Streitthema Kreuzfahrt- Ist der Spaß das Risiko wert?

Dieser Beitrag befasst sich mit den Vor- und Nachteilen des Kreuzfahrens. Als Autorin habe ich auch meine eigenen Überzeugungen einfließen lassen.

Hurricane Matthew wütet auf Haiti, alles liegt wieder in Schutt und Asche, noch dazu kommt die mögliche Gefahr durch eine Cholera Epidemie. Kein schöner Anblick als Tourist. Doch ist das wirklich der einzige Grund, eine solche Reise nicht anzutreten?

   Geschichte und Arten der modernen Kreuzfahrt

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Strand einer Insel in der Karibik

Die ersten Kreuzfahrten begannen im Jahr 1844. Das Unternehmen Peninsula and Oriental Steam Navigation Company bot Luxuskreuzfahrten zwischen England, Gibraltar, Malta und Athen an. In Deutschland startete der Boom mit der Serie “Das Traumschiff” vom ZDF, die seit 1981 ausgestrahlt wird. 2011 fuhren bereits 1,81 Millionen Deutsche pro Jahr auf Kreuzfahrt.

Es gibt mittlerweile sechs verschieden Unterarten der Hochseekreuzfahrt.  Die beliebtesten sind das sogenannte “Fun- Cruising”  auf Megaschiffen. Solche Kreuzfahrten sollen vor allem Unterhaltung und Spaß für die gesamte Familie bieten, deswegen gibt es an Bord auch Theater, Pools und Betreuungseinrichtungen für Kinder. In Deutschland ist die bekannteste solcher Cruise Lines die  AIDA.

Dann gibt es noch das “klassische” Kreuzfahren, bei dem das Ziel ist, sich mit Hilfe von Yoga vollkommen zu entspannen. Um das Nachtleben eines Landes kennen zulernen bucht man eine sogenannte “Billigkreuzfahrt”, die nahezu von jeder Reederei angeboten wird. Mit einer “Themenkreuzfahrt” wird eine Reise gebucht, die ganz nach einem bestimmten Motto gerichtet ist, beispielsweise Elvis Presley oder Thailand. Um keine kulturellen, historischen und geographischen Sehenswürdigkeiten zu verpassen, sollte sich einer “Studien- oder Expeditionskreuzfahrt” angeschlossen werden. Diese verkehren mit besonders ausgestatteten Schiffen sogar im Polarmeer.

Positive und negative Aspekte der modernen Kreuzfahrt

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Frachtschiff im Hafen von Belém, Brasilien

Soll man sich jetzt über die Flexibilität einer solchen Reise freuen oder besorgt den Kopf schütteln? Ist es in Ordnung, sich über die Aussicht vom Schiffsbalkon zu freuen? Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung lässt sich bei gutem Essen und dem Blick auf das schier endlose Meer vieles ausblenden. Selbst wenn an Land gegangen wird, gibt es keinen Scham oder Entsetzen über das Auftreten gegenüber der Bevölkerung. Auch über Ausbeutung wird nicht nachgedacht. Dafür ist die Neugier zu groß. Auch der hohe Schadstoffaustoß wird erst wieder bewusst, wenn an dem gigantischen Schornstein vorbeigegangen wird. Eine Studie des Deutschen Naturschutzbundes (Nabu) besagt, dass deutsche Schiffe weitaus umweltschonender als ihre Schwestern aus den USA sind, dennoch sind Umweltschützer unzufrieden. Viele der riesigen Schiffe fahren noch mit dem billigen Schweröl, statt mit dem weitaus umweltfreundlicherem Marine Diesel. Im Falle eines Ölverlustes sind uns die Folgen für Flora und Fauna durch diverse Schiffsunglücke von zum Beispiel Frachtschiffen gut in Erinnerung. Für die Umweltschutzmaßnahmen in der Schifffahrt  und die Regelung der Gesetze in internationalen Gewässern ist die Internationale Marine Organisation (IMO) zuständig. Sie ist die maritime Abteilung der Vereinten Nationen.

