Studentenverbindung – mal anders

Gehört hat wohl jeder schon davon.

Junge Menschen, die aus freien Stücken bunte Schärpen und Mützen tragen, Trinkgelage mit komplizierten Regeln abhalten, ihre „Ehre“ in Degenduellen verteidigen und eine äußerst rechts-nationale Gesinnung vertreten. Burschenschaften, Landsmannschaften, Corps, Turnerschaften und wie diese Verbindungen noch alle heißen mögen, haben ein äußerst unvorteilhaftes Image für unsere modernen Zeiten. Sind all das nur Vorurteile und Klischees oder ist da etwas Wahres dran?

Fakt ist, dass es in Deutschland ca. 1000 Studentenverbindungen gibt, die wohl kaum alle gleich seien können. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Merkmalen, die die Gruppen voneinander abgrenzen. Der erste Unterschied entsteht durch die Entscheidung, welchen Geschlechts die Mitglieder sein dürfen. So gibt es rein männliche, rein weibliche und gemischt-geschlechtliche Verbindungen. Durch das Prädikat „schlagend“, „fakultativ-schlagend“ und „nicht schlagend“ wird signalisiert, ob  es in der Verbindung Pflicht ist, das Fechten zu lernen und sich zu duellieren. Als „farbentragend“, „farbenführend“ und „nicht farbentragend“ wird die Pflicht beschrieben, die verbindungseigenen Farben als Band oder Mütze zu tragen. Und so lässt sich die Liste der unterschiedlichen Ausrichtungen und Spezialisierungen noch eine Weile fortführen. Wie das mit Vorurteilen so ist, wurden mal wieder alle über einen Kamm geschoren, obwohl auf diese Weise die Wahrheit verfälscht wird.

Es ist nicht zu leugnen, dass es Verbindungen gibt, die den schlimmsten Befürchtungen entsprechen: Frauen werden ausgeschlossen, weil sie als nicht ebenbürtig betrachtet werden. Beim „Mensur-Fechten“ wird Gewalt verherrlicht und ein „Ehrbegriff“ geprägt, der es zur Selbstbestätigung nötig macht, andere zu demütigen. Mitglieder der eigenen Burschenschaft werden zum Komasaufen angestiftet, Erstsemester „Füchse“ als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht und zu allem Überfluss wird in diesem Umfeld aus Tradition und Bezug zur deutschen Geschichte ein völlig verdrehter Nationalstolz.

Diese Gruselgestalten, bei denen es einem kalt den Rücken herunter läuft, sind das eine Extrem. Doch zur gleichen Zeit und in der gleichen Stadt gibt es Verbindungen, die außer dem Namen „Verbindung“ und einem geschichtlichen Ursprung nichts damit gemein haben. Ich hatte die große Freude, den Vorsitzenden der Akademisch Musischen Verbindung in Berlin (AMV), Justus Kamp, zu treffen und mit ihm über das Leben in einer Berliner Studentenverbindung zu sprechen:

Ich für meinen Teil habe bei der Arbeit an diesem Artikel wieder einmal fest gestellt, dass Vorurteile genau das sind, was ihr Name bereits sagt: Urteile, die wir fassen, bevor wir überhaupt genau hingesehen haben. Sie bieten uns Schutz vor Dingen, Menschen und Situationen, die uns nicht vertraut sind und gefährlich seien könnten. Doch sorgen sie auch dafür, dass uns so viel entgeht, was unser Leben bereichern könnte.



Denk mal nach… Jugendforum denk!mal 2017

Maggie und Sina vor einem Kunstprojekt.

Meggie und Sina vor einem Kunstprojekt.

Auch dieses Jahr fand das Jugendforum denk!mal zum 14. Mal im Abgeordnetenhaus Berlin statt und lud alle, egal ob groß oder klein, alt oder jung, in seine Räumlichkeiten ein. Jeder der sein Projekt bis zum 16. Dezember eingereicht hatte, konnte etwas präsentieren.

Das Jugendforum denk!mal findet zum Anlass des Befreiungstages von Auschwitz statt, an dem an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert werden soll.

