Am Sonntag dem 27.05.2018 produzieren wir eine Volltreffer Produktion, über das Thema “Obdachlosigkeit”

Um euch einen kleinen Einblick, auf das was auf uns zukommt, zu geben, habe ich ein Gedicht im Prosa Format geschrieben. Für die, die nicht wissen, was Prosa heißt: Prosa bedeutet ganz einfach, dass sich das Gedicht nicht reimt.

Das Gedicht soll überwiegend realistisch und gleichzeitig utopisch sein. Ich bin mir bewusst, dass sich diese zwei Begriffe durchaus nicht immer gut verstehen, aber ich hoffe, in meinem Gedicht ist es möglich geworden.

 

 

Heimatlos

 

Was bedeutet es für uns, wenn wir jemandem begegnen, der offensichtlich heimatlos ist? Wie reagieren wir, wenn uns jemand mit zerrissener Kleidung nach Geld oder Essen fragt? Was löst es ins uns aus, wenn morgens in der Bahn Musik gespielt wird, mit dem eindeutigen Zweck dahinter, Geld zu verdienen?

 

Meistens drehen wir uns weg und mit unseren Kopfhörern in den Ohren, geben wir vor, das Betteln nicht gehört zu haben. Wir verstecken uns hinter unseren Haaren und wenn wir das Pech haben, ihm in die Augen gesehen zu haben, schütteln wir leicht den Kopf und ziehen eine bemitleidende Grimasse.

 

Wir gehen durch die Straßen und fühlen uns gestört von dem Kerl, der auf der dritten von fünf Bänken liegt und schläft. Sind wir ganz böse, rufen wir die Polizei, weil er muffelt und er wird weggeschickt. Warum? fragt er? Warum muss ich gehen? Keiner antwortet ihm. Denn er ist heimatlos und er stört.

 

Ich verstehe uns. Ich verstehe die generelle Abneigung, denn sie wurde uns eingetrichtert. Die potenziellen negativen Vorurteile sind in der Überzahl in unserem Kopf. Es ist uns unverständlich, warum man heimatlos ist, denn man muss es nicht sein. Nicht hier, nicht bei uns.

 

Dennoch, müssen wir nicht immer alles verstehen. Wir wissen nicht, warum es Menschen gibt, die sich bewusst entschieden haben auf der Straße zu leben. Deshalb frage ich; ist es wirklich so unglaublich falsch, die Dinge positiv anzugehen?

 

Stellt euch vor, wir versuchen die Musik, die morgens in der Bahn gespielt wird, zu genießen. Wir freuen uns, dass er sich traut, seine musikalische Ader mit uns zu teilen. Stellt euch vor, das Brot, das ihr zum Mittag nicht mehr geschafft habt, jemandem zu geben, der es schaffen würde.

 

Kleine Gesten können große Dinge in erschrockenen, verletzten oder abgerutschten Menschen bewirken, sie glücklich machen, obwohl sie es lange nicht mehr waren. Vielleicht denken sie sich: Hey, du siehst mich? Du lächelst mich an und ich bin dir dankbar. Ich fühle mich menschlich.

 

Und ich frage nochmal. Wäre es möglich, unseren Drang, alles negativ zu betrachten, umzuleiten und zu lächeln? Zu akzeptieren, dass es Menschen gibt, die diesen Weg gehen wollen, vielleicht nicht anders können und einfach lächeln?

 

Vielleicht ist es leichter, als wir denken.

 

 

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Written by Emma-Louise