Bundestagswahl 2017 – DIE GRÜNEN

Bündnis90/DIE GRÜNEN entstanden im Jahr 1980 aus verschiedensten Umwelt- und Friedensbewegungen heraus und schloss sich elf Jahre später mit dem Bündnis 90 zusammen.

Auch heute legt die Partei daher ihr Augenmerk auf die Umweltpolitik. Seit ihrer Gründung saßen die Grünen bisher einmal, von 1998 bis 2005, als Teil der Regierung im Bundestag. Aktuell belegen sie 63 Bundestagssitze und befinden sich in der Oppositionsrolle.

In Berlin sind die Grünen seit der Abgeordnetenhauswahl 2016 Teil der Landesregierung und ich durfte mich mit dem Landesvorsitzenden, Werner Graf, unterhalten.



Bundestagswahl 2017 – Die CDU

Die Christlich Demokratische Union wurde im Jahr 1945 gegründet und ist, historisch gesehen, die bisher erfolgreichste Partei der Bundesrepublik Deutschland. Seit dem Jahr 1949 befindet sie sich in einer Fraktionsgemeinschaft mit ihrer bayerischen Schwesterpartei, der CSU.

Zu den berühmtesten Mitgliedern der CDU gehören unter anderem die ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl oder Konrad Adenauer und auch aktuell wird das Amt der Bundeskanzlerin ebenfalls durch eine Vertreterin der CDU, Angela Merkel, besetzt. Die CDU bildet zudem eine Regierungskoalition mit der SPD und hat 253 der 630 Bundestagssitze.

Eine der Jugendorganisationen der CDU nennt sich Junge Union und mit ihrem Berliner Landesvorsitzenden, Philipp Dillmann, haben wir uns über die Wählerschaft und Forderungen unterhalten:



Bundestagswahl 2017 – DIE LINKE

DIE LINKE entstand 2007 aus einem Zusammenschluss der Linkspartei.PDS und einer Abspaltung der SPD, der sogenannten WASG. Die PDS hieß früher SED (Sozialistische Deutsche Einheitspartei) und war die damalige Regierungspartei der DDR. Auch daher finden sich immer noch sozialistische und allgemein antikapitalistische Züge in den Vorstellungen und Forderungen der Partei wieder.
DIE LINKE bildet mit Bündnis 90/DIE GRÜNEN die Opposition im Bundestag und besetzt dabei 64 Sitze. Was DIE LINKE aber genau fordert und wer sie wählt, das haben wir Felix Lederle, Bezirks- und Fraktionsvorsitzender der DIE LINKE in Reinickendorf, gefragt:



Flüchtlingskrise, Vorratsdatenspeicherung, Diesel-Affaire – Wer kann all diese Probleme lösen?

Noch einige Wochen, dann ist es soweit: Die Bundestagswahl 2017 findet statt. Doch wie hoch wird die Wahlbeteiligung dieses Jahr sein? Experten vermuten, dass sie nun wieder steigen wird, nachdem sie in den letzten Jahren bis auf wenige Ausnahmen kontinuierlich gesunken ist. Das liegt daran, dass es aktuell viele Probleme und Ängste der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes gibt. 

Hauptsächlich die vielen Geflüchteten aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan bereiten einigen Menschen viel Angst – sie seien “Unbekannte”, die eine andere Religion ausleben, eine ganz andere Kultur haben. Einige befürchten, nur durch sie würde es aktuell zu so vielen islamistisch motivierten Terroranschlägen wie noch nie in Europa kommen.

Die Aufgabe der verschiedenen Parteien wird es nun sein, den Bürgerinnen und Bürgern Deutschlands genau diese Ängste zu nehmen. Die Ansätze der Parteien unterscheiden sich stark: Einige setzen auf Aufklärung – sie sind davon überzeugt, dass Geflüchtete, die in unser Land kommen, nicht dafür verantwortlich sind. Andere Parteien, insbesondere die rechts-konservativ Gesinnten, fordern mehr Abschiebung und die Schließung der Deutschen Grenze – sie sehen eine Gefährdung durch die vielen Migranten. Das Thema “Innere Sicherheit” wird also bei der Wahl im September eine sehr große Rolle spielen.

