Bundestagswahl 2017 – DIE GRÜNEN

Bündnis90/DIE GRÜNEN entstanden im Jahr 1980 aus verschiedensten Umwelt- und Friedensbewegungen heraus und schloss sich elf Jahre später mit dem Bündnis 90 zusammen.

Auch heute legt die Partei daher ihr Augenmerk auf die Umweltpolitik. Seit ihrer Gründung saßen die Grünen bisher einmal, von 1998 bis 2005, als Teil der Regierung im Bundestag. Aktuell belegen sie 63 Bundestagssitze und befinden sich in der Oppositionsrolle.

In Berlin sind die Grünen seit der Abgeordnetenhauswahl 2016 Teil der Landesregierung und ich durfte mich mit dem Landesvorsitzenden, Werner Graf, unterhalten.



Bundestagswahl 2017 – Die CDU

Die Christlich Demokratische Union wurde im Jahr 1945 gegründet und ist, historisch gesehen, die bisher erfolgreichste Partei der Bundesrepublik Deutschland. Seit dem Jahr 1949 befindet sie sich in einer Fraktionsgemeinschaft mit ihrer bayerischen Schwesterpartei, der CSU.

Zu den berühmtesten Mitgliedern der CDU gehören unter anderem die ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl oder Konrad Adenauer und auch aktuell wird das Amt der Bundeskanzlerin ebenfalls durch eine Vertreterin der CDU, Angela Merkel, besetzt. Die CDU bildet zudem eine Regierungskoalition mit der SPD und hat 253 der 630 Bundestagssitze.

Eine der Jugendorganisationen der CDU nennt sich Junge Union und mit ihrem Berliner Landesvorsitzenden, Philipp Dillmann, haben wir uns über die Wählerschaft und Forderungen unterhalten:



Bundestagswahl 2017 – DIE LINKE

DIE LINKE entstand 2007 aus einem Zusammenschluss der Linkspartei.PDS und einer Abspaltung der SPD, der sogenannten WASG. Die PDS hieß früher SED (Sozialistische Deutsche Einheitspartei) und war die damalige Regierungspartei der DDR. Auch daher finden sich immer noch sozialistische und allgemein antikapitalistische Züge in den Vorstellungen und Forderungen der Partei wieder.
DIE LINKE bildet mit Bündnis 90/DIE GRÜNEN die Opposition im Bundestag und besetzt dabei 64 Sitze. Was DIE LINKE aber genau fordert und wer sie wählt, das haben wir Felix Lederle, Bezirks- und Fraktionsvorsitzender der DIE LINKE in Reinickendorf, gefragt:



Visa Vie im Interview: Deutschrap in Berlin

„In dieser Sendung werden Musiktitel gespielt, die deutliche Worte enthalten und mitunter verstörend, beleidigend oder sogar verletzend wirken können“, heißt es immer mittwochs beim Radiosender Fritz. Mit ganz gegenteiligen Adjektiven würde man jedoch die Moderatorin der zugehörigen Sendung beschreiben, die wir vergangene Woche ganz intim in der wunderschönen Bar neben dem Fritz-Radiostudio in Kreuzberg treffen durften. Visa Vie quatscht dort einmal wöchentlich mit den aktuellsten deutschen Rap-Sternchen über deren neuste Releases. Aber da ihre Aufgabe dabei zum größten Teil darin besteht zuzuhören, was Künstler alles so über ihre Kunst zu sagen haben, dachten wir, drehen wir dem Spieß doch einmal um. Das Thema hatten wir uns einige Wochen vorher bei einer Ringbahn-Rundfahrt überlegt: Rap? – Ne, zu ausgelutscht und viel zu groß. – Die Person hinter Visa Vie? – Zu intim. – Stattdessen ein Thema, was jeden von uns betrifft. – Berlin!
Die Hörsturz-Folge dazu hätte “visavie Visa Vie” oder “Lotti trifft Lotti” heißen können (vorgestellt hat sie sich uns mit “Lotti”). Letztendlich trug sie einfach nur den Namen Deutschrap-Berlin-Spezial. Ihr könnt die Sendung inklusive Interviewausschnitte unter folgendem Link nachhören:

Oder ihr schaut mit Bild und Ton einfach jetzt das Interview in voller Länge hier:



Digga auf dem Jugendforum

Schon gleich zu Beginn wird deutlich: Milena steht voll auf das Jugendforum!