Viele Reisende möchten auf einer Kreuzfahrt mehr über die Kultur und die Menschen eines Landes erfahren, das fördert die Völkerverständigung und den Frieden. Das ist der Plan, doch häufig ist das genaue Gegenteil von Völkerverständigung und Frieden das Fazit einer solchen Erfahrung. Auf beiden Seiten werden die Vorurteile größer, die Traditionen werden abgeschafft und die Ursprungskultur durch unsere Westliche ersetzt. Natürlich werden auch Freundschaften geschlossen und Kulturen unterstützt, aber das ist leider eher selten der Fall.

Auch das Geld der Passagiere ist für die Einwohner des Landes Gift. Wird in dem Land eingekauft, erhöht sich der Wert der Dinge die gekauft werden, denn der Verkäufer möchte von dem Kaufandrang profitieren. Das tut er indem er für das Gekaufte den Preis erhöht und das wiederum schadet den Anwohnern, die sich das dann nicht mehr leisten können.

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Sonnenuntergang in Norwegen

Kreuzfahrten haben selbstverständlich auch Gutes, aber die Umwelt-, die Ökonomischen- und die Soziokulturellen-Auswirkungen dürfen nicht vergessen werden. Persönlich habe ich schon mehrere Kreuzfahrten unternommen und dabei fast immer nur positive Erfahrungen gemacht, ich hege und hegte auch vor den Reisen keinerlei Vorurteile gegenüber den Menschen, die in den Ländern leben, die wir anliefen. Auch sie waren immer freundlich und ehrlich.  Die Schiffe, die eine Kreuzfahrt veranstalten, sind oftmals mittelschwere Umweltkatastrophen, aber das macht deren Passagiere nicht pauschal zu Umweltgegnern und schlechten Menschen.

Mein Fazit ist, dass die Choleragefahr und der Hurricane nicht die einzigen Gründe sind, auf eine Reise zu verzichten, aber Haiti aufgrund der Wirtschaftslage sowieso kein optimales Ziel ist. Der Spaß und das Risiko hängen auch immer vom Ziel der Reise ab.



Berlin ist Berlin

Carolina kommt aus Panamá und verbrachte ein paar Wochen in Berlin. Die Eindrücke ihres ersten Tages hat sie hier festgehalten. Den spanischen Originaltext könnt ihr hier nachlesen. 

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Wenn wir in Lateinamerika an Berlin denken, kommt uns als erstes die  Geschichte in den Sinn, aber wir haben keine Ahnung von den Menschen und deren Alltag dort. Als ich meine Reise nach Berlin vorbereitete, hatte ich also keine Vorstellung davon, wie es hier sein könnte. Ich vermutete, dass Berlin ähnlich wie Hamburg sei, schließlich sind beide die größten Städte Deutschlands. Aber ich irrte mich.

Ich begann meinen Stadtrundgang um 11.30 Uhr mit einer Stadtkarte und meinem Handy in der Hand. Mein erster Halt war natürlich der “Alexanderplatz”. Als ich aus der U-Bahn stieg, fühlte ich, dass die Stimmung anders war – ich sah sehr beschäftigte Leute, die von einem Ort zum anderen eilten.

Brunnen am Alexanderplatz

Brunnen am Alexanderplatz

Ich verließ den Bahnhof und befand mich auf einmal unter vielen Verkäufern, die Essen oder Souveniers auf der Straße verkauften. Es war ein sonniger Tag, ich lief ein bisschen weiter, bis zu einem großen Brunnen. Um ihn herum saßen viele Menschen: Ein paar von ihnen ruhten sich mit ihren großen Tüten vom Einkauf aus, andere aßen mit ihren Freunden zusammen und lachten.

Weltzeituhr

Die Weltzeituhr zeigt auch die Uhrzeit in Panamá an

 

Ich überquerte die Straßenbahnschienen und stand vor der großen Weltzeituhr. Ich freute mich sehr, als ich Panamá dort entdeckte und im Hintergrund erhob sich der beeindruckende Fernsehturm.

 

Später fuhr ich mit der Sbahn zum Brandenburger Tor, wo ich mich wieder zwischen vielen Touristen mit ihren Kameras befand, die ein Foto nach dem anderen knipsten.

Brandenbruger Tor

Die Spitze des Brandenburger Tors

Ich fühlte mich sehr sicher. Es war ein beeindruckendes Bauwerk, jedes Mal, wenn ich mich näherte, konnte ich mehr Details erkennnen.