Unter dem Motto: “Darüber spricht man nicht?”, sollten Kinder und Jugendliche angefeuert werden, genau darüber zu sprechen, zu malen, zu spielen oder zu singen und ihrer Kreativität zu diesem Thema freien Laufen lassen. Dieses Jahr ging es ganz besonders um die verfolgten Homosexuellen zur NS-Zeit. Natürlich konnte man das Projekt auch über die anderen Opfergruppen der Nationalsozialisten machen. Das war allen freigestellt.

Sina interviewt Ralf Wieland bei der Ausstellung.

Die Ausstellung fand im Casino des Abgeordnetenhauses statt, das mit vielen Plakaten beschmückt war. Zu bestaunen gab es sowohl plastische Kunstwerke als auch Dokumentationen, die auf Fernsehern liefen. Um 18 Uhr fand die Abendveranstaltung im Plenarsaal statt. Nach der Begrüßung von Ralf Wieland, dem Präsident des Abgeordnetenhauses, ging das Programm auch schon los. Sechs Gruppen traten auf. Darunter zwei Theaterstücke, eine Tanzperformance, eine Videodokumentation und eine Zirkusdarbietung. Zwischendurch gab es auch ein Gespräch auf der Bühne über drei weitere Projekte, die in der Ausstellung zu finden waren. Während der Vorstellung war der ganze Saal still und aufmerksam. Mich hat es selber sehr berührt, da ich durch die vorgeführten Stücke trotzdem nur erahnen konnte, wie furchtbar es damals war.

 

Nach der Abendveranstaltung wurde die Ausstellung von den Besuchern und Besucherinnen angeschaut. Fragen zu den Projekten konnten nochmal persönlich gestellt und beantwortet werden. Wir haben die Chance genutzt, um ein paar Interviews zu führen und hatten Politiker, Besucher, Mitwirkende, die Moderatorin der Abendveranstaltung Teresa Sickert und Ralf Wieland vor der Kamera. So konnten wir ihnen einige Fragen zu den Kunstwerken stellen und ihre Ansicht zum richtigen Gedenken erfahren.

Mein persönliches Highlight war das Interview mit dem Ehepaar Michalski. Sie gehören zu den wenigen letzten Zeitzeugen, die wir noch haben. Heute sind wir an dem Punkt angelangt, an dem wir nur noch wenige Überlebende haben, die uns von den Gräueltaten des Naziregimes erzählen können. Petra und Franz Michalski sind zwei sehr sympathische und zuvorkommende Menschen, die offen und gerne mit uns über ihre Vergangenheit gesprochen haben. Im Interview haben sie von der Verarbeitung ihrer eigenen Geschichte und der Verfolgung Homosexueller im dritten Reich erzählt. Sehr lobenswerte Worte hatten sie für die Arbeit der Jugendlichen übrig. Eine Feststellung, die die beiden hatten, war die Tatsache, dass sich denk!mal verändert hat – und zwar ins Positive. Sie fanden, dass es mit jedem Jahr professioneller wird.

Das Ehepaar Michalski im Interview.

Verschiedener hätten die Projekte nicht sein können. Angefangen bei fantastischen Zeichnungen, hin zu einem eigenen Buch von Schülerinnen und Schülern, zu kunstvoll gebastelten Werken und schließlich zu Stücken, die an Anne Frank erinnern sollen. Alles in allem war dieser Abend sehr informativ und interessant. Ich bin der Meinung, dass solche Abende sehr wichtig sind und man dieses Thema immer wieder aufgreifen sollte. Es darf nicht vergessen werden, damit auch die nächsten Generationen aus der deutschen Geschichte lernen und so etwas nie wieder passiert.

Die Jugendlichen vom Projekt Meinungsmacher.in haben einen Podcast zum Jugendforum denk!mal gemacht und unsere Kollegen von Radio Hörsturz im Hörfunkstudio besucht. Hört doch mal rein!

Die Doku vom Abend gibt es hier bald zu sehen.

 



Die berühmt-berüchtigte Rentrée

So, ich bin jetzt seit vier Tagen in Frankreich und hatte heute meinen ersten Schultag, die berühmt-berüchtigte Rentrée.