“Es fällt aus!” – so hieß es schon,
die Folge: Improvisation

Unter diesem Motto steht dieses Jahr das Jugendforum, eine Veranstaltung, die nicht nur Opfer des bipolaren Wetterfrosches wurde, sondern primär dafür da ist, Jugendlichen eine Stimme zu geben, wenn es um politische Entscheidungen geht.

 

 

 

 

Wie das Jugendforum entstanden ist und was ihre Aufgabe ist, erklärt uns Projektmanagerin Nesreen im Interview:

Von ebendiesen Jugendlichen sind auch zahlreiche vertreten, die entweder für die Bespaßung auf der Bühne zuständig sind, ihre Stände vorstellen oder einfach als Besucher dafür sorgen, dass das Jugendforum eine lohnenswerte Unterrichtsalternative ist. Denn wer am Jugendforum teilnimmt, bekommt tatsächlich eine offizielle Unterrichtsbefreiung. Doch das sollte nicht der einzige Grund sein, heute zum Pfefferberg am Senefelder Platz zu reisen.

Das schlechte Wetter konnte die gute Laune nicht mindern. Ein weiterer Grund: Das köstliche Essen!

Aufgrund des gestrigen Unwetters hieß es nämlich erst, das Jugendforum falle aus, da beim Aufbau auf dem Tempelhofer Feld die Zelte von dannen geschwommen seien.

Ein Glück, dass die Herrschaften vom Pfefferberg so liebenswürdig waren, dem Jugendforum die Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Hier findet nun – überdacht – ein buntes Programm statt, das von Poetry Slam über Diskussionen mit Politikerinnen wie Sandra Scheeres (SPD) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) bis zu Tanzvorführungen reicht.

Die Digga-Redaktion hatte das Glück, mit der Senatorin für Bildung, Jugend und Familie sprechen zu können. Hier könnt ihr euch das Interview mit Sandra Scheeres in voller Länge anhören.

Was andere Besucherinnen und Besucher für wichtige politische Themen halten und über welche ihrer Meinung nach zu viel diskutiert wird, erfahrt ihr hier:

Zwischendurch hat man Zeit, sich bezüglich verschiedener Möglichkeiten zur Jugendbeteiligung zu informieren.

“Oma hat was gegen Flüchtlinge” – so lautet es auf einer Karte der Inititative “Junge Gegenargumente”, die ein Rhetorik- und Argumentationstraining anbieten, damit gerade junge Menschen rechtsmotivierten Hassparolen gute Argumente entgegensetzen können.

Aicha beim I,slam.

Vorsichtshalber ist rechtem Gedankengut in personifizierter Form sowieso der Zutritt zum Jugendforum untersagt – schließlich steht die Veranstaltung in erster Linie für interkulturelle Toleranz.

Aus diesem Grund sind auch viele muslimische Jugendliche dabei, zum Beispiel vom “I,slam”, einem Poetry Slam speziell für junge Muslime, die sich kritisch in Textform zu aktuellen Themen äußern.

 

 

 

 

Was die Grundstimmung bezüglich aktueller Themen ist, könnt ihr in folgendem Beitrag erfahren :



Tag 3 auf der TINCON – Eine Messe im kreativen Zweifarbenstyle

Der dritte und somit letzte Tag der TINCON liegt nun hinter uns und es war wie auch an den anderen Tagen schon sehr kreativ, interessant und frech. Viele bekannte und mindestens genauso viele unbekannte Gesichter standen auf den beiden Bühnen, um ihren ganz persönlichen Senf dazuzugeben. Es gab humorvolle Beiträge wie zum Beispiel den der Space Frogs, aber auch politisch angehauchte wie der Talk von Martin Sonneborn und viele mehr.

