Kurzfilme – Das müssen wir uns jetzt selbst erklären

Ich habe mittlerweile verstanden, dass man bei Kurzfilmen die Botschaft selbst entschlüsseln soll. Genau wie man bei Kurzgeschichten zwischen den Zeilen lesen muss. Die Botschaften können sich überall verstecken – sei es in den unverständlichen Wortfetzen, die sich Dialoge nennen, endlos langen Standbildern oder Beautyshots, bei denen man den Kameramann mit der Tiefenschärfe hat herumexperimentieren lassen. All diese Charakteristika scheinen mir typisch für Kurzfilme, die man zurzeit bei den Festivals sieht. Schon wenn es in der Beschreibung heißt: „In ruhigen Bildern erzählt…“ weiß ich, was auf mich zukommt: Jene endlos langen Zeugnisse landschaftlicher Tristesse zwischen fragmentarischen Handlungsansätzen, die insofern zum Nachdenken anregen, als dass man ständig in andere Sphären abschweift, weil es einen so langweilt.

Bei den Q&A’s der Kurzfilme stehen besonders viele Menschen auf der Bühne

 

Gestern war ich nun in den K+ Kurzfilmen, die sich in erster Linie dadurch kennzeichnen, dass die Hauptdarsteller Kinder sind. Die Inhalte waren nämlich meiner Meinung nach auf die jüngere Generation nicht ideal zugeschnitten:

 

 

Film 1: Ein Mädchen lebt mit seinen Großeltern zwischen verregneten Reisplantagen. Der kettenrauchende Opa bekommt Lungenkrebs und schlachtet seinen Bullen. Die Oma stirbt.

Film 2: Zwei wortkarge französische Brüder bauen sich eine Hütte im Wald. Die Polizei geht auf Patrouille, aber nicht ihretwegen. Man erfährt nicht, warum sonst. Der Regisseur verkündete im Nachgespräch, es sollte eine ungewisse Bedrohung dargestellt werden.

Film 3: Ein Mädchen soll zwangsverheiratet werden und flieht.

Film 4: Ein Rentier und ein Mädchen laufen durch den Winterwald. Danach wird es wirr und fantastisch (im ursprünglichen Sinne). Es handelt sich um eine Animation.

Film 5: Ein etwa achtjähriges Mädchen überlegt, ob es lesbisch ist.

Film 6: Eine angelbegeisterte Pubertierende beginnt als Folge seltsamer Beleidigungen ihrer Brüder, an fremden Intimbereichen zu riechen und sticht sich mit dem Angelhaken ein Ohrloch, um nachzuempfinden, was Fische fühlen. Die Erfahrung hindert sie jedoch nicht daran, unbekümmert weiter zu angeln.

Tja.

Was wollen die audiovisuellen Kunstwerke uns mitteilen? Wollen sie uns berühren, schocken, provozieren, langweilen, mit der Realität konfrontieren? Einfach nur die Absurdität des Lebens zeigen? Oder die Absurdität der Visionen ihrer Regisseure? Vielleicht, einige jedenfalls. Doch das müssen wir uns jetzt selbst erklären.

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