das Thema Homosexualität und dessen Akzeptanz in unserer Gesellschaft nicht blindlings dem Publikum um die Ohren gehauen wird.

Und trotz des Versuches das ganze locker zu gestalten, habe ich Rotz und Wasser geheult.
Die anderen Besucherinnen und Besucher schienen auch nicht ganz zu wissen, wie sie reagieren sollten auf diese Konfrontation. Ein unbehagliches Gefühl stieg auf.
Klar ist, dass der Vater nicht versteht, was an seinem Handeln falsch ist und war. Er handelt nach dem Willen von Allah. Was wir nicht nachvollziehen können, ist hier selbstverständlich. ,,Es hört sich komisch an, aber mein Vater wollte in seiner Gedankenwelt nur das Beste für mich. Die Art und Weise ist chaotisch und falsch. Aber meine Eltern bleiben meine Eltern – und ich liebe sie noch immerso Nasser im Interview mit dem Berliner Kurier

Das Theater Kollektiv will einen Raum der Gleichberechtigung und ohne Vorurteile eröffnen.

Dafür wird für solche, die sich mit dem Stück im Vorhinein nicht beschäftigt haben, erst spät aufgedeckt, dass Nasser schwul ist. Um so die Möglichkeit zu schaffen, sich mit ihm zu identifizieren. Um jede Voreingenommenheit zu überwinden.

Nüchtern, möchte man sagen, berichtet Nasser von seiner Entführung, von dem was ihm seine Verwandten angetan haben. Er betont immer wieder, dass es sich immer noch um seine Familie handelt und er sie trotz alledem liebt.

Auch betont Nasser immer wieder, dass dies nicht die Auffassung ist, welche alle Muslime teilen.

“Homosexualität oder gar die eigene Sexualität ist doch keine Entscheidung. Wann hat man denn entschieden, hetero zu sein, frage ich jetzt jemanden. Ganz einfach: gar nicht. Man hat nie entschieden, hetero zu sein. Genauso ist es mit Homosexualität. Ich habe mir meine Homosexualität nicht ausgesucht. Sie wurde mir geschenkt“, so Nasser bei Deutschlandfunk.

Das ist es das, worauf es ankommt.

Jeder kommt auf die Welt und ist wie er ist. Ob die Einzigartigkeit und das Leben nun von Allah oder vom fliegenden Spaghettimonster verliehen wurden spielt keine Rolle.

Das Einzige, was wichtig ist, ist, dass wir uns akzeptieren genau so wie wir sind.

Wenn ihr also mal wieder ins Theater wollt, dann lege ich euch wärmstens das Stück ,, Nasser#7Leben” ans Herz.

Tickets gibt es erst wieder ab Mai.



DIGGA bei der Internationalen Grünen Woche Berlin

Schon zum 82ten Mal fand in Berlin die grüne Woche statt und wir von Digga waren dieses Jahr auch mit dabei!

Die grüne Woche ist die weltgrößte Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau. Aufgrund des Namens “grüne Woche” dachten wir vorher, auch das Thema “Bio” würde eine große Rolle spielen und hatten also vor herauszufinden, wie grün die grüne Woche wirklich ist. Dass kaum ein Produkt wirklich aus kontrolliert biologischem Anbau stammte, stellte sich erst später heraus.


In den insgesamt um die zwanzig Hallen wurden sowohl kulinarische Köstlichkeiten aus den verschiedenen Bundesländern Deutschlands als auch internationale Spezialitäten präsentiert. Aber auch Institutionen, die nicht direkt etwas mit Ernährung zu tun haben, wie zum Beispiel ein Trachtenverein oder eine Alpakafarm haben uns im Interview Einblicke in ihre Arbeit gewährt.

Zwischendurch gab es natürlich auch wieder ganz viel zu probieren – ob Essig, Gummibärchen oder Schnaps – für jeden war etwas dabei (auch für die Veganer).

Darüber hinaus wurden Tiere, Blasmusik und traditionelle Tänze zur Schau gestellt, die uns zwischen informativen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten Unterhaltung boten.

Das alles und noch vieles mehr könnt ihr hier sehen!

Oder ihr geht nächstes Jahr selbst auch mal hin! Das Anstehen lohnt sich!



Internationale Kurzfilmfestivals

DIGGA war bei interfilm, dem internationalen Kurzfilmfestival  und bei  KUKI dem internationalen Kurzfilmfestival für Kinder und Jugendliche.