Ein absolutes Highlight war natürlich das Interview mit Coldmirror, die in der YouTube-Szene mit ihren ganz eigenen Film-Synchronisationen ein bekanntes Gesicht ist. Wenn es also um Network gemixt mit einer guten Prise Humor geht, dann darf sie definitiv nicht fehlen. Für uns ist sie aber besonders interessant, weil sie auch einmal in einem Offenen Kanal, ähnlich wie ALEX Berlin, gearbeitet hatte.

Aber auch mindestens genauso berühmte Menschen wie Ralph Caspers von Sendungen wie „Wissen macht Ah!“ oder „Die Sendung mit der Maus“, der sich übrigens selbst als egozentrisch bezeichnet, wurden mit unseren Fragen beworfen. Für viele Besucher ging mit seinem Besuch ein kleiner Traum in Erfüllung, da er ganz offen und freundlich mit jedem Interessenten gesprochen und auch Fotos gemacht hat. So mancher Anrufer wird jetzt wohl seine Stimme als Anrufbeantworter zu hören bekommen..

Das Interview mit ihm könnt ihr im Beitrag über den zweiten Tag der TINCON bestaunen.

Auch Speaker mit ernsteren Themen wie $ick standen auf der Bühne oder vor unserer Kamera und redeten, wie in seinem Fall, über seine Vergangenheit mit den Drogen und dass er unter Anderem wegen seiner Tochter damit aufhörte.

Nicht ganz so gesundheitsschädigend wie das Thema Drogen waren Talks über die schulischen Möglichkeiten eines Durchschnittsmenschen oder aber auch die wertvollen Hinweise eines Anfangszwanzigers über das Fußfassen in der Filmbranche. Bei Allem waren immer Fragen erlaubt, sodass auch private Interessen und Unklarheiten geklärt werden konnten.

Das DIGGA-Team erschöpft aber stolz nach getaner Arbeit!

Aber nicht nur die prominenten Gäste haben dem Ganzen eine Atmosphäre gegeben. Auch coole, im Alltag immer nützliche Spielereien wie ein kluger Spiegel oder ein Spiel mit einem Lichtschlauch, das übrigens komplizierter war als es sich anhört und auch aussah, trugen zu einem rosagelben Medienspektakel der besonderen Art bei. Der Ort an sich, ein offiziell stillgelegtes Kraftwerk, sprühte zwar nicht ganz vor Charme, aber hunderte verschiedene Lichtapplikationen im kreativen Zweifarbenstyle verliehen dem ganzen einen Hauch von Clubatmosphäre, was in einem Kraftwerk nicht immer gegeben ist.

Wo es im nächsten Jahr hingeht, ist noch ungewiss, vielleicht werden wir dann vom Fernsehturm senden oder vom Flughafen, aber drehen, schneiden und senden werden wir so oder so von der TINCON 2018. Nur die Grumpycat-Winkekatze wird dann wohl nicht mehr mit auf den Plakaten sein..

Zum Abschluss gibt’s noch einen Rückblick mit unseren persönlichen Highlights der TINCON:



Digga auf der TINCON

Spacefrogs, Sick und Sonneborn

Mit Grumpy Cat und Unicorn

Digga ist auf der TINCON, der Teenage Internetwork Convention. Allerdings nicht allein.

Denn neben unserer Redaktion sind auch diverse Youtuber und andere Öffentlichkeits- und Medienmenschen anwesend, die auf den zwei Bühnen ihre Ansichten kundtun – vor allem bezüglich Themen wie Politik, Bildung, Games und Medien.

Wo kurz zuvor noch Tim Edler über das Flussbad in Berlin informiert hat, steht nun Martin Sonneborn von der Partei die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative und proklamiert stolz seine Meinung zu Böhmermann, der FDP und Helmut Kohl. Währenddessen erklären Alessandro Schuster und Jonas Klocke auf der U21 Bühne, wie man Filme schneidet.

Bei so vielen spannenden Vorträgen weiß die Digga-Redaktion gar nicht, wo sie anfangen soll mit den Interviews.

Schließlich hat sie sich aber doch entschieden. Wofür, seht ihr in den Videos, die Stück für Stück in der virtuellen Welt auftauchen werden.