Und die lief so ab:

Um acht Uhr versammelten sich alle Schüler der 3ième (was in Deutschland der neunten Klasse entspricht) im Eingangsbereich der Schule. Der Schulleiter hielt eine kleine Rede, von der ich leider trotz meiner Fremdsprachenkenntnisse kein Wort verstanden habe (der Schulleiter hatte kein Mikrofon). Danach wurden die Schüler einzeln aufgerufen. In Frankreich ist es so, dass jedes Jahr nach den Sommerferien die Klassen neu aufgeteilt werden. Darum sehen die Franzosen der Rentrée stets besorgt entgegen, weil sie Angst haben, vielleicht nicht mit ihren Freunden zusammen zu sein.

Als meine Austauschschülerin aufgerufen wurde, folgte ich ihr und unseren zukünftigen Klassenkameraden in einen Raum. Was mich zuerst irritierte, war das große Plakat mit dem Hakenkreuz, das neben der Tafel hing. Doch das erklärte sich bald – denn das hier war der Raum für Histoire-Géo (Erdkunde und Geschichte, das wird in Frankreich zusammen unterrichtet).

Dort hielten wir uns die nächsten zwei Stunden auf und keiner sprach ein Wort. Nur der Lehrer. Und es wurden die Carnets ausgeteilt.

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Ein Carnet ist ein Heft, das aus 48 Seiten besteht. Die ersten 14 davon sind die Schulregeln. Und der Lehrer hat jede einzelne davon vorgelesen und genauestens erläutert. Das hat zwei Stunden gedauert.

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Ehrlich gesagt war das sterbenslangweilig und ich habe auch nicht die ganze Zeit zugehört, sondern bin immer mal gedanklich wieder zu anderen Orten, Zeiten und Menschen abgeschweift. Dabei musste ich mehrmals fast laut lachen, doch dann hätte ich ja gegen die Regel verstoßen, man müsse die Regeln akzeptieren und dürfe sie nicht lächerlich machen. Um noch ein paar andere Regeln aufzuzählen, hätten wir da:

Man darf keine Helme tragen. Man darf nicht Roller fahren. Und weder Getränke noch Bomben mit in die Schule nehmen!

Es sind beinahe strengere Regeln als bei einem Flug nach Israel.

Der Rest dieses Carnets besteht mehr oder weniger aus Tabellen, die dazu gedacht sind, dass die Lehrer ankreuzen, was der jeweilige Schüler falsch gemacht hat, sei es eine “Bavarderie” (bavarder=quatschen), oder dass er irgendwelches Material vergessen hat. Jeden Tag muss das Carnet den Eltern vorgelegt werden. So erfahren sie immer, wenn der Schüler etwas falsch gemacht hat. Jedes noch so kleine Vergehen wird genauestens notiert, mit Datum. Jede noch so kleine Änderung im Stundenplan, wenn eine Lehrerin nicht da ist, muss ins Carnet geschrieben werden.

Und jeden Tag, wenn man das Schulgebäude verlässt, muss man den sogenannten “Surveillants” (surveiller=überwachen) die Carnets zeigen, damit diese den Stundenplan überprüfen können, ob man zur rechten Zeit geht. Schwänzen ist also nicht!

Die Schule bestätigt folglich alle Klischees über französische Schulen – sie ist sehr streng!

Das war jedenfalls mein erster Eindruck. Wer weiß, vielleicht wird Morgen alles anders…?



Unser eigenes kleines Chaos

 

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Jetzt ist erst mal aufbauen angesagt. Bei so viel Arbeit wird jede Hand benötigt.

Die Klasse 9a des Dathe-Gymnasiums produzierte am 19.06.15 die Talkshow “Durch den Konsum- Bis zum Ende der Welt”. Benedict Seiffert und Maite Diehl haben es sich nicht nehmen lassen, den Tag bei Alex TV angemessen festzuhalten.

Der Tag X beginnt langweilig. Entgegen aller Erwartungen der 9a, beginnt er langweilig. Theorie, leere Anweisungen, Zuhören ohne Machen, wie in der Schule.Eine Information, die hoffen lässt: gegen 15:30 beginnt unser Wochenende. Hoffentlich!

Um unsere “Präsenz zu verbessern” müssen wir aufstehen, wenn wir etwas sagen. Das steigert definitiv nicht die Arbeitsbereitschaft, geschweige denn die Sympathie.

9:30 Uhr: Studiotour als Belohnung. Witze lockern die Anspannung. Das Studio ist total anders, als ich es mir vorgestellt habe. Irgendwie…unfertig. Es steht praktisch nichts, wo es soll. Alles muss erst aufgebaut werden. Von uns. Na dann, viel Spaß!

