“Hey, du Spast!”

Eine Webreportage über das Leben mit Behinderung.

 Wie lebt es sich mit Behinderung? Und wie geht die heutige Gesellschaft damit um?

Konstantin ist 17 Jahre alt, lebt in Berlin und hat sein Praktikum bei uns im Sender absolviert. Er sitzt im Rollstuhl und leidet unter Spastik, einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Aus dieser resultiert eine körperliche Beeinträchtigung, deren Ausmaße stark variieren können und sich dabei manchmal auch auf die Sprach- und Schluckmuskulatur auswirken. Die Ursachen einer Spastik können eine Gehirnschädigung, die von einer Wiederbelebung herrühren kann, oder auch eine Frühgeburt sein. Letzteres war bei Konstantin der Fall.

Trotzdem geht er auf eine normale Schule, ist aber natürlich durch den Rollstuhl in seinem alltäglichen Leben eingeschränkt. Seine größten Wünsche sind, später eine Familie zu gründen und dass Menschen mit Behinderung nicht mehr diskriminiert werden.

Doch was ist überhaupt eine Behinderung? Wie definieren Berliner zum Beispiel den Begriff? Haben sie in ihrem Umfeld mit behinderten Menschen zu tun? Und was halten die Leute vom Gedanken der Inklusion?

Darüber, was der Begriff „Behinderung“ eigentlich bedeutet, sind sich gar nicht so viele im Klaren. Die UN-Behindertenrechtskonvention definiert den Begriff wie folgt:

Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.

(Art 1, Satz 2, UN-Behindertenrechtskonvention)

Im Volksmund wird oft auch bei psychischen Störungen von “Behinderungen” gesprochen, zum Beispiel bei Mutimus. DIGGA-Reporterin Milena hat sich in ihrem Buch “Ich kann nicht reden” intensiv mit mit dieser Störung beschäftigt. Die Art der Behinderung ihrer Protagonistin ist zwar erfunden, basiert aber auf zwei real existierenden Beeinträchtigungen: Mutismus und Tourette.

Auch Autismus wird oft als Behinderung gesehen, gehört aber eigentlich zum Spektrum Störung. Genauer gesagt: Eine Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung.

Heutzutage wird jedoch eher von „Menschen mit Beeinträchtigung“ als von „Menschen mit Behinderungen“ oder gar „Behinderten“ gesprochen, auch wenn der Sinn im Grunde genommen ähnlich ist. Doch leider hat sich die tatsächliche Bedeutung des Begriffs „Behinderung“ mit der Zeit gewandelt: Häufig wird er als Beleidigung verwendet, was selbstverständlich für die Betroffenen diskriminierend ist und verletzend sein kann.

Auch bei den Begriffen Integration und Inklusion gibt es Unklarheiten. Sie werden oftmals fälschlicherweise gleichgesetzt.

Bei der Integration geht es um eine homogene, bereits bestehende Gemeinschaft, in die eine kleinere, außenstehende Gruppe notdürftig eingebunden werden muss und letztlich dazu gezwungen ist, sich an das Mehrheitssystem anzupassen.

Quelle: Gemeinsam e.V. . de

Quelle: Gemeinsam e.V.

Die Inklusion wendet sich  ausdrücklich von der Zwei-Gruppen-Theorie ab. Sie geht von einer Heterogenität innerhalb der Gesellschaft aus und fordert, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen so flexibel sind, dass jedes Individuum mit seinen persönlichen Eigenschaften daran teilnehmen kann, ohne in eine Norm hineingezwängt werden zu müssen. Das Prinzip der Inklusion soll auch nach und nach an den öffentlichen Schulen eingeführt werden. Hierbei ist natürlich wichtig, dass genügend qualifizierte Lehrkräfte vorhanden sind, die auch darin geschult sind, mit allen Persönlichkeiten angemessen umzugehen und diese adäquat zu fördern.

Der Aktivist und Fernsehmoderator Raúl Krauthausen beschäftigt sich viel mit dem Thema Inklusion und setzt sich gegen Diskriminierung von Menschen mit Beeinträchtigung ein. Auf der Tincon beispielsweise machte er Jugendliche auf verschiedene Schimpfwörter und Beleidigungen aufmerksam.

Damit Inklusion in der Gesellschaft wirklich funktioniert, bedarf es immer des gegenseitigen Verständnisses aller Beteiligten, egal, ob sie nun behindert sind oder nicht.

Unsere DIGGA-Reporterin Laura hat sich mit der Gesellschaftlichen Akzeptanz von Menschen mit Behinderung in ihrem MSA beschäftigt. Sie findet: Solange wir Menschen mit Behinderung nicht als genauso „normal“ wie jeden anderen Menschen ansehen und auch so behandeln, kann man nicht sagen, dass diese in unserer Gesellschaft wirklich akzeptiert sind. 

Download (PPTX, 7.69MB)

Ein gutes Beispiel für gelungene Inklusion ist das Rollstuhlbasketballteam von ALBA Berlin, bei dem wir auch teilgenommen haben, um uns selbst besser in die Lage von Menschen hineinversetzen zu können, die körperlich behindert sind. Interessanterweise trifft dies aber gar nicht auf alle Mitglieder des Teams zu: Ein Großteil davon nutzt den Rollstuhl nur im Sport – und zwar nicht als Hindernis, sondern als Hilfsmittel.

Auch die Fernsehsendung “Fingerzeig” versucht, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung miteinander zu verbinden. Sie ist die erste deutsche Talkshow von und für überwiegend gehörlose Menschen. Die Sendung ist zusätzlich zur Gebärdensprache untertitelt und gevoict, sodass Hörende und Nicht-Hörende gleichermaßen den Zugang zu den Inhalten bekommen.

Letztendlich ist Inklusion das Ziel, dass alle Menschen miteinander und nicht aneinander vorbei leben. Genau das probieren wir auch mit DIGGA zu erreichen.

Konstantin gehört jetzt auch zur DIGGA-Redaktion. Zusammen mit Louisa, Ansumana und Baran hat er im Rahmen seines Praktikums einen Kurzfilm gedreht. “Malul” ist das persische Wort für Behinderung.

 

 

“Man sollte sich nicht unterkriegen lassen und es immer weiter probieren.”

 

Das Fazit des Filmes und Konstantins Lebenseinstellung. Damit schafft er es, alle Schwierigkeiten im Alltag zu meistern.

Da sollten wir uns mal eine Scheibe von abschneiden, oder?

 

An dieser Webreportage waren beteiligt: Konstantin, Milena, Laura, Linus, Louisa, Baran, Ansumana, Toni, Björn

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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