Schule = Gefängnis? Milena erzählt von Frankreich

Der Schulalltag in Frankreich verläuft streng geregelt nach dem Motto „Gefängnis“.

Bist du einmal drin, kommst du nicht wieder raus.

Im Gegensatz zum Gefängnis ist es allerdings nicht nur schwer, wieder rauszukommen, sondern auch erst einmal absolut nicht leicht, überhaupt hineinzukommen. Das musst du aber, denn wer zu spät kommt, muss nachsitzen und/oder direkt zum Schulleiter, je nachdem, wie gut der Lehrer gelaunt ist.

Schon am Eingang der Schule stehen Wachtmänner, sogenannte Surveillants, die dazu gedacht sind, zu kontrollieren, wer das heilige Gebäude zu welchem Zeitpunkt betritt.

Das berühmte Carnet muss vorgezeigt werden, prüfend schauen sie dir in die Augen und vergleichen dein Gesicht mit dem Foto auf der Rückseite des Carnets, ob du auch der richtige Schüler bist und kein Schummler, der sich hineinschmuggeln will, um unverständlicherweise illegal vom fantastischen Unterricht auf Gesamtschulniveau zu profitieren. Glaubt man dir dann großzügig, dass du Schüler der Schule bist, darfst du rein, allerdings wirst du direkt auf den Schulhof verbannt, einer tristen Betonfläche von etwa 200qm, die durch einen 3 Meter hoch wirkenden Zaun von der Außenwelt abgegrenzt ist, damit auch bloß keiner auf die Idee kommt, überhaupt zu versuchen, auszubrechen. Fehlt nur noch der Stacheldraht.

Bei so gut wie jedem Wetter muss man auf den Schulhof und wenn es klingelt, dann heißt es, bloß keine Zeit zu verlieren; alle Schüler müssen sich in Zweierreihen aufstellen. Der jeweilige Lehrer holt seine Klasse dann persönlich vor Ort ab.

Am Anfang jeder Unterrichtsstunde wird der sogenannte „Appel“ gemacht – die Anwesenheitskontrolle. Dass die gemacht wird, wird natürlich wieder von den Surveillants durch ständiges Klopfen an der Tür kontrolliert, damit bloß keiner schwänzt.

Essen gibt es in Schichten, aus irgendeinem Grund scheint meine Klasse immer die letzte Schicht zu sein. Wieder in Zweierreihen und begleitet von mehreren Surveillants überquert man als Klasse die Straße zur Kantine, die sich arrogant „Schulrestaurant“ nennt. Beim Straße-Überqueren muss sich natürlich ein Surveillant in Hampelmann-Position mit wichtigtuerisch ausgebreiteten Armen auf die Straße stellen, damit die Schüler auch ja sicher in der Kantine ankommen, wo sie sich wieder ordentlich in einer Reihe zum Händewaschen aufstellen müssen, bevor die das heiß ersehnte, qualitativ sehr minderwertige Kantinenessen verspeisen dürfen.

Will man die Schule in der Mittagspause verlassen, um zu Hause zu essen, was ich als Entscheidung immer sehr befürworte, muss man natürlich erst beweisen, dass man dazu die Erlaubnis der Eltern hat. Genauso, wenn ein Lehrer krank ist, braucht man die ausdrückliche Erlaubnis, die Schule früher zu verlassen, sonst muss man in einem winzigen, überheizten Raum namens “Salle de Permanence” unter Betreuung von mindestens vier Surveillants (in jeder Ecke einer) absitzen. Das ist kein Spaß, das weiß ich aus Erfahrung.

Das war wieder mal ein kleiner Einblick in meinen Alltag hier… Kleine Weisheit: Man nehme alles mit Humor!

 

 

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