Ralph Caspers  kennt man aus Wissen macht Ah! Er ist Moderator, Autor und Schauspieler und hat sich dieses Jahr auf der TINCON zu Tinder geäußert, einer der populärsten Partnersuchbörsen im Internet.

Mit uns hat er allerdings primär über Kekse und Schokolade geredet.

Im Gespräch mit Martin Sonneborn standen wieder ganz andere Themen oben auf der Liste. Nicht nur um die Grünen ging es, sondern auch um Männer BHs, Anglizismen und Wattestäbchen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle für die bereichernde Auskunft!



Feminismus | Warum wir das Ziel verfehlt haben

Alle Menschen sind gleich. Klingt gut? Nur dass uns eines im Wege steht: Die Biologie. Warum wir das Ziel verfehlt haben.

„Wir können ja was zum Thema Feminismus machen!“

Als dieser Vorschlag in der Redaktionssitzung fällt, wird er erst einmal mit allen nonverbalen Gefühlsäußerungen kommentiert, die der genervte männliche Körper so zu bieten hat: Stöhnen, Grunzen, geräuschvolles Ausatmen. Es fallen Begriffe wie Alice Schwarzer, Genderwahn und First World Problem.

Auch Frauen dürften doch mittlerweile wählen, darüber hinaus hätten wir eine Kanzlerin – was wolle man denn noch?

Etwa eine Frauenquote in allen Unternehmen? Es werden Vögel gezeigt. Nicht, dass es im Betrieb so zugehe wie mit dem Quotenschwarzen in französischen Komödien. Der arme Omar Sy habe doch sicher kaum noch Freizeit aufgrund des westeuropäischen Gleichberechtigungswahns.

Mal wieder einer dieser Ausdrücke, die nur von denjenigen verwendet werden, die nicht von ihm betroffen sind. Wer im Wahn ist, handelt nicht rational, sondern emotionsgesteuert – typisch Weiber halt.

Und ein trotziges „Pussies bite back“-Geblöke aus den Mündern viertelbekleideter Kampflesben erinnert nun mal doch mehr an unbeholfene Dreijährige im Kampf gegen das elterliche Bonbonverbot als an konstruktive Gesellschaftskritik.

Die wäre allerdings durchaus angebracht, jedoch an anderer Stelle.

Ein positives Beispiel hingegen ist das Female Rap Konzert, das die DIGGA-Redaktion besucht hat:

Es scheint offensichtlich, dass Frauen auch heute noch ungerecht behandelt werden. Schließlich verdient Frau dem Statistischen Bundesamt zufolge durchschnittlich 21% weniger als ihr männliches Gegenstück. Allerdings nicht aus männlicher Boshaftigkeit und grundloser Ungerechtigkeit, wie manch erzürnte Emanze es gerne behauptet. Denn trotz neuartiger Klonexperimente, Samenspende und künstlicher Befruchtung bleibt noch ein Sachverhalt, an dem sich nicht rütteln lässt: Frauen kriegen Kinder.

“FIGHT SEXISM” steht auf Lauras Handyhülle.

Das heißt, Frauen steigen seltener die Karriereleiter hinauf, auf der höhere Gehaltsstufen auf sie warten würden, weil eine Geburt sie wieder hinabstürzen ließe. Es sei denn, sie erziehen ihrem Kind durch zu frühes und widernatürliches Abstillen Allergien und Sozialprobleme an, um sich möglichst schnell von der Mutterrolle zu distanzieren. Es ist ja auch praktisch für die egoistische Powerfrau des 21. Jahrhunderts – das ungeborene Kind kann man ja nicht fragen, ob es lieber eine reiche, sich selbst verwirklichende Mutter hat oder eine, die für es da ist – und zwar die ersten Jahre, nicht nur im Kreissaal. Dass heute die Option, auch der Mann könne zuhause bleiben, durchaus präsent ist, entkräftet nicht die Tatsache, dass der Stress der Mutter, verursacht durch einen sofortigen Wiedereinstieg ins Berufsleben und die damit einhergehende Doppelbelastung, sich in vielen Fällen auf das Kind überträgt und sogar lebenslange Auswirkungen haben kann.