Der Platz war voller Menschen, die Stadtrundgänge zu Fuß, mit dem Bus, dem Fahrrad und sogar Pferdekutschen anboten.

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Pferdekutschen für Berlin – Touristen

 

 

Ich beschloss weiter zu gehen und zu sehen, was es hinter diesem großen Tor gab. Also folgte ich anderen Touristen und sah nur eine große Straße, die von vielen Bäumen umgeben war.

ich bemerkte die vielen Menschen, die zu einem kleinen Park strömten. Neugierig folgte ich ihnen und Überraschung: Ohne es geplant zu haben, befand ich mich vor dem deutschen Parlament (Reichstag), mit der gigantischen Deutschlandfahne, daneben die der Europäischen Union. Die Touristenströme nahmen nicht ab, sie hörten nicht auf, Fotos zu machen.

Haus der Kulturen der Welt

Das Haus der Kulturen der Welt

Das Haus der Kulturen der Welt war nicht weit und so beschloss ich, es auch zu besichtigen. Die Statue in dem See vor dem Gebäude war wundervoll.

 

 

 

 

Ich wollte den Tag nicht beenden, ohne ein Stück der Berliner Mauer gesehen zu haben, also suchte ich auf meinem Handy die nächste S-Bahn oder U-Bahnstation, um mein Stück Mauer zu finden. Die Suchmaschine schlug mir die Station “Nordbahnhof” vor, wo ich nach einer kurzen Weile die Berliner Mauer Gedenkstätte fand. Dort fanden gerade einige Exkursionen für Studenten statt.

Holocaustdenkmal

Holocaustdenkmal

Nach sechs Stunden laufen beschloss ich, meinen ersten Tag in Berlin mit der Holocaust Gedenkstätte zu beenden. Ich verlief mich ein paar Mal und fand es schließlich in der Nähe des Brandenburger Tores. Viele Menschen, vor allem Jugendliche, saßen auf den Steinen verteilt und Touristen schossen Fotos, während sie um die Steine liefen.

 

Latinos in Berlin.

Ein spannender Tag geht zu Ende, Berlin hat viel zu bieten: Bauwerke, Menschen, vor allem Touristen. Auf meinem Rundgang traf ich auch ein paar andere Menschen aus Lateinamerika und Spanien, die mir von der Stadt vorschwärmten.

Yolanda, Katya und Daniela aus Peru

Yolanda, Katya und Daniela aus Peru

Yolanda, Katya und Daniela.

Perú

Yolanda kommt aus Perú und lebt seit vielen Jahren mit ihrem Mann in Berlin. Für sie ist Berlin eine multikulturelle und historische Stadt und hat viele Dinge zu bieten. Gerade hat sie zwei Freundinnen aus Perú zu Besuch. Ihre Freundinnen sind von der schönen Stadt begeistert, ihnen gefallen besonders die spannenden Museen.

Bella und Beatriz, Architekturstudentinnen aus Spanien

Bella und Beatriz, Architekturstudentinnen aus Spanien.

Bella und Beatriz

Spanien

Die beiden sind für zwei Tage iin der Stadt. Sie studieren Architektur in Spanien und wollen die Berliner Architektur kennenlernen. Ihnen gefallen besonders die Museumsinsel und die goldene Statue.

 

Fauren aus Kuba  wohnt nun seit 34 Jahren in Berlin und ihm gefällt die Stadt sehr. Für ihn ist Berlin eine sehr touristische Stadt, die Sprache sehr schwierig aber das hindere ihn nicht daran, hier zu arbeiten.

Jerry aus Costa Rica

Jerry, Berlin-Stadtführer aus Costa Rica

Jerry

Costa Rica

Jerry lebt seit 15 Jahren in Berlin. Seine Frau ist Deutsche und er mag die Stadt. Er arbeitet als Stadtführer. Jerry hat den Eindruck, dass die Geschichte der Mauer für die Touristen am spannendsten sei und seit der Fußball-Weltmeisterschaft noch mehr Touristen in de Stadt kämen.. Allerdings findet er, dass die Menschen hier manchmal ein wenig hart seien und auch die Pünktlichkeit kann für Ausländer schwierig sein.

Alan aus Mexiko wohnt seit drei Jahren in Deutschland. Hier könne er bequem leben. “Berlin ist eine multikulturelle Stadt”, sagt er, aber “Berlin ist nicht Deutschland, Berlin ist Berlin.”

