“Hey, du Spast!”

Eine Webreportage über das Leben mit Behinderung.

 Wie lebt es sich mit Behinderung? Und wie geht die heutige Gesellschaft damit um?

Konstantin ist 17 Jahre alt, lebt in Berlin und hat sein Praktikum bei uns im Sender absolviert. Er sitzt im Rollstuhl und leidet unter Spastik, einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Aus dieser resultiert eine körperliche Beeinträchtigung, deren Ausmaße stark variieren können und sich dabei manchmal auch auf die Sprach- und Schluckmuskulatur auswirken. Die Ursachen einer Spastik können eine Gehirnschädigung, die von einer Wiederbelebung herrühren kann, oder auch eine Frühgeburt sein. Letzteres war bei Konstantin der Fall.

Trotzdem geht er auf eine normale Schule, ist aber natürlich durch den Rollstuhl in seinem alltäglichen Leben eingeschränkt. Seine größten Wünsche sind, später eine Familie zu gründen und dass Menschen mit Behinderung nicht mehr diskriminiert werden.

Doch was ist überhaupt eine Behinderung? Wie definieren Berliner zum Beispiel den Begriff? Haben sie in ihrem Umfeld mit behinderten Menschen zu tun? Und was halten die Leute vom Gedanken der Inklusion?

Darüber, was der Begriff „Behinderung“ eigentlich bedeutet, sind sich gar nicht so viele im Klaren. Die UN-Behindertenrechtskonvention definiert den Begriff wie folgt:

Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.

(Art 1, Satz 2, UN-Behindertenrechtskonvention)

Im Volksmund wird oft auch bei psychischen Störungen von “Behinderungen” gesprochen, zum Beispiel bei Mutimus. DIGGA-Reporterin Milena hat sich in ihrem Buch “Ich kann nicht reden” intensiv mit mit dieser Störung beschäftigt. Die Art der Behinderung ihrer Protagonistin ist zwar erfunden, basiert aber auf zwei real existierenden Beeinträchtigungen: Mutismus und Tourette.

Auch Autismus wird oft als Behinderung gesehen, gehört aber eigentlich zum Spektrum Störung. Genauer gesagt: Eine Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung.

Heutzutage wird jedoch eher von „Menschen mit Beeinträchtigung“ als von „Menschen mit Behinderungen“ oder gar „Behinderten“ gesprochen, auch wenn der Sinn im Grunde genommen ähnlich ist. Doch leider hat sich die tatsächliche Bedeutung des Begriffs „Behinderung“ mit der Zeit gewandelt: Häufig wird er als Beleidigung verwendet, was selbstverständlich für die Betroffenen diskriminierend ist und verletzend sein kann.

Auch bei den Begriffen Integration und Inklusion gibt es Unklarheiten. Sie werden oftmals fälschlicherweise gleichgesetzt.

Bei der Integration geht es um eine homogene, bereits bestehende Gemeinschaft, in die eine kleinere, außenstehende Gruppe notdürftig eingebunden werden muss und letztlich dazu gezwungen ist, sich an das Mehrheitssystem anzupassen.

Quelle: Gemeinsam e.V. . de

Quelle: Gemeinsam e.V.

Die Inklusion wendet sich  ausdrücklich von der Zwei-Gruppen-Theorie ab. Sie geht von einer Heterogenität innerhalb der Gesellschaft aus und fordert, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so flexibel sind, dass jedes Individuum mit seinen persönlichen Eigenschaften daran teilnehmen kann, ohne in eine Norm hineingezwängt werden zu müssen. Das Prinzip der Inklusion soll auch nach und nach an den öffentlichen Schulen eingeführt werden. Hierbei ist natürlich wichtig, dass genügend qualifizierte Lehrkräfte vorhanden sind, die auch darin geschult sind, mit allen Persönlichkeiten angemessen umzugehen und diese adäquat zu fördern.

Der Aktivist und Fernsehmoderator Raúl Krauthausen beschäftigt sich viel mit dem Thema Inklusion und setzt sich gegen Diskriminierung von Menschen mit Beeinträchtigung ein. Auf der Tincon beispielsweise machte er Jugendliche auf verschiedene Schimpfwörter und Beleidigungen aufmerksam.

Damit Inklusion in der Gesellschaft wirklich funktioniert, bedarf es immer des gegenseitigen Verständnisses aller Beteiligten, egal, ob sie nun behindert sind oder nicht.

Unsere DIGGA-Reporterin Laura hat sich mit der Gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen mit Behinderung in ihrem MSA beschäftigt. Sie findet: Solange wir Menschen mit Behinderung nicht als genauso „normal“ wie jeden anderen Menschen ansehen und auch so behandeln, kann man nicht sagen, dass diese in unserer Gesellschaft wirklich akzeptiert sind. 

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Ein gutes Beispiel für gelungene Inklusion ist das Rollstuhlbasketballteam von ALBA Berlin, bei dem wir auch teilgenommen haben, um uns selbst besser in die Lage von Menschen hineinversetzen zu können, die körperlich behindert sind. Interessanterweise trifft dies aber gar nicht auf alle Mitglieder des Teams zu: Ein Großteil davon nutzt den Rollstuhl nur im Sport – und zwar nicht als Hindernis, sondern als Hilfsmittel.