Praktisch bleiben übrigens viele Frauen von sich aus auf niederen und damit schlechter bezahlten Positionen, um flexibler zu sein, weil sie Prioritäten gesetzt haben. Die 21% bedeuten also nicht, dass Frauen bei der gleichen Tätigkeit weniger Einkommen haben als Männer, sondern dass ihnen insgesamt weniger selbst verdientes Geld zur Verfügung steht, weil sie

a) schwanger geworden sind und ihr Kind nicht bei einem gerne mal verantwortungslosen studentischen Babysitter abgestellt haben

b) nicht eingestellt worden sind, weil sie hätten schwanger werden können (was einen Verlust für das Unternehmen bedeutet hätte, weshalb man das Risiko unter Umständen nicht eingegangen ist)

c) lieber Friseurin (8,84€/h) statt Bauarbeiter geworden sind (14,20€/h)

Rapperin Sookee ist deutschlandweit sehr erfolgreich, und das als Frau mit Kind in einer von Männern dominierten Szene. Im Interview sprechen wir mit ihr auch über dieses Thema:

Es ist Girl’s day! Frauen, packt mit an, zeigt den Männern, was in euch steckt!

Schlecht bestückte Frohnaturen greifen euphorisch zur Bohrmaschine. „Es sollte doch vielmehr darum gehen, die Gegensätze der Geschlechter auszugleichen!“, heißt es auch schon in Loriots vielzitiertem Spielfilm Pappa Ante Portas – ein Motto, welchem man sich schon in den 70er-Jahren mit Begeisterung widmete, indem man Mädchen wie Jungen an- und erzog.

Ein klares Streben nach Geschlechtergleichheit, dem heutigen Zeitgeist nicht fremd. Oder?

Was nicht gleich ist, wird gleich gemacht – spätestens in der DDR wurde nachgewiesen, dass eine vollkommene Gleichheit aller Menschen nicht nur nicht realisierbar, sondern auch nicht wirklich sinnvoll ist, jedoch unabhängig von Gleichwertigkeit. Die bei verschiedenen Individuen anzuzweifeln, haben wir nämlich endlich aufgehört, wenn auch nach zu langer Zeit.

Nun müssen wir aufhören zu behaupten, es gäbe keine Geschlechterunterschiede, denn sie sind faktisch nicht von der Hand zu weisen.

  • Frauen kriegen Kinder. (Und zwar nur Frauen, denn egal, wie lang die Wissenschaft noch so herumforscht, aus dem Mann wird nie etwas Lebendiges herauskommen – außer vielleicht ein Bandwurm, aber das sei ihm nicht zu wünschen.)
  • Frauen besitzen weniger Testosteron, sondern weibliche Hormone, deshalb sind sie in den meisten Fällen emotionaler und sensibler, wohingegen sich langsamer Muskelmasse ausbildet. (Darum gibt es mehr Bauarbeiter und mehr Friseurinnen.)

Beides ist überhaupt kein Problem, solange kein Geschlecht dadurch grundlos benachteiligt wird. Solange dadurch nicht Sexismus gerechtfertigt wird. Den aus den Köpfen zu verbannen, wird allerdings schwer.

Denn das meiste, was unsere Gesellschaft prägt, deutet darauf hin, dass Sexismus sogar erwünscht ist. Wieso sonst blaue und rosafarbene Überraschungseier, wieso Filly Pferde und feuerspuckende Autos? Hörspiele für vierjährige Mädchen, in denen sich die Feechen und Hexchen den Kopf zerbrechen, wie sie den hotten Boy von ihrer Sweetness überzeugen können. Zieh dich verspielt an, dann weckst du seinen Beschützerinstinkt; in fünf Schritten deinen Schwarm erobern! Solange man jene Geschlechterklischees in Bravo-Girl-Form in mehr Kiosken findet als das Satiremagazin Titanic, läuft etwas ganz, ganz falsch.

Etwas, das es weitaus dringender zu bekämpfen gilt als ungegenderte Formulare.