 



Meine Entscheidungen

Ich treffe oft Entscheidungen, aber immer unterschiedlich. Entweder spontan, wenn mich etwas ziemlich reizt, oder aber im Kopf, wenn ich länger darüber nachdenke. Das heißt, wenn es schnell gehen muss, treffe ich Bauchentscheidungen.

Mein Name ist Janusch, ich bin 15 Jahre alt. Ich gehe in die 9. Klasse der Rudolf-Steiner Schule in Berlin-Zehlendorf.

Ich möchte gerne Jura studieren und/oder eine Ausbildung zum Fotografen machen. Jura interessiert mich sehr, da ich eventuell Anwalt werden möchte. Mich interessieren die Hintergrundgeschichten der Mandanten. Fotografie ist ein Hobby von mir ist und macht sehr viel Spaß, weil man besondere Momente gut festhalten kann.

Außerdem denke ich, dass ich in 15 Jahren eines dieser beiden Sachen zu meinem Job gemacht haben werde. Ich werde mir außerdem mit meinem Kumpel eine Wohnung teilen. Ich würde auch gerne eine Familie haben, aber noch nicht in diesem Zeitraum.

Eine lebensverändernde Entscheidung und – meiner Meinung nach – eine meiner besten Entscheidungen habe ich getroffen, als ich entschied, ein halbes Jahr nach Russland zu gehen. Dieses Halbjahr hat mich erwachsener, nachdenklicher und selbstständiger gemacht, als es hier in Deutschland geht, da ich hier meine Familie habe und dort alles selbst organisieren musste.

Außerdem war eine meiner besten Entscheidungen mir von meinem Geld ein Longboard zu kaufen, denn seitdem bewege ich mich eigentlich nur noch mit meinen Boards und so mache ich gleichzeitig noch viel mehr Sport.

Ich werde noch viele verschiedene Entscheidungen treffen wie z.B. ob ich studieren werde oder eine Ausbildung mache, ob ich weiter Fußball spiele, weiter Cello spiele oder sonst etwas.

Bei euren Entscheidungen solltet ihr in euch gehen und gucken, was ihr wirklich wollt. Denn auch wenn eure Freunde euch etwas anderes sagen, ist das wichtigste, dass die Entscheidung euch gefällt. Und wenn es das nicht tut, war es keine gute Entscheidung. Also ist mein Tipp: Hört noch einmal in euch rein und nehmt euch Zeit zum Nachdenken. Wenn die Entscheidung von Herzen kommt, ist sie auch gut.



Entscheidungen des Lebens – Schwierigkeiten im Leben eines Jugendlichen

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Jeder Mensch  ist anders.

Die Berufswahl, die Studienwahl. Was esse ich zum Mittag oder zu welcher Party gehe ich. All das sind Entscheidungen und vor solchen stehen wir alltäglich. Ob auf der Arbeit, in der Schule oder zu Hause, Situationen bei welchen wir uns zwischen verschiedenen Dingen entscheiden müssen gibt es unendlich viele.

In verschiedensten Medien, wie z.B. Filmen, wird diese Thematik präsentiert.

Eines meiner Lieblings-Beispiele ist der Film „Matrix“  bei welchem die Menschheit in einer Computersimulation lebt. Die erste Matrix war ein Utopia, doch die Menschen bemerkte die irreale Umgebung. Warum? Weil die Menschen keine Entscheidungen treffen durften. Deswegen ist die Matrix in der der Film spielt auch der realen Welt nachempfunden bei der wir es ja gewohnt, dass uns eine Wahl gestellt wird.

Wie geht es uns Jugendlichen dabei? Wie entscheiden wir uns? Warum so?

Das möchte ich herausfinden.

Was weiß ich über mich?

Ich bin 15 Jahre alt und gehe in Berlin zur Schule. Um genau zu sein auf ein Gymnasium.

Mein Interessenfeld ist vielfältig: Zeichnen, Filme, Fotografie, die Psyche des Menschen, Geschichte, Naturwissenschaften, Artikel wie diesen schreiben.

Doch was ich später für einen Beruf ausüben möchte? Keine Ahnung.

