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Die DIGGA-Redaktion spricht mit dem Internet-Experten Sascha Lobo und erfährt von ihm alles rund um das Thema: soziale Netzwerke

Das komplette Interview gibt es zum Nachlesen!

Milena (Moderatorin): Hallo, Sascha Lobo. Wir sind die Schülerredaktion von der Digga-Seite und haben gerade das Thema “Soziale Netzwerke”, dazu haben wir auch schon Straßeninterviews durchgeführt.

Sascha Lobo: Ich verstehe.

Milena: Ja, und deshalb freuen wir uns, dass wir dich als Fachmann hier zu einem kurzen Skype-Interview zu Gast haben.

Sascha: Sehr gut.

Milena: Okay, würdest du zum Beispiel, wenn du ein Kind hättest, ihm Facebook erlauben?

Sascha: Ja, wenn es älter als 13 Jahre ist, das ist ja das Mindestalter, laut Facebook zumindest, würde ich ihm das erlauben, da ich glaube, dass Soziale Medien eine wichtige gesellschaftliche Funktion haben. Ich würde dem Kind aber auf jeden Fall versuchen beizubringen, wie genau man die Sozialen Medien benutzt, was die Hintergründe davon sind, was man tun muss um sich weiterzubilden und fortzubilden, denn es ist ziemlich sicher so.

Milena: Und dürfte es auf Facebook alles machen, also dürfte es zum Beispiel Bilder von sich hochladen und alle Informationen preisgeben, die Facebook gerne hätte, die wollen ja am liebsten alles von einem wissen, zum Beispiel welche Filme man gesehen hat und welche Bücher man gerne liest, also, dürfte es das auch?

Sascha: Tatsächlich habe ich da eine These, und ich kenne mich nicht so wahnsinnig gut mit Kindern aus, da ich selber keine habe, aber meine These ist, dass die allermeisten jungen Menschen, und da möchte ich keine Altersgrenze sagen, viel cleverer sind als die Erwachsenen das so glauben. Und ich würde darauf setzen, soweit es möglich ist, muss man schauen, wie weit es möglich ist, dass ich eher dem Kind erkläre, was was für Folgen hat, als ihm einzelne Dinge von Vorneherein zu verbieten. Zum Beispiel so was wie Bilder von sich da hochzuladen. Da gibt es natürlich auch eine Grenze, zum Beispiel delikate Bilder in Sozialen Netzwerken, egal ob das Kind jetzt sehr jung ist oder schon selbst erwachsen, aber ich glaube, dass man viel, von dem was man dort tut, auch selbst versuchen muss zu erfahren und zu erproben, und dass es dafür aber absolut notwendig ist, dass man Hintergrundwissen hat.

Nika (Moderatorin): Was glaubst du, stellen die ganzen großen Firmen mit unseren Daten an, die so gesammelt werden?

Sascha: Man muss da differenzieren. Es ist ganz wichtig in dieser Diskussion rund um Daten, dass man eben nicht von den großen, bösen Firmen spricht. Es ist überhaupt nicht so, dass es nicht böse Firmen gibt, davon bin ich überzeugt. Aber in dem Moment, wo man sagt “oh, da ist die große böse Firma”, das ist ungefähr so, wie wenn man als Kind das Märchen hört vom großen bösen Wolf. Das ist irgendwie so etwas, vor dem man Angst hat, aber man weiß nicht genau, was und wie, und es ist ein kleines Rätsel und das führt nur dazu, dass man noch mehr Angst hat. Man muss sich genau angucken, was da passiert. Tatsächlich sind Daten der wichtigste Rohstoff der zukünftigen Wirtschaft. Das bedeutet, Datenverarbeitung und Datenweiterverarbeitung und auch die Kombination und Auswertung von Daten, ist etwas, daran wird man überhaupt nicht vorbeikommen. Und das machen nicht nur große, böse Firmen, sondern auch andere große, nicht ganz so böse Firmen, auch kleine, ganz liebe Firmen, und auch kleine böse Firmen. Das machen also im Prinzip alle Firmen.
Wenn man sich das vor Augen führt, dann ist es umso wichtiger, genau herauszufinden: Was passiert mit meinen Daten – und zu versuchen, auf eine politische Lösung hinzuwirken.
Viel wichtiger ist aber, vielleicht aus meiner Perspektive, dass wir die Gesellschaft da beeinflussen. Was brauchen wir dafür? Zum einen Transparenz – Gesetze, die Firmen dazu verpflichten, zu sagen, was passiert mit den Daten, und dann Usability, also Benutzbarkeit, die einfache Einstellbarkeit davon: Was darf mit meinen Daten geschehen, wer darf was mit meinen Daten tun – und wer eben nicht.

Milena: Und was würden Sie uns jetzt raten, als Kinder, wie wir uns im Internet bewegen sollten, damit unsere Daten sicher sind, weil sie meinten ja, dass wir das selbst entscheiden sollten, wie viel wir…

Sascha: Das Allerwichtigste für Kinder ist natürlich, zuallererst immer grundsätzlich in jedem Punkt auf die Eltern zu hören, weil die Eltern einfach am allerbesten auf der ganzen Welt Bescheid wissen, sich in jedem Detail auskennen und unbedingt immer wissen, was man – eh, das ist natürlich totaler Unsinn.
Ich glaube, was ihr zuallererst tun müsst, ist, euch zu bilden, euch selbst zu bilden, herauszufinden, was genau passiert dort? – mit anderen zu sprechen, und zwar sowohl mit Erwachsenen wie auch mit Gleichaltrigen, also so ein Gefühl dafür zu entwickeln, was dieses Wissen überhaupt bedeutet, was ihr da anhäuft, selber recherchieren, selber skeptisch sein gegenüber dem sowohl was ihr in der Zeitung lest, wie auch was Google und so reinschreibt, wie auch was so Leute irgendwie so dahersagen – da so ein eigenes Gespür zu entwickeln: Was passiert da? Möchte ich das? Was kann das für Folgen haben? Ich glaube dieses Rüstzeug ist das Allerwichtigste, was ihr braucht. Dass ihr dann gleichzeitig natürlich auch noch ein bisschen experimentiert, das kommt ohnehin. Dass ihr gleichzeitig auch noch einmal im Freundeskreis ein bisschen darüber sprecht – was ist sinnvoll, was macht Spaß, was ist nicht so – dass ihr da so einen Gruppenzwang und sozialen Druck verspürt, das kommt ohnehin von allein. Das Wichtigste ist, dass so viele Kinder und Jugendliche wie möglich Bescheid wissen – wie genau passiert dort was.

Milena: Okay.

Nika: Ja, dann danken wir dir für die Zeit, die du dir genommen hast, ja.

Milena: Gut dann, tschüss!

Nika: Tschüss!

Sascha: Bis bald!

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Written by Milena