Wenn Mädchen sich durch sexistische Mädchenzeitschriften und pinkfarbenes Spielzeug, das tanzt, leuchtet und wiehert, zu primitiven, zickigen Girlie-Gören entwickeln, während Jungs schon mit drei enthusiastisch im Wohnzimmer den Krieg aus den Ninja-Filmen nachspielen – dann sieht es ganz so aus, als sei eine andere Macht im Spiel, gegen die nicht nur Feministen sehr viel dringender zu kämpfen haben:

Der Konsum.

Denn früh anerzogene Geschlechterklischees bedeuten Geld. Ein rosafarbenes und ein blaues T-Shirt kosten mehr als ein gelbes, das sowohl der Junge als auch das Mädchen tragen kann, zwei Farben bedeuten zwei Produkte, zwei Produkte zwei Mal so viel Verdienst. Doch für uns ist Sexismus teuer, jedenfalls bevor er gratis in den Köpfen weitergedeiht. In den Köpfen all derer, die ihren Söhnen verbieten zu weinen, in schlagende Burschenschaften eintreten und Bier trinkende Frauen verurteilen – obwohl durch das Östrogen im Bier sogar das Brustwachstum angekurbelt wird, wofür die Figur einiger Herren im Ruhestand ein Musterbeispiel darstellt.

Der Feminismus hat das Ziel verfehlt. Natürlich wollen wir Frauen keine billigen Anmachsprüche mehr hören und auf unser Äußeres reduziert werden. Genauso wollen wir nicht, dass man uns beim nächtlichen Lustwandeln in Neukölln in den Schritt fasst oder dass man uns für inkompetent hält und deshalb in der Digga-Redaktion von Kamera, Scheinwerfer und Mischpult fernhält. Natürlich ist das ein Problem der ersten Welt, da es erst auftritt, wenn alle Haus, Dach und Essen haben. Bestätigende Blicke des männlichen Teils Digga-Redaktion. Und Alice Schwarzer? 

„Nicht unsere Integrierung ist wünschenswert, nicht die Vermännlichung der Frauen, sondern die Vermenschlichung der Geschlechter.“ So lautet eines der vermutlich bekanntesten Zitate der vermutlich bekanntesten Feministin des 20. Jahrhunderts.

Und obwohl man nicht gegen Bratpfannenhersteller klagen muss und Steuerhinterziehung nicht unbedingt das adäquateste Mittel im Kampf gegen Sexismus ist, muss man sagen – irgendwie hat die Alte Recht.

Weil wir das Thema Feminismus so spannend finden, haben ihm eine ganze Volltreffer-Fernsehsendung gewidmet. Wenn ihr noch mehr dazu erfahren wollt, schaut es euch an:



Zwangsheirat und Schulverbot – Flüchtlinge im Gespräch

Aminata und Alimatou sind Zwillingsschwestern und leben seit einigen Jahren in Deutschland. Im Interview haben sie ihre Geschichte erzählt.

Ich bin Alimatou Traore, ich komme aus Guinea und bin mit meiner Zwillingsschwester Aminata hier in Deutschland seit vier Jahren. Wir besuchen das Rückert-Gymnasium auch seit fast drei Jahren. Wir haben uns gut in Deutschland integriert, obwohl es nicht einfach ist, alleine, ohne Eltern, in einem Land zu bleiben. Aber Gott sei Dank, dass ich mit meiner Schwester hier bin. Wir haben schon viel geschafft und sind immer noch dabei.

Wie kommt es, dass ihr fliehen musstet?

Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem Stiefvater. Er war kein netter Mensch und wollte sozusagen eine Zwangsheirat machen. Er hatte schon alles organisiert, wir sollten auch beschnitten werden. Deswegen war meine Mutter gar nicht damit einverstanden, hat sich auch dagegen eingesetzt, aber es hat nichts gebracht. Darum meinte sie, wir sollten unbedingt Guinea verlassen und nach Deutschland gehen. Ein weiterer Grund dafür war auch, dass unser Stiefvater komplett dagegen war, dass wir zur Schule gehen. (mehr …)



Die Geschichte der Studentenverbindungen in Deutschland

Studentenverbindungen gibt es in vielen Farben und Formen. Als „schlagende“ und „nicht schlagende“, nur für Männer oder nur für Frauen, mit eigenen Farben und Symbolen oder ohne, unter dem Namen „Burschenschaft“, „Landsmannschaft“, „Corp“ oder „Verbindung“ und so weiter.
Ihnen allen gemeinsam ist ihre Entstehungsgeschichte.