Auch die Fernsehsendung “Fingerzeig” versucht, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung miteinander zu verbinden. Sie ist die erste deutsche Talkshow von und für überwiegend gehörlose Menschen. Die Sendung ist zusätzlich zur Gebärdensprache untertitelt und gevoict, sodass Hörende und Nicht-Hörende gleichermaßen den Zugang zu den Inhalten bekommen.

Letztendlich ist Inklusion das Ziel, dass alle Menschen miteinander und nicht aneinander vorbei leben. Genau das probieren wir auch mit DIGGA zu erreichen.

Konstantin gehört jetzt auch zur DIGGA-Redaktion. Zusammen mit Louisa, Ansumana und Baran hat er im Rahmen seines Praktikums einen Kurzfilm gedreht. “Malul” ist das persische Wort für Behinderung.

 

 

“Man sollte sich nicht unterkriegen lassen und es immer weiter probieren.”

 

Das Fazit des Filmes und Konstantins Lebenseinstellung. Damit schafft er es, alle Schwierigkeiten im Alltag zu meistern.

Da sollten wir uns mal eine Scheibe von abschneiden, oder?

 

An dieser Webreportage waren beteiligt: Konstantin, Milena, Laura, Linus, Louisa, Baran, Ansumana, Toni, Björn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Leben mit Behinderung – Gesellschaftlich akzeptiert?

Sind Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft akzeptiert? Mit dieser Frage habe ich mich, im Rahmen meines MSA-Vortrages, mehrere Monate lang auseinander gesetzt. Dies ist schlussendlich mein Fazit:

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Vermutlich würden die meisten Leute meine Frage spontan mit „ja“ beantworten. Diskriminierung von Menschen mit Behinderung  findet in unserer Gesellschaft zwar nicht mehr in solch großem Ausmaß wie früher statt, allerdings ist sie immer noch vorhanden. Schon allein wie man „Behinderte“ nennt, spielt eine große Rolle. Während man bei dem Begriff „Behinderter“ den Menschen nur auf seine Behinderung reduziert, stellt man bei „Mensch mit Behinderung“ den Menschen in den Vordergrund. Das ist allerdings enorm wichtig! Bloße Reduzierung auf das „nicht können“ bzw. die Einschränkung oder Benachteiligung einer Person ist nicht das, was man in den Vordergrund stellen sollte.

Zudem spielen natürlich auch verschiedene andere Faktoren wie Inklusion eine Rolle. Kann man wirklich von Akzeptanz reden, wenn jemand nicht vollkommen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann? Es gibt inzwischen zwar keine Sonderkindergärten mehr, aber immer noch spezielle Schulen und Arbeitsstätten. Inklusion findet daher nur in einigen Teilen unserer Gesellschaft statt. Dabei definiert die UN-Behindertenrechtskonvention Inklusion als Menschenrecht. Tatsächlich trafen wir bei unserer Umfrage, und ich bei meiner Recherche, gar nicht selten auf Inklusionsgegner. Sie sind der Überzeugung, dass das Lernen, beispielsweise  in inklusiven Klassen, nicht gut für ihre Kinder wäre, weil sie dadurch langsamer lernen würden. Außerdem würden sich die Lehrer dann mehr auf die Schüler mit Behinderung konzentrieren müssen. Um das zu verhindern, würden Schulen mehr speziell ausgebildete Hilfskräfte brauchen und das ist teuer.

Dabei zeigen gerade inklusive Schulklassen, wie gut das Konzept funktionieren kann. Die Kinder lernen zusammen den Schulstoff und zusätzlich den Umgang miteinander. Sie behandeln dadurch Menschen mit Behinderung nicht gesondert, sondern ganz normal. Leute, die in ihrem Umfeld keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung haben, lernen das nicht. Das ist auch der springende Punkt: Solange wir Menschen mit Behinderung nicht als genauso „normal“, wie jeden anderen Menschen ansehen und auch so behandeln, kann man nicht sagen, dass diese in unserer Gesellschaft wirklich akzeptiert sind.



“Ich kann nicht reden” – über mein Buch und das Problem der Protagonistin

Ich wollte einen neuen Roman schreiben. Motiviert, aber unverhältnismäßig ideenlos saß ich damals, im März 2015, vor dem würfelförmigen Schrottcomputer meiner Mutter und suchte verzweifelt im Internet nach einer Idee. Das macht ein guter Autor zwar prinzipiell nicht, aber letztlich hat mich dieser Vorgang sehr viel weitergebracht, als ich es je für möglich gehalten hätte:

In einem Internetforum las ich den Themenvorschlag „Begegnung mit einem Menschen mit einer außergewöhnlichen Behinderung“ und fiel mir meine Freundin ein, die eine Form von Autismus hat. Schon immer fand ich es unheimlich spannend, wenn sie mir  von ihren Schwierigkeiten im Umgang mit Menschen erzählte, da ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass eine Konversation, etwas, was für uns im Alltag so normal und dennoch von elementarer Bedeutung ist, einem Menschen so schwer fallen kann – auch wenn diese Tatsache nach außen hin nicht zwingend ersichtlich sein muss.

Und dann hatte ich die Idee: Ich erfand eine Behinderung, ich dachte mir eine Protagonistin aus, die nicht reden kann. Das bedeutet nicht, dass sie stumm ist, sondern lediglich „nicht reden“ kann.