Ein anderes, ebenfalls überaus wichtiges Thema ist die Vorratsdatenspeicherung. Doch was genau ist das überhaupt? Darunter zu verstehen ist das ständige Speichern all unserer Daten, ohne dass es einen triftigen Grund dafür gibt. Das Ziel ist es, kriminelle Machenschaften schneller zu erkennen und zu bekämpfen, doch der Hauptkritikpunkt ist, dass somit alle Menschen in unserem Land unter Generalverdacht gestellt werden. Und auch die jeweiligen Parteien haben sehr kontroverse Ansichten zu diesem Thema.

Die Bildung ist natürlich ein weiterer und wichtiger Grund, eine bestimmte Partei zu wählen. Wie sieht es zum Beispiel damit aus, zurück zu G9 zu gehen; also von 12 Jahren zurück zu 13 Jahren Schule?

Um direkt bei der Jugend zu bleiben: Auch die Wahlen ab 16 sind immer wieder heiß diskutiert. Sind Jugendliche in diesem Alter überhaupt schon reif genug zu wählen, oder kann man das gar nicht pauschalisiert auf alle Jugendlichen anwenden? Die Parteien sind sich bei diesem Thema bei Weitem noch nicht einig.

Welche Partei Eurer Meinung nach am besten mit diesen und vielen anderen brisanten Themen umgeht, das seht Ihr ab jetzt jeden Sonntag hier und auf unserem DIGGA-YouTube-Channel und hört Ihr jede Woche Freitagabend ab 18:00 Uhr bei ALEX Berlin auf 91.0. Wir stellen Euch jede Woche eine der zur Zeit bedeutendsten Parteien in jeweils rund zehn Minuten vor, damit ihr bis zur Bundestagswahl am 24. September umfassend informiert seid. Es lohnt sich definitiv, dran zu bleiben!



Der große Lichtspiele-Workshop bei ALEX Berlin

Eigentlich dreht sich beim Lichtspiele Festival ja alles um das bewegte Bild. Trotzdem ging es am 15.07. bei unserem Workshop bei ALEX Berlin um das gesprochene Wort. Aber der Reihe nach.

Im Rahmen des letztjährigen Lichtspiele Festivals gab es mal wieder einen großen Workshop zu gewinnen. Wie in den Jahren zuvor mit der großartigen Unterstützung von ALEX Berlin. Unserer Einladung folgte gleich eine ganze Schulklasse!

Die Teilnehmenden des Lichtspiele-Workshops bei ALEX Berlin.

Und so standen wir alle am Vormittag in den Produktionsräumen von ALEX Berlin, gespannt und vorfreudig auf den weiteren Tag. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es schnell an die gemeinsame Aufgabe: Das Erstellen eines eigenen Hörspiels. Und wir fingen ganz vorne an.

In der ersten Runde erstellten wir in vier verschiedenen Gruppen unsere Geschichten. Was gar nicht so einfach war. Wir suchten nach Figuren, Schauplätzen und Handlungen. Um wen soll es in unserem Hörspiel eigentlich gehen? Und wo findet die Geschichte überhaupt statt? Und was soll passieren? Und noch viel wichtiger: Können wir das alles nur mit unseren Stimmen machen?

Eine Gruppe bei der kreativen Arbeit.

Für die Kinder der Joan-Miro-Grundschule waren diese Fragen kein Problem. Im Gegenteil. Die Kids sprudelten nur so vor Ideen, die Geschichten entwickelten sich fast komplett von allein! Das gemeinsame Thema der Feriengeschichten wurde schnell überflügelt. Wir entwickelten Zaubergeschichten; es gab dreiköpfige Drachen; es wurde gruselig (und ein bisschen lustig); und natürlich durfte auch ein kompletter Schulausflug nicht fehlen.

Nach der gemeinsamen Mittagspause ging es dann an die Aufzeichnung der Geschichten. Hierzu nutzen wir das Radiostudio von ALEX Berlin. Und es wurde ziemlich aufregend: Jetzt galt es, die vorher entwickelten Geschichten vor den großen Studio-Mikrofonen vorzutragen. Was war nochmal mein Text? Wann wollten wir die Meeresgeräusche machen? Achtung, Aufnahme läuft!

Gleich wird das Radio- zum Hörspiel-Studio!