Studenten, die sich in Gruppen organisieren und ihren Alltag gemeinsam verbringen, das gibt es schon so lange wie die Universitäten selbst. Im 13. und 14. Jahrhundert mussten alle Mitglieder einer universitären Fakultät in einem gemeinsamen Gebäude wohnen und bekamen farblich einheitliche Kleidung vorgeschrieben. Diese, als „Nationen“ oder „Bursen“ titulierten, Wohngemeinschaften können als Urform einer studentischen Verbindung betrachtet werden. Die Kleiderordnung stellte die erste Form einer „Couleur“ da. Aber erst im 15. Jahrhundert gründeten Studenten Gruppen, die nicht unter dem Einfluss der Universitäten standen. Diese neue Form übernahm den Namen „Nation“ oder bezeichnete sich als „Landsmannschaft“. Hier entstand im 17. Jahrhundert der Brauch, dass Erstsemester, „Füchse“ genannt, ältere Studenten bedienen und aushalten müssen. In der Trennung von „Füchsen“ und „Burschen“ wird bereits die erste strukturelle Organisation der Verbindungen sichtbar, die sich im 18. Jahrhundert weiter manifestierte. Die Gemeinschaften schafften Ämter, Privilegien und Pflichten, eine Ordnung die man noch heute in vielen Verbindungen findet.

Ende des 18. Jahrhunderts kamen neben den „Landsmannschaften“ „Orden“ auf. Nach dem Vorbild der Freimaurerloge waren diese geheim, nahmen nur sorgfältig ausgewählte Mitglieder auf, betrieben ein kompliziertes Zeremoniell und verpflichteten ihre Mitglieder im Lebensbundprinzip bis zum eigenen Tod füreinander zu sorgen. Aufgrund der Sprengkraft, die ein Zusammenschluss junger Intellektueller barg, wurden „Orden“ und „Landsmannschaften“ im Absolutismus verfolgt und mussten sich auflösen. An ihre Stelle traten um 1800 „Kränzchen“, „Landsmannschaften“, „Gesellschaften“ und „Clubs“, die einen Großteil der Bräuche, Formen und Strukturen von „Landsmannschaften“ und „Orden“ übernahmen. Allerdings waren sie vollkommen unpolitisch und wollten vor allem der Charakterbildung junger Studenten dienen, weshalb sie geduldet wurden. Die ältesten noch heute existierenden Studentenverbindungen stammen aus dieser Zeit.

Das 19. Jahrhundert wurde eine überaus wichtige und aktive Zeit für alle Angehörigen einer Verbindung. Reformen an den Universitäten führten zu einer neuen Selbstwahrnehmung der Studenten: Man war nicht länger der Schüler, der belehrt wurde, sondern sah sich selbst als eigenständig Denkenden, aktiv Beteiligten. Aus diesem Verständnis heraus beteiligten sich viele Studenten an den Befreiungskriegen (1813-1814) gegen die napoleonische Fremdherrschaft und entwickelten, ganz im Geist ihrer Zeit, den Wunsch nach nationaler Einheit. Durch die reaktionären Beschlüsse des Wiener Kongresses (1815) sahen sich viele freiwillige Kriegsteilnehmer um ihre Ziele betrogen. Als Reaktion darauf gründete das Jenaer Corps die erste „Burschenschaft“ Deutschlands. Zur 300-Jahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig (1817) versammelten sich ca. 400 Burschenschafter verschiedener Universitäten, um gegen die beginnende Reformation zu demonstrieren. Aufgrund der zunehmenden Politisierung der „Landsmannschaften“ und „Burschenschaften“ wurden 1819 die Karlsbader Beschlüsse erlassen, die die Meinungsfreiheit der Bürger beschnitten. Zudem wurden staatliche Überwachungsorgane an den Universitäten eingerichtet und die Jenaer Urburschenschaft zur Auflösung gezwungen. Ende der 1820er Jahre ließ die Überwachung nach, sodass sich erste Burschenschaften im Geheimen neu gründeten.

