DIGGA war auf der Grünen Woche!

Und so ist es gewesen: (—Achtung, Ironie—)

Die erste Station unseres  Abenteuertrips namens „Grüne Woche“ ist Brandenburg. Brandenburg liegt zwischen Schleswig-Holstein und Bayern, zumindest auf der Grünen Woche, seit irgendein überzeugter Gegner geographischer Standards beschlossen hat, die verschiedenen Messehallen nach Bundesländern zu benennen.

Wir sitzen also auf original brandenburgischen Bierbänken vom rbb, auf dessen mit Eigenwerbung beschmückter Bühne am laufenden Band journalistische Glanzleistungen präsentiert werden (Zitat: „Wie ist es für Sie, hier zu sein?“ –„Ja, ich freue mich wahnsinnig, hier sein zu dürfen.“) Der Rest der nur beschränkt mobilen Grüne-Wochen-Klientel, der sich hier auf den Bierbänken vielmehr unter als vor der Bühne versammelt hat, blickt andächtig gen Gipfel des Journalismus’ (rbb-Bühne) und klatscht verhalten ob des morgendlichen Spektakels, das sich ihm hier bietet.

Ein Altmänner-Blasorchester marschiert auf, es werden diverse Jagdsignale zum Besten gegeben; bei der Zugabe, dem sogenannten Hundeführerruf, ertönen handgemachte Pfiffe; mittlerweile klatschen über zehn Menschen und ein Lokalpatriot mit versoffenem Gesicht und geschecktem Vollbart singt mit Tränen in den Augen die Hymne von Brandenburg.

Im Anschluss daran tritt eine Dame mit ausladendem Gewand auf die Bühne und stellt sich als Kurfürstin von Oranienburg vor, woraufhin sie auch vom dauermotiviert frohlockenden Moderator konsequent als solche angesprochen wird.

Die Digga-Redaktion hingegen hat genug von solch albernen, niveaulosen Konversationen, deshalb begibt sie sich schleunigst wieder auf ihr Niveau und interviewt das Opfer der Maskottchen-Datenbank, ergo die Kurfürstin von Oranienburg, direkt, als sie von der Bühne tritt mit den Worten: „Wie stellen Sie es eigentlich an, in diesem Aufzug aufs Klo zu gehen?“ (Die Antwort werdet ihr übrigens bald in unserer audiovisuellen Reportage erhalten, wenn sie denn mal fertig geschnitten ist.)

Doch das Niveau steigt stetig und erreicht neue Sphären: Wenig später schon steht die Digga-Redaktion nämlich in Bayern und führt außerordentlich anregende Gespräche mit bierbäuchigen Repräsentanten des Trachtenvereins. Dank investigativen Journalismus’ ist bald enthüllt, wozu ein Trachtenverein eigentlich noch da ist, außer dass nostalgische Patrioten sich unter Gleichgesinnten ihre Lederhosen mit Starkbier bekleckern: Es können nämlich darüber hinaus traditionelle Tänze getanzt werden und kostenlos und ungestraft Damen betastet werden! Na, wenn das nicht ein Grund ist, dort einzutreten. Schließlich wird auch regelmäßig eine Dirndl-Königin gekrönt! Ein Event, das ein stolzer Bewunderer größeren Körbcheninhalts unter keinen Umständen verpassen darf!

Erfüllt von diesem bereichernden Interview begeben wir uns über Umwege in die Tierhalle, wo uns inmitten von Kühen, Pferden und anderem Getier eine reizende Dame das Konzept Massentierhaltung erklärt, ohne allerdings dieses Wort in den Mund zu nehmen. Stattdessen schildert sie mit scheinheiligem Zahnpastalächeln den Alltag einer ihrer Milchkühe („Nö, die kommen eigentlich nie aus den Stalllungen.“) Sebastian, unser Moderator, lässt sich nichts anmerken („Na, das klingt ja alles ganz positiv“) und lässt die Dame weiterhin in ihrem Glauben wähnen, der Irgendwas-mit-Medien-Jungspund würde beim Interviewen sowieso nur auf den Tonfall und nicht auf den Inhalt des Gesagten achten.

Manchmal jedoch ist genau das die einzige Möglichkeit, weiterhin auf den Interviewpartner einzugehen, zum Beispiel wenn es sich dabei um den Vertreter einer bayrischen Kapelle oder eines Alpakahofes handelt, der demzufolge seiner bayrischen Identität entsprechend redet. Teilweise verstehe ich als bemitleidenswerte Moderatorin kein einziges Wort und springe deshalb wild zwischen den Themen hin und her, um das Interview schnellstmöglich zu beenden.

Der Rest der Digga-Redaktion googelt währenddessen nach Übersetzern.

In der internationalen Halle schenkt uns ein nervöser Fertignudelverkäufer ein Päckchen Yum Yum, in Schleswig-Holstein testen wir Wasser in allen Variationen, gewinnen bei der Tombola eingeschweißte Würste und wärmen uns die Hände an der Kuh.

Nach einigen erfolglosen Versuchen, an den Ständen kostenlos größere Mengen an Nahrung zu erhalten („Wir sind von der Jugend-Redaktion DIGGA, dürfen wir was probieren?“), beschließen wir, uns etwas zu essen zu kaufen, doch Mitläufer-Betriebe wie Ditsch haben sich den restlichen Preisen der Messe angepasst und bieten jetzt ihre halbgaren Pizzazungen für 4 Euro an. In Ermangelung günstigerer Alternativen schlägt man zu.

Die Zeit rennt, wir schieben uns durch die Massen an trachtentragenden Tölpeln, die Speicherkarten füllen sich mit mehr oder minder brauchbarem Videomaterial, die Motivation sinkt. Bald schon sind wir wieder in Brandenburg und lassen den Tag ausklingen, indem wir unsere Technik zusammenpacken und uns auflösen.

Die Grüne Woche war mal wieder ein Heidenspaß!

 

 

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Written by Milena