Für die Kids aber alles kein Problem! Die Aufregung legte sich schnell, besonders beim Erzeugen von Geräuschen oder großen Schauspielschreien! Und dann war die Geschichte auch schon viel schneller im Kasten als gedacht. Easy.

Erst in der gemeinsamen Feedbackrunde wurde es dann zum Schluss wieder ganz schön spannend. Dann haben wir uns nämlich die Ergebnisse aller Gruppen gemeinsam angehört und natürlich auch darüber geredet. Ganz schon ungewohnt, wenn man die eigene Stimme auf einmal selbst aus den Lautsprechern hört. So anders. Und peinlich! Zumindest für manche.

Grund für Peinlichkeiten gab es aber keineswegs. Im Gegenteil: Die Ergebnisse können sich hören lassen! Der Ideenreichtum der Kinder, der Spaß am Spiel und die Begeisterung für Medien zeigte sich nicht nur an unserem Workshop-Tag, sondern steckt hörbar in jeder einzelnen Geschichte. Aber davon überzeugt ihr euch am besten selbst. Viel Spaß mit den Geschichten!

 

Das geheime Buch

 

Der dreiköpfige Drache

 

Das Monster und die Familie

 

Der Geisterwald

Vielen Dank an dieser Stelle an Mischka Franke von ALEX Berlin, der uns tatkräftig beim Workshop unterstütze und an Björn und Julian, die uns eine technische Einführung in das Studio gaben. Ebenfalls vielen Dank an Christian und Daniel, die unsere Arbeit dokumentarisch als Video eingefangen haben. Und natürlich auch ein großes Dankeschön an die Kinder der Joan-Miro-Grundschule sowie deren Betreuern Sebastian Grijalba und Alfredo Zimiano für die Hilfe bei der Vorbereitung und Durchführung des Workshops.

Euer Lichtspiele-Team



WassertorMEDIEN – Pressevorstellung der neuen Rikscha

Dienstagmittag, 14:00 Uhr – Das Kreuzberger Wassertorkiez bekommt etwas mehr Aufmerksamkeit als sonst. Die KollegInnen der Abendschau und wir, das ALEX Berlin-Team, treffen auf dem von den Bewohnern des Kiezes sogenannten Kastanienplatz an der Wassertorstraße Ecke Bergfriedstraße ein.

Wir warten gespannt auf ein ganz besonderes Gefährt: Der WassertorMEDIEN-Verein stellt sein neues mobiles Radiostudio vor – eine Rikscha. Diese passe laut Ralf Pierau, einem der Hauptinitiatoren, am besten in dieses Milieu. Ohne Nachfragen bekommen wir sofort eine Einweisung in die Rikscha. Wir erfahren, dass sie sich, zum Erstaunen aller Beteiligten, sehr leicht bedienen, sprich fahren, lässt.

Doch was genau soll denn nun mit dieser Rikscha angestellt werden? Auch diese Frage wurde uns genauer beantwortet. Man wolle mit diesem überaus interessanten Gefährt nicht nur den Kiez, sondern gleich ganz Berlin erschließen. Berichterstattung ist durch ein iPad, was als digitales Mischpult beiliegt und das Herzstück des mobilen Studios darstellt, von jedem Festival aus möglich.

Der Verein ist jedoch deutlich länger im Kreuzberger Wassertorkiez, einem der ärmsten Kieze Berlins, ansässig, als die Rikscha alt ist. Schon 2015 gründete Ralf Pierau zusammen mit einigen anderen Ehrenamtlichen, meist JournalistInnen, diesen Verein, um Kindern und Jugendlichen Medienarbeit näherzubringen.

Auch ALEX Berlin setzt sich für die Vermittlung der Medienkompetenz ein, weswegen WassertorMEDIEN auch bei uns im Radioprogramm von ALEX Berlin einen Sendeplatz haben. Jeden Mittwoch könnt Ihr die sympathischen, jungen Medienmacher von 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr mit ihrem eigenen Magazin hören.

Neugierig geworden? Den ganzen Beitrag von der Vorstellung der neuen Rikscha, inklusive eines Gesprächs mit Ralf Pierau, gibt es hier für Euch zum Hören!