Dabei ist mir der Unterschied zwischen dem Verb „reden“ und dem Verb „sprechen“ extrem wichtig. „Sprechen ist eben sprechen und reden ist sprechen mit Sinn“, schreibt Anna, die Protagonistin, aus deren Perspektive erzählt wird, nämlich relativ gegen Anfang – und genau dort liegt nämlich ihr Problem, das aber niemand versteht, weil es bislang unbekannt und unerforscht war: Anna ist anatomisch dazu imstande, klare und korrekte Sätze zu formulieren, allerdings „ist ihr Gehirn wie ausgeschaltet“, sobald sie beginnt, mit anderen Menschen zu kommunizieren. So kommen aus ihrem Mund nur Sätze, die keinen Sinn ergeben. Dadurch ist sie in ihrem Alltag stark eingeschränkt und letztlich „behindert“ – und diesen Begriff verwende ich bewusst, obwohl er heutzutage als politisch nicht korrekt gilt. Doch schließlich stimmt der Begriff „Behinderung“, wenn man nach der ursprünglichen Bedeutung geht, die da wäre, dass ein Mensch durch bestimmte Barrieren oder Einschränkungen an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilnahme an der Gesellschaft behindert wird.

Zuerst war ich begeistert von meinem kreativen Einfall, eine Sprachstörung zu erfinden, doch wollte ich natürlich wissen, wie so etwas überhaupt zustande kommen könne, denn ich wollte ja realistisch schreiben. Also fing ich an mit der Recherche und kam zu dem Ergebnis, dass die Behinderung, die Anna hat, eine Mischung aus Tourette und Mutismus ist.

Beim Tourette-Syndrom handelt es sich um eine nervliche Erkrankung, bei der die Betroffenen zwanghafte „Tics“ wie bestimmte Zuckungen aufweisen und teilweise unkontrolliert bestimmte Wörter oder Ausrufe ausstoßen. Die genauen Symptome variieren allerdings von Person zu Person.

Mutismus hingegen ist eine komplexe Verhaltens- und Kommunikationsstörung, die sich darin äußert, dass die Betroffen nicht oder nur in bestimmten Situationen sprechen, obwohl sie im Prinzip körperlich dazu in der Lage sind. Auch hier gibt es verschiedenen Ausprägungen und man unterscheidet zwischen dem selektiven Mutismus und dem totalen Mutismus. Dieser kann von einem Trauma herrühren, aber auch anderen Ursprungs sein. In Bezug auf Autismus habe ich irgendwann einmal den Satz gehört: „Kennst du einen Autisten, kennst du einen Autisten“ – und von Mal zu Mal, dass ich ihn zitiere, wird er wahrer.

Aus Tatsache, dass die Ausprägungen und Ursachen solcher Störungen sehr unterschiedlich sein können, resultiert die Schwierigkeit, Betroffene zu diagnostizieren. Dazu kommt noch, dass gerade Störungen wie Mutismus von den Mitmenschen oft gar nicht als solche wahrgenommen werden, da es für „uns“ unvorstellbar ist, wie es sein kann, dass eine Person einfach „nicht reden kann“. Menschen, die unter selektivem Mutismus leiden und nur in bestimmten Situationen reden können, werden beispielsweise als schüchtern abgestempelt.

Genau so geht es teilweise der Protagonistin Anna aus „Ich kann nicht reden“. Im Laufe meines Romans stellt sich übrigens der Grund für ihre Sprachstörung heraus: Seit dem Tod ihrer Mutter, von dem Anna auch erst später erfährt, leidet der Vater unter einer Art von selektivem Mutismus: Im Alltag spricht er kaum und wenn, dann in Phasen und auch nur unter bestimmten Bedingungen. Aus diesem Grund war Anna natürlich immer schon bewusst, dass ihr Vater unter irgendeiner Kommunikationsstörung leidet, aber erst jetzt wird klar, weshalb auch sie nicht reden kann – sie hat es nie richtig gelernt.

Nachdem ich mich im Rahmen dieses Projektes höchst intensiv mit diesem spannenden Thema auseinandergesetzt habe, ist mein Verständnis für Behinderungen dieser Art um einiges gestiegen. Es ist zwar nicht erstaunlich, doch dennoch auch nicht lobenswert, dass man auf dem Gebiet der Verhaltensforschung in Bezug auf Störungen wie Mutismus noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, aber gerade das will ich mit meinem Buch ändern. Ich möchte die Forschung anregen und mindestens in gleichem Maße zur Toleranz gegenüber solchen Behinderungen aufrufen.

Ihr seid an „Ich kann nicht reden“ interessiert? Dann könnt ihr es hier erwerben: 

Einen Link zum Autorenfilm findet ihr hier:



Viele Möglichkeiten mit Einschränkung

“MALUL IM WUNDERLAND”

DIE WUNDERBARE PERSPEKTIVE DES KONSTANTIN

Wir Schülerpraktikanten des Alex TV mit vielen Ideen und Möglichkeiten, sind gemeinsam losgezogen, um einen Film zu drehen. Wir wussten nicht wie und stießen in der Produktion auf viele Schwierigkeiten.

Wir ließen uns jedoch nicht unterkriegen.

Das Überthema „Leben mit Behinderung“ und die Erzählungen eines unserer Redaktionsmitglieder, der im Rollstuhl sitzt, regte die Ideen für den Inhalt an.

