Menschenmassen die sogar Berliner umhauen. Obwohl wir schon eine Millionen Stadt sind, in Hongkong gehen mittlerweile bis zu 1,7 Millionen Menschen auf die Straße. Einige tragen blutige Augenklappen und viele haben einen Regenschirm dabei. 

Die Welt schaut auf Hongkong. Nicht nur die Menschen vor Ort, international werden die Geschehnisse in der sieben Millionen Metropole aufmerksam beobachtet. Die Aufstände in Hongkong sind eines der aktuellen Themen im Moment. Mittlerweile haben fast alle mitbekommen, dass Hongkong in Aufruhr ist. Grund war ein neues Gesetze, das die Einwohner*innen Hongkongs auf die Straße getrieben hat. 

Demo Hongkong Vogelperspektive

Demonstration in Hongkong aus der Vogelperspektive

– Die Geschichte Hongkongs – 

Um nachvollziehen zu können, warum Teile der Bevölkerung gegen die Regierung demonstrieren, muss erstmal ein Blick in die Geschichte Hongkongs geworfen werden.

Hongkong wurde im Jahr 1843 eine britischen Kolonie und erlebte in dieser Zeit einen Wandel. Von einer unbedeutenden Stadt, hin zu einem wichtigen Dreh- und Angelpunkt in der Weltwirtschaft. In dieser Zeit lernten die Bewohner*innen die europäische Kultur und vor allem das demokratische System kennen. Knapp 155 Jahre später wurde Hongkong an den chinesischen Staat zurückgeben, jedoch mit einer Auflage: Hongkong erhielt bis 2047 eine wirtschaftliche, innenpolitische, soziale wie auch kulturelle Souveränität. Was beutetet, dass Hongkong in diesen Bereichen eigenständig ist. Damit gehört die Stadt zwar zu China, aber die Menschen leben unter einem anderen System. Dieses System beinhaltet sehr viel mehr Freiheiten. Man sagt auch:  „Ein Land – Zwei Systeme“

– Regenschirm Bewegung 2014 – 

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bevölkerung Hongkongs in Massen demonstriert. Die Älteren erinnern sich noch an die “Umbrella Movement” (Regenschirm Bewegung) im Jahr 2014. 

Damals wollte die chinesische Regierung mit einem neuen Beschluss den bzw. die Kandidat*in für den bzw. die Verwaltungschef*in in Hongkong festlegen. Mit diesem wäre der Bevölkerung Hongkongs das Recht auf freie Wahlen genommen worden, obwohl ihnen die 1997 bei der Übergabe zugesichert wurden. Das stieß vor allem bei Studierenden- und Bürgerrechtsbewegungen auf Unmut und löste die Demonstration aus.

Innerhalb von drei Monaten, vom 26. September bis zum 15. Dezember 2014 gingen schätzungsweise bis zu 100.000 Bürger auf die Straße. Bei den Zusammenstößen von demonstrierenden Menschen und der Polizei wurde seitens der Polizei Pfefferspray und Tränengas eingesetzt. Das Vorgehen führte zu einer Zunahme der protestierenden Menschen, die sich mit der Hilfe von Regenschirmen vor den Angriffen schützten. Dadurch wurde der Regenschirm auch das Symbol der Bewegung und führte zu dem Namen der Bewegung, „Umbrella Movement“.

– Proteste gegen Carrie Lam – 

Im Jahr 2017 sollte es eigentlich freie Wahlen für Hongkong geben, diese erfolgte jedoch nicht. Als Carrie Lam, zur neuen Regierungschefin gewählt wurde kamen innerhalb der Bevölkerung Proteste auf. Der eigentlich bei der Bevölkerung beliebtere Finanzminister John Tsang bekam nur knapp ein Drittel aller Stimme. Die Rufe nach Wahlbetrug wurden lauter, vor allem da die neue Regierungschefin die Wunschkandidatin Pekings war. Zudem hatte die Bevölkerung kaum einen Einfluss auf den Ausgang dieser Wahl. Die Regierungschefin wurde somit nicht von der Bevölkerung sondern von einem Wahlkomitee gewählt, dass sich eher auf die Seite Pekings und somit gegen die Autonomie Hongkongs stellt.

– Heutzutage; die Proteste 2019 – 

Auslöser der momentanen Proteste war das sogenannten Auslieferungsgesetze, das die Regierungschefin Lam durch das Parlament bringen wollte. Es besagt, dass verdächtige Personen an China ausgeliefert werden und somit auch vor ein chinesische Gericht gestellt werden können. Die Demonstrierenden befürchten, dass die Autonomie, also die Selbstständigkeit Hongkongs beeinträchtigt wird.

Straße mit Demonstranten

Demonstrierende in Hongkong

Die zunächst friedlichen Proteste wurden schon nach kurzer Zeit immer gewaltvoller. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Menschenmassen ein. Auch nach dem im Juli das Auslieferungsgesetz von Lam erstmal auf Eis gelegt wurde, ebbten die Proteste nicht ab. Die Demonstrierenden fordern, dass sie den Gesetzesentwurf komplett zurücknimmt.

So wurde Anfang August der Betrieb des Flughafens in Hongkong für zwei Tage unterbrochen, da die demonstrierenden Bürger das Gebäude besetzt hatten. Immer mehr Menschen gehen auf die Straße nicht mehr nur wegen des Gesetzes. Die Forderungen nach einer wirklich freien Wahl und Demokratie werden immer lauter, die Demonstrant*innen dafür aber auch immer friedlicher. Sie möchten der Regierung zeigen, dass es auch ohne den Einsatz  von Tränengas und Gewalt geht. So kam es am Wochenende rund um den 17. August zum ersten Mal seit Monaten, zu Demonstrationen ohne den Einsatz von Gewalt, Tränengas und Verhaftungen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen zeigten dass friedlich protestieren geht.

Die chinesische Regierung in Beijing macht es nicht besser, sie versuchen den Demonstrant*innen Angst zu machen. Sie veröffentlichten ein Video, das zeigt wie das Militär ein Anti-Krawall-Übungen macht. Die Aufnahmen, sind vermutlich in der Region gefilmt worden und zeigen bewaffnete Truppen, die sich von Hubschraubern abseilen und durch die Straßen in die Häuser der Menschen schießen.

Ich hoffe, dass in Hongkong sich alles wieder beruhigt. Ich will, dass die Straßen wieder sicher sind und dass niemand mehr verletzt wird. Den ich liebe meine Heimat. 

Text: Saskia

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Written by Digga-Redaktion