Situation der Näherinnen

Dass die Situation der Näherinnen in den Textilfabriken der Dritten-Welt-Länder nicht gerade großartig ist, wissen wir spätestens seit dem Einsturz einer Textilfabrik alle. Aber wenn wir dann bei Primark vor dem coolen Pullover oder dem wunderschönen Kleid stehen, das wir so lange gesucht haben und dass jetzt gerade mal 8€ kostet, haben wir das alles vergessen. Und selbst wenn wir uns sogar noch an den letzten Zeitungsartikel erinnern, in dem die grausamen Arbeitsbedingungen der Näherinnen beschrieben wurden – ein Teil mehr, dass man in den Billigläden wie H&M oder Primark (die ja auch leider immer die schönsten Sachen haben) kauft oder eben nicht kauft, verändert sowieso nichts an dem Gesamtproblem, dass es immer Menschen gibt, die immer und immer mehr Geld haben wollen und andere dafür ausbeuten.
Von den 2€, die man für ein Oberteil bei Primark nur opfern muss, bekommt die Näherin nämlich durchschnittlich nur 0,5 bis höchstens 3%. Das sind wenige Cents. Und wenn man sich überlegt, wie viel Arbeit es ist, ein qualitativ gutes Oberteil zu produzieren, ist es auf jeden Fall viel mehr wert als das. Und weil man ja nicht unnötiges Geld, Wasser und Zeit verschwenden will, werden die fertig produzierten Textilien nach der Produktion oftmals nicht einmal mehr gewaschen, bevor sie in den Laden kommen. Das kann man auch feststellen, denn wenn man einen besonders billigen Laden betritt, riecht man schon die giftigen Chemikalien überall.
Und das müssen die Näherinnen 7 Tage die Woche aushalten – offiziell zwar nur ca. 12 Stunden, aber auch 16 Stunden pro Tag an den Maschinen sind keine Ausnahme. In manchen Fabriken herrscht sogar Toilettenverbot, denn die Zeit drängt. Bei so einem Stress, den giftigen, ungesunden Stoffen in der Luft und den Hungerlöhnen wird man übrigens auch nicht sehr alt. Es sind Arbeitsbedingungen wie zur Zeit der Industrialisierung.
Vielleicht wäre ein Boykott der billigen Läden eine Lösung. Aber andererseits wären die ganzen Näherinnen dann arbeitslos und das wäre noch viel schlimmer. Was können wir also tun? Eigentlich ist das Wichtigste, dass wir erst einmal so viele Leute wie möglich auf dieses Problem aufmerksam machen, damit irgendwann vielleicht stärkere Kontrollen eingeführt werden, die aufpassen, dass alles in den Fabriken mit rechten Dingen zu geht. Die gibt es zwar jetzt schon, aber oft sind die Versprechen der großen Konzerne, dass sie selbst regelmäßig Kontrollen durchführen, nicht besonders glaubhaft. Und man sollte außerdem überprüfen, dass die großen Firmen nicht auf Subunternehmen, kleinere Unternehmen, ausweichen, die dann widerum nicht kontrolliert werden und in denen noch menschenverachtendere Bedingungen herrschen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.