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„Malul im Wunderland“ heißt unser Film. „Malul“ ist das persische Wort für Behinderung und erzählt aus der (Kamera)perspektive eines jungen Menschen, der nie aufgibt. Unser Ziel: Die Zuschauer überraschen und sie mit auf eine Reise nehmen. Eine Reise weg von unseren Augen, hin zu einem neuen Bild, das durch unsere Ohren und unser Gefühl ensteht.

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Oh, du bist du hetero?! – Webreportage

“Haha! Guck mal, wie schwul der aussieht!” Einen solchen Spruch hat bestimmt jeder schon einmal gesagt. Einen Satz, den selbst kleine Kinder in den Mund nehmen, obwohl sie nicht wissen, was schwul heißt. Aber warum? Warum wird eine sexuelle Orientierung als Beleidigung genutzt? Warum sieht man im 21. Jahrhundert Leute, die nicht hetero sind, immer noch als merkwürdig oder eklig an? Das sind nur einige der Fragen, mit denen wir uns in den letzten Wochen auseinandergesetzt haben. Nun wollen wir euch unsere Ergebnisse und Erkenntnisse zum Thema Homosexualiät präsentieren:


Welche Sexualitäten gibt es und wodurch unterscheiden sie sich eigentlich? Abgesehen von den gängigen Begriffen (hetero, homo und bi), gibt es noch viele weitere, über die jedoch nicht immer und überall genug aufgeklärt wird. Bent hat für euch eine kleine dreiteilige Übersicht erstellt:

Außerdem sind Milena, Linus uns Thomas für uns auf die Straße gegangen und haben einige Passanten gefragt, was Homosexualität und Homophobie ist und was sie davon halten. Herausgekommen sind ein paar interessante Antworten und Reaktionen, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen:

 

Am 20. und 21.6. 2015 fand zum 23. Mal das lesbisch-schwule Stadtfest in Berlin statt. Nackte Haut, Zuckerwatte und viele Menschen, ein Event, das wir natürlich nicht verpassen wollten. Einige Bilder und einen Textbeitrag könnt ihr euch hier ansehen.

Amerika und Irland: Zwei Länder, in welchen Homosexuelle seit neuestem heiraten dürfen. In Deutschland wird dieses Thema ebenfalls stark diskutiert: Und das nicht nur in der Politik. Besonders im Netz zeigen viele Menschen #EheFürAlle und das Adoptionsrecht ihre Solidarität durch bunte Profilbilder und bewegende Texte. Auch die Musikszene bleibt nicht unbewegt: Wir haben die Hip-Hop AktivistInnen Refpolk und Sookee zu uns eingeladen und mit ihnen darüber geredet:

 

Was halten eigentlich die “Betroffenen” von der gleichgeschlechtlichen Ehe und dem Adoptionsrecht? Wollen Schwule und Lesben überhaupt heiraten? Wollen sie Kinder haben? Unter welchen Bedingungen sollte das alles ermöglicht werden? Was wollen sie wirklich? Zu diesem Thema haben wir ebenfalls ein Interview mit einem schwulen Paar geführt und einen Jugendlichen mit einer lesbischen Mutter, in diesem Video befragt:

Wir sind toleranter geworden. Wir reden offener über das Thema Homosexualität und machen es so zu einer gewöhnlichen Sache. Es wird sich für sie eingesetzt und ihnen geholfen, ihre Ziele durchzusetzen. Nach und nach werden mehr Gesetze durchgebracht um Homosexuelle gleichzustellen. Wir sind auf einem guten Weg. Es sind doch Menschen wie du und ich, warum sollte man sie benachteiligen oder sie anders behandeln?



Nackte Haut und Regenbögen – Das lesbisch-schwule Stadtfest

IMG_2169 “Lesbisch-schwules Stadtfest” prangt es auf einem riesigen Becks-Banner am Anfang einer bunt geschmückten Straße. Wir entdecken eine regenbogenfarbene BVG-Haltestelle. Ja, hier sind wir richtig. Ich bin mit zwei Freundinnen hier, die sich beide interessiert umschauen.Wir nähern uns der Straße und folgen der Menschenmasse. Männer in Frauenkostümen, Latexhosen oder mit nacktem Oberkörper. Bilder, die ich normalerweise nicht sehe und die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. Ich war schon auf einigen Stadtfesten, aber dieses hier ist ein wenig anders.Wir laufen die lange, farbenfrohe Straßen entlang und bekommen allerhand Flyer in die IMG_2172Hände gedrückt.IMG_2176 Überall bunte Fahnen, Waffel-, Zuckerwatte- und Informationstände. Ich mache Fotos an jeder Ecke und versuche dabei, meine Freunde im Blick zu behalten, um sie nicht zu verlieren. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Straßenkreuzung und beschließen in die …. abzubiegen. Hier sind verschiedene Parteien beispielsweise die SPD, die Grünen und die CDU vertreten. Das IMG_2182verwundert mich ein wenig, die CDU ist doch eigentlich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und hält sich bei dem Thema Homosexualität allgemein zurück.

