Ein Kommentar.

Vor nun mehr als einem Jahr haben wir uns mit der der online Videoplattform YouTube auseinandergesetzt. In unserer dazu erschienen Webreportage ließen wir sowohl YouTuber, als auch ihre Community zu Wort kommen und gaben dadurch einen kleinen Einblick in das YouTube-Universum mit seinen guten aber auch schlechten Seiten. In einem Jahr kann viel passieren und so hat sich auch YouTube verändert.

Während damals noch hauptsächlich Beauty-Videos und Hauls (Produktempfehlungen) angesagt waren, finden sich heutzutage hauptsächlich sogenannte Pranks (Prank=Streich) in den YouTube-Trends. Durch nackte Haut, rote Kreise und provokante Überschriften machen die Creator auf ihr Video aufmerksam. Das Ganze funktioniert; diese Videos werden tausendfach geklickt und manche YouTuber scheinen so über Nacht berühmt zu werden. Sie passen ihre Videos voll und ganz den Wünschen des Zuschauers an, um möglichst viele Klicks und entsprechend viel Geld zu bekommen.

Vor einigen Jahren sah das noch ein bisschen anders aus. Die YouTuberin „Coldmirror“ , auch Kaddi genannt, betreibt ihren Kanal, auf welchem sie beispielsweise Synchronisationen, bevorzugt von Harry Potter, und Animationen hoch lädt. Sie ist nun seit fast zehn Jahren dabei und konnte so die Entwicklung der Plattform mitverfolgen. Kaddi ist eine der Personen, die kein Geld mit ihren Videos verdienen, da sie sich nicht an dem YouTuber-Partner-Programm beteiligt. Sie nutzt YouTube als Plattform, um ihrer Kreativität freien Raum zu lassen. Sie meint, dass alles inzwischen professioneller geworden sei und auch die Gedanken hinter der Videoproduktion andere wären. „Man sollte vielleicht Videos machen, nicht mit dem Wunsch bekannt zu werden, sondern einfach mit dem Wunsch: Ey, ich mach jetzt mal ein geiles Video.“ Zwar gibt es noch einige Creator mit diesem Wunsch, allerdings werden diese Videos seltener geklickt, gelangen also nicht auf die Startseite und gehen dadurch unter.

Ein weiterer YouTuber, der den gleichen Gedanken wie Coldmirror verfolgt, ist der selbsternannte Heimwerkerking Fynn Kliemann. Er baut in seinen Videos die verrücktesten Geräte, beispielsweise eine Eierverschenkmaschine. Zudem schaltet er keine Werbung vor seinen Videos und verdient dadurch ebenfalls kein Geld, sondern hat zusätzlich einen ganz normalen Job. Auch für ihn ist es wichtig, die Videos so zu produzieren, dass er Spaß daran hat. Er beachte dabei auch keine  Klicks oder Statistiken. Für ihn ebenfalls wichtig: nicht das machen, was alle anderen machen oder haben wollen, wie er bei seinem Vortrag auf der Tincon (teenage internetwork convention) erzählt: „Guckt euch nicht irgendwas an, was andere gemacht haben und gründet den dreißigsten Beautychannel oder den dreitausendsten, sondern macht irgendwas Uniques.“

Aber warum entschließen sich trotzdem die meisten gegen diesen Weg? Ist daran nur das Geld schuld, oder spielen auch andere Faktoren eine Rolle? Woher kommt diese Anpassung?

Robin ist Betreiber des Kanals „RobBubble“ und lädt auf diesem unter anderem YouTube bezogen, satirische Beiträge hoch. „Mit der Zeit ist YouTube gewachsen. Es kamen andere Mainstream Bewegung nach und nach auch auf YouTube und dieser Nerdkosmos, dieser kleine Kosmos, wird immer kleiner auf der Plattform“, sagt er. Früher hätte diese Gruppe die Seite beherrscht, aber nun hätten auch andere Leute mit anderen Interessen die Seite entdeckt und bevorzugen dementsprechend anderen Content.

Marie Meimberg, die wir bereits vor einem Jahr interviewten, ist auch der Meinung, dass YouTube wie alle anderen Märkte funktioniere. Sie betont, dass die Community natürlich einen immensen Einfluss auf den jeweiligen YouTuber habe. Wenn sich also die Community dazu entschließen würde, keine Pranks mehr zu schauen, dann würden die Klickzahlen runtergehen und die, die mit YouTube ihr Geld verdienen, müssten sich was anderes überlegen. Es fänden sich nur leicht bekleidete Frauen auf den Thumbnails, weil die Zuschauer darauf ansprengen.

https://soundcloud.com/diggaberlin/marie-meimberg

Wir haben nun bereits festgestellt, dass die meisten YouTuber sich ihren Fans anpassen – manche stärker und manche schwächer. Dabei sollte aber nicht stumpf beleidigt, sondern konstruktive Kritik gegeben werden – solche Kommentare nehmen die YouTuber viel eher ernst. Mitdenken ist das Stichwort, wie auch Manniac meint. Die Zuschauer dürfen nicht immer alles einfach so hinnehmen.

https://soundcloud.com/diggaberlin/manniac

Ich selbst finde das Verhalten einiger YouTuber durchaus bedenklich, wie beispielsweise das des YouTubers Mert Matan. In dem sogenannten „Gay Prank“ gibt er vor seinem Vater vor, schwul zu sein, woraufhin dieser anfängt auf ihn einzuprügeln. Ein solches Video bekräftigte Menschen mit homophoben Ansichten in ihrem Denken und Handeln. Die Community muss sich gegen die Verbreitung solcher Messages wehren. Das ist keine Meinungsäußerung, sondern Diskriminierung.

Letztendlich hat nur die Community die Macht, YouTube wirklich zu verändern – ob im positiven oder negativen Sinne.

 

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Written by Laura