Das gleiche Phänomen beobachte ich bei meinem Bruder. Abitur mit 1,4 bestanden, Interessenfeld Naturwissenschaften, doch was er studieren will, weiß er auch nicht.

Ist es denn wirklich so schwer nach 12 Jahren Schule und 18 Jahren Lebenserfahrung einfach zu sagen: „Das studiere ich und den Beruf möchte ich ausüben!“ ?

Anscheinend schon.

Auch mein Kollege Janusch hat große Schwierigkeiten, sich zu entscheiden. In seinem Artikel “Meine Entscheidungen” erinnert er sich an die besten Entscheidungen, die er zuletzt getroffen hat – die hatten zwar nicht wirklich was mit seiner Karriere zu tun, haben ihn aber in seinem persönlichen Leben weiter gebracht.

Aber wie kommt es zu einer “lebensverändernden” Entscheidung?

Entscheiden wir nur rational oder nur nach Gefühl?[1]

Weder noch. Wir denken natürlich schon über verschiedene Möglichkeiten nach, vor allem wenn es um teure Anschaffungen geht, aber häufig entscheidet dann doch das Gefühl.
Bei einem neuen Auto entscheiden sich viele für die Marke welche Verwandte haben. Warum sollte ich eine andere Marke nutzen wenn mein Vater seit vielen Jahren ohne Probleme mit dieser Marke fährt?!

Sind unsere Entscheidungen beeinflussbar?[2][3]

Natürlich. Habt ihr euch schon einmal gefragt warum ein Supermarkt genau so eingerichtet ist wie er es ist? Auf Augenhöhe ist der teuerste Preis, dieser fällt uns sofort ins Auge und wir greifen zu.
Auch bei der Berufswahl kann das passieren. Elterliche Betriebe bzw. der Beruf eines Elternteils können übernommen werden.

Auswirkungen von Entscheidungen

Im Buch „Die 6 wichtigsten Entscheidungen für Jugendliche“ (von Sean Covey) sind eben diese sechs Entscheidungen: Schule, Freunde, Eltern, Liebe, Süchte und Selbstachtung. Verglichen werden diese mit Weichen, eine Entscheidung welche an sich nichts Großes ist, kann dennoch viel bewirken und dich auf verschiedene Wege lenken. Ich stimme dieser Aussage im Buch voll und ganz zu. Jede Entscheidung ist wichtig im Leben, wenn auch manche mehr und manche weniger.

Was sollte ich bedenken?

Im Buch „Entscheidungstheoretische Aspekte der Ausbildung- und Berufswahl von Jugendlichen“ von Marc Schreiber, werden verschiedene Punkte beschrieben welche Komponenten von Entscheidungsproblemen sind.

 

  1. Möglichkeiten/Optionen/Alternativen.
    Das sind die Dinge zwischen denen man sich entscheiden kann. Bei Berufen wäre das die Wahl zwischen Lehrstelle und Studium oder einem sozialem Jahr.
  2. Ereignisse
    Das sind Vorkommisse die die Wahl zwischen den Möglichkeiten beeinflussen, ist eine Lehrstelle vorhanden? Reicht meine Note für das Studium meiner Wahl aus? Etc.
  3. Konsequenzen
    Das sind die Folgen welche man zu bedenken hat wenn man sich für eine Sache entscheidet. Z.B. dass ich für ein Studium keinen Lohn bekomme..
  4. Ziele
    Das ist der wichtigste Punkt. Was möchte ich selbst durch meine Wahl erreichen. Durch abstrakte (Erfolg) und konkrete (hohes Einkommen) Ziele wird die Wahl eingeschränkt.

 

Dieses Schema kann man auch auf z.B. Kaufentscheidungen übertragen. Ich selbst finde es jedoch nur sinnvoll sich über Produkte welche man sich kaufen möchte Gedanken zu machen, wenn es hierbei um hohe Summen geht. Bei mir wäre das eine Spiegelreflexkamera.