Ich beschließe, mich bei den Ständen umzusehen und spreche mit einigen der Anwesenden und natürlich auch mit einem Vertreter der CDU. Ich führe mit ihm ein interessantes Gespräch, in dem er mir erklärt, dass er sich zusammen mit einigen anderen für die Rechte von Homosexuellen in, aber natürlich auch außerhalb der Union einsetzt. Abgesehen davon hat die LSU, wie sich dieser Teil der Union nennt, schon seit 2000 einen Stand auf diesem Stadtfest. Nach diesem Gespräch gehen wir weiter und werden auf Organisationen wie “Enough is Enough” oder den “Queer Walk of Fame”aufmerksam. Zwei sehr interessante Projekte, bei denen man vielleicht mal vorbeischauen sollte.IMG_2179

Anschließen liefen wir noch ein bisschen auf dem Fest herum, unterhielten uns mit weiteren Leuten und tranken Bubble Tea. Es herrschte durchgehend eine fröhliche und offene Stimmung, wodurch ich mich sehr wohlfühlte. Irgendwann muss aber jeder Tag enden und wir verließen mit vielen Regenbogenaufklebern und “Cool, mein Lehrer ist schwul”-Luftballons das lesbisch schwule Stadtfest.



“Wer mich toleriert, den toleriere ich auch.”

Um einmal zu sehen, was überhaupt Homosexuelle von dem Adoptionsrecht und der gleichgeschlechtlichen Ehe halten und was dabei zu beachten wäre, habe ich ein Interview mit Maikel (36) geführt. Er lebt zusammen mit seinem Partner Sascha (31).

Laura: Was haltet ihr von dem Adoptionsrecht? Sollte das durchgesetzt werden und wenn, unter welchen Bedingungen?
Maikel: Ich persönlich bin dafür. Natürlich sollten einige Vorraussetzungen da sein, dass das Kind eine venüftige Basis dafür hat, aufzuwachsen. Es sollte nicht zu locker sein. So ein Kind ist ja kein Spielzeug, das man irgendwie in die Ecke stellt, wenn man es nicht mehr braucht. Egal, ob das jetzt gleichgeschlechtlich oder bei Mann Frau lebt, es muss eine Basis, eine bestimme Sicherheit vorhanden sein. Es ist ja kein Gegenstand, wenn man keine Lust mehr hat, dann kann man das nicht mehr zurückschicken.
Laura: Nochmal zum Thema gleichgeschlechtliche Ehe: Seid ihr dafür oder dagegen? Wie könnte man das womöglich durchsetzten?
Maikel: Das man da heute noch drüber diskutieren muss empfinde ich als totalen Qutasch. Soll jeder machen, was er will. Ich lebe nach dem Motto: “Wer mich toleriert, den toleriere ich auch.” Ich toleriere eigentlich alles und man sollte auch sowas wie uns tolerieren. Das man da überhaupt noch einen Unterschied macht, in der heutigen Zeit… Es tut ja einem keiner was. Ich finde das total überflüssig. Ich meine, es ist ja schön, dass man die Lebenspartnerschaft hat, damit auch der Partner in gewissen Punkten nicht nur abgesichert ist, sondern auch eine Art Auskunftsrecht hat, wenn der andere Partner mal sehr krank ist. Zum Beispiel, wenn jetzt Paare über mehrere Jahrtzehnte miteinander leben und der eine von einem geht, dass der Andere auch erbberechtigende Ansprüche haben kann. Das sollte man endlich mal aufbrechen, egal ob es dann Christen, Katholiken oder irgendwas anderes gibt. Das man da überhaupt noch einen Unterschied macht, finde ich sowas von überflüssig.



Zwischen Löwenkindern und Essstäbchen – YouTuber und wir

Eine Webreportage von DIGGA-ReporterInnen Laura und LinusIMG-20150205-WA0007

YouTube, eine Plattform im Internet, auf welcher täglich tausende Videos hochgeladen werden. Abgesehen von Musik- und niedlichen Katzenvideos kann man dort auch Videos sogenannter YouTuber finden. Der erfolgreichste YouTuber der Welt, der Schwede Pewdiepie, hat momentan ca. 36.200.000 Abonnenten. Durch den riesigen Erfolg ihrer Videos sind einige YouTuber inzwischen berühmter als mancher Film- oder Musikstar. Teilweise können sie von dem Geld, welches sie durch Productplacement und die Werbung vor den Videos verdienen, leben. Ich habe mich daraufhin gefragt, wie sich die Fans dieser YouTuber verhalten. Deswegen besuchten wir zusammen die Autogrammstunde von Liont, das EssstäbchenCT und die Social Movie Night.

OMG, ich hab ihn getroffen!

Liont brachte am 3. April 2015 sein Album “Löwenkind” heraus und veranstaltete aus diesem Grund am 7. April eine Autogrammstunde im Schloss Steglitz in Berlin.

Autgrammstunde mit Liont

Fan Yasmin bei der Autogrammstunde mit Liont (links) und Kayef (rechts)

Schon bei unserer Ankunft, zwei Stunden vor Beginn, war eine große Anzahl Löwenkinder, wie Liont seine Fans nennt, anwesend. Wir fragten, warum sie Liont mögen und was sie sich von einem Treffen mit ihm erhofften. Die meisten waren freundlich, aufgeregt und winkten in unsere Kamera.
Als Liont mit seinem besten Freund Kayef aus dem Eingang Richtung Autogrammtisch stürmte, fingen alle an, ohrenbetäubend zu kreischen. Es waren Sprechchöre zu hören, welche “Timo! Timo” und “Kayef! Kayef!” riefen. Alles in allem eine angespannte und aufgeregte Stimmung. Viele brachen vor Freude in Tränen aus und wollten am liebsten nicht mehr von den beiden weg. Jeder bekam ein Autogramm und durfte ein Foto machen, für mehr war leider keine Zeit. Liont und Kayef waren über zwei Stunden auf der Bühne und wirkten zunehmend erschöpft, aber lächelten trotzdem bei jedem Foto. Eindrücke der Autogrammstunde findet ihr im folgenden Video.