Visa Vie im Interview: Deutschrap in Berlin

„In dieser Sendung werden Musiktitel gespielt, die deutliche Worte enthalten und mitunter verstörend, beleidigend oder sogar verletzend wirken können“, heißt es immer mittwochs beim Radiosender Fritz. Mit ganz gegenteiligen Adjektiven würde man jedoch die Moderatorin der zugehörigen Sendung beschreiben, die wir vergangene Woche ganz intim in der wunderschönen Bar neben dem Fritz-Radiostudio in Kreuzberg treffen durften. Visa Vie quatscht dort einmal wöchentlich mit den aktuellsten deutschen Rap-Sternchen über deren neuste Releases. Aber da ihre Aufgabe dabei zum größten Teil darin besteht zuzuhören, was Künstler alles so über ihre Kunst zu sagen haben, dachten wir, drehen wir dem Spieß doch einmal um. Das Thema hatten wir uns einige Wochen vorher bei einer Ringbahn-Rundfahrt überlegt: Rap? – Ne, zu ausgelutscht und viel zu groß. – Die Person hinter Visa Vie? – Zu intim. – Stattdessen ein Thema, was jeden von uns betrifft. – Berlin!
Die Hörsturz-Folge dazu hätte “visavie Visa Vie” oder “Lotti trifft Lotti” heißen können (vorgestellt hat sie sich uns mit “Lotti”). Letztendlich trug sie einfach nur den Namen Deutschrap-Berlin-Spezial. Ihr könnt die Sendung inklusive Interviewausschnitte unter folgendem Link nachhören:

Oder ihr schaut mit Bild und Ton einfach jetzt das Interview in voller Länge hier:



Joseph von DeChangeman im Interview

Ich habe mich für Digga auf der Tincon 2017 mit Joseph (Bolz) von DeChangeman zusammengesetzt und ihm ein paar Fragen zu aktuellen Webserien, Last September in Monaco und hochwertigen Content auf YouTube stellen dürfen.

Mariella: “Du hast vor einiger Zeit mal die Serie „LotteTv“ gemacht und die sogar bei ALEX Berlin, glaube ich, produziert: wie kam es dazu, woher der Name und worum geht es?”

DeChangeman: “Die erste Staffel „LotteTV“ lief 2008 und 2009 bei ALEX! Das habe ich damals für meine Freundin gemacht: eine Doku über Berlin mit viel skurrilen Charakteren, die es nicht wirklich gibt und in der Mitte gab es mal einen visuellen Liebesbrief, Daraus wurde dann, die jetzt laufende Staffel LotteTV beziehungsweise die vor zehn Jahren lief, aber jetzt auf meinem YouTube Kanal als reupload läuft, wo wir den Liebesbrief rausgenommen haben, um es sie für ein bisschen größeres Publikum freizuschalten. ALEX hat mir damals die allererste Staffel ermöglicht, weil wir gar keine Möglichkeiten hatten das so zu machen und ALEX hat uns da ein bisschen unterstützt, das war sehr gut!”

 

Mariella: “Du machst ja gerade mit u.a. Sebastian die Webserie „Die Autoren“ und für mich gehört ihr damit zu den YouTubern, die echt richtig guten und hochwertigen Content hinbekommen, was derzeit eher nur ein Bruchteil YouTube Deutschlands schafft. Wieso funktioniert das bei euch und bei anderen nicht ganz so?”

 

DeChangeman: „Ich glaube, dass ist eine Mischung aus wollen, Erfahrung und wahrscheinlich auch Talent das das zusammenkommt. Sebastian macht das jetzt so seit drei oder vier Jahren, ich mache das ja schon seit über zehn Jahren: also schreiben und produzieren! Und wir sind eben eine sehr gute Kombi zusammen. Aber ich glaube, die Allermeisten wollen tatsächlich nicht, das was ich sehe, das ist ganz deutlich die Entscheidung keinen guten Content zu machen.“

Mariella: “Gleich dazu: dein Fazit zum Webvideopreis 2017?”

DeChangeman: „Das habe ich privat sehr ausführlich an den Webvideopreis geschickt und alles andere wurde, glaube ich, schon von allen möglichen Leuten gesagt. Da ist Verbesserungspotential da.“

Mariella: “Was ist denn so dein Lieblingsmedium, also auch Internet, YouTube oder Podcast miteinbezogen?”