Ich muss nicht mithelfen, weil ich den Artikel schreibe. Glück gehabt!

9:45 Uhr: Der Stress kann beginnen. Stühle müssen organisiert, Wände aufgestellt, Lichter ausgerichtet werden. Jeder hat eine Aufgabe. Und wer gerade nichts zu tun hat, findet etwas, wo er helfen kann. Die Zeit für eine Pause, kurz was essen, kurz chillen, gibt es nicht! Keine Minute kann man sich hinsetzen, ohne gerufen zu werden. Hektik kommt auf. Schüler laufen wie Ameisen umher. Die Pause um 11:30 Uhr wird jetzt schon sehnsüchtig erwartet.

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Die Wände müssen mit Sandsäcken gesichert werden, wenn wir unsere Studiogäste behalten wollen.

Selbst im größten Stress haben wir Spaß. Witzige Bemerkungen hier, Lachen da. Jetzt kann man sehen, wie gut unsere Klasse zusammenarbeitet. Natürlich gibt es Probleme, es läuft nicht perfekt. Aber wir lachen, und das ist die Hauptsache. „Was ist, wenn eine Wand während der Aufzeichnung umfällt?“, „…haben wir einen Studiogast weniger“

Mit diesem Motto geht es wieder an die Arbeit. Es gibt immerhin genug zu tun. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Pause ist nicht in Sicht. Und die Aufzeichnung sowieso nicht. Ich hätte niemals gedacht, wie viel Arbeit hinter einer so kleinen Fernsehproduktion steckt.

Im Tonraum um 10.05Uhr: Paul, unser Mann für den Ton, bekommt gerade seine Einweisung. Nachdem Herr Franke weg ist, ist er auf sich alleine gestellt und jetzt schon total genervt. Er versucht verzweifelt , die verknoteten Kabellagen zu trennen, was ihm letzten Endes auch gelingt.

Währenddessen wird im Redaktionsraum noch ein letztes Mal der Ablauf der Talkshow besprochen. Und das in aller Ruhe. Keine Hektik. Kein Schreien. Kein Rennen. Eine gemütliche Unterhaltung. Verbesserungsvorschläge an die Moderatoren. Talkshowgäste tragen ihren Text vor: „ Ich habe das Experiment schon nach dem dritten Tag abgebrochen, da ich nicht ohne Geld ausgeben auskomme!“ Ein Lachen geht durch die Runde. Alle sind wieder etwas lockerer.

10:30 Uhr: „Test,Test“. Im Regieraum, meinem selbsternannten Lieblingsraum, existiert ein mysteriöses Problem mit dem Ton, das selbst Herr Franke ins Schwitzen geraten lässt.

Blinkende, bunte Lichter. Das Summen der Klimaanlage. Insgesamt ein Flugzeugfeeling. Als würde man irgendwohin fliegen, wo es warm ist. Die Wärme der Sonne, das Rauschen der Wellen… Stopp! Der Tag ist noch nicht vorbei! Die Schlacht nicht geschlagen. Die Sendung nicht im Kasten. Schweren Herzens verlasse ich mein Flugzeug und begebe mich wieder in die Stresszone. „Sind die eigentlich versichert?“. Hört sich nicht gut an. Selbst unserer Lehrerin wird es zu viel, sie geht „einen Schluck Wasser trinken“. Würde ich auch gern. Darf ich aber nicht. Jetzt geht’s an die Ausrichtung der Hocker. Streit über die sinnvollste Sitzordnung bricht aus. Unfreundliche Kommentare des Produktionsleiters. Die Stimmung könnte deutlich besser sein.

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Hände hoch! Das Licht muss über dem Kopf eingestellt werden, damit es später gut aussieht.

11 Uhr: Kameras werden aufgedeckt. Scheinwerfer werden eingestellt. Jetzt geht es los! Alle, die nichts zu tun haben, werden auf die Hocker gesetzt. Sie dienen als Lichtdoubel. „Die Hände über den Kopf!“ Und nein, wir haben nichts verbrochen! Die Spotlights müssen nur ausgerichtet werden. Nebenan spielt sich ein kleines Drama aufgrund von liegen gelassenen Handschuhen ab, endet aber nach einer Standpauke und wütendem Gemurmel.