Außerdem geht’s hier zu einem kritischen Kommentar zur Entwicklung von YouTube, geschrieben von Bent-Erik.

Gruppenkuscheln!

Am Tag darauf besuchten wir das EssstäbchenCT. Dazu muss noch gesagt werden, dass ich selber seit ca. 2012 YouTube-Videos sehe und ein Teil der Berliner Youtube Community bin. Wir mögen zum Beispiel LeFloid, Marie Meimberg, die Space Frogs und einige weitere YouTuber, die in Berlin wohnen. Manchmal kommt es dazu, dass einige dieser Fans sich treffen, das wird dann Communtiy-Treffen (Kurzform: CT) genannt. Durch solche Treffen habe ich bereits sehr viele neue Personen kennengelernt und einige davon kann ich mittlerweile zu meinen besten Freunden zählen. Auch konnte ich Malte von BrokenThumbsTV dort interviewen:

Die Information zu Treffpunkt und Uhrzeit fand man auf Twitter und es hatten sich über 70 Personen für das Treffen angemeldet. Wir trafen uns an der Weltzeituhr am Alexanderplatz und gingen anschließend zu der sogennanten CT-Wiese, ein kleines Stück Wiese neben dem Fernsehturm. Es waren Leute aus ganz Deutschland anwesend, die extra für das CT nach Berlin gekommen waren.

Das Schöne an solchen Treffen ist, dass man mit jedem sprechen kann. Wir haben ein gemeinsames Hobby und dadurch automatisch ein Gesprächsthema. Jeder wird mindestens 20 Mal umarmt und bekommt zehn Kekse geschenkt. Für viele ist die Community sehr wichtig in ihrem Leben, da sie beispielsweise mit Personen in der Schule oder Zuhause nicht gut klarkommen. Wir halten zusammen und jeder kann zu uns gehören, egal wie alt oder jung er oder sie ist. Jedem, der Probleme hat, wird zugehört und geholfen. Deshalb sind wir auch nicht nur die Fans irgendwelcher Stars aus dem Internet, sondern eine große Gemeinschaft, in der wir uns gegenseitig unterstützen. Wir sind keine Fans, wir sind eine Community.

Kino, Popcorn, YouTube

An unserem letzten Drehtag waren wir auf der Social Movie Night. Bei diesem Event lädt Robert Hofmann zusammen mit einem anderen Youtuber (an diesem Abend MrTrashpack) seine Communtity ins Kino ein. Sie verlosen auf ihren Youtube-Kanälen eine bestimmte Anzahl an Karten und die Gewinner sehen zusammen mit ihnen einen Film, bevor dieser offiziell startet.

Es gibt gratis Popcorn, Getränke und meistens noch eine kleine Überraschung. Es werden zwar, wie auf einem Fantreffen, Autogramme gegeben, aber hauptsächlich unterhält man sich untereinander.

An diesem Abend waren auch Freunde von mir und Leute aus unserer Community da. Wir hatten zwar keine Karten, setzten uns aber trotzdem neben den Einlass, weil manchmal noch einige Kinoplätze übrig sind. Dieses Mal waren sehr viele Leute da, weshalb wir leider nicht mehr in den Kinosaal kamen. Selbst einige YouTuber gingen nicht in den Film, um Platz für die Zuschauer zu lassen. Wir freuten uns allerdings darüber, dass wir während des Films ein Interview mit Robert Hofmann führen konnten:


Nach dem Interview setzte ich mich wieder zu meinen Freunden und wir führten sehr interessante Gespräche über die verschiedensten Themen und Probleme. Als der Film schließlich zu Ende war, begaben sich auch die anderen Kinobesucher in den Vorraum und gesellten sich zu uns. Unter ihnen befanden sich auch Marie Meimberg und weitere YouTuber. Schnell bildete sich eine kleine Communitygruppe, welche sich mit Marie unterhielt.

Mit den YouTubern wurde ganz normal umgegangen. Keiner lief kreischend umher oder fing wegen eines Autogrammes an zu weinen. Es waren auch deutlich ältere Leute da, als auf der Liont Autogrammstunde. Es war einfach viel lockerer und angenehmer. Zu guter Letzt konnte ich auch noch mit MrTrashpack ein Interview führen:


Irgendwann endet allerdings auch der schönste Abend. Alle verabschiedeten sich, tauschten noch schnell Twitter- oder Facebooknamen aus und gingen nach Hause. Die Social Movie Night ist immer ein tolles Ereignis, um gute Filme zu sehen und YouTuber zu treffen. Es lohnt sich wirklich, an den Ticketverlosungen teilzunehmen. Wenn ihr wissen wollt, wann sie wieder stattfindet, findet ihr Infos auf dem Kanal von Robert Hofmann.
Die Fans und die Communtiy der YouTuber unterscheiden sich. Es gibt kleine kreischende Fangirls, ruhige, kommunikative Fans und auch kreative Fans, die eigene Merchandise-Artikel kreieren. Das hängt ganz davon ab, wie die YouTuber ihre Community behandeln und andersherum wie die Fans mit ihren Stars umgehen.