DeChangeman: „Tatsächlich im Moment immer noch Webserien, ob das jetzt Netflix, Prime oder YouTube ist… Und dann dichtgefolgt von den Podcasts!“

Mariella: “Was sind denn gerade deine deutschsprachigen Lieblungspodcasts?”

DeChangeman: „Ich liebe Radio Nukular, die sind ja schon sehr bekannt und was ich auch sehr gerne mag, ist Mark Benecke auf Radio 1, der hat einen ganz kurzen podcast ein paar Mal die Woche, wo er in drei-vier Minuten interessante, kuriose Fälle aus der Wissenschaft oder der Pathologie erklärt.“

Mariella: “Hast du den Mädchenpodcast (sechs Stunden Anektoden) komplett gehört?”

DeChangeman: „Selbstverständlich! Das war mein erster Podcast von Radio Nukular und den mag ich immer noch sehr gerne.“

Mariella: “Der Podcast mit Florentin (Will, Podcastufo, ehemalig Neo Magazin Royale und RocketBeans) „Last September in Monaco“, wie kam es dazu und was ist das überhaupt?”

DeChangeman: „Der ist ja jetzt abgeschlossen! Wir wollten schon lange etwas zusammen machen, als Florentin endlich nach Köln gezogen ist, haben wir den Podcast gestartet. Und wir wollten etwas machen, was wirklich wehtut, daraus ist das geworden: wir haben ein Jahr lang jede Woche die gleiche Folge einer amerikanischen Serie (Royal Pains), die wir nicht kannten geguckt. Immer die gleiche Folge und immer darüber geredet. Fünfzig mal.“

Mariella: “Dein Lieblingscharakter aus dieser Folge?”

DeChangeman: „Emma Who!“

Das lasse ich mal so stehen! Alle, die das verstehen wollen, haben jetzt fünfzig unterhaltsame Folgen „Last September in Monaco“ vor sich…

Josephs YouTubekanal: https://www.youtube.com/user/dechangeman

DeChangeman auf der Tincon 2017 als Speaker: https://www.youtube.com/watch?v=MiqtHEMeT7E



You. 2017 – Tag 3

„Julian! Wir brauchen noch mehr Fragen!“ Am Sonntagmorgen haben wir uns aus dem Bett gequält um nun, auf dem Boden sitzend, die letzten Fragen für unsere Gäste heraussuchen zu können. Spannend wird’s heute definitiv wieder. Schon allein weil in unseren Diskussionen, wie bereits am Vortag, Abgeordnete verschiedenster Parteien sitzen werden. Heute soll es in unserem Stream um das Thema Gesetze gehen. Während wir uns darauf vorbereiten, laufen zahlreiche Jugendliche an der „Medienlounge“ vorbei. Auch wenn ich mir jetzt eigentlich darüber Gedanke machen sollte, was ein Gesetz ist und wie Gesetze verabschiedet werden, beginne ich über die ganze Veranstaltung nachzudenken.

Das dritte Mal bin ich inzwischen hier und in den letzten Jahren hat sich die You ganz schön verändert. Sehr kommerziell war die ganze Veranstaltung natürlich immer, aber erst jetzt wird mir das alles wirklich bewusst. Vor vier Jahren, als ich das erste Mal hier war, kosteten die Karten noch um die sieben Euro, inzwischen sind es zehn. Zehn Euro, um mit Werbung überschwemmt zu werden. Auch wenn Organisationen wie der Lesben- und Schwulenverband oder Aktion Deutschland hilft hier einen Platz finden, beherrschen trotzdem Firmen wie Dr. Oetker die Veranstaltung. Früher war ich begeistert von den zahlreichen Giveaways – wer wollte nicht schon immer ein Schlüsselband von Hellweg haben? Inzwischen verstehe ich, dass ich nicht nur als Besucherin für Werbung bezahle, sondern selbst Werbung mache, indem ich diese Giveaways durch die Gegend trage. Wer hat sich das hier ausgedacht?

Auch wenn ich mich jetzt noch stundenlang darüber aufregen könnte, muss ich mich nun weiter mit meinem Thema beschäftigen. Welche Rolle spielt die EU bei der Gesetzgebung in Deutschland nochmal? Gleich kommen die Gäste! Die CDU, Die Grünen, Die Linke und die AfD sind dabei. Das wird spannend, denn wir werden unter anderem über die Ehe für alle reden. Schnell nochmal absprechen und los geht´s:

Auch nach dem Stream wurde noch weiter diskutiert.

