Foto: Leonie Urbanczyk

Eine Recherchereise

Die Schüler*innen des Geschichtsleistungskures des Friedrich-von-Bodelschwingh Gymnasiums aus Bielefeld bewegen sich in den nächsten Tagen auf den Spuren der Friedlichen Revolution. Dafür reisen sie nach Leipzig und Dresden und schauen sich wichtige Orte der Revolution von 1989 wie die Nikolaikirche in Leipzig an. Unterstützt wird das Projekt von dem Institut für politische Bildung der Auslandsgesellschaft e.V. Der genaue Titel der Reise lautet:  „(Sonder-)Wege deutscher Geschichte. Eine historisch-politische Spurensuche zwischen Diktatur(en) und Demokratie(n)”.

Foto: Leonie Urbanczyk

Stadt- und Pfarrkirche St. Nikolai, Küster Matthias Müller

Der erste Tag startete mit der Anreise nach Leipzig. Nach der doch schlauchenden Fahrt ging es kurz auf die Zimmer und dann wieder nach draußen. 

Im leichten Nieselregen machte sich der Geschichtsleistungskurs auf den Weg zur Nikolaikirche. Für die Revolution am 9. November 1989 ist sie ein unglaublich prägender Ort, auch für Küster Matthias Müller. Er ist nicht nur der heutige Küster der Kirche, sondern auch gleichzeitig ein Zeitzeuge. Vor 30 Jahren war er ein Mitglied der Jungen Gemeinde und hat die Bewegungen rund um die Friedliche Revolution miterlebt. 

„An den Schnittstellen menschlichen Lebens ist die Kirche gefragt“

Foto: Leonie Urbanczyk

Stadt- und Pfarrkirche St. Nikolai

Der Baulärm vor der Kirche ist so laut, dass das eigene Wort nicht verstanden werden kann. Die Gerüste an der Kirche zeigen, dass sie von außen erneuert wird. Nachdem die Schülergruppe jedoch eingetreten ist, verändert sich der Blick. Der Baulärm, das Bohren und Hämmern der Maschinen, verklingen und ein warmes Licht empfängt einen. Die Kirche ist in rosa- und mintfarbenen Tönen gestaltet. Unterstützt wird dies durch zusätzlich angebrachte Lichtinstallationen. Aus den lauten Unterhaltungen ist ein Gespräch im Flüsterton entstanden. “Eigentlich kann das doch keine evangelische Kirche sein, dafür ist sie viel zu schön gestaltet.“, doch es handelt sich tatsächlich um eine evangelische Kirche. 

Sie steht aber nicht nur Christen zu Verfügung sondern jedem Menschen, der einen Ort der Ruhe braucht. Dass die Kirche für jeden zugänglich ist, zeigt sich auch am Namen. „Nikolai“ kommt von „Nikolaus“ und heißt so viel wie „Sieger ist das Volk“. Sieger waren auch die Bürger der DDR, die ohne  Gewalt, die Mauer zu Fall gebracht haben. Mit Parolen wie „Keine Gewalt“ und „Wir sind das Volk“ wurde in der Nikolaikirche der Gedanke einer friedlichen Revolution verkörpert. Statt Papier wurden diese Parolen jedoch auf Textil gedruckt, erzählt Matthias Müller. Somit seien die Texte unter das Kunstgewerbe fallen und wurden von der Zensur verschont. 

Nicht nur die Nikolaikirche sondern ganz Leipzig ist eine Stadt der Veränderung. Die Einführung der Reformation im Jahr 1519,vor 450 Jahren, die Völkerschlacht vor 176 Jahren und die friedliche Revolution vor 30 Jahren. 

Foto: Leonie Urbanczyk

Stadt- und Pfarrkirche St. Nicolai

Der Wille nach Frieden und Freiheit kam in Leipzig nicht erst Ende der 80er Jahre und schon gar nicht das erste Mal auf.  Schon am Anfang der 80er Jahre versammelte sich eine kleine an jungen Menschen um zu beten. Zehn Tage lang wurde dieses weitergeführt, doch damit endete es nicht. Bis heute werden die Friedensgebete jeden Montag um 17 Uhr in der Nikolaikirche ausgeführt. 

Genau damit endet auch die Führung des Küsters, es ist 17 Uhr und Zeit für das Friedensgebet. Für Matthias ist die Kirche sehr viel mehr als ein Ort um zu beten, für ihn ist sie ein Ort, wo Menschen aufbrechen würden und anderen Menschen Mut machen. 

„Die Kirche ist für die, die niemand haben will“ 

Nach der Führung erklingt immer wieder die Anmerkung dass sich Hunger breit gemacht hat, verständlich nach der Reise und der Führung, die hauptsächlich durch Zuhören geprägt war. Aus diesem Grund wird der Tag für beendet erklärt und die Schüler können sich in Leipzig nach einem geeinigten Abendbrot umschauen. 

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Written by Digga-Redaktion