Alle YouTuber im Überblick, die in dieser Reportage zu finden sind:

liontName: Timo Mikal Torres
Kanalname: LIONTTV
Abonnenten: 1.515.000
Netzwerk/Verein: TubeOne
Thema: Musik/Vlog
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1p9lcj5

 

kayefName: Kai Fichtner
Kanalname: KAYEFTV
Abonnenten: 375.000
Netzwerk/Verein: –
Thema: Musik
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/U9UkEo

 

malte_brokenthumbsName: Malte
Kanalname: BrokenThumbsTV
Abonnenten: 470.000
Netzwerk/Verein: PushStart
Thema: Gaming
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/PPHz0w

 

zhong_cubirdsName: Zhong
Kanalname: Cubirds
Abonnenten: 9.000
Netzwerk/Verein: 301+/ Phonofile
Thema: Vlogs/Musikvideos/Eventclips
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1qKnbNt

 

pascal_mrblogifyName: Pascal
Kanalname: MrBlogify
Abonnenten: 6.900
Netzwerk/Verein: –
Thema: YouTube-Info
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1nyDknl

 

frodoName: Max Krüger
Kanalname: Frodoapparat
Abonnenten: 96.200
Netzwerk/Verein: Mediakraft
Thema: diverse
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1hsBfIu

 

steven_spacefrogsName: Steven Schuto
Kanalname: Space Frogs
Abonnenten: 582.000
Netzwerk/Verein: 301+
Thema: Comedy
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1q8a9Hn

 

tommy_blackoutName: Niklas
Kanalname: Tommy Blackout
Abonnenten: 5.600
Netzwerk/Verein: –
Thema: Musik
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1p8pbPp

 

robert_hofmannName: Robert Hofmann
Kanalname: Robert Hofmann
Abonnenten: 268.900
Netzwerk/Verein: 301+
Thema: Filmkritiken
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1hicKLT

 

marie_meimbergName: Marie Meimberg
Kanalname: mariemeimberg
Abonnenten: 44.500
Netzwerk/Verein: 301+
Thema: diverse
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/UF8yO8

 

mr_trashpackName: Philipp Betz
Kanalname: MrTrashpack
Abonnenten: 470.000
Netzwerk/Verein: endemol beyond
Thema: YouTube News
Link zum YouTube-Kanal: http://bit.ly/1dUQZBt



10 Jahre YouTube: Die Entwicklung – Ein Kommentar

YouTube ist eine Plattform, die jedem ermöglicht, seine Hobbies, Projekte und Ideen mit der ganzen Welt zu teilen. Das Motto „Broadcast Yourself“ macht selbiges ziemlich deutlich. Nun ist die beliebteste Videoplattform der Welt zehn Jahre alt geworden. In diesen zehn Jahren hat sich auf der Plattform vieles getan: Durch den Verkauf der Plattform an Google entstanden viele neue Möglichkeiten und auch für die YouTube-Nutzer wurde das Arbeiten mit der Plattform angenehmer. YouTube wuchs und wuchs, irgendwann gab es für YouTuber das Angebot, durch eine Partnerschaft mit YouTube Geld durch Videos zu verdienen, was für viele eine großartige Chance war, bessere Clips zu produzieren. Damals war es nur ausgewählten Kanälen möglich, den Partnerstatus zu erreichen; mittlerweile ist dies durch ein paar Klicks möglich.

Eine ebenfalls sehr wichtige Entwicklung für YouTube waren die Netzwerke, welche die Partner beim Produzieren des Contents und bei der Betreibung des Kanals unterstützen. Das wohl berühmteste und derzeit durch YouTuber wie LeFloid, Simon Unge und ApeCrime wohl umstrittenste Netzwerk in Deutschland ist Mediakraft. Mediakraft ist mittlerweile ein sehr wirtschaftlich orientiertes Netzwerk, der Vorstand will dieses Netzwerk unbedingt verkaufen – knallharte wirtschaftliche Interessen. Sogar YTITTY hat Anteile an Mediakraft. Das Netzwerk, welches einst als Non Plus Ultra galt, gerät mittlerweile wegen der kommerziellen und nicht partnerorientierten Arbeitsweise sehr in Kritik. Dies ist jedoch auch ein zweiseitiges Schwert.

Es gibt in Deutschland auch andere Netzwerke, wie zum Beispiel TubeOne. International sind BroadbandTV und Maker Studios, bei denen ehemals PewDiePie gepartnert war, erfolgreich. Jedoch ist es für Menschen, die auf ihrer Plattform keine große Reichweite haben, immer schwerer sich durchzusetzen und die großen YouTuber verkaufen durch einen Vertrag mit einem Netzwerk teilweise nicht nur ihren Kanal, sondern auch ein Stück weit sich selbst. Die Netzwerkkultur jedoch geht mittlerweile wieder zurück und es gibt Vereinigungen wie zum Beispiel 301+, bei denen sich YouTuber außerhalb von Netzwerken helfen.