Das Licht geht an. Und wieder aus. Erst heller. Dann wieder dunkler. Ein bisschen wie im Zirkus, aber sehr chaotisch. Unser eigenes kleines Chaos. In den letzten Minuten vor der so erhofften Pause wird hektisch geübt. Nach der Auszeit beginnt die Durchlaufprobe. Natürlich will niemand einen Fehler machen.

Die Kamera sitzt schief. Mit der Technik stimmt etwas nicht. Jetzt geht’s erst mal in die Pause. 30 Minuten einfach nur sitzen. Nach zwei Stunden Dauerstress eine Wohltat. Nur das Journalistenteam darf sich nicht ausruhen. Der Artikel muss fertig werden.

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Auch die Jungs werden geschminkt. Ob ihm pinker Lidschatten steht?

Doch wir sind nicht die Einzigen, die in der Pause arbeiten. Jetzt kommt das wahre Gesicht der Talkshowgäste ans Licht. Gemeint ist die Arbeit der Maskenbildnerin. Hat also auch nichts mit Verbrechen zu tun! Nun werden die Jungs geholt. „So, ihr werdet jetzt geschminkt”. Und schwupps wird Arthurs Gesicht mit einem Pinsel bearbeitet. „Muss das sein?” „Ja. Und jetzt halt still.” Minh stürmt mit lila Lidschatten in den Raum. Das Lila schmeichelt seiner Augenfarbe und passt außerdem perfekt zu dem rosa Lippenstift. Langsam verwandeln sich die Jungs in Mädchen.

„Wir gehen jetzt einmal alles durch!“ Die Pause ist beendet. Die Probe beginnt. Es ist wichtig zu wissen, wie lange die Show genau dauert. „Darf ich etwas trinken gehen?“,  „Nein!“ Diese Antwort senkt die Anspannung und die von den Spotlights ausgehende Hitze nicht wirklich. Man ist nervös. Doch nach einer halben Stunde ist es geschafft und es geht an die Auswertung.

Es war nicht gut genug. Es war scheiße. blablabla. Das Gesagte ist nervig und langweilig für alle Beteiligten. Es ist unerträglich heiß. Die Scheinwerfer wollen uns grillen. Karteikarten werden als Fächer benutzt. Doch auch Lob verlässt die Lippen des Produktionsleiters. Er ist nicht komplett unzufrieden. Die Laune des Teams bessert sich.

Nun warten alle auf den Hauptgast der Talkshow, Yvonne Zwick.

Geplante Ankunft: 13:45Uhr

Tatsächliche Ankunft: 14:05Uhr

Durch diese “enorme“ Verspätung sind alle noch gestresster. Unser Wochenende muss noch warten: nicht cool.

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Pst! Jetzt wird’s ernst. Die Sendung wird aufgezeichnet. Hoffentlich läuft alles gut…

14:25 Uhr: Der Augenblick, auf den wir alle gewartet haben. Das große Finale. Die Aufzeichnung. Es ist still. Niemand rührt sich. Alle warten auf ein Zeichen. „Es kann losgehen“

Der erste Fail lässt nicht lange auf sich warten. Nach nur einer Minute springt der Produktionsleiter aus dem Regieraum. Er unterbricht die Show: „Wir haben noch kein Zeichen gegeben“ Ups. Da gab es wohl einen Verständigungsfehler. Kann passieren. Shit Happens!

Jetzt startet die Show WIRKLICH. Der erste Film wird abgespielt. Zufriedene, erleichterte Gesichter. Die Anspannung ist weg. Es läuft bestens. Doch schon die nächste Panne: Anstatt des Schülerexperiments wird der nächste Film abgespielt. Dann eine Bauchbinde. Und endlich das Richtige. Nochmal gut gegangen!

14:50 Uhr: Es ist geschafft. Die Sendung ist im Kasten. Und das ohne große Fehler. Nun beginnt der Abbau der Bühne. Es bricht erneut Hektik aus. Wir haben nur 10 Minuten Zeit.

Ich bin wirklich Stolz auf uns. Das haben wir großartig gemacht. Insbesondere wenn man bedenkt, das wir so etwas noch nie zuvor gemacht haben. Es war ein ganzes Stück Arbeit, aber das Endprodukt kann sich sehen lassen. Definitiv!

