Ischwör, das is escht! – Scripted Reality

Kennt ihr das? Ihr habt des Nachmittags nichts mehr oder weniger Sinnvolles zu tun und schaltet aus diesem Grund die heimische Flimmerkiste ein. Die Programme, die euch dort entgegenwehen, tragen Titel wie „Mitten im Leben“, „Mein dunkles Geheimnis“, „Berlin – Tag und Nacht“ oder „Richterin Barbara Salesch“. Alle diese Formate haben etwas gemeinsam: Sie sind zwar realistisch inszeniert, ihre Inhalte jedoch entspringen den Köpfen von Autoren. („Ist diese Geschichte wahr oder haben sich unsere Autoren nur einen Scherz erlaubt?“ – Jonathan Frakes)

Dies nennt sich Scripted Reality und ist ein verbreitetes Phänomen im deutschen Privatprogramm. Große Produktionsfirmen aus dieser Branche sind zum Beispiel Filmpool. Filmpool zeigt sich verantwortlich für „Berlin – Tag und Nacht“, „X-Diaries“, „Verdachtsfälle“ et cetera. Sie produzieren für RTL, Sat.1 oder Pro7. Scripted Reality erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit – aber was ist das eigentlich?

Ganz einfach: Scripted Reality bezeichnet diese Art von Fernsehsendungen, in denen fiktive Handlungen als möglichst realistisch dargestellt werden. Dies kann man durch Bauchbinden und Einspielen von Off-Texten, aber auch durch die Darstellung und die Kameraführung erzeugen. Mithilfe von wenigen Schnitten und minimaler Videobearbeitung kann man im Nachhinein den Schein der Spontanität herbeiführen.

Ebenfalls hilfreich dafür: die Interviews mit den Protagonisten, die in regelmäßigen Abständen eingeblendet werden. Diese nämlich lassen die gescripteten Szenen ähnlich einem Bericht oder einer Reportage scheinen, vor allem in Kombination mit den besagten Bauchbinden („Maria Amjad (53), isst zur Not auch Klopapier“).

Manche Macher von Scripted Reality, hier explizit Doku-Soaps, beziehen aber auch real existierende Personen ein, die so dadurch in ihrem Privatleben großen Schaden erleiden können. Dies ist nicht erst seit dem „Verafake“ des Moderators Jan Böhmermann bekannt, die Plattform Fernsehkritik-TV berichtete schon vor Jahren über den „Skandal um Schwer verliebt“, wobei sie Kandidaten der Sendung interviewten.

Auch wir bei Digga beschäftigten uns mit dem Thema Scripted Reality, betrachteten dabei allerdings nicht Beispiele wie die Sendung „Schwer verliebt“ oder „Schwiegertochter gesucht“, sondern das RTL 2-Erfolgsformat „Berlin – Tag und Nacht“, welches eine enorme Bekanntheit erlangte. Daraus entstand unsere Parodie mit dem Titel „DIGGA Tag ohne Nacht“.
Beim Machen dieses Videos war es uns wichtig, nicht nur Inhalte oder Charaktere vom Original zu übernehmen, wir kopierten darüber hinaus auch so gut wie möglich den filmischen Stil und kleine Details, zum Beispiel auch die wackelige Kameraführung, die den Charakteren ständig hinterherläuft. Denn sonderlich professionell gedreht ist „Berlin – Tag und Nacht“ nicht, so sieht man häufig Menschen und Objekte im Bild, die da eigentlich nicht zu sehen sein sollten. Auch, was das Zensieren von Flüchen oder Beleidigungen angeht, ist die Sendung sehr schmerzfrei und – wenn sie denn mal ein F-Wort wegpiept – oft auch sehr ungenau.

Den Text für die Parodie schrieb Milena, inspiriert durch tatsächlich existierende Dialoge und Handlungen im Original, auch den Slang, den man ja meist automatisch schon mit Formaten wie diesen assoziiert, versuchten wir zu kopieren. (Wie wir manche Worte auszusprechen hatten, stand auch in Milenas Skript, und es ist unfassbar lustig, wie manche dieser Worte geschrieben aussehen.)

Wir haben auch sowohl bei RTL, als auch bei RTL 2 und Filmpool für ein Interview mit einem Experten angefragt, eine Antwort haben wir jedoch leider nicht bekommen.

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