Vermutlich ist auch deswegen die Zeit der Pubertät schwierig. Für Jugendliche und für die Eltern, weil die Jugendlichen einfach merken, sie müssen sich entscheiden. Entscheiden für einen Beruf, was sie machen wollen, wie sie sein werden. Und das sind Entscheidungen für das ganze Leben.
Ivo Opitz

[1] Quelle: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungen (besucht am 14.07.2016, 14:19 Uhr)

[2] Quelle: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungen/seite-4 (besucht am 14.07.2016, 14:20 Uhr)

[3] Quelle: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/06/Entscheidungen/seite-5 (besucht am 14.07.2016, 14:22 Uhr)



Auf der Suche nach Heimat – Randbegegnungen in Berlin

Berlin ist bunt, aufregend und vor allem eins: Vielseitig. Die unterschiedlichen Charaktere sind es, die unsere Hauptstadt ausmachen. Aber was ist mit den Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen; Menschen, an denen wir oft vorbeigehen, ohne sie anzusehen: Flaschensammler, Künstler und Obdachlose.

Bahnhof Zoo

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An der Hinterseite des Bahnhofsgebäudes verläuft die Jebensstraße – hier wird gerade ein Film gedreht: mobiles Catering, Maske und Schauspieler ziehen neugierige Blicke auf sich. Eigentlich ist dieser Ort ein Anlaufpunkt für Obdachlose, Hilfsbedürftige und Junkies. Hier bietet die Bahnhofsmission ihre Hilfe an, am Ende der Straße steht ein Automat an dem sich Drogensüchtige kostenlos Spritzbesteck ziehen können. Unter der Brücke haben Obdachlose ihre Schlafplätze eingerichtet, es ist laut, dreckig und ungemütlich. Hier treffe ich Cheyenne, ihre Haare hat sie sich an den Seiten abrasiert und ein paar Fuchsschwänze in ihren dünnen Pferdeschwanz gesteckt. Sie wirkt selbstbewusst und bestimmt wenn sie aus ihrem Leben erzählt. Cheyenne hat einen kleinen Hund dabei, “Kochanie” heißt er, weil das auf Polnisch „Liebling“ bedeute. Für sie ist ihr Leben am Bahnhof Zoo längst zum Alltag geworden, mit der Obdachlosigkeit hat sie ihre Familie gefunden.

 

 

Während des Gesprächs mit Cheyenne beobachtet uns ein junger Mann mit einer schwarzer Kappe aus der Ferne. Er spricht mich an, sagt, er habe ein Problem und würde gerne über seine Situation sprechen. Er heißt Ismail und ist seit vier Monaten obdachlos. Seine beiden kleinen Kinder habe ihm das Jugendamt weggenommen. Wenn er sie besuche, verspreche er ihnen immer „Papa macht die Wohnung fertig“, doch in Wahrheit wisse er nicht, wie es für ihn und seine kleine Familie weitergehen soll. Wenn er davon erzählt, wie sehr er sein altes Leben vermisse, werden seine Augen feucht, er bemüht sich, stark zu bleiben. Besonders wichtig sei ihm, nicht mit den Junkies gleichgesetzt zu werden.

Obdachlose bleiben meist unbeachtet – dass es so gut wie keine aktuelle Statistiken über sie gibt zeigt, dass sie im Schatten der Gesellschaft verschwinden. Jahr 2014 lebten rund 24000 Menschen in der gesamten Bundesrepublik auf der Straße, davon 11000 allein in Berlin. 15 Obdachlose sind im Winter 2013/2014 erfroren. (Quelle: http://unbeachtet.org/zahlen-obdachlosigkeit-in-deutschland/)

 

Alexanderplatz                                                                                              

Am Nachmittag ist auf dem Alexanderplatz besonders viel los, die perfekte Zeit für Straßenkünstler, um ihre Arbeit zu präsentieren. Ich treffe die Italienerin Laura, sie hockt auf dem Boden, ihre Hände sind bunt von der Kreide, mit der sie gerade ein riesiges Portrait auf den Boden malt. An den Seiten hat sie einige Körbchen für Spendengeld aufgestellt, schließlich müsse sie ihre Utensilien finanzieren können. Das Wort „Danke“ steht in verschiedenen Sprachen daneben geschrieben – als eine Schulklasse vorbeikommt, ergänzen kurzerhand einige Schüler die Vokabelliste. Laura lacht, sie freut sich über das Interesse an ihrem Bild.                                                                            

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Laura aus Italien bringt ihre Kunst zum Berliner Alexanderplatz