Die Revolution in Frankreich (1830) belebte die demokratische und nationale Einigungsbewegung erneut. Höhepunkt dieser neuen Entwicklungen war das „Hambacher Fest“ 1832, von Heidelberger Studentenschaften maßgeblich mitgestaltet. Durch einen missglückten Putschversuch von Teilen der „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“ nahm die Überwachung ein neues Ausmaß an, eine Vielzahl an Revolutionären und Burschenschaftern wurden ins Gefängnis gesperrt oder hingerichtet. In der folgenden Zeit entstanden konfessionelle Verbindungen mit betont apolitischem Kurs und einer Ablehnung der Tradition des Fechtens (z.B. die Uttenruthia in Erlangen). In der Revolution von 1848 entlud sich die seit Jahrzehnten angestaute Unzufriedenheit der gesamten Bevölkerung aller deutschen Staaten auf die herrschenden Zuständen. Studenten und ihre Verbindungen nahmen bei vielen Protesten und Kämpfen eine wichtige Rolle ein. Ein Erfolg der Revolution war die Einführung der Frankfurter Nationalversammlung, welche die Karlsbader Beschlüsse aufhob. Somit kam es zu einer Legalisierung der Studentenverbindungen und einer neuen Blütezeit. Da der preußische König die ihm von der Nationalversammlung angebotene Kaiserwürde jedoch ablehnte, scheiterte die Revolution und die studentischen Verbindungen entwickelten sich in der folgenden Reaktionszeit zu rein akademischen, staatstreuen Lebensgemeinschaften.

Aus der nationalen Bewegung der Verbindungen wurde eine nationalistische, die ihre Ziele von 1848 erreicht sah. Man tauschte seine liberalen Werte gegen eine konservative Grundüberzeugung und leitete die Wende zum Illiberalismus ein. Dieser neue Stil bestimmte das Leben der Akademiker bis zum Ersten Weltkrieg und spiegelt sich auch heute noch den Grundsätzen einiger studentischer Verbindungen wieder.

In der Weimarer Republik spielten Studentenverbindungen vor allem durch die soziale Versorgungsfunktion, die ihren Mitgliedern zuteil wurde, eine wichtige Rolle. Durch den ersten Weltkrieg herrschten finanzielle Nöte, knapper Wohnungsmarkt und ein immenser Andrang an neuen Studenten in den Universitäten, daher wurde diese Unterstützung unentbehrlich.

Im Dritten Reich wurde in den Verbindungen das „Führerprinzip“ eingeführt. Die Dachverbände der Korporationen wurden „arisiert“, alle jüdischen Verbindungen und Verbindungen die sich weigerten „nicht-arische“ Mitglieder auszuschließen wurden 1933 aufgelöst. Als sich während des Sommersemesters 1935 Mitglieder des Heidelberger Corps „Saxo-Borussia“ mehrmals in der Öffentlichkeit despektierlich über Adolf Hitler äußerten, kam es zum Verbot aller verbliebenen Studentenverbindungen, außer dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB). Einige Verbindungen wurden Kameradschaften des NSDStB, einige Altherren-Gruppen konnten im Stillen bis Kriegsende bestehen bleiben. Verdeckt hielten sich die Korporationstraditionen bis 1945, als die Kameradschaften von den Alliierten verboten wurden.

In der Nachkriegszeit waren Korporationen zunächst verboten, allerdings konnten sich durch den Einfluss der Alten Herren schon 1950 die ersten Verbindungen erneut gründen und im „Convent Deutscher Korporationsverbände“ (CDK) zusammenschließen. Die Studentenzahlen der Nachkriegszeit lagen noch weit über denen der Weimarer Republik, die Zahl der Mitglieder der Korporationen blieb aber gering, da sie für ihre Haltung im Dritten Reich kritisiert wurden.

Bis heute werden Studentenverbindungen in weiten Teilen der Gesellschaft als Relikte vergangener Zeiten angesehen, für ihre konservative, nationalistische Gesinnung kritisiert und deshalb gemieden.