Tatsächlich hatten wir einige Stunden später noch einen zweiten Talk, dessen aufgezeichnetes Video leider aus technischen Gründen nicht weiterverwertet werden kann. In diesem ging es um Zivilcourage und die Frage, ob diese sich im Laufe der letzten Jahre verändert hat. Zu Gast hatten wir Parteimitglieder der Grünen, der Linken und der AfD, die kontrovers miteinander diskutiert haben. Und damit endete ein weiterer anstrengender, interessanter Tag auf der You.

Im Gespräch über das Thema Zivilcourage wurde heftig debattiert.



you. 2017 – Tag 2

Samstagmorgen, 8:00 Uhr. Standbetreiber eilen von Halle zu Halle, alle sind beschäftigt. „Hat jemand noch Gaffa-Tape?“ „Hier, dein Kaffee!“

2 Stunden vor Eröffnung werden die Stände aufgebaut, Lampen eingesteckt, Broschüren ausgelegt und Luftballons aufgeblasen. 2 Stunden später rennen die ersten Horden kreischender Teenager durch die Hallen, um ihre YouTube-Lieblingsstars zu treffen. Auch ein Teil unserer Redaktion macht sich mit Kamera auf den Weg, um das Messegelände zu erkunden. Die anderen machen den letzten Soundcheck oder redigieren die Interview-Fragen. Um 11 Uhr beginnt unsere erste Talkrunde mit der Leitfrage „Wird man als Politiker geboren?“. Dabei sind Stefanie Remlinger (Bündnis 90/DIE GRÜNEN), Jeannette Auricht (AfD), Dennis Buchner (SPD), Jürn Jakob Schultze-Berndt (CDU) und Claudio Jupe (CDU)

Kurz vor 12:00 Uhr. „Du nimmst dieses Mikro, und lass es dir nicht wegnehmen.“ Die letzten Vorbereitungen laufen. Nachdem wir die Fragen, die wir uns vor der Sendung auf die Moderationskarten geschrieben haben, nochmal durchgegangen sind, treffen unsere Gäste ein. Thomas Gill, der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, die Abgeordneten Dennis Buchner von der SPD und Hildegard Bentele von der CDU sowie die Lehrerin Juliana Kattchin diskutieren mit uns eine halbe Stunde lang über politische Bildung. Nachdem wir mit einer provokanten Frage in die Gesprächsrunde starten, stellt Thomas Gill die LPB vor. Wie kann ich mich selbst politisch engagieren? Wir erfahren, dass man sich Politikerinnen und Politiker oder die LPB in die Schule einladen kann. „Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts gegen ein Wahlrecht ab 16“, sagt Thomas Gill. 

Warum kann man mit 16 Jahren zwar in Hamburg für das Landesparlament wählen, aber in Berin nicht? Dennis Buchner klärt auf und sagt, dass die Mehrheit nicht reicht, um die Landesverfasssung zu ändern. Hildegard Bentele von der CDU versucht sich rauszureden, dass ja die politische Bildung erstmal gestärkt werden müsse. Das klingt nach Endlosschleife. Aber hört doch selbst:

Danach gibt es erstmal eine Verschnaufpause. Während die einen noch einmal losziehen um ein paar letzte Schnittbilder vom Gelände und Interviews mit Besuchern zu ergattern, machen sich die anderen an den Feinschliff der letzten Sendung. Mit großer Sorgfalt werden treffende Fragen ausgesucht, die es in die Sendung schaffen sollen.

Um 16:00 Uhr dann geht es noch einmal live. Gemeinsam mit Philipp Bertram (LINKE), Marc Vallendar (AfD), Notker Schweikhardt (GRÜNE) und Florian Kluckert (FDP) sprechen wir unter dem Titel „Berlin, ick liebe dir!“ über Freiräume in Berlin, die heutige Jugend und die Gentrifizierung unserer Stadt.

Um 16:30 Uhr sind alle erschöpft, aber glücklich. Wir bauen die Technik ab, packen unsere Sachen zusammen und freuen uns auf die beiden letzten Sendungen von der YOU, die uns morgen erwarten werden. Wenn sie so gut werden wie die heutigen, ist das ein voller Erfolg!