Laura habe schon als 17-jährige mit der Straßenmalerei angefangen, daher komme auch der Mut dazu. Damals sei sie noch ein Kind gewesen, das Malen vor vielen Menschen für sie ein Spiel. Die Reaktionen der Menschen fielen unterschiedlich aus, aber meistens seien die Passanten freundlich und zugewandt. In Italien habe Laura auf die University of Fine Art studiert und dort das Zeichnen gelernt. Für sie sei aber der beste Weg zu lernen, einfach das zu machen, was ihr gefalle. Kunst bedeute für sie Kommunikation, die Projektion jeglicher Art von Gefühlen, sei es Traurigkeit oder Glück, in ein Bild. In ihrem aktuellen Werk folge sie einfach ihrer künstlerischen Freiheit. Die Zwanglosigkeit der Kunst in Berlin habe sie in die Hauptstadt gebracht. Hier könne sie malen was sie wolle – in Italien sei das anders. In ihrer Heimat Florenz konzentriere man sich mehr auf den Renaissance Stil und Maler wie Michelangelo. Den möge sie zwar auch aber in Berlin könne sie mehr experimentieren als in Italien. Um dieses Portrait zu malen habe sie ein paar Stunden gebraucht, könne aber auch zwei bis vier Tage an einem größeren Werk arbeiten.                                                                                                                                                                                        

Am anderen Ende vom Alex fällt mir ein Mann auf, der die Mülleimer nach Flaschen durchsucht. Er hat eine große Tüte bei sich und ist etwas skeptisch als ich ihn um ein Interview bitte. Er möchte, dass ich ihn „Günter“ nenne, seinen richtigen Namen verrät er lieber nicht. Günter ist Grieche und  musste seine Arbeit wegen gesundheitlichen Problemen aufgeben. Hier in Deutschland sei er zwar obdachlos, könne aber vom Flaschensammeln leben. Sein Arzt sage, das viele Laufen sei gut für seinen Rücken und deshalb möchte er auch noch einige Zeit weitersammeln. Betteln komme für ihn auf keinen Fall infrage, viel lieber hätte er wieder eine Arbeit.

 

Friedrichstraße 

Später Nachmittag, der Himmel ist bewölkt und es regnet ein wenig. Ein junger Mann steht mit Mikrophon, Gitarre und Verstärker vor dem Eingang eines Kaufhauses und eine Menschentraube drängelt sich um ihn herum. Vor ihm steht sein offener Gitarrenkasten und ein Pappschild mit seinem Namen: „Alex Wardi“ heißt eigentlich Craig Weir, aber das könne in Deutschland ja niemand aussprechen. Er wechselt sich zusammen mit seinem Kumpel Andrew ab, beide begeistern die Zuschauer mit ihren außergewöhnlichen Stimmen. Gerade hat Alexi für ihn und sich zwei Flachen Bier besorgt, etwas, das er auch an Berlin schätze.

Alexi sei im letzten September nach Berlin gekommen um einen Job zu finden, habe aber schnell lernen müssen dass sich das ohne Deutschkenntnisse ziemlich schwierig gestalte. Einige seiner Freunde seien schon damals Straßenmusiker gewesen und als er im Januar kein Geld mehr für die Miete habe aufbringen können, habe er selbst damit angefangen, um nicht wieder zurück nach Schottland zu müssen. Schottland sei sein ganzes Leben lang sein zu Hause gewesen, sei ihm aber nach 24 Jahren zu langweilig geworden. Das Gefühl vor so vielen Menschen zu spielen, sei von Tag zu Tag verschieden und schwer, mit etwas anderem zu vergleichen. Wenn viele Leute zuschauen und die Musik mögen, sei es ein unvergleichlich schönes Gefühl; wie eine Verbindung, stärker als sie durch ein bloßes Gespräch entstehen könne. Es gebe aber auch Tage, an denen er glaube gut zu spielen, aber die Menschen einfach vorbeigingen. Alexi spiele oft auf dem Alexanderplatz und manchmal zeigten ihm die Leute im Vorbeigehen einen Daumen nach oben oder machten ihm Komplimente für seine Stimme. Manchmal kämen aber auch Zuschauer auf ihn zu und machten ein Foto mit ihm. Dann fühle er sich besonders geehrt; vor ein paar Tagen sei er sogar eingeladen worden, auf einer Hochzeit zu spielen. Vor einem Auftritt sei er immer sehr nervös, aber da er schon mit 18 Jahren angefangen hat, Musik auf dem College zu studieren, habe er sich daran gewöhnten können. Für die der Zukunft plane er in Berlin zu bleiben, das sei seine neue Heimat. Einen normalen Job habe er nie gewollt, er möchte lieber weiter Musik machen, aufstehen wann er will und Bier trinken. An Berlin möge er besonders die Menschen und die vielen Kulturen. Jeder sei außergewöhnlich freundlich zu ihm gewesen, sogar die Obdachlosen seien netter als in Schottland. Die meisten jungen Deutschen würden sowieso gut Englisch sprechen, ansonsten gebe es hier viele andere Ausländer. Sein größer Wunsch für die Zukunft sei dass Schottland ein Teil der Europäischen Union bleibe damit er kein Arbeitsvisum brauche, sagt er und lacht. Persönlich möchte er einfach weiter Musik auf den Straßen und auf Events machen und vielleicht einen Job finden – das Wetter mache es ihm manchmal schwer auf der Straße zu spielen. „Einfach so lange wie möglich Musiker und sorgenlos bleiben!“