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Meine Belohnung: Ein Himbeer-Schoko Eis. Lecker!!

Meine Arbeit ist hiermit getan. Ich finde, dass ich mir ein Eis verdient habe.

 

von Benedict Seiffert und Maite Diehl



“Ahawah” – Kinder der Auguststraße | Dokumentarfilm über ein jüdisches Kinderheim und eine jüdische Mädchenschule

Ich war ja eigentlich etwas skeptisch, als es am Anfang, vor der Vorstellung hieß, wir würden es nicht bereuen, hier gewesen zu sein, denn ich war ja neulich schon enttäuscht worden. Aber es stimmte. Ich habe es ganz und gar nicht bereut, dieses Mal hat es mir außerordentlich gut gefallen.

Ahawah – Kinder der Auguststraße TRAILER from Sally M. Jaber on Vimeo.

„Ahawah“ ist Hebräisch und bedeutet „Liebe“. Gleichzeitig ist es der Name eines jüdischen Kinderheimes und einer jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße in Berlin-Mitte, die ein ganz besonderes Konzept haben und über die jetzt ein sehr spannender Dokumentarfilm gedreht wurde.

Der Film war sehr abwechslungsreich. Da das Kinderheim jetzt, nach dem zweiten Weltkrieg, in Israel wieder eröffnet hat, konnte man immer die Fotos von damals sehen und dann im Vergleich, wie es heute aussieht. Es hat sich ziemlich viel verändert.

Die Kinder, die jetzt im Kinderheim wohnen, machten einen sehr zufriedenen Eindruck, erzählten über ihr Leben da und wie ein normaler Tag abläuft.

Andere Kinder aus einer evangelischen Schule in Berlin befragten auch ehemalige Bewohner des Kinderheimes, die den zweiten Weltkrieg überlebt haben über das Leben dort während der Zeit des Nationalsozialismus. Was die alten Menschen erzählten, war sehr interessant. Jeder hatte seine eigenen kleinen Geschichten und Anekdoten, zum Beispiel ein älterer Mann, der sich noch erinnern konnte, wie er damals immer heimlich Bonbons geklaut hat. Herrlich waren auch die zwei Zwillingsschwestern, die noch viel aus ihrer Zeit in der Mädchenschule zu erzählen wussten und fast immer gleichzeitig geredet haben. Man konnte sie sich ganz genau als Kinder vorstellen, und als sie dann auch noch zusammen voller Inbrunst „die Gedanken sind frei“ gesungen haben, hat das ganze Kino gelacht. Es war wirklich sehr schön anzusehen – und anzuhören.

Das Konzept des Kinderheimes und der Mädchenschule ist ein vor allem für die damalige Zeit ungewöhnliches. Die Kinder sollen zu eigenständigen, selbstbewussten Persönlichkeiten erzogen werden. Man lässt ihnen viele Freiheiten und sie dürfen in vielen Dingen schon früh mitbestimmen.

Auch hatte man den Eindruck, dass sich wirklich jedes Kind wohlfühlt und seinen Platz in der Gruppe hat. Es wirkte alles wie eine große Familie.

Natürlich war vor allem damals, im zweiten Weltkrieg, nicht alles schön, im Gegenteil. Die meisten, die damals im Kinderheim wohnten oder die Mädchenschule besuchten, haben den Krieg nicht überlebt. Wenige konnten nach Palästina fliehen, die meisten wurden in Deutschland ermordet. Umso wichtiger ist es, den Überlebenden beim Erzählen zuzuhören, solange sie noch können. Deshalb war auch eine Zeitzeugin eingeladen, Ruth Winkelmann, eine ehemalige Schülerin der Mädchenschule, die aus ihrem Leben erzählt hat und wie sie überlebt hat.

Sie hat auch ein Buch geschrieben. Es heißt „Plötzlich hieß ich Sara“.

Es war ein sehr schöner Abend. Der Film war wirklich gut und vor allem sehr authentisch gemacht, mit tollen Bildern und schöner Musik. Man hat einen Eindruck davon bekommen, wie das Leben damals war und wie es heute ist und es hat mir sehr gefallen.

Den Trailer zum Film kann man sich unter http://www.jffb.de/filme/ahawah-kinder-der-auguststrasse/ ansehen.