Dass durch die Hilfe der Monetarisierung und der Netzwerke die Qualität der Videos angestiegen ist, steht außer Frage. Eines stört mich jedoch an Netzwerken wie Mediakraft: Ich kritisiere die sehr kommerziell orientierte Arbeitsweise und den Umgang mit den Partnern. Gerade beim genannten Netzwerk existieren primär wirtschaftliche Interessen. Der Content der Partner wird auf den Zuschauer zugeschnitten, sodass er sich von Videos angesprochen fühlt und YouTuber werden zu austauschbaren Hüllen. Die Videos auf YouTube werden kürzer – der durchschnittliche Zuschauer hat nicht den Elan, sich längere Videos anzuschauen. Dem entsprang die Jumpcut-Kultur, in der kein halber Satz ohne einen Schnitt gesprochen werden kann.

Auch das Thema Product Placement halte ich für zweiseitig. Zuerst: Für mich sind Produktplatzierungen eine sehr legitime Art der Werbung, wenn das im Video eingebaute und beworbene Produkt zu dem Kanal passt und – vor allem – wenn Produktplatzierungen ausdrücklich gekennzeichnet sind. Geschieht dies nicht, ist es illegal und gilt als Schleichwerbung. Gegen den Kanal YTITTY bzw. deren Nebenprojekt „diejungs“ lief vor einiger Zeit ein Prüfungsverfahren wegen Schleichwerbung, dies wurde jedoch eingestellt. Das Video ist übrigens immer noch online und man bemerkt die Werbung ohne große Anstrengung. Es ist so offensichtlich und dennoch blieb der Verstoß gegen geltendes Recht unbestraft. Und hinter HerrTutorial, auch bekannt als Sami Slimani, steht mittlerweile angeblich eine Beauty-Firma. Die Beauty-Videos sind, am Ende des Tages, Product Placement. Das ist nicht schlimm, aber es ist meiner Meinung nach der falsche Weg, den Zuschauern Honig ums Maul zu schmieren.

Der Fall Ungespielt: Für Simon Unges Video über seinen Ausstieg bei Mediakraft wurde ihm viel Respekt gezollt und ich respektiere diesen Schritt nach wie vor sehr. Doch viele Menschen behaupten nun im Zusammenhang mit Mediakrafts Statement – welches natürlich alle Aussagen von Unge wiederlegte – dass das Netzwerk lügen würde. Das können wir als Außenstehende jedoch überhaupt nicht beurteilen. Dass Simon Unge Privatinsolvenz angedroht wurde, ist zwar erschütternd, aber er ist so gesehen ja auch vertragsbrüchig geworden. Der Vertrag hat, erstens, eine Verschwiegenheitsklausel, zweitens hat Ungespielt für die Longboard-Tour ohne Erlaubnis von Mediakraft die Telekom als Sponsor genommen, was laut Vertrag wohl angeblich verboten ist.

Für mich sind YouTuber Stars – in schlimm. Hierzu empfehle ich das letsfail1-Video „Warum auf YouTube Ideenlosigkeit siegt“ – YouTuber sind nicht eure besten Freunde, es sind Menschen, die in eine Kamera lächeln und den Freund spielen. Und deshalb lässt man sich auch davon überzeugen, wenn eine x-beliebige Hautcreme in einem Video hochgelobt wird. Der YouTuber ist ja mein Freund, und wenn dem das Produkt gefällt, muss es ja gut sein. Aber das ist falsch. Diese YouTuber sehen ihre Fans nicht als Freunde. Abonnenten sind nur eine Zahl, und das ist verständlich. Diese Fannähe jedoch sorgt dafür, dass immer Zuschauer da sind, damit diese YouTuber weiterhin von den Videos leben können. Daher bringen YouTuber auch Bücher und Alben heraus: Um finanziell abgesichert zu sein.

Eine weitere YouTube-Szene, die mich sehr wundert, ist die Lifestyle-Szene. Dagi Bee, BibisBeautyPalace, die Slimanis und andere. Was mich am meisten an ihnen stört, ist, dass sie fast heuchlerisch den besten Freund des Zuschauers spielen. Das wirkt teilweise so aufgesetzt, dass es mir fast schon wie eine Parodie vorkommt. Ich kenne diese Menschen nicht wirklich, aber ich halte es für unverantwortlich, die junge Zielgruppe so zu beeinflussen. Es gibt Menschen, die sich sogar in YouTuber verlieben. Und dann behaupten die Kanalbetreiber, sie wären keine Stars, sondern nur die Freunde der Zuschauer. Gerade in der Lifestyle-Szene scheint mir dies sehr verbreitet. Wenn YouTuber laut eigener Aussage doch keine Stars sind, warum lese ich dann, dass Kanalbetreiber teilweise Headliner bei Festivals sind, Autogrammstunden geben, auf Tour gehen und Merchandise verkaufen?

Wenn man den Fans nahe sein will, dann finde ich das Konzept der Social Movie Night (YouTuber gehen zusammen mit Fans ins Kino) doch um einiges besser geeignet dafür. Unsere Digga-Autorin Laura hat hier ausführlich darüber berichtet.

Ich glaube, in nächster Zeit wird sich wieder einiges im Lande YouTube ändern, und vielleicht bessern sich einige Dinge, die ich hier kritisiere. Trotz alledem jedoch bin ich ein großer Fan von YouTube, weil diese Plattform interaktiv ist wie keine andere und sie jedem die Möglichkeit gibt, seine Zielgruppe zu finden.