Kurzfilme sind wie Kurzgeschichten. Ein paar eindrucksvolle Bilder, die mit wenigen Worten auskommen, aber trotzdem eine komplexe Handlung oder sonst eine bestimmte Atmosphäre ausdrücken – und dann ein oft plötzliches, manchmal schockierendes, aber auf alle Fälle überraschendes Ende, das alles, was man vorher gesehen hat, in ein ganz neues Licht rückt.

Die Kurzfilme aus aller Welt werden in Originalsprache gezeigt, entweder untertitelt oder, für die kleinen Gäste, von Sprechern eingesprochen. Interfilm feierte dieses Jahr sogar einen Besucherrekord: 21.000 Besucher konnten in verschiedenen Kategorien ihre Filme sehen und im Anschluss direkt ihre Fragen stellen, denn die Filmemacher waren mit vor Ort im Kino.

Die Filme, die uns am Samstag gezeigt wurden, standen unter dem Motto „Confrontation“. Der Zuschauer wurde also regelrecht konfrontiert mit sozialen sowie gesellschaftspolitischen Themen wie Kinderarmut, Flucht und Pädophilie. Doch nachdem man sich dann in kürzester Zeit so intensiv mit solch schwierigen Themen auseinandergesetzt hatte, begann schon der nächste Film und man wurde mit einer solchen Wucht in die neue Thematik hineingeworfen, wie man aus dem letzten Film hinausgeschleudert wurde.

Die Filme haben uns alle auf ihre Art und Weise beeindruckt und waren ausnahmslos toll gefilmt. Mit einem Kopf voller neuer Bilder und Gedanken verließen wir das Babylon Kino.

 



Lichtspiele Festival 2016: Das Berliner Jugendfilmfestival

Das Lichtspiel Festival ist ein Filmfestival, bei dem Kinder und Jugendliche ihre selbst gedrehten Filme einreichen und dann von einer Jury bewerten lassen können. Die Gewinner bekommen natürlich auch Preise. Es gibt zwei Kategorien: U16= unter 16 Jahren und Ü16= über 16 Jahren. Das heißt, der erste, zweite und dritte Platz wird zweimal vergeben.

Geschichte des Lichtspiel Festivals

Das Lichtspiele Festival wurde früher nur im John Lennon Gymnasium veranstaltet, 2012 wollte sich das Organisationsteam sich nicht auf eine Schule beschränken, sondern ganz Berlin mit einbeziehen.

Um das Festival auf eigene Beine zu stellen wurde im September 2012 der Verein ,,Lichtspiele e.V .“ gegründet. Am 20 Oktober 2013 fand im UCI Colosseum das erste eigenständige Filmfestival statt.

Das Lichtspiele Festival fand im City Kino in Berlin-Wedding statt. Wir sahen wir uns zuerst ein paar Ü16-Filme an, leider hatten wir die U16 Filme verpasst. Nach ein paar Ü16-Filmen gab es eine Pause. Die Zuschauer gingen raus an die Bar oder setzten sich hin und unterhielten sich. Das war unsere Gelegenheit, Jury-Mitglieder, Teilnehmer, Zuschauer oder die Veranstalter nach einem Interview zu bitten. Ein Interview, das uns beeindruckt hat, war mit Kindern, die ca. 6 bis 9 Jahre alt waren und den Film ,,El Penalthy“ produziert hatten.

Podiumsdiskussion

Parallel zu den Ü16-Filmen fand eine Podiumsdiskussion über Schauspieler und Regisseure statt. Es war sehr interessant, als die Schauspieler über ihr Leben redeten, wie sie darauf gekommen sind, Schauspieler zu werden, oder mit welchen Vorurteilen sie zu kämpfen haben. Außerdem wurde auch viel darüber diskutiert, was die Kinder oder Jugendliche sich unter dem Beruf “Schauspieler” eigentlich vorstellen und was man alles braucht, um einen guten Filmen zu produzieren.

Auswertung der Filme

Dann, als die Podiumsdiskussion und die Ü16-Filme vorbei waren, wurden die Gewinner bekannt gegeben. In der Kategorie U16 wurde der Film „Fluchtwege“ mit dem ersten Preis ausgezeichnet, „Neue Heimat Berlin- die Turnhalle“ mit dem zweiten und „El-Penalthy“ mit dem dritten Preis. Bei der Kategorie Ü16 wurde der Film „Latrop“ erster, „Wer wenn nicht wir“ zweiter und „Aus dem Leben eines Nichts“ dritter.

Nach der Auswertung der Filme war das Lichtspiele Festival vorbei. Dennoch blieben viele Leute und unterhielten sich über die Filme, welche Erfahrungen gemacht wurden, oder was die Gewinner nun mit dem Preisgeld vor haben. Erst, als es dann schon dunkel war, gingen auch die Letzten nach Hause.