 

Unter den Linden   

Direkt gegenüber der Vertretung der Europäischen Union macht sich am frühen Abend eine Gruppe schwarz gekleideter Menschen auf einen Protest vor. Sie haben ein Banner mit der Aufschrift „Stop breaking the law in Poland“ dabei und kleben sich gegenseitig mit schwarzen Tape die Münder zu. Einer von ihnen verteilt Flugblätter an die neugierigen Passanten. Nach einiger Zeit reißen alle ihre Klebestreifen ab und eine Frau liest ihre Protestforderungen auf Polnisch und Deutsch vor. Ein Sprechchor ruft nach jeder einzelnen laut „Demokracja!“. Die vorbeigehenden Passanten werfen merkwürdige zweifelnde Blicke auf die Menge, manchmal bleiben ein paar Touristen stehen und machen Fotos. Worum es bei dem Prostest geht, interessiert sie eher nicht.

 

Pariser Platz

Einige hundert Meter von den Demonstranten entfernt, ist ein weiterer Flaschensammler unterwegs, deutlich älter als Günter. Der etwa Ende 60 jährige Rentner möchte nicht erkannt werden; es sei ein mieses Gefühl Flaschen zu sammeln, sagt er. Obwohl er eine Wohnung hat und Rente bekomme, suche er nach weggeworfenem Pfand um sich auch mal etwas Besonderes kaufen zu können – dafür reiche seine Rente nicht aus.

Auch Flaschensammler gehören zu einer gesellschaftlichen Randgruppe. Damit werden sie als “Menschen, die in eine Gesellschaft nur unvollständig integriert sind” definiert – zumindest im Duden. Dabei kann nicht einmal von einer Minderheit gesprochen werden; immer mehr Menschen verdienen sich durch weggeworfenes Pfand etwas Geld dazu oder leben davon. Aber Integration kann nicht gelingen, wenn der Zugang zur Gesellschaft verwehrt wird. Vorurteile, Stigmatisierung und vor allem Wegschauen drängen Menschen aus der öffentlichen Wahrnehmung. Die soziale Ungleichheit – die auseinandergehende Schere zwischen arm und reich- tragen zur Marginalisierung der gesellschaftlichen Randgruppen bei.

Das Thema “Heimat” zieht sich wie ein roter Faden durch die Interviews: Berlin bietet den unterschiedlichsten Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen ein zu Hause. Cheyenne hat ihres unter der Brücke am Bahnhof Zoo gefunden, Ismail will sich seins zusammen seinen Kindern aufbauen. Alexi liebt die Menschen in Berlin und Laura kann ihre künstlerische Freiheit hier ausleben. Die Demonstranten am Brandenburger Tor vereinen ihre Heimat Polen und ihr zu Hause Berlin und zeigen so ihre Verbundenheit mit beiden Orten.

Berlin hat viel zu bieten, wenn man einmal genauer hinsieht. Menschen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, haben Geschichten zu erzählen, für die es sich lohnt hinzuhören. Diesen Menschen eine Stimme zu geben sollte unser Anliegen sein.